Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Veidtlbtrgkr Ztitlmg.

Kreiöverküiidiguiigsblatt für den Kceis Hcidelberg und aiNtliches Berküudiguagsblatt für die Amts- und Amts-
Gerichtsbezirke Heidelbcrg uud Wiesloch uud deu Amtsgerichtsbezirk Neckargemüud.

N» I k Lomitag. t,; Za»uar L8VL.

Bestellungen nuf die „Heidelberger
Zeirung" nebst Beilage „Heidelber-
ger Familienblätter" für das mit L.
Zgnuar L81»S bego.inene 1. Quartal
werden fortwäürend angenommen.

Die Expedition

* Politische Umschau.

Zn Ver am 12. Statl gehabten BundeStags-
sitzung gab Baden cine Erklärung dahin ab,
daß es geneigt sei, deu von der bezüglichen
Commission bcarbeiteten Gesetzentwurs gegen
den Nachdruck bei sich einzuführen, wenn die
Annahme von sämmtlichen Bundesstaaten be-
liebt würde.

Wie bercits früher mitgecheilt, hat der König
von Preußen bie sämmtlichen fünf vom Kölni-
schen Capitel aufgesteüten Candidatcn für die
ErzbischofSwahl m Köln abgelehnt. Dagegen
ist eine Remonstration Scitens des CapitelS
erfolgt. Nun hat am 5. d. der Oberpräsident
der Rheinprovinz dem Capitel erklärt, daß das- !
selbe sein Wahlrecht verloren und er seine Mis-
sion als Wahlcommissär nievergelegt habe. L>o
hat für dcn Augenblick die Angclegenheit eine
Art von Erlediguug gefunden, d. h. die Ver-
handluugen, so weit sie das Capitel betresfen,
ruheu gänzlich.

Ein Pariser Correspondent der „Allg. Ztg."
will wissen, der Atinister Baroche habe sich
sofort nach dem Bekanntwerden der Encyclica
in dirccte Verbindung mit dem französischen
Episcopat gcsetzt, um desjen Ansichten über die
Zuläfsigkeit der Verkündigung derselben zu ver-
nehmen, unb daß vvn sämmtlichen (etwa 60)
der zu Rathe gezogenen Prälaten nur vier
(Es siud aber bekanntlich mehr.) auf die
Geslallung der vollen und ganzen Oeffent-
lichkeit gedrungen, alle übrigen dagegen, mit
Rücksicht auf die Zeitverhältnisse und die ösfent-
liche Stimmuug, eine unbeschrällkte Verössent-
lichung als jchlechtweg unthunlich bezeichnet
habeu. Gestützt auf eine solche Autorität hat
die Oiegierung das bekannte Decret erlassen.

JnVieapel haben die Studenten eine große
Demonstralion gegen die Encyclica ausgeführt.
Vor dem Standbilde Giordano Bruno'S er-
richteteu sie einen Scheiterhausen und verbrann-
ten auf denlselben unter lebhastem Jubel die
Encyclica uud den Syllabus.

* Das dritte Abonnements-Loncert des
Instrumental - Vereins

fand am 12. d. M. unter Leitung des Hrn. Boch

stalt. Auch dieses Eoncert is? als eines der ge-
lungensten zu bezeichnen, und dic Erwartungen,
die das schöne Programm bei dem zahlreich vcr-
sammrlten Publikum erregte, wurdcn vvllkommen
ersüllt, wofür die Namen der mitwirkenden Künstler
im VorauS auch sichcre Garantie boten. Nach der
den hiesigen Kräften entsprechend guten Aufführung
der lieblichen Schöpfung Mendelssohns (A-Dur-
Symphonie) trug Frau, Anschütz-Haasc die Arie
Ler Gräfin auö Figaro's Hochzeit vor. Wir danken
Hrn. Boch, baß er unS Gelcgenheit bot, diese
längst berühmte Sängerin auch hier zu hören; ein
ausführliches Urthcil über deren Leistungen wvllen
wir hier nicht aussprechen, sie sind schon zu allge-
mein anerkannt, sondern nur sagen, wie wohl-
thuend es für uns war, nach dem vielen Mittel-
mäßigen nnd Öberftächlichr,n, welches uns die jetzige
Sängk'welt bietet, einmal wieder eine Künstlerin

