Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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JustizminifteriumS: s) Die Prüfung der No-
larialScandidaten, woruach von 4 Notarials-
caudidalen, welche sich ocr dicsjährigen Späl-
jahrsprüfung uuterzogeu habeu, nachfolgende
drei uuler die Zahl der 9iotariatspraclicanten
aufgenommen wuroen: 1) Chr. Nagel von

Eminendingen, 2) H. Wieszler von Werlheim,
3) I. Heß von Nönighcim. 2) Bekannlmach-
ungcn des Äroßh. Mlnifterinms des Jnnern:
k) Die Hauptagenten für die Kölnische Feuer-
versicherungs-Äeselljchafl „Colonia" betresfend.
Darnach hat Kaufmann P. Müller in Mann-
heim, Theilhaber der Hanolung Walther, Rein-
hardl unv Nküllcr, seine Slelle alS Hanplagcnt
dieser Geselljchafl niedergelegt, und ist stalt
seiner Kaufmann E. v. Reckvw in Maunheim
vom 1. Jan. 1865 an für die Dauer seiner
handelSgesellschafllichen Lerbindung mil Kauf-
maun Ferdinand Wallher dajelbsl als Haupl-
agenl der genannten Gesellschaft bestäligl wor-
den. o) Die akadeunschc Preisvertheilung in
Heidclberg für 1864 belreffend. 8) Bekannt-
machung des Gr. Handelsministeriums: Die
Aufhebung der Cijenbahnbau-Casse Pforzheim
belrestend.

Berlin, 29. Dez. Neueren Nachrichten zu-
folge haben die mittelstaallichen Befprechungen
vorerst ein defensives Cinversländniß für gcwlsse
Fälle und Vorkommnisse der Zukunfl im Auge
gehabt. Wenn nämlich die Unabhängigkeit der
Millelstaateu bcdrccht werdcn sollle, so würden
diejelben nöthigcnfalls aus dem Bunde treten
und als souveräne Dtaalcn zu bestehen suchen.
Zn diesem Sinn wäre also der angestrebte
Sonderbund zu vcrslehen, der, sollten sich die
Dinge in Deutschland demgemäß entwickeln,
mehr außerhalb des Bundes alö innerhalb dcs-
selben zu juchen ware. Ctwaige gcmeinsame
Schritte am Bund wcgen der 'verschiedenen
schwcbenden Fragen und auch wegen oer schles-
wig-holsteinifchen wären dadurch nicht ausge-
schlossen, aber die einzuhaltendc Richtuug würoe
zunächst eine ncgative uud defeusive sein. Akan
darf annchmen, daß diese vorsichtige Haltung
durch die Unsicherheit über Oesterreichs Absich-
ten bestimmt wurde. (Schw. M.)

Düsseldvrf, 31. Dec. Die „Nheinische
Ztg." ist gestern in drei Preßprozessen vcrur-
theilt und zwar wcgen einer Privatklage zu
100 Rlhlr. Geldbuße, wegen Verlctzung der
Chrfurcht gegen den König ist auf 2 Monate
Gefängniß und 50 Rthlr. Geldstrafe und end-
lich wegen Bcleidigung des Juslizministers auf
noch 14 Tage Gefängniß erkannt.

Glogau, 27. Decbr. Jn der bekannten
Kohlendampfgeschichte haben wir mitzutheilen,
daß die königliche Regierung iw Liegnitz dem
Assistenzarzt Steuer eine Prämie von 10 Tha-
lern zuerkannt hat, weil er die Antonie Dro-
gand vom Erslickungslod vurch Kohlendampf
gerettet hat. Ob die Regierung demselben die
Prämie aus freien Stücken oder auf seine
Anforderung bewilligt hat, ist nicht bekannt
geworden; auch nicht, ob der Dr. Pollack urrd
der Oberkrankenwärter Kuhsuß, die wenigstens
ebensoviel wie der r-c. Steuer geleistet, prämiirt
worden sind. (Bresl. Zlg.)

