Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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an der Mont-Blanc-Straße verhandejt. Es
waren vier Personen angeklagt, Vertheidiger
waren dic Advocaten Raisin. Lcchot, Zurlinden.
Einer dcr Angeklagten wurde freigesprochen,
die drci andern verurtheilt. Carrel, dcr Nach-
folger des Bias, wurde zu 24 Stunden Ge-
fangniß und 400 Franken Buße verurtheilt.
Dr. Vascher, Präsident dcs sog. Fremdenzirkels,
zu 300 Fr. Buße; Mercier , gcwescner fran-
zösischcr Militär, Schriftführer der Gesellschaft,
zu 300 Frauken. Die Spiclwcrkzeuge wurdcn
consiscirl. Die Frage dcs Art. 410 und der
Spielhäuser ist durch diesen RichtersprUch end-
gültig entschicden.

Vern, 5- Fcbr. Jn Folge der im Großen
Rath von Genf stattgesundencn Enthüllungen
ist der Secretär des Fremdenbureau's, Hr. I. I.
Ducommün, verhastet worden.

G n g l n il d

London, 4. Febr. Die „Times" hat aus
New-Aork die Nachricht crhalten, daß der con-
föderirtc Congreß einstimmig den Bcschluß ge-
faßt hat, die Regierung aufzufordern, alle
Streitkräfte dcs Südens mnter den ausschließ-
lichen Oberbefehl Lee's zu stcllen und den Krieg
mit Lußerstem Nachdruck fortznsetzen, bis die
Emancipation des Südens definitiv errungen
ist. Der Congreß empfiehlt gleichfalls, General
Johuston wieder in sein Commando cinzusetzen.

Z t 6 l i e rz.

Nach den Angaben dcs Turiner Timescorre-
spondenten wäre es die clericale Partei gewesen,
welche die letzten Unordnnngcn in der piemon-
tesischen Hauptstadt angesacht hätte. Der Cor-
respondent behauptet, die Demonstrationen seien
gegen das Königthum selbst gerichtet gewesen.
Diese Demonstrativnen waren zwcierlei Art:
auf dcn Straßen und im Ballsaale. Dic ersien
Wagen, welche zur Festlichkeit fuhrcn, wurden
mit Zischen und Pfeifen empfangcn. Später
wurden cinige mit Steinwürfen augefallen.
Endlich cinige Wagen von der Masse ange-
halteu und zur Umkehr gezwungen. Einer der
fremden Gesandten, den das Volk wegen Achn-
lichkcit der Uniform für den Vertreter Frank-
reichs hielt, befand stch im letzten Falle. Man
rief ihm zu, er möge seinem Herrn berichten,
was er geschcn habe. Vicle der auf den Stra-
ßeu lant Gewordcnen gehörten offenbar nicht
den untern Classen an. — Der Saal selbst
war so lecr wic noch nie bei einem Königsball.
Außcr dem diplomalischen Corps und dcn ita-
lienischen Angestelltcn fehlten fast alle Einge-
ladenen. — Ganz besonders mangelte es an
Damen. Der picmontesische Adel war fast ga?
nicht vertretcu. Kaum zeigte sich irgend ein
piemonlesischer Abgeordneter oder Senator.
Vom Stadtrath' fand sich auch nicht ein ein-
ziges Mitglicd ein. Und diescr Stadtrath be-
steht hicr nicht etwa aus Handwerkern zweiter
Classe, sondern begreift in sich die Angehörigen
der höchsten Türiner Gesellschaft. Vicle Damen
Lenützten die Unordnung auf den Straßcn als
Vorwand, um hinwegzubleiben.

Palermo, 23. Jan. Am Sonntag fand

in dem Universitätshof eine große Volksver-
sammlung statt. Die Zahl der Anwcsenden
wird aus 8000 geschätzt. Den Vorsitz führte
der Herzog della Verdura. Der Hauptredner
war Perrone Paladini; seine Anträge: „schleu-
nigste und ausnahmslose Aufhebung der reli-
giösen Körperschaften und die Verwendung der
geistlichen Güter für Zwecke der Wohlthätigkeit,
der öffentlichen Arbeiten und des Unterrichts,
und zwar zunächst in den sicilischen Provinzen",
wurden durch allgemeine Zustimmung angenom-
men. Nach festlichem Zug durch die Haupt-
straßen löste fich die Versammlung auf. Die
bourbonistische Partci hatte es nichl an Gegen-
rufen fehlen lassen, und sogar die Waffcn ge-
zeigt, war aber durch das Auftreten der Natio-
nalgarde von Thätlichkeiten abgeschreckt worden.

