Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Ueidl'Ibergrr Zeilung.

KreisveMudigungsblaü für den Kreis Heidclberg und a!ntliches Lerkündigungsblatt für die Aints^ und Alnts-
Gerichtsbezirle Heidelberg und Wiesloch und dcn AmtSgerichtsbezirk Neckargeinünü.



Mittwoch, IS März


* Politische Umfchau.

AuS Stuttgart, 12. März, wird telegra-
phisch gemeldet: Die staatsrechtliche Commissiön
der Kammer hat ciustimmig einen Antrag in
Betreff Schleswig-Holsteins vorgelegt, welchcr
dahin lautet, daß einc Einverleibung der Hcr-
zogthümer in Preußen und jede Nneignung von
Rechten über dieselben von Preußen, sofern
diese nicht durch die gesetzliche Regiernng und
die Volksvertretung dcr Herzogthümer geneh-
migt und mit den Bundesrechten vereinbar
sind, als ein Nechtsbruch zu betrachten und die.
würtembergische Regierung aufzufordern sei, in
Derbindung mit gleichgesinnten Staaten für dic
Rcchte der Herzogthümer mit der That ein-
zustehen.

Der Erzbischof von Posen, Hr. Przy-
luski ist am Thyphus gestorben.

Die Kaiserin Eugenie hat ein Rund-
schreiben an alle Souveräninnen Europa's ohne
Unterschied der Konfessiou erlassen, worin sie
zur gemeinschaftlichen Wiederherstellung der
Kirche des heiligen GrabeS auffordert.

Die in London eingetroffenen neuesten Nach-
richtcn vom südamerikanischen KriegSschauplatze
melden, daß die brasilianische Provinz Wtatto
Grosso von den Truppen Paraguay'S besetzt
sei. Nach eintägigem Widerstand wurde der
seste Platz Coimbra eingenommen. 2 Kanonen-
boote, 1<X) Kanonen und eine Menge Waffen
und Munition stelen in die Hände der Para-
guiten. Ein Korps von 25,000 Mann wird
Montevideo zu Hülfe kommen und sich dabei
zugleich der brasilianischen Provinz Rio Grande
bemächtigen.

Der italienische Klerus hat einen neuen
Feldzug gegen die Negierung eröffnet, und
zwar in Gestalt der Fastenpatente. Schon sah
sich der StaatSanwalt von Cremona genöthigt,
dasjenige des dortigen Bischofs in dcr Druckerei
mit Beschlag zu belegen, da es von Aufrcizun-
gen zum Hasse gegen die Regierung und zur
Verachtnng der bestehenden Gesctze gestrotzt
haben soll.

Nach der France sind in Madrid officielle
Nachrichten auS San Domingo eingetroffen,
welche eine Contrercvolution zu Gunsten der
Spanier bestätigen, und zugleich melden, die
spanische Fahne wehe über Santiago. Jn Folge
dieser Nachricht spricht man zu Madrid von
einer MinisterkrisiS.

* E Vortrag iwers wannernde Cafino.

O Schorschel, sag'! was fallt Dr ein!

Daß Du so fchwärmscht for de Wanderverein'; —
Hot Dich der Lindau dann vexirt,

Sag'! hot e Paff Dich anrktirt? —

Ich sag' Dr: mach mer nor keh Bosse,

Du werschd Dich voch nit uze loffe,

Unn bleib mcr weg vunn dene Sackc,

Du wcrschd do die nit aach mit mache.

Du sollst doch die schwarze Freischärler kenne,

Die jetzt im badische Land h'rum renne,

Nit besser als wie e Banditeband
Rumore se im ganze Land

Mit ihrer schwarze Llerisei. —

Was recht durchdriwe, spitzbübisch, schlau

AuSzrfiehrn e DeifelSplan. —«
llnn wo eme Paff iS eenrr gewiß,

Daß es e dummer Iockel iS,

So werd'm halt was weiß gemacht
Unn werd in rechdi Httz' gebracht.