Posen, 28. Dec. Hcute früh wurde der

war bamals in trosttosrm wirthschaftlichen Zustande.
WaS vurch Anbau wüster Stvecken, durch Einfüh-
rung neuer Culturzweige, durch das Beispiel weiser
Sparsamkeit unv die Förderung des FleißeS und
der Selbsthilfe geschehen konnte, daS ist mit un-
verdrossenem Sifer und zäher Geduld gethan wor-
den: „Manche fruchtbare Landstrecke, die noch 1750
Einöde oder Sumpf war, blühendes Wiesengelände,
die dicht bepflanzten Rebberge des Markgräster Lan-
deS, der Reichthum unserrr Waldungen, vor jener
Zeit traurig vernächlasfigt und höchstens als Zu-
stucht übrrmäßigen Wildstandes geschätzt, Brücken
und beffere 'Straßen mit Baumreihen eingefaßt,
der solidere Häusrrbau — allcs dieses ist kaum erst
ein Za'hrhundert alt und legt noch heute Zeugniß
ab von drr edlen Fürsorge jenes Fürsten."

Zn HandelS- und Verkehrsfragen hegt C. Friedrich
durchauS moderne Anschruungen; er schafft übrr-
lieferte Monopole ab und führt steten Krieg gegcn
dte herrschenvc Urbung drr Absperrung, die man
trotz der bittern Roth, die oft daraus erwuchs,
nicht aufgeben wollte.

Ein warmer Freund der Volksschulen, denen er
-essrr grstellte Lehrer, zweckmäßigcrr Schulhäuser

frühere Abgeordnete v. BentkowSki, der nach
seiner Entlassung aus der österreichischen Haft
sich hierher vegeben, auf Grund des gegen ihn
erlassencn Sleckbriefes verhaftet und mit dem
Mittagszugc nach Berlin gevracht. (Ostd.Z.)

BZien, 28. Dez. Die „N.Fr.Pr." schreibt:
Uns wirv berichtet, Hr. v. d. Pfordten hat dem
Bundespräsidialgejandten mündlich, jedoch be-
hufs Berichlerstallung nach Wien erklärt, seine
in Bamberg und Frankfurt gepflogeneu Be-
sprechungen HLtlen das Ergebniß gehavt, daß
die Cabinete vou München, DreSden, Stuttgart
und Darmstadt vorab abwarten weroen, welchen
Erfolg Oesterreich mit seinem Bemühen, den
faktischen Besitztilel, den die deutjchen Groß-
mächte durch den Friedensvertrag erworden,
auf den Augustenburger zu überlragen, errei-
chen werve. Gelinge es, Preußen hierzu zu
bewegen, und würde die betreffcnde Anzeige an
dcn Bund gelangen, dann würden die vier
Negierungen, ohne übrigeus ihren Slandpunkt
<1e gul-e aufzugeben, cke taoto Oesterreich un-
terstützcn uno darauf hinwirken, daß der Bund
sosort den factischen Besitzer ancrkenne, d. h.
seinen Vertreter zu Sitz und Slimme in der
Buudcsversammlung zulaffe. Für den Fall,
daß Oefterreich uicht reussirt, behalten sich die
Negierungen weitere Schrilte vor.

A r a u k r e t ch.

