Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

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Legitimierter hat heftige Diskussionen hervorgerufen, und der betreffende Bund hat auch
die nicht beanstandeten Bilder zurückgezogen.

Damit Zwischenfälle dieser Art, die in Abständen überall in Europa regelmäßig wieder-
kehren, nicht jedesmal überraschend und konsternierend wirken, sollten die Kinder in
der Schule schon das folgende Schema ein für alle Mal auswendig lernen:
Wenn sie die Macht haben, verbieten

reaktionäre Parteien die revolutionären —

revolutionäre Parteien die reaktionären —

kirchliche Parteien die irreligiösen und „unsittlichen" (nackten) —

und religionsfeindliche Parteien die kirchlichen Darstellungen der Kunst.

Mittelparteien begünstigen stets eine Kunst der Mitte.

Gute Kunst ist allen Parteien ein Greuel.

Schlechte Kunst ist interfraktionell. K. Sch.

Berliner Ausstellungen

von KARL SCHEFFLER

Die Große Berliner Kunstausstellung vereinigte dieses Mal elf Gruppen, eine Sonder-
ausstellung von Rudolf Bosselt und freie Einsendungen. In diesem Vielerlei war einiges
Gute zu finden, mehr als in den früheren Ausstellungen, die in den Räumen des Schlosses
Bellevue stattfanden. Beachtung verdiente vor allem die Gruppe der Saarländer Künstler,
in deren Arbeiten deutsche und französische Einflüsse merkwürdig miteinander ringen,
und die durch wenige Bilder allerdings nur vertretene Berliner Secession (Jacobi, Annot).
Grundsätzlich rechtfertigen konnten freilich auch die begabteren Werke die Veranstal-
tung nicht.

*

Im Perganion-Museum zeigen die bekannten Mosaikwerkstätten Puhl-Wagner-IIeinersdorff
ein Mosaik nach Leonardos berühmtem Abendmahl. Das Mosaik ist fast originalgroß und
wurde nach einer Kopie angefertigt, die Robert Richter in den Jahren 1930 — 31 in
Mailand gemacht hat. Diese Kopie war seinerzeit in Berlin ausgestellt. Richters Arbeit
scheint die erste vor dem Fresko angefertigte originalgroße Gesamtkopie zu sein, jeden-
falls ist sie die einzige im Ausland bekannte. Der Gedanke, sie in Mosaik zu übertragen,
zielte ursprünglich auf eine Notstandsarbeit der Werkstätten ab, doch wuchs er sich dann
so aus, daß alle Beteiligten passioniert an der Verwirklichung mitarbeiteten. Was wir
nun vor Augen haben, ist freilich die in ein anderes Material übertragene und darum
stilisierte Kopie einer Kopie, aus der der Furor des Originals verschwunden ist; als
moderne Mosaikarbeit verdient die Arbeit demnach großes Lob. Gerade das Übertragene,
das durch Material und Technik Veränderte, ist das Fesselnde und rechtfertigt den Versuch.

*

Zwei Möbelaussiellungen wurden gezeigt. Hermann Gerson stellte dreißig Zimmer-
einrichtungen aus mit Möbeln, die in eigenen Werkstätten gearbeitet, mit Benutzung
bester englischer Vorbilder (Sheraton) modernen Bedürfnissen klug angepaßt, und hand-
werklich ausgezeichnet behandelt sind. Die Deutschen Werkstätten zeigten fünfund-
zwanzig Räume. Um der Ausstellung einen Titel zu geben, wurde sie „Feste im Heim"

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