Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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genannten Retschen-Repetiruhren. 4) Bckannt-
machung deS großh. Finanzministeriums: Die
Tilgung deS aus Obligalionen aufgenommencn
EisenbahnanlehenS vom Jahr 1842 betreffend.

H. TodeSsälle. Gestorden sind: Am 11. Oct.
v. I. der pensionirle Oberamtmann Mahler in
Achern; am 19. Oct. der pensionirie Oekono-
mierath Dr. Herrmann in Karlsruhe; am 14.
Decbr. der kathol. Psarrer N. Jlmensce von
Beuggen, bisher Psarrverweser in Dettlingen

Karlsrulie, 10. Zan. Der evangelische
Oberkirchenrath hat der Kreuzzeilung und dem
Bad. Beobachter eine Erwiderung aus die gegen
die Haltung jener Behörde in Betrefs des
„CharakterbildS Jesu" von «Dchenkcl gerichteten
Angriffe zugehen lassen. Es wird darin betont,
daß die protestirenden Geistlichen Badens, welche
die Absetzung Schenkels verlangen, sich als Rich-
ter in einer Sache auswerfen wollten, die ihre
seclsorglichen Pflichten nichl berührt, daß ein
Zwang sür die Theologie Studirenden, bei
Schenkel Collegia zu hören. wie dies die
Kreuzzeilung salschlich behauptet hatte, nicht
existire, und was die Stellung des Oberkir-
chcnraths zur Sache betreffe, so habe er keinen
Berus, der wissenschastlichen Forschung auf dem
Gebiete der Theologie Fesseln anzulegen. Tref-
fend weist der Oberkirchenrath die Fanatiker der
Kreuzzeitung mit folgenden Worten zurccht:
„Den christlichen Glaubeu durch dienstpolizei-
liche Maßregelungcn solcher Männer schützen zu
wollen, die den Grund deffelben mit wissen-
schastlichen Mittelw untersuchen wollen, würde
er für eine dem Glauben selbst angethane
Schmach auschen."

Karlsruhe, 10. Jan. Die erste Sitzung
des Verwaltungsgerichlöhoses wurde von dem
Präsidentcn Staalsrath Weizel mit einer An-
sprache über die Bedeutung der ncuen Nerwal-
tungseinrichtungcn cingeleitct (die wir ausführ-
lich nachtragen). Nachdcm daö bürgerliche Ele-
ment an den beiden Endpunkten des StaatS-
organiSmus (Stände und Gemeinden) lange
Zeit vertretcn war, ist endlich auch der Zeit-
punkt für die Bethciligung an der eigentlichcn
StaatSverwaltung eingetrcten und die Bedenken
gegen diesen Versuch der Gesetzgebung werdcn
eben so sicher verstummcn, wie die Angstrufe
gegen Einsührung der Versassung und gcgen
Befreiung der Gemeinden Von der staatlichen
Bevormundung verstummt sind. Die Ausgabe
der wahrhaft guten Verwaltung muß eö sein,
ihre Wurzeln im Volke auszubreiten, der Ans-
druck scinerUeberzeugung und damit der Staats-
versassung zu werden. Zn diesem Sinne treu
geübt, muß das neue Recht zum Scgen des
Vaterlandes ausschlagen. Mit vortrefflichen
beredten Worten gab darauf der Vertreter des
Staatöinteresses, Ministerialrath von Dusch,
eine kurze Skizze der neuen Berwaltungsrechts-
pflege und der ihm gewordenen specilleu'Aus-
gabe. Zndem die Staatsgewalt zu Gunsten
der strcngen Ncchtsübung des Einflusses auf
die Enlscheidung streitiger Fragen des ösfent-
lichen Rechts sich cntäußerte, mußte sie doch
den Zusammenhang mit dieser Rechtsprechung
und den aus ihr geschöpften Erfahrungen schon
um der Zwecke der Gesctzgebung willen unmit-
telbar sich bewahren und dabei das Znteresse
der Allgemeinheit mit den Ansprüchen des Ein-
zelnen zu versöhnen suchen. Nicht als Wächter
des Gesetzes steht darum dcr Vertreter des
Staatsinteresses dem Gerichtshof und den Ver-
tretern der Parteien gegenüber, sondern seiner-
seits als Vertreter von allgcmcineren Znteressen
gegenüber den Jntercssen der Betheiligten. Der
Eindruck der Verhandlungen war aus Fach-
männer wie Laien ein ungemein günstiger.
Durch die Mitwirkung der Auwältc gewinnt
noch überdies die Verwaltungsrcchtspflege den
sv lange entbehrten Nimbus freier Wissenschaft-
lichkcit. ' (Pf. K.) ^

