Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Wirkung auf die Regierung ohne Einfluß blei-
b-n. L-ider ist die poiilijchc Ermatlung und
Müdigkeit in FiLnkrcich noch eine so große,
daß nicht abzujche» ist, wann die Slunde deS
WiedererwachenS geschlagen haben wird.

Stuttgart, Jan. Die Antwort deS Mi-
nistcrs Varnbüler auf bic NLchftehendeZntcrpeUa--
tion von Oesterlen und Wolbach, dercn wir bcreits
gcstern kurz erwähnten, bctreffend die schleswig-
holsteinische Angelcgenheit w., lautet voUstänbig:
1) Ob die k. StaatSrcgiernng anch jetzt noch
Grund hat, in der Einigung dcr beiden dcut-
schen Großmächte die Sewähr der Hossnung auf
eine dem nationalen Sinne nnd dem nationalen
Rechte entsprcchende Lösung der schleswig-hol-
steinijchen Frage und der Befriedigung aUer
andern gerechten nnd bejonnenen Erwartungen
der dculjchcn Nalion >n politijcher wic in
handelspolitischer Beziehung zu erblicken? 2)
Qb dic k. Staatsregierung der Einigung der
b-idcn dcutschen Grojsmächte gegcnüber, einc
Einigung der übrigen dcutschen Bnndcsstaaten
oder wenigstens cines ThcileS dcrselbcn zur
Verfolgung einer gemeinsamen Politik sür
unmöglich odcr unrathsam HLlt? Ob die kgl.
StaatSregierung im FaUc des VersuchcS einer
solchen Einigung dahin wirkt, daß diejelbe ihre
Stütze anstatt in der Anlchnung an das AuS-
land, in der gemeinjame» Vcrsolgung einrr
nationalcn und srcisinnigen Politik suche? Der
Minifter des Acußern antwortcte in offlzieUer
Wcise wie solgt: Jn Gcniäßhcit Bundesbe-
schlusscs vom b. v. ülk. haben dic Bunbcscom-
missäre die Provinzc» Schlcswig nnd Holsteiu
verlassen. Ueber dic destnitive Rcgclnng der
RechtSverhältnijje der Herzogthümer, insdcson-
dere dcr Erbsvlgesragc, werden lebhajte Ber-
handlungen zwischen den Eabinelten drr beiden
deutschen Großmüchtc gepflogcn. Er haltc cS
der dcrmaligcn Lage und den Znteresscn, welche
die Negiernng zu verjolgen habe, sür entsprc-
chend, wenn vorcrst abgewartct wcrdc, welche
Anträge als Ergedniß dicser Verhandlungen
dci dem Bunoe wcrdcn gestellt werden. Er
habe vorerst keinen Grund, anzunchmen, daß
dicse Verhandlungen nicht zu cincr dc» natio-
nale» Jntcrcssen entjprcchenden Lösung jühren
werden. Vor Abjchtuß dieser Fragc könne einc
Löjung tiefer cingehendcr, namenllich organija-
torischcr Fragcn, nicht crwartct werden. Jm-
merhi» abcr halte er die Einigung bcr beioen
deutjchen Großmächtc sür einc Bedingung zur
Lösung dcr schlcswig - holfteinijchen Fragc und
den Zntercssen Deutschlands sür enljprcchcnd.
Eine Einignng der übrigen dcntjchcn Staaten
als Gcgensatz zu dcn beidcn deutjchen Groß-
staatcn finde er zur Zcit wcdcr nöthig noch
rathsam. Ein Eircular dcS balierischcn Mini-
stirpräsidenten von der Psordtcn an die Ncgie-
rnngcn der dcutjchen Mitielstaatcn beslehc nicht.
Der Gcdanke an eine Anlehnnng au daS AuS-
land jei wohl allcn veutjchen Rrgiernngen
srenid; insbejondcre weije er dcnsclben sür seine
Perjon und im lliamcn des bahcrischcn Mini-
stcrS, mil welchcm er neulich perjönlich verkehrt
habe, mit allcm Nachdrucke zurück, cr rechne
dabci auch auj dic Zustimmung der ganzen
deutjchen Nalion. (Schw. Ri.)

