Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Hkidrlbergrr Ztilung.

Kreisverkündigungsblatt für den Kreis Heidelberg und a-ntliches Berküadignngsblatt für üic Aints- und Aints-
Gcrichtsbezirke Heidelbcrg und Wiesloch un- den Amtsgerichtsbezirk Neckargemünd.

M «7 Sonntag, IS März

* Politische Nmschan.

Die gestrige Nachricht, daß der Frankfurter
Senat Verhandlungen gepflogen, um die Ent-
fernung der frcmden Truppen von Frankfurt
zu erwirken, wird als völlig au- der Lufl ge-
griffen bezeichnet.

Der 36er Ausschuß wird am 26. März in
Berlin zusammentreten: wie die „Hess. LdSztg."
sagt, „um theils unter sich zu berathen, theils
durch Berathung mit dem leitenden Ausschuß
dcr Schleswig-Holstein-Vereine in den Herzog-
thümern, sowie namentlich durch vertrauliche
Besprcchungen mit den Mitgliedern des preu-
ßischen Abgeordnetenhauses einc Verständigung
herbeizuführen und die jctzt schon so starken
Meinungsvcrschiedenheiten innerhalb der frei-
sinnigen Partei zu schlichten."

Nach der „S.-H. Z." soll den Geistlichen
demnächst jede Erwähnung des Herzogs auch
in der maßvollsten Form auf der Kanzel vcr-
boten werden.

Die „Kreuzzeitung" sagt. das Resultat der
österreichischen Ablehnung dcr preußischen Vor-
schläge sei kein andercs, als daß zunächst die
bisherige Regierung in den Herzogthümern fort-
bestehe; die freundlichen Beziehungen beider
Mächte würden dadurch so wenig gestört als
es durch die Weigerung Prcußcns geschehen sei,
nach dem österreichischen Vorschlag den Herzog
von Augustenburg vorläufig als Herrscher ein-
zusetzen.

Zm KreiS Gumbinncn hat ein ganzes Dorf
— Florkehmen — mit Ausnahme des LehrerS,
die Gehäudesteuer verweigert.

Jn Leipzig hat die Bankiersfirma Blachstein
fallirt, und der zwxitc Chef des großen Hauses
Moritz Marx in den Wellen der Elster frei-
willig sich den Tod gegeben. RettungSversuche,
welche herbeieilende Arbeiter machten, als sie
ihn mit dem Todc ringen sahen, hat er stoisch
zurüchgewicsen. Man bringt dieß wahrhaft er-
schütternde tragische Ende des in der Blüthe
dcs Mannesalters stehenden allgemein beliebten
Kaufmannes zunächst mit dem Sturz dcs erst-
genannten Hauses in Zusammenhang.

Die „Patrie" bestätigt, daß der französische
Gesandte dem Papst aufis Neuc zur Versöh-
nung mit Ztalien gerathen, da die Ausführung
der Conventiün näher heranrücke. Die Ant-
wort des Papstes war wiederum: non possu-

Aus dem Soldatenleben des 17. Iahrhunderts.

Neich der zweiten Einnahmc und Verheerung !
Heidelbergs durck die^Franzosen im Mai 1693, ^

ltsche Weise geplündert und dann niedcrgebrannt ^
und das reizende Bergsckloß großentheÜS durck !
Sprengung zerstört wurde, erhob fich ein Sckrei !
der Entrüstung nickr nur durch ganz Deutschland, i
sondern durck bie halb civilisirte Welt. Das Er- !
eigniß und der allgemeine Unwille waren zu wick-
tlg, als daß maa von Sciten ber unterlegenen !
Partei leicht darüber hingchen konnte, und so
wurden denn von den betreffenden Gouvernements !
über bie Motive der Uebergabe Untersuckungen ein-
geleitet.

Die öffentlicke Meinung klagte den Comman-
danten des Platzes, ben österreichischen Gencral- i
Feldmarschall-Liklitknant Georg Eberhard von He- !

Hätte, um eine so hobe Stellung in der kaiserlickcn i
Armee, sowie den Namen einer angesehcncn Fa- >
milie nickt zu compromittiren, so war doch der !
Drang der Umstände mäcktiger alS der Wille, und !
der Gencral wurde vor ein Kriegsgerickt gestellt. !
Daffelbe erkannte ihn für schulrig, und infolgc

mus. Die Cardinalversammlung billigte die-
selbe.

Der „Moniteur" stellt daS durch den „Akh-
bar" verbreitcte Gerücht von eincm Aufstande
der Kabylen in Abrede.

Jn Lima, der Hauptstadt Perus, wurde dec
FriedenSvertrag publicirt und lebhaft mißbilligt.
Eine Abtheilung spanischer Officiere und Sol-
daten landetc am 5. Februar in Callao. Die
Spanier wurden in den Straßen mißhandelt.
— Die Officiere gingen nach Lima, wo die
Agitation furchtbar wurde. Die Truppen feuer-
ten auf's Volk; viele Leute wurden getödtet
oder vcrwundet. Callao und Lima waren drei
Tage in Belagerungszustand. Seither hat man
ein Complott rntdeckt, dessen Ziel die Revolu-
tion war. Der Alterspräsident Castillo und
andere Notabilitäten wurden verhaftet. Man
versichert, Pareja werde für die erlittenen Jn-
sulten starke Entschädigung verlangen.

D e u t s ch l a ii d.

^ K^rlSrnhe,^17. März. DaS heute crschlenene Regbl.

