Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

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EDOUARD MANET, SCHIFFE AM UFER. 1873. 49,5:61,5 cm

PHOTO ETI EN NE BIGNOU

„Manet- manebit"

von MARIE-LOUISE BATAILLE

Hundert Jahre sind seit der Geburt Edouard Manets verflossen. Dieser
Tag, den Frankreich als einen der bedeutungsvollsten und glanzvollsten
Gedächtnistage in der Geschichte seiner Kunst feiert, ruft nicht, wie
so viele Erinnerungstage, melancholische Gedanken an die Vergangenheit
wach. Manet ist nicht „in das purpurne Leichentuch gehüllt, in dem die
toten Götter schlafen," wie Renan sagt. Er ist ein immer junger Gott,
sein Glanz umstrahlt uns noch lebendig, sein Einfluß drückt noch dem
künstlerischen Antlitz unserer Zeit den Stempel auf. Spricht man von
ihm, so ist man noch inmitten der zeitgenössischen Geschichte der Ma-
lerei. Sein Werk erscheint so ganz als Reflex unseres Selbst, es wirkt
so aktuell, daß uns Erstaunen und Bewunderung erfüllt, eine wie kühne
Antizipation es für seine Zeit bedeutet hat.

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