Kaffel, ü. Jan. DaS obcrgerichtliche Ur-
theil iii der Auklagejache gcgcn den Oberge-
richlsauwalt Hcnkcl n-cgcn angedlicher Maje-
stätsbcleidigung, bcgangen in Eingabcn an dcn
Nursürstcn in dcr belanntcn Reithausangclegen-
heit, laulet auj 2 Monate FcstungShast und
Tragung der stostcn.

Bertin, 2. Jan. Der evangelijche Ober-
kirchcnrath in Bcrlin hat an die königlichen
Conststoricn den nachslehinden Erlaß gcrichtct:
„Die Unterzeichncr ciner Bitljchrisl an dcn
dadischc» evangelischcn Oberkirchcurath in An-
gelegenheitcn des ProfcssorS Dr. Schenkcl zu
Heidclbcrg hade» untcr dem 20. vorigen MtS.
mittelst g-druckter Zuschrist mehrere in dieser
Sache ergangene Actenstücke ohne Unterschrift
an uns cingcrcichl. Da wir Urjache hadcn,
anzunehmcn, daß cine gleiche Zujenbung an
jämmtliche königliche Conststoricn gerichtet ist,
stndcn wir uns vcranlaßt, unS zu diejen über
dsn Standpunkt, welchen wir zn dieser Vorlage
haben cinuehmcn müsscn, anSzusprechcn. Der
in Baden entbrannte Kampf betrisst nach dem,
waS darüber in die Oesfciitlichkeil gelangt ijt,
die theucrsten Güter der evangclischen Kirche

nnd kann möglicherweise Dimensionen anneh-
men, die weit über die Grcnzen der badenschen
Landeskirche hinauSgehen; er b-trisst nichts
GeringereS, als bie Fundamente des evangeli-
schen, ja des gemeinchristlichen Glaubens, die
hisrorische Glaubwürdigkeit der heiligen Schrift
Neucn Testaments, so wie Grundwahrheiten
und Grundthalsachen deS Heils, mit dcnen die
evangelische Kirche stehen und fallen mnß. Es
hal daher nicht fehlen können, daß wir diejen
übcr ein Glied unsercr deutschen evangelischen
Kirche hereingebrochenen Zerwürfnissen mit
schmerzlicher und fürbittender Theilnahme ge-
solgt sind. Jndcssen kann dcr AuSgang diejer
Zerwürfnisse unS nicht zweifelhaft jein; wir
hegen nicht nnr den Wunsch, wir sind vielmchr
der festen Zuverstcht, daß unter der Lcitung
unjercs hochgelvbtcn Herrn und Heilandes die
evangelische LandeSkirche Badens vor einem
unheilvollen Risse bewahrt bleiben, vielmehr
wahrer Friede in ste znrückkchren wird durch
Erneuerung dcs einträchtigen BekenntnisseS zu
dcni cingeborenen Sohne GottcS, jeincr wun-
derbaren Geburt, seiner gottmenjchlichen Per-
iönlichkcit, seinem nnjchuldigen, die Welt ver-
söhnendcn Leiden, seiner Auferstehung nnd
Himmelfahrt. — So deutlich in dieser Be-
ziehung unserc Stellung zu dcn ausgebrvchenen
Disjerenzen vor uns liegt, so jehr tritt nnS auf
dcr andcren Scite di« Rolhwendigkcit entgegen,
jedcn Schein zu verineiden, alS vb wir in einer
nicht zu unsercr amtlichen Cognition gehörenden
Sache, dic wir ox zirvldsao zu untersnchen
wedcr ben Berus noch die Mittcl haben, zn
Gericht sitzen uild oas Verfahren der vberften
Behörde einer evangelijchen Schwesterkirche
billigend vder verwerfend unserm Urlhcil un-
tcrziehcn wvlltcn. Wir haben deshalb nach
Maßgade dieser Erwägungen zwar unterlassen,
den Urhcbern jener Einsendung eine Antwort
zu crtheilen, aber um jo mehr nns gedrungen
gefühlt, gcgen die mik uns verbundenen kirch-
lichen Behvrdcn unS hiermit auSzujprechen und
die Bcweggründe unscreS VersahrenS dcnselben
mitzutheilen. — Berlin, den 8. Dczbr. 1864.
Evangelischcr Oberkirchenrath. Am Austrage:
slahn."-

