Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Nk- 21. Mittwoch. 23 Zauuar 18«L.

* Poiitische Umschau.

Der „Karlsruher Zeitung" wird auS Wieu
gcsHrieben: Es war bekaunllich vor eiuiger
Zeil dic Rede davon. daß Oesterreich nameul-
Iich mil Haunovcr wegen Ueberlassnng eiues
HafenS sür eine in der Nvrdjee ständig zu
eladlircude Kriegsschiffslalion vcrhandle. Es
wnrdc damals daraus aufmcrkjam gemacht, daß
uoch nicht einmal eulschiedeu sei, ob Oesterreich
übertzauxl eine solche Stalisn dort errichlcn
werde. Zch glaube heute iudeß tziNzusugen zu
joUen, daß der Plan hicr sehr crnstlich erwogeu
wird Und daß, Ivenn gleichwohl von Verhand-
lungen zur Eewiuuung eines. eiitjprcchendcn
Hascns AlleS slill gcworden, dies darin seincn
Grund hat, daß bercilS dic mit Prcußcn jchwe-
benden Verhandlnngcn eincn Bundeskricgshasen
nichl blos an der Ostküstc dcr Herzogthümcr
(Kiel), jondcrn auch an dcr Westkilste (List)
in's Auge fassen und wcil der letztere vollstan-
dig qnalificirt scin würde, öslcrreichischc Kriegs-
jchisjc aujznnchineii.

Die „Bresl. Ztg." theilt das Gerücht von
einer Znsammenkunft dcr Souveränc von
Rußland, Preußeu und Ocsterreich im Früh-
jahre zn Warschau mit.

Preußen hat dein jchweizerischen Vundesrath
erklären lassen, es wnnsche ebensallS den Ab-
jchluß eines Handelsvertrages zivischen oem Zoll-
-vereiii und der Schweiz und sei mil der mög-
lichsten Beschlennigung der Verhandlungen ein-
verstanden.

Die „Times" sreut sich, daß bie prcußische
Kammer sich weder durch Schmeichelci noch
durch Drohung bcwegen lasjc, ihrc versassuiigs-
niäßigen Rcchtc auszllgcben. Wenn die Kaminer
auch nicht die Macht habe, der so stark organi-
sirtcn Regierung erfolgreichcn Widerstand zu
leislen, so habc diese doch zu bcdcnkcn, um wic
vicl mächtiger jie in Deutschland und Europa
sein würde, ivenn ste anf ihre Bolksvcrtretung
sich slützen tönntc. Wenn es dcu Ministern
um Erbielsvergrößernng zu lhun sei, so mnsje
ihr ersteS Streben dahin gehen, sich mit ihrem
Parlament, tas jo großen Geineingcist und so
viel Talcnt zcige, zu verftändlgcn.

Fortwährend vernimmt nian von klnglücks-
fällen iu Folge der letzlen Stürme. So crsährt
man iiun, daß der ganz nenc Schraubendam-
pfer Columbian, welcher von Merseh nach
Westindien auSgclaufen, ini Ocean versnnken

ist. Es befanden sich 38 Schiffsleutc »nd cin
Reisender (Engländer) an Bord; 3t davon
sind umgekommcn, nur 3 Matrosen gcrettet.

Es isl sicher, schreibt die „Köln. Z.", daß
der Prinz Napoleon mit Zustiminnng oer Kai-
serin sür den Fall, daß dem Kaiser clwas zu-
stoßen sollte, die Regentjchaft nbernehmcn wird.
Die Gesundheit des letztcrcn ist jcdoch dcm
Lußercn Anscheine nach kcinesweg« in naher
Gesahr.

Den Bischöfen, wclchc bis jetzt in mchr oder
weniger schroffer Weije gegen daS Circular des
JustizministcrS Laroche protcstirt haben, habcn
sich iiun auch der Eczbischof von Air und die
Lischöfe von Straßburg, Painiers, Metz und
Mende angcrciht.

Der Senat und dcr Gcsetzgcbende Körper in
Frankreich sind dnrch ein Decret dcs Kaisers
vom 21. Dezcmbcr anf dcn 15. Februar be-
rusen.

DaS Ergebniß der nordamcrikanischcn Prä-
stdcntcnwahl ist nun den Zissern nach festgestcllt.
Die Zahl dcr Abstimmenbcn betrug 3,857,702.
Davon erhiclt Lincoln 2,182,500 Stimmcn,
Mac Ctellan dagcgen 1,775,209.

A»r LchleSwig-Holste-iii'schei,
«ache.