Paris, 28. Dec. Der Wiener „Presse"
wird geschrieben: Die streng ultramontane Par-
tei im französischen Kleruö besindet sich in voll-
kommener Deroute; die Herren von Monta-
lembert und Falloux fühlen sich von dem Bann-
strahl dcr Encyclica getroffen; das Faubourg
St. Germain schwebl in emer wahren Herzens-
angst; denn auch dort ist das Nationalgefühl
unler dem Haß gegen die neuen Negimeö noch
uicht erstorben. Und mitten in diese Wirren
sällt ein Ereigniß, welches ganz PariS in Be-
wegung setzt: Ein junges Mädchen in der Nue
des Saint-Peres, seit längerer Zeil an das
Krankenlager geseffelt, spricht deu Wunsch aus,
einem Ordensgeistlichen zu beichten. Man führt
ihr eincn Dominikanermönch herdei, ber ihr
wiederholte Besuche abstattet. Vor einigen
Tagen kehrte der junge Bruder des Mvrgens,
da die Eltern des Mädchens ihren Geschäften
nachgegangen waren, wieder, und gibt dem Con-
cierge des Hause» die Weisung, darauf zu ach-
tcn, daß er in seinem frommen Gespräche mit
dem Beichtkinde nicht gestört werde. Nach eini-
ger Zeil vernimmt man einen Schrei aus dem
Zimmer dcs Mädchens, die Nachbarn cilen her-
bei und hören von dem wehklagenden Mädchen,
daß der Mönch ihr Gewalt angethan habe.
Soweit nichts Außerordentliches. Nun reichen
aber die Eltern des erwähnten Geschöpfes eine
Klage beim erzbischöflichen Gerichte ein, und
Mouseigneur Darboy weist den Prior />er
Dominikancr an, den Schuldigen nach aller
Strenge des Kirchcngesctzes zu bestrafen. Der
Prior erklärt, daß er auf die blose Aussage deS
Mädcheus den Drüdcr, gegen welchen sonst
nichts vorlicge, nicht sür schuldig halten könne,
und daher dic Sache auf sich beruhen lassen
müsse. Hierauf crhält die hier ansässtge Domi-

und Schulordnungen sch.^fft, bervährt er dir gleiche
Sorgfalt dem höhercn UnterrichtSwesen, noch ehe
er ahnen konnte, daß er dereinst der Beschützer
zweier der ältesten Hochschulen Deutschlands werden
würde.

Dem kirchlichen Leben setnes BekenntniffeS gibt
e'r rine frische Anregung durch Vifitationen und
Synoden; den Katholiken erweist ver lutherische
Markgraf eine so natürliche Theilnahme, daß selbst
der päpstliche Stuhl seine Freude ausspricht über
solch duldsamen Geist — „ein Lob, das Larl
Friedrich wte seine Nachfolger stets ver-
dient, wenn auch nicht immer erlangt
habe n."

(Fortsetzung folgt.)

Leipzig. Die Zunahme der Bevölkerung Sach-
sens in den letzten drei Jahren tst aller Wahr-
scheinlichkrit nach eine bedeutende. Von Dresden
ist noch keine Nachricht über daS Grgebniß der
jüngsten Volkszählung veröffentltcht; doch dürften
140,000 annähernd richtig die gegenwärtige Höhc
der Bevölkerung in der rasch fich vergrößerndkn
Refivenz bezeichnen. Leipztg ist vön 78,540 auf

mkaner-Gcsellschaft umgehend die Weisung, daß
sie binnen sechs Monaten Paris zu verlaffen
habe. So geht die Darstellung des Hergangs
von Mund zu Munde; von unerheblichen De-
tails abgesehen, dürfte sie vollkommen der Wahr-
heit entsprechen.

Paris, 1. Jan. Beim Empfang des spa-
nischen Botschaflers Mon erwiederte der Kaiser:
Niemand könnte beffer beitragen, die zwischen
beiden Ländern beftehenden guten Beziehungen,
auf welche er den größteu Werth lege, in ihrer
Jnnigkeit aufrecht zu halten.

Z t a ! i e n

Rom, 26. Dec. Jn seiner Antwort aus
die Glückwünsche des hell. Collegiums bei Ge-
lsgenheit des Weihnachlsfcstes sagte der Papst:
Der Sieg der Kirche sei jetzt gesichert, nur der
Tag sei noch ungewiß. Wenn er erft diesen
Sieg erlebt habe, werde er wie (simeon aus-
rufen: „Herr, laß jetzt deinen Diener in Frie-
den dahin fahren." Pius IX. empsing alle
Mitglieder des diplomatischen Eorps, auch den
Baron v. Meyeuvorff, einzeln.

