Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Staatskunst, der mLze sich dte e'mzelnen Win-
dungen des Kampfes etwas genauer in's Ge-
dächtniß zurückrufen. Allerdings ist die reiche
pvlitische Erute des verstossenen Jahres noch
nichr ganz in den. Scheunen gedorgen, und
immerhin könncn im Laufe auch des neuen
Jahres unerwartete Wetlermechsel am po-
litijchcn Horizont den Geminn von neuem in
Frage stellen. Allein mie viel auch immer
zu einem völlig beruhigenden Abschlusse übcrall
noch fehlen mag, das Zoch der danischen Fremd-
herrschast ist vom Nacken des deutschen Bruder-
stammes im Nordcn der Elbe endlich abgeworfen
und zugleich ist sür die in den Kampf um die
Herzogthümer innigst verschlungene deutsche
Versassungsfr age die AuSsicht auf einen
den nationalen Wünschen entsprechenden Ab-
schluß mächtig erweitert, märe es auch nur durch
die unverkennbare neue Dchmächung der entge-
genstehenden seindlichen Kräste.

Bom Untersee schreibt der „Höhg. Er-
zähler" : Die kirchliche Negierung in Laden
steht mit der welllichen seit Zahren in einem
bedauerlichen, von der Erstern mit einer ladelns-
werthcn Erbittcrung, von der Letzteren mit einer
anerkennenswerthen rltücksicht und Langmuth ge-
führten Kampfe. Wir sreuen uns der rücksichts-
vollen Haltung, welchc unsere hohe Regierung
der Kirchenbehörde (vielleicht richtiger gesagt —
den Katholiken) gegenüber beobachtet und dür-
fen mit vollstcr Ueberzeugung sagen: nicht vlos
die Sache selbst, vielmehr die Art der Krieg-
führung, hat alle selbststättdig urtheilenden
Katholiken in's Lager der Regierung — der
weltlichen — gesührt. EineS aber bleibt uns
unerklärlich, daß unter den vielen einsichtsvollen
Curatgeistlichen in Baden so wenige den Muth
haben, sich ofsen aus die Seite der Regierung
zu stellen und dem sast frevelhasten Gebahren
der Freiburger Camarilla entgegen zu trcten.
Den gerechtcsten Anlaß hierzn hätte solchen
Männern gewiß die jüngste erzbischöstiche Vcr-
sügung bezüglich der Nichtbetheiligung der
Geistlichen an den neugebildeten OrtSschul-
räthcn gegebcn. Die katholischen Geistlichcn
in Baden sind Bürger, die dcn Eid der Treue
dem Großherzog und des Gehvrsames gegen die
Gcsetze schwören. Die neue SchulorKanisation
ist aus den Grund eines zwischen der Negierung
und den beiden Kammern vereinbarten Gesetzes
in'S Leben gerufcn worden; deshalb sind auch
die badenschen Gcistlichen dem Gesctze Gchorsam
schuldig. Statt dessen werden sie von ihrer
Behörde ausgefordcrt, gegen das Gesetz zu
protestiren, den OrtSschulrath als gar nicht
bestehend zu ignoriren, die Schulacten nur mit
Protest an die gesetzliche Behörde auszufolgen
und die Urkunden, welche das Schulvermögen
betreffen, nur dann abzugeben, wenn Gewalt
angewendet werdcn sollte! Das kommt uns so
vor, wie offenbare Auflchnung gegen die Staats-
gewalt, gegen die Gesetze, und wir haben noch
nicht gchört, daß nur ein Geistlicher in Baden
seine Stellung als badcnscher Bürger behauptet
und einer solchen aus Zerwürfnisse unter den
Katholiken abhebende Verfügung entgegen ge-
trcten wäre. Dör Geistliche ist gesetzliches
Mitglied des Schulrathes und die Regierung

Außrr 3 Haupttreffern im Werthe von 3000,
1000 und 500 Thlr. resp. 5250 fl., 1750 fl. unv !
.875 fl. S. W. oder auf Wunsch den baaren .
Geldbetrag im vollen Nennwerthe, btetet hier
daS Schicksal noch andere zahlreiche, zum Lhcil ^
kostbare Gewinne, als goldene Uhren, Brillant- '
ringe, goldene Dosen, vorzügliche Oeldruckbilder rc. !
als Preis unb Belohnung patriotischen MitgefühlS !
und fehle in keinem dcutschen Hause, in keiner
deutschen Familie die Aussicht auf solche Belohnung,
doch nicht um dteser, sondcrn um drr Nothlei»
denden Schleswig-Holsteins willen.

Auch vie Ne bengewinne find sämmtlich !
solider Natur und durchauS nicht mit unltebsamrn ^
Gewinnen der Sckillerlotterie in Parallele zu strllen. !

Loose » 13 Sgr. - 32'/, Kr. S. W. - !
86 Kr. Oestr. W. sind fortwährcnd bis Anfang
Mai von den allerorts errichteten Agenturen biS ;
Sonnabend den 27. Mai I86S vom Hauptdepot !
bet Albert Hoffmann in Letpzig und biS !
Dienstag den 30. Mai 1865 vom Bureau der !
Lotterie in Eoburg zu beziehrn.