Bcrlin, 4. Zan. Die heute Abcnd erschie-
nene Nuinnicr (die erfte) dcS Socialdcmokrat
ist polizeilich mit Bcjchlag belcgt worde». DaS
Blatt will als Organ dcö von dem verstorbenen
Lafsalle in's Lcben gcrusenen ArbeitervereinS
gcllen. — Die Verurtheiltcn im Polenprozeß
habcn bis auf zwci gcstcrn Morgcn die Nich-
ligkeitSboschwcrde angenieldet. Der StaatSan-
walt hattc noch kcincn Schritt in dicser Le-
zichung gcthan, doch erwartet maii, daß er jetzt,
wo von dcn Bernrthcilten dieselbe eingclegt ist,
auch seincrseitS dieselbe noch am Nachniittag
einbriiigen werbc.

F r a n k r e i ch

Paris, 1. Zan. Die Antworl des KaiserS
anj dcn NeujahrSgruß dcs Nnncius ist jo
sarblos ausgefallen, als die Thronrede in jcder
Bcziehung bedeutcnd zu werdcn verspricht. Die
Wünsche dcs diplvinalischen Corps rühren Se.
Alajcstät lebhaft, indem sie di- AuSdrückc jcncr
Einlracht sind, welche zwischen den Nationen
hrrrschen soll. Auch der Kaijcr wird in scinen
Bezichungen zu den Nationen sich destreben, den
Eingcbnngcn dcr Achinng vor dem Rechte und
jcncn der Fricdcns- und Gcrechtigkeitslicbe zu
gchorchen. Also all die Hossnungen, die man
auf die heutige Rcdc gcjctzt hatte, sind zu
Wasscr gcwordcn. Es ist von keiner allge-
mcincn Entwasfnung die Rede, noch wird
irgcnd cine illiaßregcl von Bcdeutnng in Aus-
sicht gcstellt. Der Empfang ist im Ganzen
interessanler gewescn, inbem man auf die
Haltung des Nuncius und die Miene des
Kaiscrs allgcmein gcspanut gewesen. Der
Kaiser Napoleon benahm sich niit Freundlich-
kcit gegen dcn lliuncius, während er Herrn
Nigra und Herrn Mvn mit Herzlichkcit be-
handclte. Daß cr jich in keine Polemik nnt
dem Papste einlassen werde, war voranSzu-
sehen, weil der Kaiser Napolcon einen auSge-
jprochenen Widerwillen gcgen jede religiöse
Controvcrje hegt. Allein geschenkt wird der
rönnsch-n Curie die herausfordernde Enchcica
nicht bleiben, und die Haltung der sranzösischcn
Rcgierung Jtalien gcgcnüber gestaltet stch schon

jetzt so herzlich, daß den hicstgen Freunden der
weltlichen Gewalt d-s Papstes angst und bange
wird. Die da aber geneigt sind, zu glauben,
der Kaiser Napoleon werde die Dinge über daS
Knie brechen, täuschen stch gewallig: die Ent-
wickelung wird höchstens eine etwaS raschere
sein. (Kln. Ztg )

