Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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in London, Herr Bille, definitiv seinen Posten
aufgegeben.

Kopenha>,en, 21. Ja». „Berlingjle Tl-
dendc" meldet, daß Hr. Qnaadc durch eine k.
Resolntion beordcrt ist, seinen Gesandtschafts-
poftcn in Berlin neuerdings anzutreten.

P ortugal

Liffnbon, 18. Zannar. Das brafilianische
Paketboot hat die Nachricht mitgebracht, daß
Paysanda, ein Hafcnplatz von Urugnay, von
dcm brastlianifchen Gcschwader bombardirt wird.
Paragnay hatte die Feindseligkeiten gegen Bra-
silikn eröffnet.

'A »n e r i k a.

Neuyork, 7. Jan., Abends. Die Botschaft
deS GouvcrneurS von Kcntucky anempstehlt die
gradweise Frcigebung dcr Sklaven und deren
Entfernung vo» Kentucky.

Neueste Nachrichte».

Neupok, 11. Zan., MorgenS. Halbofficiell
wird erklärt, daß Niemaud, weder autorisirt,
noch nicht autorisirt, in ciner Friedensmijsion
nach Richmond gcgangen sei. Der UnionS-
general Butler ist entlassen. Die in Savannah
vorzcfundene Baumwolle wird nach Neuyork
gebracht werden. Der Bundesgeneral Sher-
man concentrirt seine Armee zwischen Hardee-
ville und dem Savannastuß. Gold 222^/,.

Neuyork, 11. Jan. Die Operationen
gegcn Wilmington werden unmittelbar wiedcr
anfgeuomnicn werden. Anßer einem Angriff
auf das Fort Fijher zu Land und zur See
wird anch ein Angriff im Rücken der Stadt
durch eine Colonne nnter Terry gcmacht
werden.

Kopenhagen, 22. Zan. „Berlingske Ti-
dende" mcldei die Rückzahlung der letzten Rate
der während des Kriegcs contrahirten schwe-
bendcu Staatsschuld und bcmcrkt: Die Rück-
zahlung würde ermöglicht dnrch eine mit dcm
Londoncr Bankhauje Rayhacl Söhne »bge-
schloffenc fünsprocentige Anleihe.

^ Heieelberg, 22. Zan. Wir sind in
der Lage, Jhnen einige Mittheilungcn über den
Stand der Schulhausbaufrage machen zu kön-
nen. Der hiesige Gemeinderath hat in einer
seiner letzten Sitzungen charüber Bcrathung ge-
pstogcn und an dcn großh. Obcrkirchenraly,
welcher ^ der Laupflicht zu tragen hat, abcr
in Bezug aus Größe, Dienerwohnung u. s. w.
mit der Stadtbchirde nicht ii» Einklang ist,
eiu Schreiben erlasscn, in dem er dem Mit-
baupflichtigen seine Ansichten in der entgegcn-
kommensten Wcise auseinandersetzt und auf
baldige Znangriffnahmc des Schulhauses dringt.
Diescs Schriststück, welches vorher dem evang.
Ortsschulrath zur Keuntnißnahme und Erklä-
rung zugestellt worden war, bildete, wie wir
hören, dcn Hauptgegenstand dcr Verhandluug
der lctzten am vcrfloffenen Freitag abgehaltenen
Sitzung dieser Schulbehörde. Der OrtSschul-

rath ist der Anschauungsw-ise deS Gemeinde-
raths in allen Th-ilen beigetreten, und hat
außerdcm bcschlosscn, die Dringlichkeit dieser
Sache bei großh. Oberkirchenrath besonders da-
durch zu begründen, daß cr ihm den elenden
Zustand schildert, in oem cr die Schullocale
bei scinem Besuche der ev. Schule angetroffeu
hat. Und um ja die Sache nicht weiter hin-
auszujchieben, machte jich dic Ansicht gcltend,
von Allem Umgang zu nehmen, waS von
Neuem Veranlassung zu Differenzeu und Ver-
zvgerungen geben könnte, so daß eS dcm
sreundlichen Entgegeiikommcn der Stadt ge-
gcnübcr dem Großh. Oberkirchenrath und der
Thätigkeit des OrtSschulraths vielleicht noch
gclingcn dürfte, da« ichon seit eincm Men-
schenalter ersehnte ncue Schulhaus mit dem
kommendeu Frühling in Angriff genomme» zu
schen.

DieBöse» uud dieBraven vonWaid-
mühtbach.

gälftast.

