Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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ndtlbrrger Ztilmig.

KreisverlmidigMgsblatt für üen Kreis Hciüelberg unü amtliches Berlüuüiguiigsblatt für die Aints^ unü Auits-
Gerichtsbezirle Heiüelbcrg uuü Wicsloch uud ücn Amtsgerichtsbezirk Neckargemüuü.


Dienstag, 2V Zuni


* Poiitische tlmschan.

* Zuverlässigen Nachrichten zufolge findet in
Wien das fortwährende (wenn auch schwach
verdeckte) Nachgeben gegen Preußen in den
' Strcitpunklen über die schleswig-holsteinijche
Angelegenheil in allen Kreisen, in deren poli-
lischem Glaubensbekenntnisse nicht die AÜianz
mit dem Junkerthume in Berlin steht, eine un-
günstige Beurtheilung. Ohne näher daraus ein-
zugehen, ob und in wie sern die Stimme der
Herzogthümer durch die eine oder andere Art
der Vertrctung zum 'richtigen Ausdruck gelangt
wäre, tadelt man das Nachgeben an und für
sich. „Wir haben immer nachgegeben, und wer-
den immer nachgeben, bis Preußen am Ende
hat, was es haben will!" — so rust man
unwillig gerade in den liberalen Kreisen von
Wien aus, und scheint Necht zu haben, wenn
man den ganzen Gang der Dinge seit der Occu-
pation der Herzogthümer durch die verbündeten
Truppen überblickt. Wenn nicht ganz unbe-
rechenbare Ereignisse dazwischen treten, so wird
Oesterreich in seiner Herzogthümer-Politik, wozu
schon Rechberg — unbegreiflich genug — die
für Oesterreich so wenig günstige Basis legte,
von Preußen vollkommen überflügelt werden.

Nach der Jndependance soll Folgendes der
Anlaß zur Sendung des Herrn Eloin nach
Europa sein. Die sranzösische Regierung habe
dem Kaiser Mar geschrieben, vom Juli an
werde sie die Gelder zur Uuterhaltung der frem-
-en Truppen in Mexico nicht mehr vorschießen.
Der arme Kaiser habe geantwortet, in solchem
Faüe müsse er ohne weiteres den Thron aus-
geben und Mexico verlassen. Dieser Brief ward
von Hrn. Eloin überbracht. Marschall Bazaine
soll auch über die gänzliche Unfähigkeit der vom
Kaiser Max ernannten mexicanischen Generale
sehr entrüstet sein, und verlangt haben, daß
alle sremden Truppen unter seinen Befehl ge-
stellt würden.

Der Prinz Napoleon hat den Kaiser bei
seiner Ankunst in Paris durch seinen Adju-
tanten de Franconniere begrüßen lassen. Der
Kaiscr hatte hierauf dcn Prinzen mr Sonntag
Morgen zu sich befohlen. Durch seinen Unfall
vom letzten Samstag verhindert, diesem Befehle
Folge zu leisten, sandte der Prinz nochmals
seinen Adjutanten zum Kaiser. Wie es ferner
heißt, wird der Prinz Paris nicht verlassen,
sondern sich in sein römisches Haus zurück-

ziehen, das dem Prinzen noch gehört, da der
Verkauf an Girardin noch nicht zu Stande ge-
kommen sein soll.

Nach der Londoner „Owl" wird sich der
Prinz von Wales am 15. Juli nach Plymouth
begeben, um über die um diese Zeit daselbst
vereinigten Panzerflotten Frankreichs und Eng-
lands Nevue zu halten. Die „Owl" begrüßt
diese Zusammenkunft der beiden Flotten aks
eine Bürgschaft dauernden Bestandes der fran-
zösisch-englischen Allianz. Wie dieses Blatt
mittheilt, werden die beiden Flotten nach der
Revue von Plymouth sich zusammen nach
mehreren der bedeutendsten Häfen Englands
und Frankreichs verfügen und voraussichtlich
von dem Kaiser Napoleon zu Cherbourg in-
spizirt werden.

Prinz Napoleon ist von dcm Unfalle,
der ihn vor einigen Tagen betroffen, voll-
kommen wieder herstellt

Deutschlanv

Vaden, 17. Juni. Das heutige Bulletin
lautet: Jn dem Verlauf des Wochenbettes Jhrer
Königlichen Hoheit der Frau Großherzogin hat
sich bisher nicht die mindeste Störung gezeigt.
Auch bei dem Prinzen ist sortan erfreuliches
Gedeihen wahrzunehmen. Dr. Buchegger. Dr.
Schrickel. Dr. Lange.

