Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

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G

derungen in Deutschland für Frankreich gün-
stiger sind, als die früheren Zustande, weil vor
den Ereignisscn der letzten Monate Frankreich
i» dem deutschen Bunde einen Gegner hatte,
der gegenwärtig durch daS Ausscheiden Oester-
reichs um 13 Millionen Einwohner und 4000
Quadratmeilcn schwächer geworden ist, so liefert
sie dadurch nur den Beweis dafür, daß man
eine Zeitung redigiren und doch cin Mensch
ohne jcde politische Bildung sein kann, denn
sonst müßtc der Redacteur ja wissen, daß die
Auöschließung Oesterreichs und die Neugestal»
tung DeutschlandS unter Preußens Führung
gerade den Zweck hat, eine größere Kraftent-
wicklung Deutschlands zu ermöglichen. Wir
glauben nicht, daß ein Verlangen Frankreichs
nach deutschem Gebiet bei König Wilhelm ein
günstiges Ohr findet, aber wenn Frankreich
ernstlich eine solche Forderung stellt, uud Preu-
ßen nicht gewillt ist, das ganze Ergebniß der
blutigcn Kämpfe der letzten Wochen auf ein
Minimum zu reduciren, so liegt die Vermu-
thung nahe, daß Preußen Frankreichs Ansprüche
nur mit dem Schwerte zurückweisen kann. Dem
entsprechen auch die Gerüchte über kriegcrische
Aeußerungen des Ministerprästdenten und die
Thatsache der angeordneten Beschleunigung des
Ersatzgeschäftes.

Beriin, 14. Aug. Frhr. v. Varnbüler ist
heute Morgen nach Stuttgart zurückgekehrt;
Frhr. v. Hardegg ist wegcn Militärfragen hier
geblicben. — Dcv Prinz Ludwig von Hessen ist
am Montag Abend nach Darmstadt zurückge-
reist; sein Bcsuch galt nur dem kronprinzlichen
Paar; vom König wurde er nicht empfangeu.
Vor der Abreise hatte er eine Unterredung mit
Hrn. v. Dalwigk.

Berlin, 14. Aug., Nach. Sitzung des
Abgeordnetenhauses: Der Abgeordncte, ehemalige
Finanzminister v. Patow bittet schriftlich um
Urlaub, da ihm die Oberleitung der Civilver-
waltung von Nassau, Frankfurt und Oberhessen
übertragen sei. — Der Finanzminister bringt
die Jndemnitätsvorlage für die Finanzverwalt-
ung von 1662 bis jetzt ein, fordert die Er-
mächtigung, die Ausgaben dcs laufenden Jahres
mit 154 Mill. lcisten zu dürfen und verspricht,
daß der Etat für das nächstc Jahr noch vor
Jahresschluß publicirt werden soll. — Der
Finanzminister bringt cndlich cine Crcdit-Vor-
lage vou 60 Mill. ein, wobei er erklärt, die
Regieruug halte dic Ausgabe von Schatzbons
für das Zwcckmäßigste und habe von eincr
Anleihe Abstand genommen. Es sei nichl ab-
zusechen, ob nicht noch Wciterungen möglich
seicn, da nur Waffenstillstand und nicht Frie-
den geschl.ossen sei.

Aus Sachsen. Der preußische Civilcom-
missar hät dic Freigebuug der Treitschke'schen
Schrift angeordnet.

Hamburg, 13. Aug. Der „Börs.-Halle"
zufolge befand sich Ler preußische Dampfer
„Vineta" gar nicht in mexicanischen Gewässern
(um dürt von der österreich. Corvette „Dan-
dolv" geschlagen wcrden zu können), sondern
an der südamerikanischeik Westküste. Laut Brie-
fen aus Valparaiso vom lO. Juni ist der preuß.
Dampfer dort uugefährdet augekommen.

Flensburg, 14. Aug. Die „Nordd. Z."
enthält einen Aufruf DeS Vorstandes der Na-
tionalpartei vom 7. d., worin es heißt: Die
dänische Bevölkeruug in Nordschleswig hat er-
fahren, daß unter der preußischen Herrschaft
die nationalen Bcsonderheiten ungefährdet und
Zusammengehörigkeit mit dem Großstaat Preu-
ßen vortheilbietend sind, und hat sich darum
willig iu die neue Ordnung der Dinge gefun-
den. Nur die Agitation der dänischen Partei
hat die Einwirkung des Auslandes angerufen.
Es ist die Pflicht aller Parteien, unter dem
Losungswort: „Keinc Theilung!" dem entge-
genzuwirken.

