Heidelberger Zeitung — 1866 (Juli bis Dezember)

Page: 371
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1866a/0371
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Utt-tlbkrger Itttung.

N- 2L2. Lonntag, I, October 18««.

Neueste Rachrichten.

Berli«, 12. Oct., Abends. Der StaatS-
anzeiger bringt eine Bekanntmachung deS Hau-
delSministeriumS über Errichtnng eincr Com-
mandite der preußijchen Bank in Kasiei.

' Politische Uoisctiau.

Heidelberg, 13. October.

* Wele Organe der Preffe haben sich in der
lrtzten Zcit eingehend mit dem GesundheitSzu-
stand dcS KaijerS der Franzosen bkschästigt.
Nach der sricdliebendcn Politik, die Napoleon III.
in dcn lctzten Zahren angrnommen hat, liegt
in seiner Pcrson allerdings tic Bürgschast der
Erhaltung eincS längeren FriedenS und dic Hoff-
nung, daß es dem sranzSstichen ChaudiniSinn«
nicht gelinge, Frankreich zu einer Jntcrvention
«on unadskhbaren Folgen in dic curopäischen
Angelegenheiten fortzureißen. Nicmand würde
es gewnndert haben, wcnn der Kaiser selbst
zugegriffen HLtte, und gar Manche hatteu cs
erwartet, Er hat es nicht gethan, und den
heftigen Eifer sciner Heißsporne gezügclt. DicS
hewrist allcrdingS eine Einsicht in dic gegebe-
non Berhältniffe, in die von Aufregung ersüllte
Lage EuropaS und einc kluge Zurückhallung,
bic es wünschcn läßt, daß NapoleonS Lcbcn
nicht allzu srihe bkdroht sei. AllcrdingS würdc
drr Kaiscr wohl uicht dieje Zurückhaltung be-
wahrt haben, wenn ihn nicht die Besorgniß sei-
ner Krankheit, dic Zukunst scincr Dynastic,
da» Altcr, sowie die Ersahrung, daß ihm eben
(wic in Meriko) doch nicht AlleS gelingt, über-
haupt hedeutend ruhigcr und bidenklichcr ge-
macht HLttcn. — Viele Blätter beschäsligen sich
mit dcn Eveutualitätcn, die nach des KaiscrS»
Lode möglich stnd. „Der Kaijcr ist daS Kaiser-
reich" sagen gar Manche, und hoffen oder sürch-
ten nach seinem Adlebcn eine anderc, sei es
monarchischc oder republikanijche NegicrungS-
sorm. Dics kann jedoch keinensalls unbedingt
angenommen werdcn, da der NapoleoniSinu«
eben doch scinen Haupthalt in der Armee hat,
und von dcr Gesinnung diejcr und ihrer Stel-
lung, die sie zu Paris, dcm Centrnm Frank-
reichs einnimmt, das Mciste abhängt.

Der „Hamb. Corrcspondent" schreibt ossiciös:
„Die Nachricht von dcm Eintreffen einer preu-
ßischen Note mit der Aufforderung an den Se-
nat, die Einstellung von Wehrpflichtigen auS-
zusetzen, um inzwijchen über einen Ersatz dcr
militärischen Leistung HamburgS durch mari-
time Leistungcn bcrathen zu können, ist unbk-
gründet. Die sraglichcn Berathungen stnd Sache
deS deulschen Parlamenls. Hamburg kann vor-
hcr anf eigene Hand dcrartige Vcrhandlungen
nicht vornchmen."

Einem Privatschreibcn deS StaatSministerS
a. D. Hrn. v. Beust zufolge, ist an den Zei-
tungSgerüchten, welche denselben in Vcrhand-
lungen wegen EintrittS in den öfterreichischen
StaalSdienst stehen laffen, kcin wahreS Wort.
Jn früherer Zeit scicn allerdingS cinmal ähn-
liche Verhandlungcn eingeleitet gewcsen, aber
jetzt jei weder von der österreichischen Rcgie-
rung, noch von Hrn. v. Beust irgcnd eine An-
regung der Frage gegeben worden.

Dic Wicner „Reue fr. Preffe" ersährt, daß
der Kaiser Franz Joseph am nächsten Mittwoch
nach Böhmcn abgehen wird. Vor dcr Abreise
werde dcrselbe noch daS Patent wegen Berusung
dc« ungarischen LandtagS vollziehen, worin die
Zustcherung enthalten sein werde, daß nach einem
besricdigcnden BcrhandlungSabjchlusse ein un-
garische« Ministerium -ingesctzt werden solle.
— Der Hofrath PretiS wird morgen nach
PariS abgehen in Bctreff von Unterhandlun-
g-n wegen des öst-rrcichijch.sranzöstsch-n Han-
delSvertragS.