Karlsruhe, 15. Juni^ Se. Kgl. Hoheit
der Großherzog haben heute im Schlosse zu
Baden die Waffen- und Brigadecommandanten,
sowie den Commandanten der Gendarmerie em^
pfangen, an dercn Spitze der Präsident des
Kriegsministeriums, Generallieutenant Ludwig,
im Namen des Armeecorps Glückwünsche zu
dcm höchst erfreulichen Ereigniß der Gebnrt
eines großherzoglichen Prinzen darbrachte.

Karlsruhe, den 16. Juni. Gestern tagte
dahier der Ausschuß des wissenschaftlichen
Predig ervereins für das Großherzogthum
Baden. Die Verhandlungen betrafen haupt-
sächlich die Festsetzung der Statuten, die Wahl
eines Präsidrnten, welche auf Hofprediger D o l l
dahier siel, und endlich eine auf den Antrag
Nothcs und Holtzmanns zu veröffentlichende
Erklärung in Betreff der Nichtwahl Schenkels
in den Ausschuß, die bekanntlich zu lebhaften
Erörterungen in öffentlichen Blättern geführt
hatte. Am 18. Okt. d. I. soll wieder eine
Generalversammlung des Vereins stattfinden. I

— Dcm Dan kgottesdienst, welcher letzten
Mittwoch, anläßlich der glücklichen Entbindung
der Großherzogin, in der Schloßkirche stattfand,
hat auch die Hiesige katholische Geistlichkeit an-
gewohnt. Auf nächsten Sonntag ist von Sei-
ten des erzbischöflichen Ordinariats für sämmt-
liche katholische Kirchen des Landes ein solcher
Gottesdienft angeorduet.

Karlsruhe, 17. Juni. DaS Großherzogl.
Kriegsmlnisterium macht die Vollzugsverord-
nung zu dem Gesetze über die Gerichtsbarkeit
in Privatrechtssachen der Militärpersonen be-
kannt. Nach derselben haben die Militärge-
richte die bci ihnen anhängigen Zivilprozesse
am 1. Juli d. I. an die zuständigen bürger-
lichen Gerichte zur weiteren Verhandlung, Ent-
scheidung oder dem Vollzuge zu übergeben.
Zu gleicher Zeit sind die Partcien davon zu
benachrichtigen. Urkunden über rechtspolizei-
liche Geschäste werden an das betreffende Amts-
gericht (Gerichtsnotar) abgegeben.

Eine Bekanntmachung deS KriegSministeriumS
bezeichnet die nähere Ordnung der vorgesetzten
Militärbehörden, durch deren Vermittlung die
gerichtlichen und rechtspolizeilichen Verfügungen
den betresfenden Militärpersonen zugeftellt, so-
wie Pfändung und persönlicher Verhaft voll-
zogen wird.

Karlsruhe, 17. Juni. Das heute er-
schienene Negierungsblatt Nr. 27 cnthält eine
Bekanntmachung des großherz. Ministeriums
des großh. Hauses und der auswärtigen Ange-
legenheiten: Die Verträge zwischen dem Zoll-
verein und Frankreich vom 2. August 1862
betreffend.

csHeidelberg, 18. Juni. Heute können
wir den 50jährigen Jahrestag der welthistori-
schen Schlacht von Waterloo begehen. Düstcr
und regnerisch brach der 18. Zuni 1815 an,
es leuchtete nicht die „Sonne von Austerlitz"
den Fahnen des fränkischen Jmperators. Die
L-chlacht konnte erst spät beginnen, und durch
die Wucht des Angriffcs begann er das durch
die Ungunst der Witterung Versäumte nachzu-
holen: Durch ein unerhörtes Arlillcriefeuer,
durch colossale Angriffc von Massen an Fuß-
volk und Reitcrei suchte der Kriegömeister die
auf einer Hügelreihe aufgestellten englischen nnd
deutschen Truppen zu crschüttern und zu zer-
malmen. Diese aber hielten mannhaft Stand,
und stundenlang wogte der gewaltige Kampf
unentschieden hin und her. Neue Heerschaaren

Das deutsche Sängerfest in Dresden.