Der Berlincr „Nat. Ztg." wird aus Kiel
vom 14. Zan. gcschricbcn: „Dcr hcntc culmi-
nirende Umschlag zeigt, welch cin rciches Land
die Herzogthümer sind. Trotz der großcn Lastcn,
wclche Skadt und Land im vcrflossencn Zahre
direct und indirect zu tragen hattcu, und unter
dcncn die starke Einquartirrung vorzüglich drük-
kcnd ivar, soll sich biö jctzt von ben wie gc-
wöhnlich zahlreich cingctroffencn holstcinischen
nnd jchleSwig'schen Grundbesitzcrn und Pächtcrn
auch nicht einer außer Stande gesehen haben,
fcincn Verbindlichkcitcn nachzukommen. Za es
joll dießinal bcträchtlich mchr Kapital zur Un-
terbriugung am Vkarktc sein, als uiilerzubrin-
gcn sein wird. Bci diesein Wohlftano brancht
das Land seinc finanziclle Zukunft nicht zu
fürchten."

Rendsllurg, 18. Zan. Die in einer
öffentlichen Versaminlnng von Grundbesitzern
in Hohenwcdstedt vorgclegte Aorcsse an dcn
Kaiscr von Ocsterreich und an den König von
Prcußen, ivclche zahlrciche Unterjchristen fand,
lantct am Schlussc: „Auch wir Unterzcichnelen

haben hiufig genug nnseie Ansichten laut wer-
dcn laffcn, daß wir den von den ersten Rechts-
gelehrtcn DcutschlandS zur Erbfolge in SchleS-
wig - Holstcin bercchligl anerkannlen Herzog
Friedrich VIII. zu unserin Fnrslen wünschcn;
wir drauchen daher diesc Knndgebung nicht zu
wiedcrholen, inüsscn eS jcdoch ties bcklagen,
wenn durch die Äbrcsse jencr Siebenzehn dic
feste Gestaltung unjeres LandeS anch nur eine
kurze Zcit verzögcrt, dcr gegenwärtige unklare
u»d kostjpieligc provisorische Zuftand aus'SUnge-
wisse hin vertängert werden jollte. Unjcr Vater-
lano bedarf dcs FriedenS I Der vicljihrige
Druck von DLiiemark hat der innern Wohl-
sahrt dcs LandeS tief geschadet und cinc ver-
nünftigc Gejetzgcbung für dic gcistige» und
matericllcii Ziilcrcsscn dcr Bewohner dermaßcn
in Rückstand gcbracht, daß einc Bernsung der
gesetzmäßigcn Vcrlretuiig dcs Landcs schon jctzt
in hohcni Grad gedoten crschcint. Ew. Majc-
stäten bittcn wir dcßhalb vertraucnSvoll: Be-
achtcn Sie nichl die Kundgcbung jcner ein-
zelncn Slimineu, sondcrn lasscn Sie dem Rcchl
unbcschränkt seincn Lauf, dem Recht und Ver-
laugen Schlcsivig-HolstcinS, als Thcil deS großen
deutschcn Vaterlandes unlcr dcm cigcnen Herzog
zu lebcn, und gebcn Sie ihm Gelcgenheit, mit
der vcrjassungsiiiäßigen Vertrctung des Laudc»
nnsern Dank für die Befrciung durch treuc
Pflichtcrsüllutig gegcn Deutschland, namentlich
gegcn Prcußen, auch ferncr an dcn Tag zu
lcgen.

D e ii t s ch l a i» d.

— Maniiheim, 20. Januar. Aus einen
Lcitartikcl bcr Freiburgcr Zcitung, wclcher drr
Rcgicrung cin cncrgischcrcS Vorgchcn in der
Schulfragc cmpsichlt, hat bekanntlich ein offi-
ciöser Artikcl der Karlsruher Zcitniig cine Anl-
wort gebracht, welchc den Standpunkt der Rc-
gierung klar mach! und dic Nachwcisung cnt-
HLll, daß ihr Verfahreii dcm Gcsctze von 1860
vollkommcn gcinäß ist. Wir wüßlc» auch nicht,
wic einc Regicrnng besonnener handelii könntc,
die, wie die badijche, i» dcr Mitlc zwischen zwei
Parteieii steht, von dcnen die einc sie mit Ge-
walt vorwärts zn drängen sncht, währciid dic
andcrc alles Mögliche versucht, fic rückwärtS zu
ziehen. Es vcrdient gewiß An-rkciiiiung, weun
unler solchen Verhältnisscii die Rcgierung un-
beirrt auf der Bahn dcr Entwicklung vorwärls

** Mrin tzöcbrlbuch.
Von Emil Alfred Damm.

Jib hab' rin hkii'grS Bnch gesunteo,

Zn dem lch stetS mit Freuvcn bct'

Unv daö in meiner Anbacht Stunden
Mir himmlisch rrin zur Scitr stehtj
Im Äeußern jst'S so fchön gebunden
llnd inncrltch so sromm durchwrbk.