Die Pensionirung der österr. Gcncrale Bene.
dek, Henikstein und Krizmanic soll nahe dc-
vorstehen.

DaS Project eincr Vcrmählung des Kron-
prinzen Humbcrt mit einer sciner Nichten auS
dem Hause Oesterreich soll wahrscheinlich sein.

Die „Unita Jtaliana". das Organ der Maz-
zinistijchen Partei, sagt in Bezug auf dell Fric-
d-nsschlnß: „Der Friede ist gcschlosscn; 101
Kanonenschüffc donnern dcr italienischen Ehre
ein koquiem neternnm zu, nnd auS dem Grabe,
in welches diese Ehre gcworsen worden ist,
kann nunmehr nur noch daS gräuliche Skelett
deS ElendS crstehenl Diescr Friede ist nicht
der Fricde dcs FortjchrittS, er ist ein auSzeh-
rcnder, armscliger, rhachitischcr Fricde. An dem
italienischcn Volk ist e«, die Dtellung zu be-
greisen, dic ihm gejchaffen worden ist." — Der
Bischos zu Mailand, Msgr. Caccia, ist in der
Nacht vvm k. auf den 7. in Folge eineS Schlag-
anfalles gestorben.

Auf Candia sind dic Jnsurgenten in's Ge-
birge gcdrängt und von dcr Land- und Seescite
zum Theil eingejchloffen. Ein Theil will stch
unterwerfen. Die griechischen Familicn kehren
nach ihrcn Wohnorten zurück. Jm Anti-Tau-
ruS haben die militärischcn Operationen be-
gonnen.

D e u r s ch l ,r n d.

Karlsrube, 13. Oct. Sc. Königl. Hobctt dcr
Großbcrzog babcn SlL nntcr drm 27. Scptcm.
bcr d. I. gnädigst bcwogcn gcsunden, dcm Kam-
merhcrrn Sr. Maj. drS KosscrS vcr Franzoscn,
Vicomke deläaster, vas Rtttrrkeeuz mitTrckcn-
laub^ bkS^Ord^nS^vom^ Zährtngc^ Löwen^Uttd^ dem

Enthcbung von" Ver Kuttctton als Cassendcamtcr
bei dcr Milltär-Witlwcncaffc, mit Sitz nnd Stimme
tn das KriegSministcrium provlforiscb zu bernsen.

Anf dte drm Patronat Sr. Köntgl. Hoheit des
Großherzogs unterlikgcnce kathollscde Pfarrci
Mtthlspuren, Dekanatö Slockaib, wurde Psarrer

mit höckster Etttscbiicßttna vom 26. Scptcmber l. I.
der cvangelisibe Psarrer Krikdrtcb MaIcr in Ober-

und Thierprodukte vom 3. d. Mts. auch auf die^aus
Oesterreich stammenden, durch Bayern und Wnrttemberg
anlangenden, Transporte ausgedehnt. 2) Bekanntmachung
des gr. Handelsministeriums. Die Ertheilung eines Er-
findungspatents an Hm. Gustav Dittler, Besitzer
einer Messinggießerei in Pforzheim, betr., für die von
ihm erfundene Stellvorrichtung für Dampfkessel-Jnjektor.

II. Todesfall. Gestorben ist: Am b. Mai 1866 der
pens. Oberingenieur Lorenz in Heidelberg.

Karlsruhe, 11. Octbr. DaS Gcjetz
üher Ausgleichung der Kricgskoste» ist im Lande
mit großer Besriedlgung aufgenommcn wordcn.
ES ist gerecht u»d geeignet, billige Erwartuu-
gcn zu besriedigen. Es bezirht sich übrigcnS
nur auf die AnSglcichung d-r Leistungen an
feindliche, d. i. a» königlich preußlschc und an
die mit ihnen verbündeten Truppen, incht »ber
znglcich »ns V-rgütung der Kosten, wclchc die
mit Baden »erdündcteil Lruppen, aljo Würt-
temberger, Hcffcn, Baicrn u. s. w. heivorge-
rusen haben. Aür sttztere destehen bereitS ge-
sctzlichc Vorjchristcn anS dem frühern BundeS- j

vcrhältniß her, nämlich das BllndeSverpflegungS-
reglemcnt. Hicr muß die gesetzlich bcstimmte
Vcrgütung die betreffende BundeSrcgiernng Lber-
nehmen. Sollte cine Ansordernng hier nicht
erwirkt werdcn könncn, so müßte lnjoweit di-
badischc staaiskasse dcn Verlnst deckcn.