Die soeben ersckienene Nr. 4 der „Festzeitung
tur das erste deutscke Sängerbundsfest" bringt die
definitrve Zusammenstellung des musikalischen Fest-
programms. Da wir die einzelnen in dasselbe auf-
^enommenen Gesangsnummern bereits mitgetheilt
yaven, to beschränken wir uns darauf, dem ge-
nannten Blatte nur noch FolgendeS zu entlehnen:
Di- D.rection der beiden Concerte am 23. und
24. Iulr rst, soweit die darin zur Aufführung
kommenden Mufikstucke nicht von den noch lebenoen
Componrsten drrselben selbst dirigirt werden, fol-
genden Herren ubertragen worden: Ehoral: Mufik-
d^rector Cantor I. Otto. 1 Concert, erster Tbeil:
Profeffor Dr. Fa.ßt rn Stuttgart; zweiter Theil:
Hofcaprllmeister K. Krebs rn Dresden. 2 Con-
cert, erster Th-il: Hofcapellmeister I. Herbeck in
Men; zweiter Tbeil: Hofcapellmeistrr Dr. Rietz
in Dresden. Dte Direction der Gesänge beim Em-
Pfange, bei der Fabnenweihe, bei den Commersen
und beim Abschied ist den Herren Rudolph Tschrrch
in Berlin, Mufikdirector Dr. Langer in Leipzia,
Mufikdirector Cantor Otto rn Dresden und Mu-
fikdirector K. Reichrl ebendaselbst übertragen wor-
den. Die Soli in beiden Concerten, welche durch
200^Säyger^ausgeführt werden sollen, haben fol-

I. Lonicrt, ,rst,r"T^il"bÄpzig (10ü"SSng,r):

Rudolftart (j- sv Sänger); zwcit-r Th,i!: Würz.
burg und Nürnberg (200 Sänger), fränkischer
Sängerbund. 2. Concert, erster Theil: Wien
(100 Sänger), Prag und Teplitz (je 50 Sänger);
zweiter Theil: Brrlin (100 Sänger), Hannover
(100 Sänger). Das Orchester bei beiden Concer-
ten wird aus 209 Mrlitärmufikern der Dresdner

Brigade Kronprinz, Mufikdirector L. Pohle; 52
Mann der Brigade Prinz Georg, Mufikdirector
W. Berndt; 40 Mann der Leibbrigade, Musik-
director G. Kunze; 30 Mann des Artillerierrgi-
ments. Mufikvirector A. Böhme; 19 Mann des
ILgerbataillons, Mufikdirector A. Mörtzsch. Dte
Besetzung dieses Orchesters wird sich unaefähr fol-
gendermaßen gestalten: 51 Klappenhorner und
Piccolo, 35 Waldbörner, 40 Trompeten, 36 Te-
norhörner, 18 Posaunen, 20 Tuba und 4 Paar
Pauken. Das k. Kriegsministerium hat die Beur-
laubung sämmtlicher obengenannter Militärmufik-
chöre für die ganze Dar,er beS Festes zugesagt. Die
Reveillen am 23-, 24. und 25. Iuli sollen von
8 Mufikchören auSgeführt werden, beim Festzuge
dagegen sollen etwa 20 Mufikchöre beschäftigt
werden. — Die Concertmusik auf dem Festplatze
(Streich- und Blasmufik) wird zunächst von den
beiden vereinigten Mukdirectoren E. Puffholbt und
F. Laade (je 50 Mann stark), unter abwrchselnder
Direction genannter Herrrn, ausgeführt werden,

wobei man daramf Bedacht nehmen will, den Sän-
gergästen vvrzugSweise die Meisterwerke deutscker
Componisten vorzuführen. Uebrigens wird ein 35
Maun starkeS Berghautboistenchor (Blas- oder so-
genannte Harmoniemufik), unter Direction des
Herrn Musikbirectors.Sorge aus Pottschappel, con-
certiren. Nach Beendigung der Concerte soll außer-
dem noch eines der Brigademasikchöre in der Fest-
halle ober auf dem Festplatze muficiren. Beim
Abschiedscommerse am 25. Juli werden zwei große
Chöre, theils Streich- und Blas-, theils Blech-
mufik, wirksam srin. Ucberhaupt sollen während
der Festtage 20 Musikchöre (die drei hier garniso-
nirenden Bngademufikchöre find je in 2 Chöre
getheilt) mit zusammen 524 Mufikern zur Instru-

So groß ist die Concurrenz unter den Londonrr
Photographen geworden, daß man in einzelnen —
allerdings nicht sehr eleganten — Stadttheilen oft
photograpbische Ateliers mit folgenden Inschriften
findet: „Ein photographisches Portrait für 6 P.
(5 Sgr.) und eine Cigarre als Zugabe", oder auch
„und eine Tasse Kaffee als Zugabe", oder auch
„und eine Scheibe guten Specks als Zugabe".

In einem Grazer Blatte liest man: „Zu ver-
kaufen ist ein großeS Schloß mit prächtigem Park
und einigen Weibern in reizender Lage."
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