Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Verqiftung, Verwandtenmord. KindeSmord,
Tödtung. Nolhzucht; 2. Brandsüftung; 3.
Schriftfälfchung, mit Jnbegriff der Fätschuug
von Bankzetteln, Papiergeld und öffentlichen
Werthpapiereu; 4. Münzfälschung durch Fer-
tigung salscher oder Verfälschung ächter Mün-
zen und wisfentliche Berausgavung salfcher
Müuzen; 5. Meineid und falsches Zcugniß;
6. Raub, Diebstahl uuter erschwerenven Um-
ständen, Betrug, Erpressung, Bestechung öffent-
licher Beamten, Unterschlagung oder Veruntreu-
ul^ von Seiten öffentlicher Hinterlegungs- oder
Rechnungsbeamte:'.; 7. Boshaste Zahlungs-
fiüchtigkeil. — Die Ausliefcrung findet statt:
1. wenn das deßfallsige Ersuchen auf dasselbe
Verbrechen oder Vergehen gegründet wird, we-
gen dessen der Auözulicfernde in dem Lande,
wohin er sich gcfiüchtet hat, gcrichtlich verfolgt
wurde, oder noch verfolgt wird; 2. wcnn nach
den Gesetzen des um die Auslicferung ersuchten
Landes die gerichtliche Berfolgung des Verbre-
chens oder die deshalb erkannte Strafe verjährt
ist. — Die politischen Verbrechen und Ver-
gehen sind von der Uebereiukunft ausgeschlosfen.

F Heidelberg, 31. Januar. Je näher
die Zeit heranrückr, ivo — wie bie Kreuzzei-
tung sich ausdrückt — Preußen versuchen muß,
sich eine Stellung in den Elbherzogthümern zu
verschaffen, um so mehr steigern sich die Vor-
schläge Seitens der Annerionspartei. Am lieb-
steu würde man natürlich die Herzogthümer
völlig incorporiren, den Herzog Friedrich mit
einer Gcldentschädigung abfinden, worüber in
der That auch schon Unterhandlungen stattge-
sunden haben. Jn zweiter Linie spricht man sich
dagegcn für die Einjctzung des Herzogs unter.
Beschränkung seiuer Souveränetätsrechte auö;
er würde demnach auf die Stellung eineS Statt-
halterS Preußens bejchränkt werden. Noch eine
andere Stimme appellirt an den PatriolismuS
des Herzogs und verlangt, daß er die SchleS-
wig-Holstcincr, wclche ihm bereits den Eid ge-
leistel haben, wieder davon entbinde und frei-
willig aus seine Anfprüche verzichte. Der Aeus-
serung deS bayerischen Ministers v. d. Pfordten
entgcgen, er werde keiner Verabredung wider-
'streben, welche innerhalb des Rahmens der
Bunvescompetenz verbleibe, wird darauf auf-
merksam gemacht, daß das Herzogthum Schles-
wig nicht zu den deutschen Bundesländern ge-
höre. Da es mit Holstein übrigens enge ver-
bunden ist, ffo würde dieses Verhältuiß (nach
der Anschauung der Anncxionspartei) genügen,
um auch den Anschluß Schleswigs an Deutsch-
land hinlänglich fest zu begründen.

fis Pforzheim, 30. Jan. Die Theilnahme
am poUlischen Leben müßte bei uns eine sehr
geringe sein, wenn man sie nach dem Besuch
der öffenfiichen Versammlungen beurtheilen
wollte. Eine Versammlung des Nationalver«
eins war fo schwach besucht, daß nicht einmal
Beschlüsse gefaßt werden konnten. An einer
von dem ruhlosen M. Müller anberaumten
Versammlung, in welcher er unter kräftiger Be-
kämpfung durch die Anhänger Eckhardt's für
die preußische ^»pitze sprach, betheiligten sich vor-
zugsweise die Mitglieder des Arbeitervcreincs,
dagegen nur wenige Bürger.—Bei einer Ersatz-

ihre Gcsichter am folgeiiden Tage wenigstenS um
einen ZoU in die Länge gewachsen seien. — Jn
andern Gegenden, namentlich zwiscken Neckar und
Rhein, hat auch kürzlich eine Wildsaujagd statt-
gefunden, bei der es in anderer Art zuging. Ein

Sckütze nämlich gericth bei dcm Änblick drs EberS
so in Aufregung, Andere sagen — boshafter Weise
— tn Angst, daß er seinem Nachbarschützen sofort
seine Büchse mit den Worten reichte Vetter, Vet-
ter — hter- — schieß Du — und richtig, der Vetter
erlegte kas wüthenke Thier, wrßhalb derselbe seit
einiger Zeit auch Sauvetter genannt wtrd. Das
find eben schlechte Wtze — und nicht bös gemeint.

Oberst Charras.