Der Schweizer „Bund" ist der Ansicht, daß
Sherman's glücklich vollsührter und durch die
Eroberung Savannah's gekrönter kühner Zug
den Krieg seinem langsamen, aber sicher heran-
rückenden Ende näher gebracht hat. Das Blatt
fügt aber weiter bei: Warum haben die Son-
derbündler den als so tollkühn dargestellten
Marsch Shcrman's nicht gehindert? Gcwiß
nicht, weil ihnen der Muth dazu fehlte,
sondern weil sie nicht konnten. Und durch dieses
Nichtköunen hat sich klar die iunerc Hohlheit des
Sonderbundes dargethan, cö hat sich gezeigt,
daß er lediglich auf seinen Armeen beruhl, uno
daß, wo er diese dcm Feinde nicht entgegen-
stellen kann, dem Letzteren kein Widerstand aus
der Volkökraft selbst mehr entgegenwächst. Hätte
der Sonderbund eine Laudbevölkerung freier
Bürger und Bauern und gälte scinc Krieg-
führung wirklich der Unabhängigkeit eines Vol-
kes, so wäre Shcrman sicher nicht so leicht
durchgekommen. Er würde vielleicht eine Be-
rcsina gefunden haben. Statt dessen hat er,
während seine Armeen von Grant und ThomaS
festgehaltcn sind, im Jnnern seines Landes nur
Sklaven, die kein Jnleresse haben, für die Un-
abhängigkcit ihrer Unterdrücker aufzustehen und
für die Hoffnung sich zu schlagen, daß ihre
Peiniger sie in Zukunft uoch ungehinderter
pcinigen können.

D e u t s ch l a » V.

Kailsruhe. 11. Jan. Die hiesigc Haiidcls.
kammer hat folgendes Programm ausgegeben.

§ 1. Als Vorort für den dritten badischen
Handelstag wurde Karlsruhe gewählt. § 2.
Den Anfang der Conferenzen haven wir auf
Montag, den 24. April, Morgens 10 Uhr,
bestimmt. DaS Sitzungslocal ist im Saale der
Gesellschafl Eintracht dahier. § 3. Von Sei-
ten einer Vorcommijsion, bestehend aus Abge-
ordneten der Handelskammern vou Eberbach,
Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe-, Konstanz,
Lahr, Mannheim, Osfenburg, Pforzheim und
Rastalt, wurden vorläuftg folgende Gegenständc
für die LageLordnung bestimmt: a-Berathung
wegen Errichtung einer vadischen dtolenvank
und Bcralhung eines Statulenentwnrfs für
diejelbe; ll. eveutueü: Wahl der ültitglieder für
den Gründungsausschuß einer badischen Noten-
bank. Schlieglich ftudet die Wahl des Vorortö
für deu nächslen (4.) badischen Hanoelstag slalt.

im wahren Sinne des Wortes zu hören, wie sie
leioer immer seltener werden. Hicr ist die schöiie
großartige Stimme, gel<itet von innerstem wahrcn
Gcsühl, ourch keine Schwierigkeiten der Technik
beeinträchtigt; die Aussprache klar und deutlich,
briugt Las Wrrk deS großen Meistcrs in seiner
Külle, unterstützt von ber eigenen genialen Auf-
sassung, vor unser lauschendes Ohr. Möchten sich
doch alle jüngeren Sängerinnen an solchem Vor-
tragc, an solcher Schule ein gutes Beispiel nehmen,
dann würden wir nicht so häufig das Misöre er-
leben, die Stimme noch jugendlicher Persvnen
schon abgesungen, hohl unb reizlos zu finben;
denn die gute Schule tst die beste Erhalterin der
Stimme. Der verdtente Beifall, von allen nur
einigermaßen Kunstverständigen, ward ber Künstle-
rin in vollem Maße gezollt. Später trng fie noch
zwei classischr Lieder von Mozart und Beethoven und
ein einfach rührendes Irijches Volkslied vor. Auch
als Lirdersängerin kann sie allen als nachahmens-
würdiges Beispiel empfohlen werden. — Wie so
ganz anderö lauten diese Lieder, ihrer classischen
Schöpfer würdig vorgetragen, mit Geist ansgcfaßt, !
frei vvn aller Uebertreibung, der Jdee des Com- >