Turin, 3. Febr. Ein Turiner Correspon-
deut des Pariser „Monitcur" spricht sich in
höchst tadeluder Weise über die letzten sehr
graveu Nuhestörungen in dieser Stadt aus,
und gibt seine Ansicht dahin ab, daß der beste
Ausweg aus den gegenwärtigcn Verlegenheiten
wohl in der augcnblicklich mit Entschlosscnheit
durchgeführten Nerleguug der Hauptstadt nach
Florenz und in der ungesäumten Ausschreibung
neuer Parlamentswahlen bestände.. Ein unter
diesen Bedingungen entstandenes Parlament
würde schwcrlich der Negierung die durch die
Situalion gebotenen speciellen Vollmachten ver-
wcigern, die man ihr jctzt nur deshalb noch
nicht zugesteht, weil die alten autonomen Par-
teien, die noch in dem gegenwärtigeu Parlament
repräsentirt sind, gegeu einander zu wenig Ver-
trauen hegen.

Turin, 3. Febr. Cs wird angezeigt, daß
General Cialdini zum Commandanten des er-
sten Militärbezirks ernannt worden ist, dessen
Sitz in Turin ist, an der Stelle des Generals
della Rocca. Der Senator Pavese ist zum kgl.
Commissär bei der Compagnie der Domanial-
güter crnannt worden.

Florcnz, 3. Februar. Der König ist um
10 Uhr angekommen. Die Stadt war beflaggt.
Eine ungcheure MenscheNmenge war bei seinem
Eintritt in die Stadt versammelt und ließ bc-
geisterte Nufe erschallen. Die Nationalgarde,
die allein unter den Waffen war, rief: Es lebe
der Galantnomo! Vor dem Palast erneucrt
sich der Jubelruf. Se. Majestäl zeigte sich auf
dem Balkon.

S p a rr r e n

Madrid, 4. Febr. Nachdem das Mini-
sterium gelegentlich der Anleihenscommissiow
eine starke Majorität in der Kammer erlangt
hat, sind dic Gerüchte einer Cabinetskrisis ohne
weitere Begründung.

A m e r i k a.

Quebek, 24. Jan. Das kanadische Par-
lament hat das Verfahren der südstaatlichen
Flüchtlingc bekannt gemacht und den Eutschluß
ausgesprochen, dem Mißbrauch, welchen stc von
der Gastfreundschaft machen, die sie cmpfangen,
ein Ziel zu setzen. Eine Commifsion ist ernannt
worden, um eine Untersuchung wkgcn dcr Be-

frciung der Plündercr von St. Albans und
über das Verhalten des Richters Coursal, der
seines Amtes entsetzt worden ist, anzustellen

Neueste Nachrichten.

Bern. 6. Febr- Der Bundesrath hat zu
seinen Vcrtretern bei den Unterhandlungen
wegen eines Handelsvertrages mit dem Zoll-
verein ernannt: die Herren Ständerath Stähe-
lin von Bascl, Nationalrath Heer von Glarus
und Consul Hirzel-Lampc in Lcipzig. Die
beiden erstgenannten Herren find zur Berathung
des Jnstructionsentwurfs hierher bcrusen.

Aus Baden. Jn der Gemeiuderaths-
sitzung vom 4. Febr. haben, wie die „Konst. Z."
meldet, Gemeindcrath und kleiner Ausschuß der
Stadt Konstanz für den Bau der Eifcnbahn-
strecke Kon'stanz-Nomanshorn, vorbehaltlich der
Genehmigung des großen Ausschusses, eine
Summe von 80,000 Frcs. votirt. — Kürzlich
ließ cin Stuoirender des Polytechnikums in
Karlsruhe, während er zu Bette lag und allzu
sest schlief, das Licht brennen, welches sich dem
Bette mittheilte und den Körper des Schlafen-
den so verletzte, daß er heute an den Brand-
wunden gestorben ist. — Jn Karlsruhe ist
Frau Josephine Scheffel, die Gattin des großh.
Majors und Obcrbaurathes a. D., die Mutter
des Dichters Scheffel, gestorben. — Aus
Pfullendorf ist eine Abordnung dortiger
Gemeinoevertreter nach Karlsruhe abgereist, um
Namens des Bezirks eine ErgcbenheitSadresse
in der Schulfrage allerhöchsten Orts niederzu-
legen, und die Bitte anzureihen, die hiesige reich
dotirle Spitalstiftung lediglich unter weltliche
Aussicht zu stellen. — Die Bezirksämter sind
augewiesen über alle Veränderungen hinsichtlich
der Personen der Standes- und Grundherrn
des Bezirkes, ihrer Besitzungen und Wohnun-
gen, jährlich an das Ministerium des Junern
Bericht zu erstatten. — Ueber die Fragc, ob es
zweckmäßig sei, das Recht zur Anwaltschaft
auch in der Beschränkung auf Verwaltungs-
sachen zu verlcihen, wird dem „Schw. M." ge-
schricben, sei neuerdings in juristischen Kreisen
mehrfach Erörterung gepflogen worden. Bis
jetzt hat man aber von dieser theoretisch nicht
zu bestreitenden Befugniß noch keinen Gebrauch
gemacht. Die neue Anwaltsordnung gibt das
Recht zur Anwaltschaft unbeschränkt Jedem, der
nach erstandener zweitcr Prüfung noch zwei
Jahre bci einer Staatsstelle oder bei einem
Anwalt gearbeitet hat. Es liegt also in der
Berechtigten Macht, auch nur von einem Theil
dieser Befugniß Gebrauch zu machen, ohne daß
hiezu eine besondere Form der Verleihung nö-
thig wäre.