Der am 23. Januar zu Basel verstorbene Oberst-
lteutenant LharraS war am 7. Zanuar 1810 zu
Pfalzburg in Lothringen geboren; auch sein Vater,
welcher als General 1839 starb, war ein eifriger
Republikaner. 1828 — 1830 war er in der poly-

wahl in den OrtHschulrath an die Stelle dxs
verstorbenen K. Zerrenner gabcn 281 Wähler
ihre Stimme ab, eine Zahl, die hinter unsern
Erwartungen zurückblieb. Hoffentlich zeigt sich
bei den Wahlen in die Kirchengemeindeversamm-
lung, welche im Laufe dieser und der nächsten
Woche stattfinden , eine stärkere Betheiligung.
Doch handelt eS sich dabei nur um eine.Per-
sonenfrage, nicht um Grundsätze, da die Pro-
testler, welche in unserm Amtsbezirke so stark
vertreten sind, hier keinen Boden fiuden. Der
Protestantenverein, der durch den Tod deS
Bürgermeisters Zerrenncr einige Zeit lang ver-
waist war, wird am 8. Febr. eine Versamm-
lung halten, um die Fragen zu besprcchen,
welche auf dem nächsten Protestantenlag zur
Verhandlung kommen werden. — Nachdem durch
den Arbeiterbildungsverein für die Bedürfniffe
der männlichen Arbciter so ziemlich gesorgt ist,
will M. Müller auch einen Verein für die
zahlreichen Arbeiterinnen (Poliffeusen, Email-
leusen, Kettenmacherinncn u. s. w.) gründen,
ein Unternehmen, das eben so verdienstlich als
schwer durchzuführen ist, da es nur mit dcr
thätigen Beihilfe dcr Frauen des gebildeten
Standes gelingen kann.

Darmstadt, 23. Jan. Die Darmst. Ztg.
erklärt den von der Wochenschrift des National-
vcreinS veröffentlichten, auch von Uns mitge-
theilten Jnhalt eincs zwischen dem Großherzog
von Heffen und dem Landgrafen von Hesfen-
Homburg abgeschlossenen NertragS für „durch-
aus ungenau und weit entfernt, den wahren
Sachverhalt richtig wiederzugeben. Der im
Sommer vorigen Jahrs mit Homburg abge-
fchloffene, die Erbfolgeverhältnisfe betreffende
Vertrag — ein Vertrag, wie er schon bei Re-
gelnng der Gebielsverhältnisse im Jahre 1816
in Aussicht genommen war — ist im Wesent-
lichen nur eine Bestätigung Dessen, was die
Familienverträge des hessischen Hauses und
allgemeine staatsrcchtliche Grundsätze ohnehin
mit sich brachten. Er enthält Nichts, was mit
solchen Grundsätzen, oder etwa mit der Ver-
fassung des Großherzogthums oder dem öffent-
lichen Rechte der Landgrasschaft Heffen-Homburg
im Widerspruch stünde.

Offenbach, 31. Jan. Dr. Karl Gutzkow
ist heute auf Anrathen jeiner Aerzte von hier
nach Gilgenberg bei Bayreuth übergesiedelt,
um dorl in ftiller Zurückgezogenheit, fern dem
Geräusche der Welt, unter bcwährter Pflege
für scin getrübtes Gemüthsleben Klärung und
Heilung zu suchen.

Berlin, 28. Jan. Zn der heutigen Sitzung
der Budget-Commisiion erklärte der Regierungs-
Commiffär Mölle, er könnc weder sagen, was
der Krieg gegcn Dänemark gekostet habe, noch
woher die Mittel zur Kriegsführung genommen
seicn, weil die Rechnung noch nicht geschloffen
sei. Er erklärte ferner, daß keine Anleihe ge-
macht, daß weder die Eiscnbahn-Anlcihe, noch
die BetriebsfondS oazu verwenvet seien. Die
Frage, wie viel dem Staatsschatz entnommen
fei, könne er noch nicht beantworten.

Berlin, 30. Jan., Abends. Die Kreuzztg.
sagt: Das Abgcordnetenhaus scheine von Mit-
gliedern, welche einen jchärferen Conflict ver-

1. Artillerieregiment, arbeitcte aber zu gleicher Zeit
vielfack in der Oppofitionspreffe. Seit 1841 stand
er in Algier und zeichnete sich vtelfach aus; doch
war sein Avancement schlecht, weil er Republika-
ner war, erst 1844 erhielt er ein Bataillon in der
Fremdenlegion. 1847 wurde er von Lamoriciere

nerS, aber etn ausgezrickneter Officier!" Jm Fe-
bruar 1848 ging er auf Urlaub nach Frankreich;
er fand, als er am 2. März in PariS ankam, den
Julithron in Trümmer gebrochen und wurde zum
Secretär der Nationalvertheidigungscommission er-
uannt, in welcher Lamoriciere, Bedeau, Oudinot rc.
saßen. Später wurde er Unlerstaatösecretär im De-
partement deS KriegeS und verwaltete etne Zeit
lang interimtstisch dieses Departemcnt biS zum
Amtsantritt Lavaignacs. BiS auf den letzten Au-
genblick bekämpfte er in und außer der Kammer
Ludwig Napoleon mtt Entschlossenheit, biS ihn
dieser in der Nacht vom 2. Dec. 1851 mit La-
vaignac, Changarnier, Bedeau, Lamoricivre rc.

