Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 36.1925

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INNEN-DEKORATION

ENTWURFi ARCH. PAUL LASZLO-WIEN. KACHELOFEN. AUSFÜHRUNG : RICH. BLUMENTELD —VELTENER OFENf^BRlK- BERLIN

FORMUND KONSTRUKTION

Wie in geschichtlich übersehbaren Übergangszeiten
stehen in der Architektur auch heute zwei Prin-
zipien hart gegeneinander: das formale Prinzip gegen
das konstruktive Prinzip. Das erste, das formale,
lebt unabhängig von der Konstruktion. Benutzt sie nur,
wie irgendein anderes Hilfsmittel, zum Formspiel. Form
ist das Primäre. . Das zweite, das konstruktive, be-
gibt sich freiwillig in die Abhängigkeit von der Kon-
struktion, sucht sie zu erfüllen. Form ist das logische
Ergebnis. . Daher ist das erste: das leicht zu Er-
fassende, leicht Nachzuahmende, das vom Geschmack
Bedingte. Das zweite aber: die unbedingte Notwendig-
keit. Das konstruktive Prinzip bedeutet zu aller Zeit
Wandlung, Umsturz, Beginn. . Das formale Prinzip hin-
gegen lebt sich aus als wechselnder Fluß, als Mode . .

In Zeiten des Übergangs schneiden sich beide Prin-
zipien, überkreuzen sich, kämpfen, feuern sich an bis
zur Entscheidung. Dann knistert die Form in tausend
Varianten und Verzückungen, die Konstruktion ent-

kleidet sich zu möglichster Nacktheit, begeistert sich
an der Klarheit, an der Reinheit der Schöpfung. Was
dann dem Unbefangenen, dem Distanzfähigen jugendlich
und also selbstverständlich ist, erscheint dem Vorein-
genommenen, im Alten Eingezwängten als Verwirrung,

ja als Betrug am geheiligt Überkommenen........

Und während die Form immer wieder verziert, dem
Bürger das Haus, der Industrie die Fabrik, der Stadt die
Repräsentation, beunruhigt das konstruktive Prinzip
durch die Übersteigerung seiner sachlichen Einstellung
die öffentliche Meinung. . Erst, wenn der neue Bau-
stoff, die neue Konstruktion voll ausgedeutet sind,
fällt das Problematische der Form von selbst. Denn
endlich verkörpert die Architektur nur die Verschmelz-
ung aller Bestandteile, die eine schöpferische Zeit in
sich zusammenfaßt zum Stil. . . . erich mencelsschn.



Der denkende Geist, die schaffende Hand, die
sittliche Kraft sind die drei Säulen, die Deutsch-
lands Zukunft gewährleisten und tragen . . wen hedin.
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