Zur Schkeswig-Holsrcitt fchett
Eache.

Jn Flensburg sind nach der „Hamb. Z."
zwei Colporteure ciner Adresse fcstgenommen
worden, in welcher der Kaiser Napoleon ange-
gangen wird, die Wiedereinvcrleibung Nord-
schleSwigs in Dänemark zu veranlassen. Es
wäre nicht unwichtig fcstzustellen, von welcher
Scite diese Machinationen auSgehen; vielleicht
ist Hr. v. Bismarck denselben nicht fremd!

Aus Sonderburg auf Alsen, 8. März
wird der „Kreuzztg." geschrieben: Die preußi-
schen Forderungen haben in Nord- und Mittel-
schleswig einen schr günstigen Eindruck her-
vorgerufen, und alle Parteien wünschen die
Abtretung der Militärhoheit an die Krone
Preußens.

Altona, 13. März. Dem Vernehmen nach
berathen eine Anzahl von Schiffsrhcdern und
Capitänen, besonders auS den hauptsächlichsten
Plätzen der Elbschifffahrt aus praktischen Nück-
sichten gemeinschaftliche Schritte gegen die ihren
Interessen ungünstige Jntcrimsflagge und wün-
schen die preußische Flagge.

D e u t f ch k a n d.

Karlsruhe, 13. März. Se. Kgl. Hoheit
der Großhcrzog haben nnterm 9. l. M.
gnädigst geruht, die Stelle cineS staatswirth-
schastlichcn Referenten bei großh. Oberdirection
des Wasser- und Straßenbanes dcm Regie-
rungsassessor Zittel in Bruchsal, unter Er-
nennung dcsselben zum Regierungsrath, zu
übertragen.

<5 Heidelberg, 11. März. Eine Lebens-
fragc für Frankreich ist die Aufbesserung des dort
noch ziemlich vernachlässigten Volköunterrichts.
Nach statistischen Nachrichtcn sind bis jctzt etwa
30 Proc. des Volkes dcs Lescns und Schrei-
bens unkundig. Kaiser Napoleon hat daher
in seincr letzten Thronrede sich über diese in
dcr That sehr brennende Frage unverhohlen aus-
gcsprochen. Er hatte auch seincn Unterrichts-
minister auf dcr Scite, der in einer der letztcn
Sitzungen des gesetzgebenden Körpers hierüber
eine Gesetzesvorlagc machte. Der Untcrrichts-
zwang hat aber in Frankreich, wie eS schcint,
nicht bei der Geistlichkeit allein noch viele Geg-
ner: dcnn es hat nicht nur die Mehrheit der
Minister, sondern auch die Mchrheit der Volks-

Ik mkhr dann solchcr Dumme sein,

Desto krackehlicher is der Verein.

Unn dernochert sollt Ihr aus de Kohle
De römische Borjcr die Keschde hole,

Die Euch nor mißbrauche vor schlcchte Sachc,

Unn des is ganz und gar nit zum Lache.

Unn daß d' Rel'giubn nit is in G'fahr,

Sie soll uns Alle heilig sein. —

Ich will Dr sage, deS ganz Gehetz
Is wegenem neue Schulgesetz; —

Unn des is reckt unrecht, sag' ich Dir,

Mer soll dankbar sein dafür,

Wcescht! unner unS -- sie wolle d'Schulkaff'verwalte
Unn wie vor alte Zeite es halte,/