Paris, 2. Zan. Das bcreits auch schon
telegraphisch -rwähnte Rundschreiben dcS Hrn.
Baroche an die Erzbischöje nnd Bischöse Frank-
reichs lautet nach bem „Monileur" vollftändig:

Uchung deSjemgen Theiles der Eucyclika vom 8. Dec.
v. I. gestatlel werde, der für 1865 ein JubULum be-
w lUi^ t osto^^ S ^ ^ ^ o

PariS, 5. Jan. Der heutlge Wochenaus-
weis der sranzösischen Bank zeigl eine Zunahme
des Portefeuilles um 94 Mill., des dtotenum-
lausS um 64*/g Mill. und des ContocorrentS
der Privaten um 19i/e Mill.; dagegen eine
Abnahme des Laarvorraths um 29^/^ Mill.,
der Vorschüsse um 13i/z Mill. und deö Gut-
habens des Dtaats um 32^/z'Millionen.

E » g i a „ d

Londo», ü. Zan. Hr. Corbett, Capitän
des consöderirten Dampsschisfes Shenaudoah ist
gestern in Liverpool verhaslet worden, weil er
englische Unterthanen fnr die Dienste des Sü-
denS angeworben hat.

Neueste Vkachrichtc».

Ncw-Aork, 24. Decdr. Der „Herold"
sagl, die «ladt Savannah jei wenig »erpro-.
vtaniirt und da alle ihre V-rbindungen abgc-
schnilten seien, werde sie sich wahrschcinlich
bald crgcbcn. — Es gcht daö Gerücht, Brarton-
Bragg sei mit cinem Cvrps vo» 16,000 Mann
aus dem Nlarsch, nm dic Armce Sherman«
von hintc» anzugreiscn. — Dcr „Couricr von
Chartesion" erwäynt deS in der Stadt ver-
brciteten GcrüchleS, Savannah habe am 17.
capilulirt. Eiuc Depejchc au« NaShville oom
22. Dccbr. mcldel, daß Gcneral ThomaS in
iltuthcrsord-Hlll, 8 Melleit südlich von Colum-
bia, war. Die Unionistcn sollen scildein den
Duckfluß pasjirl haden. — Telcgramme z-igen
a», baß bas Bombardcment vo» Charlcstou jo-
sorl begonne» wirb. — Der Congreß hat sich
biS zuin 5. Jan. vcrtagt.

Sderlin, 6. Zan, Der hentc veröfscntlichte
Auswcis der preußischen Bank zeigl eincn Baar-
vorralh von 63,376,000 Tyater, Papiergeid
2,17d,000 Thlr., Wcchjclbestände 60,813,0M
Lhalcr, Lombarobcstände 12,795,000 Thaler,
verschiebiuc Actlva 17,629,000 Thtr., Notenum-
taus 113,803,000 Thtr., Depvsiten 22,384,000
Thlr-, StaatS- unb Prlvalgnlhaben 1,962,000
Thaier. _

)( Heidelberg, 6. Jan. Dicsen Morgen
besuchte der e«. OrtSjchulralh in eorporo die
hicstgen ev. Volksjchulen. Der Vvrstand dieser
Behörde, Hr. Prof. Dr. Hvltzinann, rich,e,e
an die Schüler der verschiedenen Klasfeu rccht
passcnde uud elndringende Wortc, in wclchen
er sie zn stclßigem unb pünktlichem Schulbcsnch
ermahnte und sle aussordertc, durch ihr Bc-
tragen jowohl in dcr Schule, ais anch haupt-
sächlich ihren Ellern, de» Lchrcrn u»d der
Stadt Ehrc zu inachen. Die Mitglicder des
Ortsschulraths habcn sich, wie man hört, salt-
sam überzcugt, wie wenlg die Schulräume ihrem
Zwecke cntjprechen und daß es UIN so mehr
ihre Ausgabe soin müsse, aus die baldige Her-
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