meiden wollen, in der Budzetberathung auf
Nebenwege verlcitel zu wcrden, welche that-
fächlich auf Einstellnng der Arbeiten bezüglich
der gesetzlichen Feststellung des Staatshaushal-
teS führen würden. Es scheine unzweiselhaft,
daß die Regierung eine thatsächliche Verweige-
rung der Mitwirkung als solche betrachten und
dem Hause die Verantwortung für die.Frucht-
losigkeit und den nothwendigcn Abbruch der
Verhandlungen überlassen würde.

Aus Hohenzollern, 29. Januar. Heute
wurde die päpstliche Encyclica in allen Kirchen
der Hohenzollern'schen Lande von der Kanzel
veakündigt. (Schw. M.)

K r a rr k r e i ch

Paris, 28. Jan. Bischof Dupanloup ist
wegen feiuer Broschüre vou dem Cardinal
Antoneüi im Auftrage des Papstes beglück-
wünscht worden; die Schrift ist, seitdem ihr
ein Proceß drohte, in sechfter Auflage erschie-
nen. Der Bischof von VersailleS hat die En-
cyclica nebft dem Schreiben des Ministers
feinen Diöccsan - Geistlichen zusendet. Der
„Conftitutionnel" bringt die Wiverlegung der
Broschüre Dupanloup's. — Der Sullan hat
beschlossen, das Leben Cäsar's in das Türkifche
übersetzen zu lassen.

Paris, 30. Zan. Die „France" berichtet,
daß die Doctoren Nelaton und Reyer nach
Nizza abgereist sind, wohin sie zur Consulta-
tion beim Großfürft-Thronfolger von Rußland
berufen worden sind.

E ch w e i z.

Genf, 30. Jan. Die Generalvcriammlung
der Bankactionare ist ruhig verlaufen; alle
Administratoren wurden nach dem Vvrschlag
der Berliner neugewählt, die neuen Statuten
gcnehmigt und Reinach zum Generaldirector
ernannt.

R u ß l a n V

Warschau, 23. Jan. Wie die „Gazeta
Naradowa" erfährt, befinden sich in dcr Cita-
delle zu Warjchau gegen 30 zum Tode vernr-
th-iltc politische Gefangene, die der Bestätignng
dcS TodeSurthcilS und ihrcr demnächstigen Hin-
richtung enlgcgensehen.

A m e r i k a.

Ncuyork, 19. Jannar. Man hat jetzt
Näheres üb-r die Einnahme des FortS Fishcr.
Daffelbe wurde nach einem lebhasten Bombar-
dement von der Flotte vom Gcneral Forry mit
Stnrm genommcn. Die Stordstaatlichen haben
72 Kanonen crobert und 2000 Gefangene ge-
macht.

Washingtou, 19. Jan. Man hat Nach-
richten aus Bera-Cruz «om 31. Dezbr. Das
erste Detachement österreichlscher Truppen war
in dieser Stadt angelangt, wie gleichsalls Graf
Thnn, der Gesandtr Oesterreichs beim Kaiscr
Maximilian.

Reueste Nachrichten.

Southampton, 29. Zanuar. Nachrichtcn
auS Pern zeigen die Ankunst von drei spani-

trtcbenen" gesetzt und nach Brüffet gefchafft. Von
dort auS setzte er den Kainpf gegen das Kaiser-

Belgien begab er fick nach Holland, später nach
Deutschland und der Schweiz, wo er sich vermählte
und sich fast auSschließlich mit militärisch-litera-
rischen Arbeiten beschäftigte. Jm Jahr 1857 er-
schicn zu Brüffel scin berühmtes Werk: „Geschichte
deS Feldzugs von 1815, Waterloo", hauptsächlich
gegen Napoleon'S I. Denkwürdigkeiten von St.
Helena gerichtet. Ein zweites Werk über den
Feldzug von 1813 sollte demnächst erschetnen. Ein
priesterliches Begräbniß verbat er fich.

(M u tter lieb e.) Reultch gab in Berlin in
der Ritterstraße eine gewöhnlick gekleidete Frau
einem Dienstmann ein kleineS Kind mit dem Auf-
trag, daffelbe zu einer Famtlie in dem Hause
Nr. 31» zu tragrn. Die bezeichneten Leute wohn-
ten aber gar nickt dort, und als der Dtenstmann
wieder auf dtc Straße kam, war dte Frau ver-
schwunden.
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