-i- Heidelber,,, 20. Januar. Dnrch die
Odenwaldbahn crhalten wir auS dem Walde,
i» wclchem einst Odin verehrt ward, allerlei
Bcrichtc und Mittheilungen östcrs dcnn frühcr
zugesandt, aus Eberbach, Mosbach, Schönau,
Schönmattenwaag odcr Schimmcdewoog, wie der
Ort im Volksmunde hcißt. Gegen das Dorf
Waldmühlbach bei Billigheim sollcn wir
kürzlich eine himmclschreiendc Uugerechtigkeit bc-
gangen haben und sind darnach ausgesvrdert
worden, dafür Buße zu thuu in Sack und
Asche und den Frevler mit Namen zu nenncn.
Wenn aber nur zehu Gerechte in Mühl-
bach sich sinden, wicd dcr Hcrr, der da Er-
barmen hal, jcin Strafgericht nicht voll-
ziehcn und un« wird die Müh- und das Vcr-
gnügen hoffentlich erspart bleibcn, vor einem
Amlsgericht zu crschcinen. Die Guten in
Waldmühlbach haben alsdann nicht nöthig, einen
MoSbacher Advokaten als Vertheidiger ihrer
uicht angegriffenen Ehre und Bürgertugend auf-
zujtcllcn; dic Schlinimen aber in dem genann-
tcn Dorse deS Odcnivaldcs mögen unjern mehr
huinoristisch klingendcn als herben und bittern
Tadel ohnc Erbittcrung hinnehmen, denselben
einigerinaßcn beherzigcn und sich bessern!

Zn den letzten Tagen des verflossenen Zahres
erschien in diesen Blättern ein Correspondenz-
arlilcl, welchrr cinige Züge hervorhob auS der
Billigheimer Misjion, dic von dem dortigen
kathvlischen OrtSgeistlichen arrangirt und in
Scenc gesetzt worden war. Es sind auch Ein-
wohner von Waldmühlbach nach Billigheim ge-
kommen, um einc MiissionSprcdigt dcr auS
Weftphalen verschriebenen Patres zu hören
und manche diescr andächtigen ländlichen Zu-
hörer haben nach dem GottcSdienst tüchtig ge-
trunkcn, weil ihncn die gcpsesserte Predigt
Durst verurjachtc, uud yaben des Guten so viel
genossen, daß sie mit Bränden nach Hause
kamen. Das wäre nun daS -Lchlimmste nicht;

auch Vater Noah und andere bidlische Persön-
lichk-iten spürten des Rebensaftes NLchhaltigeS
Feuer, weßhalb Ivir unsererseitS über die Trun-
kenhcit, die gewiss-rmaßen eine germanische
Eigenthümlichkeit ist, nicht als allzu strengcr
Tribunalrath Rhadamanl zu G-richt sttzen
wollen. Auch hier in Heidclberg haben schon
manche akademische und nichtakademische Bürger
-inen Rausch nach Haujc gctragen und sind
deßhalb an ihrer Ehre und Reputation nicht
gejchädigt woroen. Manche Einwvhner von
Waldmühlbach haben sich jedoch nach Anhörung
der Mijsionsprcdigt nicht nnr betrunken, son-
dern ans dcm Rückweg von Billigheim nach
ihrem Orte anch einander recht geprügelt,
was in jeneni Artikel vom Odenwalde nicht
stand, weßhalb es heute erzänzend nachgetragen
wird, indem uns diesc Thatsache von einem
vollkommen glaubwürdigen Älanne gestern wie-
derholt bestitigt worden ist. Daß es übri-
gens in Waldmühlbach auch brave und -hrbare
Leute gibt, welche an dcrartigen Scenen und
Auftritten keine Freude haben und noch weni-
ger Theil daran iiehmen, unterliegt keinam
Zweisel; ein jedeS Dorf und Dörflein hat auch
anständige Männer anszuweisen, die der Roh-
heit und Gcmeinheit abhols sind, waS wir hier
ausdrücklich bemerken unr betoneu, obgleich
dicscr Zusatz Vlanchem ikberflüjsig erscheincn
wird. Was soll eS deßhalb bedeutcn, wcnn
dem ungeachtet ein MoSbacher Rechtsanwalt an
unS zum Ritter werden will, indem er für dic
angeblich verlctzte und gckränkte Ehre der Mühl-
bacher in die Schranken zu treten gedenkt? Der
Verfasser jenes ArtikelS vom Odenwalde hat
keine Lügen berichlet, sondern die Wahrheit gc-
sagt, ivovon er auch den Richter zu üb-rzeugcn
demüht sein wird, im Falle die« nöthig scin
sollte! Es ift Pflicht der Pressc, Ungczogenhei-
ten zu rügen und zu diesen gchört unstreitig
jene coniniune Balgerei und Prügelei auf dem
Heimweg von Billigheim nach Waldmühlbach,
jene Rauferei, welche eine treffende und
handgreisliche Zllustration ist zu den österS als
heilsam und wohlthätig auSposauntcn Folgen
und Wirkungen einer Mission und Missions-
predigt. Zum Schlusse noch -in Wort sür einen
gcistlichen Vogt jener Gegcnd. Dcrjelbe joll
kürzlich scine gkliebten Pfarrkinder ermahnt
habcn, sie möchten doch ja nicht Alles glauben,
waS dic Zeitungsschrciber sagen. Der Diener
des göttlichen WorteS hat vollkommen Recht;
die ZeitungSschreiber und andere Stcrbliche
glauben auch nicht AlleS, wa« die für da«
päpftliche Rundschreiv en begeisterte Geist-
lichkcit sagt.