§ 4. Alle Handelskammern, Handelsvereme,'
bezieh, Handelscorporationen des Landes sind
berechligt, sich bei dem Handelstage durch Be-
vollmächte in beliebiger Aüzahl vertreten zu
lassen. § 5. Bei den Berathnngen kann jeder
Anwescnde sich betheiligen; bei dcn Abstimmun-
gen steht jedoch jeder Corporation nur eine
Stimme zu. § 6. Anmeldungen zur Theil-
nahme sind, jo weit es bis jetzt noch nicht
geschchen ist, längstens bis zum 28. Febr. d. I.
bei dem Vorort einzureichen. § 7. Diejenigen
Handelscorporationen, welche weitere selbststän-
dige Anträge bei dem Hanvelstage einzubringen
beabsichtigcn, haben diesclben spätestens bis
Ende Februar d. I. schriftlich, möglichst genau
und ausführlich motivirt bei dem Vorort ein-
zureichen, welcher dieselben geeigneten Falls
drucken uud an diejenigen Kammern, bezieh.
Corporationen, welche sich zur Theilnahme ge-
meldet haben, rechtzeilig vertheilen lassen wird,
damit den Letztern hinlänglich Zeit bleibt, die
betrefsenden Gegenstände iin engern Kreise zur
Berathung zu ziehen. § 8. Die angemeldeten
Auträge, deren Znbetrachtnahme von dcr Ver-
sammlung ausgesprochen wird, werden in der
Reihenfolge der Berathung ausgesetzt, wie solche
bei dem Dorort einlaufen. § 9. Die Kosten,
wclche durch die Abhaliung des Handelstages
entstehen, werden von den an dem Handelstage be-
theiligten Corporalionen pro rutu getragen, von
dem Vorort berechnet und eingezogen. § 10.
Eine provisorische Geschäftsordnung, welche in
der ersten Sitzung von dem Vorort vorgeleg!
werden wird, bestimmt das Nähere über die
innere Organisation der Versammlung. Karls-
ruhe, deu 1. Jan. 1865. Die Handelskammer
der großh. Residenzstadt Karlsruhe. Ed. Kölle.
A. Dürr.

Karlsruhe, 13. Zan.' Die „KarlSruher
Zcilung" schreibt an der Spitze ihreS Blattcs :
Die Stellung, welche das Gesctz vom 9. Oct.
1.860 der Sraatsregierung zu den Kirchen des
Lanves angewiesen hat, beruht auf dem ein-
fachcn Satz, daß diese Kirchen soforl ihre An-
gelegenheiten srei und selbstständig ordnen und
verwalten sollen. So natürlich die Folgerungen
aus diesem Satze sich ergeben, so vielfach wer-
den sie dennoch verkannt. Die alte Gewohn-
hcit, die Staatsregierung inSbesondere in der
evangelischen Kirche als die oberste kirchliche
Behörde anzusehen, siegt noch immer selbsl vei
Personen, denen eine befsere Kenntniß zuzu-

Vorzüge beurkunoen iu ihm den wahren, zur großen
Meisterschaft berufenen Künstler. Später trug er
noch das schöne Adagio aus einem Quintett von
Mozart, so wie eine Composition aus oem 16. Iahr-
hunbert: „Romaneske", vor, wobei sich der scinem
Jnstrumente eigene zart-melanchoiische Ton in einer
wundervollen Weise entfaltete. Die Zuhörer folgten
mit gespannter Aufmerksamkeit bis zum Schluß, wo
fich die Anerkennung in lautem stürmischen Beisall
geltend machte! — Den Schluß des ConcerteS bil-
dele^ die ^110x^^11^ zuCgm^nt^ deiben^ganzer^ Ge-

fortfahren, die Concerte der Muscnstadt Heidelberg
auf so h'oher Stufe zu erhaltrn, wie biSher.
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