Nach dem Taris deS den Ständrn zur Ge-
nehmigung vorgelcgten GesctzeS ist die Vergü-
tung in folgender Wcise gercgelt: 1. für Ver-
pflegnng cineS Soldalen per Tag 44 kr., dar-
untcr sür Tabak 2 kr., 2. sür Ossicierc u. im
OfficicrSrang stchcndc Bcamte, ferner für Feld-
webel, Portepecfähnrichc und in OssicierSstcllen
sungirende Unlcrosficiere per Tag 2 fl., 3. sür
Licserungcn oon Fourage: sür den Centner Ha-
b-r 5 fl. 30 kr., H-u 2 fl. 30 kr., Stroh 1 fl.
48 kr.; für Lieferungcn von LebenSmitteln: für
dcn Ccntner M-Hl 8 fi. 30 kr., Brod per Pfd.
3'/, kr., Ochsenflcisch pcr Ccntner 1S fl., Rind-
flcisch 13 fl., W-in per Ohm 30 fl., Bier 1k fl.,
jür Fuhren b-Irägt die Vcrgütnng per Tag u«
Pferd 2 fl., sür andere Zugthicre per Tag ll.
Stück 1 fl. 30 kr., per 1 Wagcn 30 kr., sür
1 Ehaise 1 fl.

Alan kann mit dicscr Tarifirung im Gan-
zen stch zusrieden -rklären, wiewohl für manchc
Städte dic Ansätzc cher zu niedcr als zn hoch
gegriffen ffno. Aber die Vcrhällniffe flnd hier
so individueller Natur, daß es unmöglich er-
jcheint, allc Einzelheiten zu berückstchtigen unb
Zedermann in seincn ost hoch gehcndcn Anfor-
dcrungcn zufriedcn zu ft-llen. Man muß über-
haupt nichl vergeffen, daß das Gejctz eizi AuS-
nahmSgrsetz nnd auS Bllliflkriisricksichten her-
»orgegangen ist. Jn Würltcmberg und Baiern
stnd zur Zeit ähnlichc Schrittc, dic auS dcll
l-tztcn KriegScrcigllissen cinzelnen LandeStheilen
aufcrlcgten Lcistungeii und Beschädigungen als
eliie Laft der Gesammlheit zu behandeln, folg-
lich ste durch Verthciluiig auf Allc auSzuglci-
chen, noch nicht geschehcn, sondern sic gehören
vorderhand dort zu den srommen Wünschcn.
An der einstimmigen Aniiahmc dcs vorgelegten
GcjctzeS durch die Kammer ist nlcht zu zweijeln.

Karlsrnhe, 11. Oct. Dic Vcrsaffcr der
vcrjchiedencn Brochürcn, wclche alö Enlgegnnng
auf das berüchligte Pamphlet gcgeii Prinz Wil-
helm erschicnen stnd, gehen in ihren Ansichte»
übcr die Ursachen deS Mißcrfolge« des 8. Ar-
mcccorps unler sich jelbst ost schr auScinander.
Während dcr Eine dic Schuld auf die Umge-
bung dcS Prinzen Wilhelm wälzt, sucht der
Andere stc beim Corpscommando (Priliz Alc-
pander »on Heffen) nachznweisen. — Der Ver-
sasser „dcS Anthcils dcr bad. Felddivision an
dem Kriegc des JahreS 18K8 in Dentjchland",
ein badischer Officier, joll HauSarrest erhalten
haben nnd in disciplinärer Untcrsiichung stehen.
Nach unserm Dasürhalten, schreidt die „BrSg.
Ztg ", dürfte jedoch wenig Anhalt zu einer
Ahndung vorhandcn jein, da der ganzr Znhalt
diejc« starkgclcsenen SchristchenS durchauS ruhig
und, wcnn auch kritisircnd, doch nie beleidigend
wird. Sollte eS aber wirkiich noch den Ange-
hörigen deS MilitärstandeS »ersagt sein, ver-
gangene Ereigniffe, die der Gejchichte angehören
und deshatb nicht weggeläugnek wcrdcn könuen,
vom Standpunkle deS Sachverständigen rnhig
zu bcsprechcn ? Wir müßten dies wirklich als
cinen Widerjpruch unsercr Zeit nur bcklagen.

KarlSruhe, 11. Oct. Dem „Schw. M."
wird oon hier geschrieben: Sichercm Berneh-
mcn nach hat die Budgrtcommisston stch vor-
läufig darüber geeinigt, daß der Credit «on
1,066,000 fi. sür HinterladungSgewchre nicht
zn d-willigen ist. Maßgebend sch-int, »bgeschen
von den politilchen Erwägnngen, die Besorgniß
gewirkt zu haben, dem Landc eine nutz- und
zwecklosc Anfgabe aufzubürden, wenn Baden
sür fich »llein eine besdlldere Gattung »on Ge-
loading ...