Oesterreichische Munarchie

Wien, 12. Aug. Die weitcren Truppen-
sendungen nach dem Süden sind von heute a6
sistirt. Freilich stehen bcreits vier Armeecorps
dort, ein ganzeS Armeecorps mehr, als zur
Zeit des Ausbruchs der Feindseligkeiten.

(Karlsr. Z.)

Benefcbau, 10. Aug. Die Eröffnung
des Briefpostverkehrs nach allen Richtungen
hin wurde bewilligt, der Persouenverkehr nach
Bodenbach wurde ebenfalls eröffnet. Die ver-

langte Ausgabe der Steuern an die Prcußen
unterbleibt.

K r a rr k r e L ch.

Paris, 8. Aug. Der Constitutionnel gibt
einen Ueberblick über den gegenwärtigen Stand
der französischcn KriegSmarine, namcntlich in
Dcrgleichuug mit der Marine im Jahre 1847.
DaS Marinebudget belief sich damals auf 109
Millionen, heutzutage beläuft cs sich auf 123
Millionen, worin jedoch 24 Mill. für die Co-
lonien und die Strafanstalt in Guyana, sowie
nahe an 11 Mill. für Unterhalt der Marine-
truppen in den Colonien nicht mit einbegriffen
sind. Dagegen betrug die Seestärke der Flotte:

zusam. Scgelsch. Dampffch. m.Pfdekr.
1847 308 226 82 17.650

1864 452 100 352 94.107

Ueber die effective Seemacht und deren Ein«
theilung im Augenblicke selbst macht der Con-
stitutionnel keinc ausführlichen Augaben, nur
ersieht man, daß für das Jahr 1867 eine Ver-
miuderung der ausgerüsteten Schiffe beabsich-
tigt ist. Die Zahl dieser ausgerüsteten Schiffe
bctrug 1866 183 und soll 1867 auf 167, mit
27.121 Mann in activem Seedienst, herabge-
sctzt werden.

S ch w e i z.

Bern, 14. Aug. Der Bundesrath entließ
gestern sämmtliche Truppen an der österreichi-
schen und italienischcn Grenze. — Die preu-
ßischc Regierung wird um Prüfung der dorti-
gen Militäreinrichtungcn, namentlich bezüglich
des Zündnadelgewehrs, durch dicsseitige Offi-
ziere gebeten.

I t a l i e n.

Florenz, 13. Aug. Die officielle Zeitung
veröffentlicht den Waffenstillstand. Petitti hatte
die Stipulation erwirkt, daß die Bcwohner des
Trientinischcn, welche sich für den Anschluß an
Jtalien ausgesprochen, nicht belästigt würden.
Erzherzog Älbrccht weigerte sich, diese Bestim-
mung zu billigen, weil sie nicht in eine mili-
tärische Convention gehöre. Der österreichische
Kommissär versicherte Petitti, daß Oesterreich
gegen die politisch Kompromittirten mild sein
werde.

Primolano, 13. Aug. Die österreichischen
Truppen haben sich in Borgo (Val Sugano)
festgcsetzt. Die Oesterreicher fangen an, Rache
im Trientinischen zu nehmeu. Sie plünderten
nach dem Abzug der italienischen Truppen die
Häuscr der bestcn Patrioten.

R u ß l a rr d

Petersburg, 13. Aug. Der Belagerungs-
zustand von 13 Distrikten des Gouveruements
Witebsk, Mohilew uud Minsk ist aufgehoben.
Der Czaar besuchte dic amerikanische Eskadre;
die Amcrikaner sind Gegenstand allgemeinster
Theilnahme.

A m e r t k a.

Neufundland, 13. Aug. Das kleini Golf-
kabcl nach dcm Festlandc von Amirika ist rcpa-
ritt nnd arbeitet gut; die Vcrbiiidung b-ider
Kontincnte ist iomit vollständig hergestcllt.

Neueste N -ehricbten.

Wien. 14. Aug.. AbendS. Dic „Wicner
Abcndxvst" bczeichnct die Angaben dcS „Schw.
Merkurs" — nach welchcn Frankfurt auch im
Fall eines Sicges Oesterreichs seiue Unabhän-
gigkeit uicht bchauptet habcn würde, und uach
welchcn serner dcr Franksurter Senat in der
eistcn Hälfte deS Monats Juni auf die An-
frage: ob dic öfterreichifchc Regierung die Selbst-
ständigkeit Frankfurts garantire, eine auSwei-,
chendc Antwort erhalten hättc u. s. w. — ins-
gcsammt für vollständig auS der Luft gcgriffen.