Die von den Commissions-DepctS nicht abgrsetzten ^
Loose find späteftens bis Mitte Mai zurückzusenden.

hat die Anordnung getroffen, überall, wo nicht
besondere gewichtige Gründe das Gegentheil
erheischen, dem Geistlichen die Vorstandsstelle
im Schulrathe zu übertragen. Und dennoch
tritt kein katholischer Geistlicher in den Schul-
rath ein. Wo bleibt hier die dem Gesetze
schuldige Achtung, wo der, oer Regierung
schuldige Gehorsam? Oder haben die baden-
schen Geistlichen katholischer Confession aufge-
hört, badensche Bürger zu sein? — Hat denn
das neue Schulgesetz Bestimmungen, welche der
katholischen Religion irgendwie zu nahe treten,
man würde vergeblich darnach suchen. Wir
glauben aber, daß, wenn die erzbischöfliche
Curie noch einen Schritt weiter geht — wenn
dies überhaupt noch möglich ist — ein großer
Theil der Geistlichen zu ihrer Bürgerpflicht
zurückkehren, und wäre dies gegen alleö Er-
warten nicht der Fall, die Katholiken selbst
ihre Geistlichen hiezu auffordern werden.

Aus Baden, 3. Jan. Von unserer neuen
Verwaltungsorganisation ist bis jetzt nur der
erste Theil, die Bezirksverwaltung, zur Ein-
und Durchsührung gekommen. Der zweite
Thcil, die Kreisverwaltung. soll nun, wie wir
vernehmen, im künstigen Frühjahr in's Leben
gerusen werden. Es ist dies die schwierigere
Seite des Gesetzes, die schon bei den Ständen,
noch mehr aber im Publikum mancherlei Be-
dcnken erregte. Das bedächtige Versahren der
Regierung war darum gauz sachgemäß; jetzt,
nachdcm dic Grundlage der ganzen Organisa-
tion, die Bezirksverwaltung, sich durch die Er-
fahrung bewährt und die Gunst deö Publikums
bereits in hohem Grade sich erworben hal, kann
auch der weitere Ausbau, die Kreisverwaltung,
ohne Schwierigkeit ausgcführt werden, wiewohl
sie von dem Einzeluen weil größere persönliche
Opser sordert. (S. M.)

Stuttgart, 3. Zan. Zn der gestrigen
^vitzunH dec Abgeordnetenkammer wurde der
Ammermüller'sche Antrag auf Trennung des
Meßnerdienstes vom Schuldienst nach langer
Debatte schließlich mit 67 gegen 14 Stimmen
abgelehnt. Heute setzte die Kammer die Be-
rathung des 'Dchulgesetzes sort.

Sturtgart, 5. Zan. Jn der heutigen
Sitzung der zweiten Kammer erklärte der Mi-
nister des Aeußern, Hr. Varnbüler: „Wegen
Schleswig - Holstein seien Anträge bei dem
Bunde abzuwarten; eine Einiguug der Mittel-
staaten gegcn die deutschen Großmächte sei
weder nöthig noch rathsam. Eine bayerische
Circularnote existire nicht, und Anlehnungsge-
danken an das Ansland müsse er für sich und
im Namen des Frhrn. v. d. Psordten eHschie-
den zurückiveisen."

Berlin, 3. Jan. An der Spitze der Agi-
talion, welche die preußijchen Feudalen in der
Arbeitersrage versuchen, steht der bekannte Hr.
Wagener. Dersekbe sucht die Fabrikarbeiter
mit der Behauptung zu ködern. sie würden von
ihren Arbeitgebern zu schlecht bezahlt und be-
dürften der Staatsunterstützung. Es ist nun
höchft interessant, was die „Nheinische Ztg."
ausdeckt. Hr. Wagener besitzt ein paar Güter
mit sehr b'ezeichnenden Nammen, Dummerwitz
und Eulenburg. Dieselben- sind ihm von den

I^L. Jm Interesse ver guten Sache werven hier-
durch Kauflcute, yamentlick Detailgeschäfte,
Vereinsvorstände, Hotelbesitzer,Restau-
rateure dringend ersucht, fich wegen commis-

depot bei Albert Hoffmann in Leipzig zu wenden.

Das „N. A. V." enthält folgenden charakteristi-
schen Satz: Aus IohanniSberg ist uns eine Mtt-
theilung zugegangen. welche rine ernste Mahnung
für dte conservative Partri in sich schließt. Von
den Hunderten von Weinhandlungrn am Rhein,
die ihre nicht selten mit unverschamter Zudringlich-
keit auftretenden Rrisenden in Maffe hirrher schickcn,
find fast allr Kortschrittler, und wir Conservativen
find einfälrtg genug, ibnen nicht nur ihr in der
Regel fabricirtes Gemisch abzukaufen, sondern da-
mit zugleich auch die Macht und Mittel gefährlicher
Gegner zu stärken. Es ist nicht consrrvativ, fich
durch Abnahme ihrer schlechten Weinc zum Mitschul-
dtgen an radikaler Wühlerei zu machen, sonbern
dringend grbotene Pflicht allrr Lonservativen, ihren
Weinbedarf nur von GesinnungSgenoffen zu kau-
fcn, vorauSgesetzt, daß diese den Ansprücheu zu