Aus Ticrdeii. Nach der Zählung vom
Jahr 1881 bclief sich die Bevölkerung unseres
Landes auf 1,369,291 Persvnen. Der s. M.
glaubt, daß die ncueste Volkszählung mehr als
1,400,000 Einwohner herausstcllcn wird. —
Dic Erössnung dcs diesjährigen Hebammen-
Lchrcnrsus in Heidelberg ist auf den II. Febr.
fcstgesetzt.

Obngkeitliche Bekanntmachungen und Privat-Anzeigen.

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

Jn der Stadt Hetdelberg ist eine erledtgke Heb-
ammcnstelle zu besetzen. Solche Bewerberinnen,

suS,sich unterziehen wollen,^werden vorzugswcise
berucksichttgt. Die Anmeldungen haben innerhalb
drer Lagen unter Vorlage von Geburts- und
Lcumunbszkugnissen bci Großh. Bezirksarzt Herrn
Medicmalrath Mezger dahier zu geschehen.
Heidelbcrg, den 21. Ianuar 1865.

"" oßh. BezirkSamt.

M. Krey.

Bekamitmachung

Höherem Auftrage zu Folge s»ll die Liefe-
rung von

2000 Tclegraphenstangen,

2600 gußetsernen Telegraphenkappen,

7000 Stück eisernen Bogenstützen (Krümpen),
590 Etr. Telegraphenvraht (riserner)
im SummisfionSwege vergrben werden.

Sckriftliche Angebote mit Aufschrift
„Lieferuug von Telegraphenmaterial"

verseheu werden biö Freitag, den 27. d. Mts.,
Vormittags 9 Uhr, von unterzeichnetcr Stelle
^ltgegengensnimen, ^wosrlbst auch die Licferungs-

Verwaltung der Gr.

lLisenbahnhauptwerkstätte u. des Hauptmagazins.
Der Vorstand. Der Verwaltungsbeamte.

Obser. Adam. (2)

Holz-Versteigerung.

AuS Distrikt II. Abtheil.
5, 6 u. T^fSchaubild) der

Donnerstag, d.26. d. M.,
Dormittags 10 Uhr,
im Wirthshaus zum Löwen
in Sckönau folgende Ge-
hölze looswcise vrrsteigern :
164 buchenr Wagenstangrn, 550 forlenc Bohnen-
stecken, 81 '/4 Klaftcr buchene Klappern, 6Vr Klaf-
ter forlene Prügel und 18625 Stück buchene
Wellen. ^ ^

Heidelberg, den 18. Ianuar 1865.

Großh. Pflege Sckönau:

Kircher. (2)

Pfaiidei Kcrsteigerung.

Mittwoch, den 25. d. M., NachmittagS 2 Uhr,

1863, Nr. 13091 bis 14682, nicht ausgelösten
oder erneuerten Pfänder öffentlich vcrsteigert.

Dieselbeu bcstehen in Gold, Silber, Uhren,
Bettung, Weißzeug, KleidungSstücke und diversen
Gegenständen.

Heibelberg, den 19. Ianuar 1865. (2)

Leihhaus-Verwaltung.

Holzversteigerung.

Nr. 86. Bis Moutag den 30. d. M. wird aus

im"Mftric/lx"Pkchberg"„nd VIII l8cckarhalden^da«

Rth^'g-schiipi zn WllÄ!ijf-nklaft,r, auf^d"» Slvck
öffcntlich versteigert.

Die Zusammenkunft isr Vormittags 10 Uhr im
Gasthaus zum Adler in Waldwimmersbach.
Wiesenbach, den 19. Januar 1865.

Großh. bad. BezirkSforstet.

Krutina. (2)

Zu vermiethen der 2te Stock, mtt oder
ohne DLöbel, westliche Hauplstraße Nr. 31. (2)
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