Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

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DAVID TENIER D. J., DIE PUFFSPIELER EGBERT VAN DER l'OEL, DELFT

2^ :37,5 cm. MARK 3700 24:34 cm. MARK I250

VERSTEIGERUNG DER SAMMLUNG WOLLENBERG AM 17. MÄRZ IN R. LEPKES KUNSTAUKTIONS1IAUS

Berliner Auktionen

von MUSSIA EISENSTADT

Der Autarkiegläubige hätte Anlaß, von dem Ergebnis der letzten Berliner Winterauktionen
entsetzt zu sein. Selten hat sich die Abhängigkeit des Kunstmarktes Berlin von den
Stimmungen des Auslandes, vor allem Londons und New Yorks, so exemplarisch gezeigt
wie auf den Versteigerungen des Februarendes bei Hollstein & Puppel, die mit der, aller-
dings vorzüglichen, „Sammlung eines kunstliebenden Fürsten" — englische und französische
Blätter von 1780—1850 — einen bedeutenden Erfolg, mit der Sammlung deutscher Ge-
mälde, Aquarelle, Zeichnungen von 1800—1860 eine ziemlich kühle Aufnahme zu ver-
zeichnen hatten. Weit höhere Preise als für die Bilder und Zeichnungen der deutschen
Romantiker mußten für die Kupferstiche aus fürstlichem Besitz angelegt werden: die
englischen Sportblätter, deren Erhaltung ungewöhnlich gut war, fielen zumeist nach er-
regtem Kampf englischen und amerikanischen Sammlern oder ihren Beauftragten zu.
Sehr erfolgreich war das Ausgebot der vorzüglich ausgewählten Sammlung des Regierungs-
baumeisters Adolf Wollenberg durch Rudolf Lepke. Eine blaue Marine von Jacob van Ruys-
dael stieg auf 1700, ein zartes Wasserschloß von Jan van Geyen wurde mit 2800 be-
wertet, eine braune Genreszene von Teniers mit 3700, Egbert van der Poels wirkungsvolles
Stadtbild von Delft nach der Pulverexplosion mit 1250, Brekelenkams „Fischmarkt" mit
1800, Jan Miense Molenaers weichgestufte „Häusliche Szene" mit 3050 Mark.
Einen beträchtlichen Erfolg hatte ebenfalls die von Paul Graupe und Hermann Ball ver-
anstaltete Auktion der Sammlung „Dr. E. W." mit Beiträgen aus Berliner Privatbesitz.
Kommt man zum Schluß zu den zwei Versteigerungen neuer Kunst, den von Ball und
Graupe ausgebotenen „Gemälden und Plastiken aus zwei Berliner Privatsammlungen"
und den von Graupe versteigerten Graphik-Sammlungen Ibach-Barmen und Dr. Littmann-
Breslau, so muß man mit Bedauern die geringe Kauflust auf diesen „nicht anlagesicheren"
Gebieten feststellen. War auf der erstgenannten Versteigerung noch durch die Werke
Liebermanns, Corinths, Kolbes, Renoirs die Aufmerksamkeit der Händler (Flechtheim,
Nicolai) und Sammler gewährleistet, so scheinen die Liebhaber zeitgenössischer Graphik
besonders kaufunlustig zu sein. Courbets herrliches Meerbild konnte für 2500 von einem deut-
schen Sammler erworben werden, sein Apfelstilleben für 650, Liebermanns großes Wannsee-
bild für 1850, Corinths „Weiblicher Halbakt" brachte 4000, das große Blumenstilleben 4050.

Einunddreißigster Jahrgang, viertes Heft. Redaktionsschluß am 1. April, Ausgabe am 10. April 1932.
Für die Redaktion verantwortlich: Karl Scheffler, Berlin. Verlag Bruno Cassirer.
Gedruckt in der Offizin von Fr. Richter G.m.b.H., Leipzig.
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