Turin, 1. Jan. Beim Empfang der Gra-
tulalionscommission des Parlamentes empfahl
der König dem Letzteren, seine Arbeiten zu
beschleunigen, und drückle die Hoffnung aus,
daß die Geschicke Jtaliens bald in Erfüüung
gehen mvchten.

r i e ch e n l a n d

Uebcr eineu Straßenanfall, der gegen den
preußischen Geschäslslräger in Athen verübl
worden ift, berichtel dcr Correjponoenl der
„Times" aus der griechijchen Hauplstadl Fol-
gendes: Baron v. Schmidlhals war ani Abenoe
des 13. d. mil zwei preußischen Ossizieren anf
dem Wege von bem Holel d'Orienl uach seiner
Wohnung begriffen, als plötzlich ein Sleinregen
über die drei Wanderer herabschauerte, in der'
Ätähe des Kreuzpunktes von vier Straßen bei
der kleinen byzantinischen Kirche des h. Theo-
dor. Alle drei erhiellen Verletzungen; Einer
stürzte sogar nieder, und als seine Gefährten
sich bücklen, um ihm aufzühelfen, ftürzten un-
versehenö etwa zehn bis zwölf Leute hinter der
Kirche hervor, und Blul wäre wahrscheinlich
geflossen, hätte der Mono nicht gerade in dem
Augenblicke den preußischen Ofsiziereu voll ins
Gesichl geschienen. Sovald die Angreifer ihre
Opfer erkannten, zogen sie sich cbenjo plötzlich
zurück, wie sie den Ueberfall begonnen hatten.
Es ist klar, oaß Ntord oder Raub nicht der
ursprüngliche Zweck des Angriffes gewesen sein
kann, denn in dem Falle hälten die Leute gewiß
nicht mit Steinwürfen ihre Operationen begon-
nen. Auch läßt sich für den Ueberfall keine
persönliche Ursache angeben, die aus absichl-
lichen oder unabsichllichen Handlungen dcs
Hrn. v. Schmidlhals oder der beiden preußi-
schen Ofsiziece begrüudet sein könnte, und, wie
gesagt, jo bald die Gestchter der Preußen im
Mondlicht erkenubar wurden, ließen die An-
greifer von ihrem Beginnen ab." Der Cor-
respondent setzl hinzu, „die Polizei in Alhen
sei ein so mijerables Jnstitut, daß die Frevler
wahrscheinlich ungestraft entwijchen würden.

85,791 Einwohner gestiegen, Lhemnitz von 45,000
auf fast 55,000, Zwickau von 20,500 auf 22,300,
Zittav von 13,000 auf 14,300, Plauen von 16,200
auf 18,700, Hreiderg von 17,488 auf fast 19,MO

Städte (in drrsrlben Rcihenfolge) 50,300 — 34,035
- 13,623 - 5000 - 6700 - 6800 - 11,00ll
Einwohner, also sammt und sonderS noch nicht
einmal so viel wie heute das einztge Dresden.

(Wörtlich wahr.) Zn einem Darmstädtrr
Mädcheninstitute pflegt etn Lehrer die Sittenlehre
zu bictiren. DaS Dictat muß zu Hause in Rein-
schrtft gebracht werden. Etne Schülertn hatte in
allrr ünschuld drm Dictathefte die natve Aufschrift
gegeben: „Unreine Sittenlehre des Hn.Lehrers N."

(Hector Berlioz) soll kürzlich in Adelina
Pattt'S Album die Worte: „Oportet pati" ge-
schrieben haben. Diese Worte sind übersetzt worden
von den Gelehrten: „Harre aus tm Leiden;" -
von Gourmands: „^pporter le pste!" — von
Mufikfreunden: „Wir sehnen uns nach der Patti!"
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