* Theaternoriz.

Dle allerliebstc Operette: »FloUe Bnrsche" kam seit

Obngkeitliche Bekanntmachungen und Privat-Anzeigen

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

Die Landpostanstalt betr.
Nr. 3036. Das Großh. Ministerium des Jn-
nern hat am 29. Derember v. I. (Ccntral-V.-
O.-Bl. 1865, Nr. 2, S. 7) versügt:

in denjenigen Amtsbezirken, in wclchen noch die
sogenannte Amtsbotenanstalt besteht, die Aemter
stch in ibrer Correspondenz mit den Gcmeindebe-

hördcn mehrfach noch dieser Amtsboten bevienen,
hierdurch aber, da dic Boten nicht täglich, sondcrn
oft nur 2 bis 3 mal in der Woche die Brieftaschen
bcsorgen, ein ungebi'ihrlichcr Gcschäftsaufenthalt
eintrittz so sicht man sich veranlaßt, die Großh. Aem-
ter anzuweisen, auch da, wo noch eine Amtsbotenan-
^ilt befteht, sich zur Abstndung ihrcr Sckreiben an die

nen, auck die Gemcindebehörden anzilbalttn, ibre
nicbt portopflichtige Correfponden; an das Bezirks-
amt durch die Landpost gehcn zu lassen, bei
bUscm Anlaß dieselben ^aber vor der mißbräuch-

nachacktung in Kenntniß gesetzt, ^ ^

Heidelbcrg, den 6. Februar 1865.

Großb. Vezirksanu.

Ren ck.

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

^ Nr.^ 3029^ Die Gesuche um Älnfnabme in das

Vorschriften der Verordnnng vom 19. Fcbruar
1863, Ccntralverordnüngsbl. Nr. IH.,. beobachtet

werden. ^ 4 ^ b 1865

Heidelberg, ^^bcbr^ a^^^6

_M. Frey._

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

Die Vorsichtsmaßregeln gegen die

Uebertrctnngeil derselben werden nach § 85 dcs Pol.-
St.-G.-B. bestraft.

Der Großh. Bezirköarzt wird in Berücksichcigung obi-
ger Umstände bald mit den regelmäßigen Jmpfungen
beginnen und wcrden die Eltern dringend aufgcfordert,
ihre Kinder regelmäßig, insbesondere auch zur Nach-

Heidelberg, den 6. Febrnar 1865.

Großh. Bezirksamt.

^ekättntmachring

Dic Eintheilung der Notariats-
Nr. 3076. distrrktc der Stadt Heidelberg betr.

Das Großh- Iastizministeriuni hat mit Erlaß
vom 2. d. Mts., Nr. 1191, genebmigt, daß die
Eintheilnng der Stadt in eine öftliche und in

kür die Eintheilung der Notariatsdistrikte der
Stadt l. (östliche Hälfte — Hr. Notar Dillinger)
und H. (westliche Hälftc — Hr. Notar Pezold)
maßgebend sein soll.

Dies wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

Heidelberg, den 6. Februar 1865.

Großh. Amtsgerichl.

Ka h.

(1)_Eisenhut.

Großh. Amtsgericht Wiesloch.

Nr. 1079. Heute wurde in bas Hirmenregister
untcr O. Z. 140 eingetragen die Firma Philtpp
Anniser von Wiesloch, veren Jnbaber ist Han-
delsmann Philipp Anniser in Wiesloch.

Wiesloch, den 3. Fcbruar 1865.

Großh. Amtsgericht.

H ördt.
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