Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 31.1932

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Rembrandt-Ausstellung in Amsterdam

von EMIL WALDMANN

Zur 300. Jubelfeier der Anno 1632 gegründeten Amsterdamer Universität hat das Rijks-
Museum für diesen Sommer, bis einschließlich 4. September, eine Rembrandt-Ausstellung
veranstaltet. Nicht etwa unter dem auch wohl denkbaren Gesichtspunkt: Rembrandt
und der Humanismus, sondern lediglich in der Absicht, einmal wieder, wenn auch nur
in Auswahl, das Werk des größten holländischen Genius hinzustellen, der, genau im
Jahre der Universitätsgründung durch sein Regentenstück der Tulpschen „Anatomie"
plötzlich ein berühmter Mann wurde.

Die Ausstellung, die 42 Gemälde, 121 Zeichnungen und fast das gesamte graphische Werk
in vielen Plattenzuständen und schönsten Drucken (diese aus der Sammlung de Bruyn
in Spiez hergeliehen), enthält, ist vorzüglich gemacht und wirkt ebenso eindrücklich wie
wohltuend: in einem Lichthofe des Museums, der früher nur Gleichgültiges enthielt,
hat man vier Bilderwände aufgestellt, auf quadratischem Grundriß. Das hohe Oberlicht
wurde durch ein tief hängendes Velarium abgeblendet (wie es im Museum zu Darm-
stadt seinerzeit von Alfred Messel und von Breslauer eingerichtet ward), der Beschauer
steht in einer Art von Halbdunkel, alles Licht fällt, ohne Reflexe, auf die Bilderwände.
Die vier Ecktüren des Raumes öffnen sich auf einen Umgang. Auf denselben Wänden,
auf denen innen die Gemälde hängen, sind außen die Zeichnungen aufgereiht, einige
kleinere und skizzenhafte Bilder dazwischen. Gegenüber, an den festen Mauern des
Hofes, das graphische Werk, in chronologischer Folge. Stellwände im Umgang ent-
halten besondere Kostbarkeiten an Zeichnungen und an Gemälden kleineren Um-
fanges. Man kann immer vom Hauptraum, von den Bildern, mit ein paar Schritten Zu
den Zeichnungen und zu den Radierungen derselben Epoche des künstlerischen ScharFens
Rembrandts gelangen. Dem Genießenden wie dem Studierenden ist in gleicher Weise
Rechnung getragen.

Da die Ausstellung nicht groß sein sollte, ist bei der Auswahl der Bilder und Zeich-
nungen mit größter Behutsamkeit vorgegangen worden. Jede Epoche und jede Gruppe
sollte möglichst charakteristisch, möglichst mit einem entscheidenden Bilde zur Geltung
gebracht werden. Zugleich bestand das Bestreben, auch selten oder wenigstens in Holland
selten gesehene Werke zu zeigen. Für Holland ist das uns Deutschen so innig vertraute
Braunschweiger Familienbild eine beinahe sensationelle Überraschung. Und für alle über-
raschend ist die nicht kleine Zahl von Bildern, die aus dem Auslande, teils aus dortigem
Privatbesitz zusammengeholt wurden — aus Schweden und Irland, aus Schottland und
Amerika. Die Bilder in den Galerien zu Dublin und Glasgow, die „Ruhe auf der Flucht"
und den „geschlachteten Ochsen" kennen die wenigsten im Original und beim Duke of
Westminster oder Lord Faringdon oder beim Lord Kinnaird auf seinem Besitz bei Dundee
waren nur die Kenner.

Die Reihe der Bilder beginnt mit einer Arbeit des einundzwanzigjährigen Künstlers,
David mit dem Haupte Goliaths, datiert 1627. Nicht so branstig in der Farbe wie
manche anderen Werke dieser Zeit, auch nicht einer von den „grünen" Rembrandts,
sondern von tiepolohaft heller Buntheit. Von den drei Exemplaren der etwas theatrali-
schen Erweckung des Lazarus, 1630, ist das aus dem Besitz von Langton Douglas ge-
wählt, aus der Gruppe der einsamen Apostel und Propheten des gleichen Zeitraumes
der sehr schöne trauernde Jeremias der Stockholmer Sammlung Rasch und, 1631, die
einstmals in Oldenburg befindliche Prophetin Hannah, Rembrandts Mutter. Der eben
berühmt gewordene Maler der reichen Amsterdamer Gesellschaft tritt nicht nur mit eini-

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