Baden, 8. Zan. Die Art, wie der „Bad.
Beobachter" den Artikel der Berliner Kreuz-
zeitung über die kirchlichen Zustände Badens
brachte, mußte Diesenigen, welche denselben in
der Kreuzzeitung sclbst nicht lasen, glauben
machen, es rede in demselben die Kreuzzeitung,
eS sei eine Stimme aus Prcußen; dem ist nicht
so, der Artikel war eine Correspondenz aus
Baden, welcher natürlich vvn denselben Herren
oder vou demselben Lager verfaßt ist, wclchc so
viel Lärm mit demsclben machten. WeltN nun

aber gletch dies die Sache in ein entsprechen-
des Licht stellt, so bleibt doch die Thatsache
stehen, daß der „Bad. Beobachter" für Be-
handlung unsercr kirchlich-dadischen Verhältnisse
mit Gewalt, und zwar sremdcr Gewalt
drohte. Es ist nothwendig, daß dies aller-
wärts ernstlich erkannt wcroe; die Sache mit
Schenkel ist ordnungsmäßig, innerhalb der
Schranken unserer kirchlichen Versassung und
Gesetzgebung crledigt; dagegeu rufen nun un°
scre Gegner Gewalt, und zwar fremde Gewalt
an; so entlarven sich die Gesinnungen immer
mehr. Die badischen Protestanteu — nein, sie
lasscn sich von Preußen nicht kuuten. Wir,
unsere Behörden, unsere Synoden, un-
sere Gemeindeglieder haben eutschieden, und
wir bleiben dabei. Schande über Alle, die
Gewalt, fremde Gewalt gegen uns anrufen.

(B. Lvsztg.)

-s- Heidelberg, ö. Zan. Vom deulschen
Bunde alS solchem ist auch im verflossenen
Jahre keinerlei positive Leistung vollbracht wor-
den. Nach den patriolischen Absichten seiner
Stifter sollte der deutsche Bund eine mächtige
Stütze, eine hohe Zierde deutscher Nation wer-
deu, er sollte auch das altc Reichskammergericht
in gewissen Beziehungen ersetzen, hat aber diesen
von ihm gehcgten Erwartungen leider nicht ent-
sprochen und, den schlimmsten Einflüssen preis-
gcgebcn, "nicht entsprcchen können. Der selige
Mettcruich hat ihn nicht nur trocken, sondern
auch lahm gelegt, und an dieser Misere des
Siechthums leidet und laborirt er fortwah-
rend noch. Der Bund als solcher brauchte uud
sollte nichts weiter lhuü als das vollziehen,
was von Metternich in der Wiener Staats-
kanzlei und auf Congresscn durchgesetzt wordeu
war; er sollte und durfte höchstens ein Pateut
ertheilen und Hrn. v. Göthe ein Privilcgium
gegcn den Nachdruck sciner Werke; mit ber
eigentlichen hohcn Polilik jollte er sich gar nicht
befassen, denn die bejorgte in seiner Weise dcr
Fürst Staatskanzler. Des Bundes Unfähig-
keit, zu allen positiven Leistungen ist aber
schou zu lange und zu gründlich bewährt, als
daß nicht die sehr cntschiedenen Fortjchritte, die
sein Versall, die das ganzliche Schwinden seiner
politischen Bedeutuug gemacht hat, von der
dcutschen Nation mit Genugthuung b^rüßt
werden müßten. Von allen den wesenklichen
Aufgaben: Bundesreform, Verbesserung der
Buudcskriegßverfassung, Sorge für den Küsten-
schutz, die so lange auf des Bunvestages Ta-
gesordnuug geprunkt hatten, konnte im ver-
flosscnen Jahre nicht die Nede sein, denn der
Krieg in Schleswig-Holstein und was mit ihm
zusammenhängt, ließ dem keinen Raum. Der
nationale Gewinn des Zahres 1864 auf diesem
Gcbiete besteht hauptsächlich in dem hand-
greislichcn Beweise der Ohnmacht und Un-
brauchbarkeit der gegenwärligen Bundesverfas-
sung. Währcnd der ersten Monate des abge-
laufenen Zahres hatle man seltsamer Weise
wieder eiuiges Verlrauen gcfaßt zu dem Bunde,
von dem man glaubte, er werde sich endlich
einmal varios oasus, post Lot cki^ori-

Illiua reru«» - aufrasfen, cr werbe seine Leudcn
gürten wie ein Mann und seine Feinde und
Widersacher zu Boden schmcttern. Der Wahn
uud die Täuschuug waren von kurzer Dauer;
im Jahre 1848 sahen wir durch die Demo-
kratie den Bund bescitigt und zu Grabc ge-
lragen, im verflossenen Iahre durch die Aristo-
kratie und Dkonarchie.

Darmstadt, 12. Jan. Zn der heutigen
Sitzung der ersten Kammer verlas das Zustiz-
ministerium die landesherrliche Verfügung, wo-
nach die Strafprozeßordnung in ihren einzelnen
Bestimmungen nach Maßgabe der Stimmen-
durchzählung angeuommen ist und demnächst
verkündigt werden wird. Die Vorlage in Be-
treff der Kosten ist zurückgezogen. .

Hamburg, 7. Zan. Eine Petition an den
Denat, betreffend den Auschluß Hamburgs an
den Zollverein, ausgehend von dem hiesigen
Vereine für corporative Verfassung des Haud-
werkerstandes, wird gegenwärtig zur Unterzeich-
nung verbreitet.