Hirr muß lch bkten, muß lch kniren
Und in brr wärmslen Anbacht glühcn.

O welche Tirfe, wrlche Füllc,

O wrlchc Rrinheit, wrlchr Gtuth!

Ihr atten Bücher, ljegt nun stllle!

Hicr hab' lch'ö bündig, schön und gut,
Hier b-t' tch, wo tn -nger Hülle
Di- reichstc Well voll Andach, ruht.

Hitr wlll ich Trost unb Hvßnung saugen:
Aus dcm Gcbctbuch —Ihrer Augen.

«m 4. Ianuar d. I. ist vor drr rrsikn Kammer
deö Lrviltrrbunals dcr Seinc lN Paris rin Rtchts-
strctt verhandelt wordtn, der unser» Lescrkreis

wcgcn vcn bethciligtcn Persönlichkeiten tntercssiren
wtrb. lLö handrlt fich um eink der ounkeln Kehr-
sciten dkö glänzrndcn und zaubcrhaften BildeS,
daö dte Saison von Baden-Badcn vvr den
Angen ihrcr Gäste unb ihrer Opscr aufzurolleii
pstrgt.

Der Splklpachtcr Benazct veretnigt bekanntllch
sur oie Rennzeii im Septcmber, dcn Glanzpunkt
der Saison, alle möglichcn Gcnüsse tn dcr Bädcr-
ftadt, darunter in erster Rrihc dic theatralischen
Lcistungen h-rvvrragender Künstlcr auS Dcuisch-
land und Frankrejch. Jm April 1862 gelang cs
lhm, dic bekannte Künstlcrin dcr Ovmeciie-frsn-
oslve, Frau Arnvuld - Plrssh, zu zwei Gastsplelrn
tm Scptrmber 1862 und Srptcmbcr 1863 zu en°
gagiren. Als Gagc war sür jeden der bctden Mo-
nate vaS arttgc Sümmchen von 6660 Franken
bestimmt; außerdem ficherle Bcnazct der Künsllerrn
als außerordciitlichc Ziilagc für Totletkenausgabrn
mlttetst bcsoiidercr Anwcisung weitcrc 2000 Frankrn
zu. Am Ende vcS Gastspiels tm Iahre 1862 rrhielt
Frau Arnould-Plrssy unbranstanvrt 8000 Krankcn
ansdezablti die glri», Zahlung von 8000 Fran-
ken ersvlgtr im Iahre 1863, in wilchem dir Künst-

lerin diksclben rcichen Lorbecrcn wie im Zahr zu-
vor gecrndrt haltr. Nach gtschchener Zahlung aber
glaubte Herr Wclb, S-cretär dcS Hrrrn Brnazrt
(nach der AuSdruckSwelse drS Advokatrn drr Arnvuld-
Plcssy „dkr Mlliister dlrscs KönigS, dcr sich Bena-
zet nennt Iliid der zu Badrn-Baden regiert und
herischt"), zu drr Annahm, berechtigt zu stin, daß
die außerordkntliche Zulage nur für 1862 bewilltgt
wordrn sci, well Frau Plcssv nur ern, frrilich
drr ZahrrSbczcichniing entbchrendcS, Bon für 2000
Franken bcsaß, und Hcrr Benazet frtbst sich nur
für cinmal zu der höheren Summc vrrbundrn er-
achtcte. Hcrr Wrih verlangte deßhalb von Frau
Pleffy 2000 Franken, alö ziir Uugrbühr bezahlt,
zurück; er schcint darauf von drr Damc, dte ihr
Anlvalt eine junge und reizende Wittwc nennt,
obglrtck fie schon 1846 wegcn Contractbruches ein
uiiangenrhmrs Rriicontrc mit der Direction der
: Oomeckie-krsnosioe halir, rtwas zur üngrbühr br-
handclt wvrdrn zu sein, dadurch grreizt, dir Hilse
der badischcn Behördrn tn Anfprnch genominrn zu
habrn, dir rndrssen die Abrrisr dkr Künstlcrin nur
übcr clnrn Zug hlnderkrn, nachdem der französische
Grsandtr und srinc AttacheS wrgrn dirsrS heftigrn
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