Actionären der „Kreuztg." geschenkt worden,
alS er von der Redaction dieses BlatteS zurück-
trat. Die „Rh. Ztg." macht nun die geuauesten
Zahlenangaben über die Löhne, welche die
ländlichen Arbeiter in Dummerwitz erhalten.
Ein Mann, seine Frau -und ein erwachsenes
Kind verdienen dort zusammen nicht mehr als
jährlich 116 Rth. 2*/z Sgr. Doch diescs Geld
erhalten sie nicht einmal baar, sondern zum
Theil in Naturallieserungen.

Berlin, 4. Zan. Der Handelsminister als
Bankches beruft eine^Versammlung der an der
Bank Meistbelheiügten aus den 3. Febr. zum
Behus einer Beschlußfassuug über Errichtung
von Bankfilialen in anderen deutschen
Vtaaten.

Wien, 3. Jan. Wie wir hören ist dieser
Tage die Antwort Oesterreichs auf jene De-
pesche des Frhrn. v. d. Psordten nach München
abgegangen, in welcher letzterer Staatsmann
Ausklärnngen über die österreichischen Absichten
in Bezug aus die Lösung der schleswig-holstei-
nischen Angelegenheiten erbittet. Zn dieser
Depesche hatte es nicht an einem Hinweis auf
die preußischen Annexionsbestrebungen gefehlt.
Die österreichische Antwort soll sehr beruhigend
sür die Mittelstaaten lauten. Zn derselben
wird constatirt, daß seinerzeit Differenzen leider
den Bund verhindert haben, an vem Kriege
gegcn Dänemark Theil zu nehmen, so daß die
Action den beiden deutschen Großmächten allein
zugefallen sei. Dies sei vollendete Thatsache.
Wenn aber von diesem Slandpunkte aus auch
der Weg ein anderer sei, so sei doch Oefter-
reich über das anzustrebende Ziel mit den
Mittelstaaten einig; Oesterreich werde das
Bundesrecht und die deutschen Znteressen wah-
ren. (Botsch.)

Wien, 4. Zan. Rußland protestirt (wie
und wo?) gegen eine etwa beabsichtigte Um-
wandlung der schleswig - holsteinischen Rechts-
frage in eine Frage des politischen Znteresses.

A r a n k r e t ch.

Paris, 4. Za». Das Dccret betrcffs deS
Geheimen Ralhs wird fortwährend levhast be-
sprochen. Der Geheime Rath hat bereits heute
seine Thäligkeit begonnen. Mit dem Minister-
rath vereinigt hat derselbe im Tuillerienpalast
unter Vorsitz des Kaisers berathen. Prinz
Napoleon, sowic Graf Walewski, Herzog Morny
uud Hr. Magne wohnten dieser Sitzung bei.
Der Geheime Rath ist jetzt in folgender Weise
zusammengesetzt: Prinz Napoleon, Vicepräsi-
denl; Hr. Troplong, Präsident des Senats;
Herzog von Morny, Präsident des Gesetzgeb.
Körpers; Hr. Achilles Fould, Finanzminifter;
Herr Baroche, Justiz - und Cultusminister;
Marschall Vaillank, Ministcr des kaiserlichen
Hauses; Herzog vvn Persigny, Senator; Graf
Walewski, Senator; Herr Magne, Senalor.
Der Cardinal Morlot und Marschall Herzog
von Malakosf, die früher mit dazu gehörten,
sind nicht wieder ersetzt wordcn.

Paris, 4. Zan. Die „France" sagt: Die
Lage der Spanier auf San Domingo hat sich
verschlimmert. Die Spanier waren gezwungen,
wichtige Kriegspositionen aufzugeben. ZnPorto-

genügen im Stande find, um so mehr, alS es
allgemeine Praris drr Dcmokratie ist, den Ge-
schäftsverkehr mit Conservätiven zu meiden.

(Versteinerung von Leicknamen.) Nach
italtrnischen Blättern hat ein sardinischer Natur-
forscher, Profeffor Efifio Marint, das gehrime
Verfahren rntdeckt und vervollkommnet, vermittelst
drffen Gtrolamo Negato menschliche Leichname ver-

Leichname bewahren ihre natürliche Farbe und
können vrrmittelst cines einfachen Badrs ganz auf
ihren ursprünglichen Zustand zurückgrführt werden.

Saarbrücken, 29. Dec. Gestern NachmittagS
waren beinahe sämmtliche Glieder einer hiesigen
Beamten-Famtlie durch Kohlenorydgasver-
giftung erstickt. Als nämlich ein Arbeiter zu-
fällig<,inS Zimmer trat, fand er die Hausfrau
nebst drn Kindern und der Magd, tm Ganzen srchs
Personrn, tn bewußtlosem Zustande. Er rief sofort
rinen Arzt, welcher rechtzeitig Hülfe brachte.
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