— Ladenburg, 5. Aug. Der JahreS-
bericht der hiesigcn höhcrn Bürgerichulc pro
1865/kk wurde foeben ausgegeben. Nach dem-
fclben wurde die Anstalt im abgelaufenen Schul-
jahrc von 148 Schülern besucht. Davon sind
im Laufe dcs SchuljahrS 20 auSgctreten, wo- I
von 1k zur Erlernung eincS BerufeS übcr- ^
gingen. Di- Anstalt zählt fünf Klassen mit
füns Lehrcrn. Dcr Unterricht wnrde trotz der
kriegerifchenEreigiiisse nur mit geringer Störung
foitgesetzt, doch bliebcn diese KriegSverhäUnissc ^
auf den Fortgang des UnlcrrichtS, waS begreif- ;

lich ist, nicht ganz ohnc nachlheiligm Einflnß.
Erfreulich ist die Wahrnehmung an der Anstalt,
daß manche Eltern den gutgemcinten Rath, ihrc
Söhnc nicht zu sxät der Anstalt zuzuführen,
oder davon zu entfernen, ehe ste die nölhige
Reife irlangt haben, befolgen. Jn dieser Hin-
flcht wird bei der wachfenden Einstcht der Eltern
cS cydlich dahin kommen, daß sic ihrc Söhne
nicht mehr den Schnlanstallcn, höhern Bürger-
schulen, enlziehen, ehe ste die für daS bürger-
liche Lcben nothwendigen Kenntniffc stch erwor-
ben habcn. Dcr von zwci Lehrern der Anstalt
an Sonntageii erthcille gewerblichc Unter-
richt wurde von 63 jnngen Leuten, bejonder«
Lehrlingen, auS Ladenburg und den umliegenden
Orten bejucht.

Aus Baden. Jn Mannheim ist am
11. d. M. Herr Hosrath Dr. Stchberger sei-
nen mchrjährigen Leiden erlcgen. — Von Seite
der Gemcindc- nnd Spitalkasie Pfullcndorf
sind anf Verwendung deS Abgeordnetcn, Bür-
germeistcrs Hcilig, dcm großh. Ministerinm des
Jnnern 500 fl. übermitielt worden, zum Zwecke
der Verwendnng für die vom Kriege befchädig-
ten Gemcinden unferes LandeS. — Die „VolkS-
partei" hat eine VolkS versammlung sür Würt-
temberg und Baden auf Sonntag, 19. Aug.
nach Mühlacker bernfcn.

Karlsruhe, 14. Aug. NllLdem der Krieg Iiiinmeyr

Gelder auszusprecben. SLminilicke badische Mätter

KarlSruhe, 40. August 4866. — Dcr Männer-
Hiliöverein. A. Lamey, Vorfitzender. Ed. Koelle.
Schriilführer nnd Hauplcassier.

1 Heidelberg. 1b. Ang. Jn den jüugstcn-Tagen
hal ^u^ irieder ^ein wüthenber^ Hnnd ^ri^ MEc und

vermischte Nachrichten.

^ Frankfurt. Besitzer von österr. Banknoten. auf

Bank vom 1. Jan. 1867 an nicbt mehr verpflichtet ist,

Antwerpen, 12. Aug. Den außerordentlichen An«
strengnngen c>es PompiercorpS und der Pontonniere ist

gende , daS ganze Quartier verhnllende Rauch andentet.

^ Frankfurt^^14Aug^. Die ^heutige BLrse war ^sehr

der Tagesord-lung verschwnnden ist, wird eine den?Auf-
schwnng des GeschLfts förderliche Spannung nicht ein-
trelein Dw auSwärtigen Plätze waren böher.

36^/4, i860er Loose 56Vs — V» ningesstzt. Bankactien
warcn fnr 642, Credilactien 127 erhältlich.

Jn süddeutschen Papieren sind nur bemerkenSwerib
4Vr°/o Bayer. 89'/-.

Von Prioritäten notirten Staatsbabn 48V,. Lombar-
den zu 33V», Livorneser zu 32'/^ Br.

6 Uhr Abends. Jn der Effectensocietät wurden 'osterr.
Creditactien zu 127 bez.. 1860er Loose 56Vs — V4 be;.,
1882er amcrikan. Bonds 71^4 bez., National 47»/g G.
Feste Tendenz trotz ungünstiqer Berliner Notinmgen.

Die Luisenheilanstalt erhielt von Hrn. Rupprecbt
die Gebühr eineS Sachverständiqen in einem Rechtsstrkit
mit 1 fl. 30 kr., wofür bestens dankt

Oppenheimcr.
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