Wien, 11. Zan. Der Ministerrath be-
schloß nach Anleitung deS AusschußbeschlusseS
dic einzelnen Ministerien zur Erwägung der
Möglichkeit weiterer Budgetminderuug zu ver-
anlassen. — Die „Wiencr Abendpost" wider-

legt die Nachricht von Verhandlungen mit Mon-
tenegro auf Grundlage seiner Souveränetät unb
Gcbietserweiterung.

C' n g l a n d

London, 11. Jan. Die Nachrichten aus
New-Aork vom 31. December melden, daß die
Truppen Butlers in das Fort Monroc zurück-
gegangen sind, wie sie das Fort Fischer zu gut
vertheidigt gefuuden haben, um eS einnehmen
zu könuen. Der Verlust ButlerS beläuft sich
auf ^1470 Manu. Bragg meldet, daß die
Uniouisten in der vollständigsten Weife zurück-
geschlagcn wordeu sind, und daß das Fort
durchaus nicht dürch ihren Angriff gelitten hat.
— General Thomas zeigt an, daß Hood am
27. Dec. über den Tenncsseesluß gegangen ist.

Z t a l j e «

Turin, 11. Zänuar. Der Bericht der zur
Untersuchung der Turiner Septemberereignisse
nicdergesetzten Cominission ist erschienen. Der-
selbe spricht auS: Auö den mitgetheilten Acten-
stücken und den eingezogenen Erkunoigungen
gehe hcrvor, daß jene Ereignisse in Folge von
Proclamationeu SeitenS der Agenten der öffent-
lichen Gewalt eingetreten seien, und daß die
Minister beim Einschreiten dagegen sich von
dem gesetzlichen Weg entfernt hättcn. Der
Bericht beklagt, daß die Regicrung nicht jene
Einheit der Handlung, jene Energie und Vor-
aussicht entfaltet have, welche die Bcdeutung der
Ereignissc erforderte, und baß die Vtatiou da-
durch über die wahre Natur der Turiner Vor-
fälle in Zrrthum geführt worden sei.

S V a n i e n

Madri-, 10. Jan. Heutl hat Hr. Cal-
derou - Collautes im L-euat daS illtinijterium
wcgen deS AusgcbcnS von Sl. Domingo an-
gegrissen. Marschall Narvaez autwortete, er
hade oicje Maßregel im Znteresse der Nation
in Vorschlag gcbracht.

Reueste Rachrichten.

Kvpenhagen, 11. Jan. Nach Berichten
au« L>l°ckholm soll die Cinsuhr von Korn in
Finnlano auf 15 Zahre sreigegcbeu sein.

Paris, 12. Jan. Der Moniteur berichtet:
Der Bischof von MoulinS hat am 8. Jauuar
selbst die in Folge ded Bericht« des CultuS-
ministers gn oen Kaijcr nicht approbirtenThesse
der xäpstiichen Encyclica verlcjeu. E« ist baher
gegen den Bischof von Mvnlins ein RecurS we-
gcn Mißbrauch der AmtSgcwalt beim Staats-
ralh anyängig gemacht.

Wien, 12. Jan. Zn der heutigen Sitzuug
des Unlerhauses wurden solgende vier Jnter-
pcllationeu eingebracht. Skenc sragte, ob die
Vorlage deS ZolltarifS noch in dicser Session
crfolgen werde? Hcrbst: wann und wie daS
Ministerium «en Vorgang bezüglich dcr der
Bodcncrcditanftalt eingerännilcn Bcgünjtigun-
gcu vor dem Hauje rechlfertigen werde. Schind-
ler in Betrcfs der Vorlagc der seit dem 2ö.
Febr. erfolgten Bewilligungcn zur Errichtnng
vo» Kioeicommisscn; Ätühlfcldt in Betrcfs dcs
dänischen FricdcnsvertrageS: Wird derselbe dcm
Hause vorgclegt werden? Zn welchem Verhält-
nisje stehen »ach Ansicht der Regierung heute
dic Elbherzogthümer zu Ocsterreich, in wclchem
zum Dcutjchen Bunde? Wclche dcsinitwe Or-
ganisirung sollen dicselben erhalten? Welchen
Einfluß wird hierbei der BundcSversammlung
und den Herzogthümcrn selbst cingeräumt?
Erkcnnl die Rcgierung di- Erbfolgcrcchtc deS
Augustcnburger« an, oder werdeu Lhnliche
Unt-rsuchungen für nothig gehalten wie in
Preußcn, und welche-Wirksamkeit gedenkt di-
Regierung der preußischerseits b-abstchtigtcn
Prüfung der Erbsolgerechtc zuzugestchen? —
Der vornialigc Confercnzminister Graf Hartig
ist gestorbcn.

Berlin, 10. Zau. Zn parlamentarischen
Krcisen hält man eS nach der „Kln. Z." sür so
gul wic gewiß, daß daS AbgcordnetenhauS, wenn
nicht zwingende Umstände hinzutreten, kcine
AntwortS-Ädressc aus die Thronrede erlassen
wird. Dagcgen ist eS wahrscheinlich, daß daS
Herrcnhaus die Situation zu einer besonderS
warmcn Zusiimmungs-Adresse z»r RegierungS-
Politik als geeignet finden wird.
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