Nolarialsdislrictcs Stausen betr. Damit wird der Notar
sür den Notariatsdistrict Schlicngrn. AmtSgerichtsbezirk
Diüllheim, Gotrsried Nieö, alö Notar fiir den Notariatö-
district Slausen, AmtSgerichtöbezirk Staufen; als Notar
für den hierdurch erledigten Notariatödistrict Schliengen
wird der ikiolar für den Notarialsdistrict Neunkirchen,
Amtsgerichtsbezirk Eberbach. Bernhard Moll, und als
Notar^für dni Not^ariat6district Nellnkircheu^ der Notar

Die Erthcilung von ErfilidungSpattnlen betr. Ein sol-
ches wird ertheilt dem Hrn. Fr. F. A. Achard in Paris
Mr. dü^ ^on il^m ei^in^enc^Au w^m^ ii^°^^

von 14 Millionen Gulden in 35 fl -Loosen vom Jahr
1845 betr. 6) VollzugSverordnung: Die Aufnahme
eines Anlehens für den Staatseisezibahnbau betr.

desseu^sollte er^seiner Würdcn und Stcllen öffentlich

sehcn stebenden Deutschherrenordei/angehörte, so !
ließ es sich dieser nickt nehmen, ihn mit allem !

^au^fick a^szu^oßen ^un^h^i^, d^ ^

überlieftrte ibn dann der ^dort^harrenden Militär- j
Hier stand dem Entehrten nock Scklimmeres
men. ^ Am 20. Mai mußte der Ergeneral einen

>l. Diensterlcdigungen. Die Stelle des VorstandeS
der Obereinnehmerei und Domäumverwaltung Müll-
heim; der durch Versctzung deS Notars OSkar Bitlmann
erledigte NoiariaiSdistrict Rickenbach, Amtsgerichlsbezirk
Säckingen, und der durch Ernennung deS Notars Leop.
Wasmer zum Gerichtsnotar in Philippsburg erledigte
Kork. . > , . tsgeri t bezirk

III. Todesfätle. Gestorben sind: Am 8. Nov. v. I.
der Vorstand der Obereinnchmerei und Domänenver-
wayung Müllheim, Finanzratb Forch; am 8. ch. M.
der pensionirte evang. Pfarrer Fr. Schmidl von Göb-
richen; ^am^15. v.^ M. der pensionirte Plosessor K. TH.

x Heidekberg, l17. März. Letzten Sonn-
tag begannen dahier die Wahlen zur Kirchen-
versammlung. Die Theilnahme war eine über-
aus lebendige und gibt eiu Zeugniß von dem
kirchlichcn Bcwußtsein der hiesigen cvang. Ge-
meindeglicder. Es ist nicht allein da« Nesultat
dieser Wahlen ein erfreuliches, es ging nämlich
durchwcg der freisinnige Wahlvorschlag aus der
Urne hervor — sondern die Betheiligung allein
schon ist eine bemerkenswerthe Thatsache, mag
man ste unter den GesichtSpunkt einer Pflicht
oder eineS Rechtes stellen. Man darf nun
hoffen, daß auch morgen, namentlich
die St. Peter und Providenzgemeinde
ihre Pflicht thue. Jede Vcrsäumniß ist in
der gegenwärtig crregten Zeit ernst zu rügen.
Pietisten und Ultramontanen im Bunde rufen
alle ächten Protestanten, denen Verfassung und
evang. Frciheit theuer sind, auf den Wahlplatz.
— Wachet!

Wiesbaden, 12. März. Die herzogliche
LandeSregierung vcröffentlicht, daß die Zahl der
hier in Wiesbaden zur Praxis zugelassenen
Aerzte, da dcm Bedürfniß vollständig Genüge
geleistet, vorerst geschlossen und für die Zu-
kunft zur 'Ausübung der ärztlichen Praxis da-
hier, ebenso wie in den übrigen Städten dcs
Herzogthums, die vorher einznholende specielle
Erlaubniß der Regierung erforderlich sei. Da-
mit ist die bei uns seit einigen Jahren ange-
bahnte Freigebung der ärztlichen Praxis rück-
gängig gemacht. Ferner erläßt die Landes-
regierung ein Verbot, Schnupftabak und Nah-
rungsmittel, welche in bleihaltigen Hüllen ver-
packt oder verwahrt sind, zu verkaufen oder
zum Verkaufe fcil zu halten.

Berlin, 15. März. Verhandlungen des
Abgeordnetenhauses. Schluß der S-itzung vom
14. März. Wagener (Neustettin): Das Bud-
getrecht im Hause ist bedauerlicher Wcise ver-

^ Sckiiiderkarren bcsteigcn, bsr vom Hcnker und seinen
i Gchülfen bcgleitct wurde. Die Fahrt ging zu der
! aufgcstellteii kaiserltcken Armee, worauf er vor
dieser von einem Flügel zum andern gefabren
wurde. Vor dem Regimente, drssen Inhaber er
gewcsen, mußte er vom Karren stcigcn, und hier
wurdc ihm zunäckst ftin Urtheil vorgelesen, dahin
^aut^^.^ da^^ d ch werte^^n L c^c n^z^^

„Dicß hab ich wohl nicht vcrlanget."

Der General hatte bisher in seiner Uniform,
aber ohne Dcgen und an Händen und Füßen ge-
fcssclt auf dem Karren gescffen. Dcr Dcgen wurde

mcn, die Klinge berausgczogen, zerbrochcn, ihm
die Stücke dreimal ums Gesickt gcschlagen und
dann vor die Füße geworfen. Hierauf wurdc der
Verurtheilte „anf ewig" aus den österreichtschen,
schwäbischen und fränkiscken Landen, sowie aus
denen des Oberrheinkreises verwiesen, wicber auf
den Karren gesetzt unb vor das Stadtthor gebracht.
Hier nahm ihm ver Henker die Fcsseln ab und ließ
ihn sodann laufcn. (Aus dem „Gränzbotrn".)
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