Wo mer die Schule Scbule läßt sein,

Wo mar's GcW for fich stcckt ein,

Ob vunn de Kinner aach keens nir mehr lern',
Derlei Sorge, die stehne dann fern; —

vertreter gegcn dic vom Kaiscr und seinem Un-
terrichtsministcr projectirte Einführung des ob-
ligatorischen L-chulunterrichts entschieden oppo-
nirt. Die Adreßcommission des gesetzgebenden
Körperö hat dem Unterrichtsminister eröffnen
lassen, nach einstimmigem Beschlusse werde im
Adreßentwurfe ein warnender Satz gegen den
Unterrichtszwang erscheinen, wenn nicht die
Negierung im Voraus verspreche, daß sie ihr
Vorhaben aufgebe. — Die Volksschulfrage soll
sogar zu einer vorübergehenden Ministerkrisc
geführt haben, eine Krise, die nur durch die
ini Moniteur sofort eröffnete amtliche Note be-
schwichtigt wurde, welche der Gemeinde die An-
stellung der Schullehrer crleichtert, Belohnun-
gcn für fleißigen Schulbesuch und Unterstützung
für diejenigen Gemeinden in Anssicht stellt, die
nicht genügende Geldmittel für die Errichtung
unentgeltlicher Schuleu besitzen. Auf diese Be-
schlußfassung untevgeordneter Art sind nun bis
am Wcitercs die hier sehr lobenSwerthcn Ab-
sichten dcs Kaisers beschränkt.

Svcyer, 9. MLrz. Die „Evangelischen
Blätter für die unirte Kirche der Pfalz" brin-
gen eine von 92 protcft. Geistlichen der Pfalz
unterschriebene Erklärung, worin sich dieselbcn
dem gegen Schenkel erhobenen Protcst an-
schließen.

München, 8. März. Das Dersahren dcr
Polizei, dje über Oestcrreich ins Land gekom-
menen, meistens vollkommcn mittellosen polni-
schen Flüchtlinge, eben dieser Mittellosigkeit
wegen, kurzerhand auszuweisen, führt im Ein-
zelnen zu solchen Härten, daß die liberale bay-
rische Presse sich sehr mißbilligend über diese
Maßregel auSläßt. Jn Augsburg, wohin sich
einige der ans Münchcn ausgewiesenen Flücht-
linge von allen Mitteln entblößt bcgeben hatten,
hat sich der Magistrat mit einer Beschwerde
über die Münchener Polizci an die Regierung
gewandt, da nicht die Gcmeindc, sondern der
Staat die Verpflichtung zur Unterstützung und
Beförderung solcher Flüchtlinge habe. Der
„N. K" erinnert daran, daß namentlich in
Altbayern kein Ucbcrfluß an Arbeitskräften be-
stehe, so daß viele dieser Unglücklichen dort
ein Unterkommen hätten finden können, und
bemerkt weitcr: „Ob, wenn in der Folge in
cinzelnen FLllen sich eine Sustentationslast er-
geben sollte, der Widerwillcn dagcgen so groß
und die Verantwortlichkeit dcr Negierung ernst-
lich kompromitirt sein würde, steht dahin, und

Wollt Ihr handle nach ihrcm Wille,

Unn sollt Liich gege die Owrigkeit kehre
Unn alle Ruh und Friede störe,

Ihr wrrdets abrr noch sehc ein,

Was im Casino for Kkrle sein,

Unn wie sie Euch nor inS Verdrrbc fiehre,

Um Euch in Bruchsal rinzuquardire;

Drum loß Du Ttr nir mache weiß
Unn loß Du Dich nit firhre uffs Eis. —

Mit Lüge, mit Schreien, bedrirgrische G'schichde
Euch allerhand Grfahre erdichte —

Zudem der Staat es nimmi lridt,

Ich hab's gelese srlbrr hcit,

Unn wir's dte Mannemer hawe gemacht,

Des hätte dte Kerlc fich »it gcdacht,

Daß „auf nach Valrnzia!" fie hawe geschriee,

In Gil aus'm badische Landt ze ftiehe,

Jensettig bei Birr unn Käsrbrod
Zu erlride de MärderrrSdod! —

Unn de Schwarze ihr Hauptmann, Iakob heeßt'r,
Der weltberihmt Lafinomeschder,
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