Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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bü ihrein Eintritt in die Stadt allerdings nicht
sehr fteundlich empfangen, und eS scheint die
Mannheimer Zugend die Faschingszcit als eine
gute Gelegenheit angesehen zu haben — ihre
klaPperndcn Jnstruincnte in Thätigkeit zu setzen.
— Der Zug bcwcgte sich dircct zur Jesuitcn-
kirche, deren Eingang jedochverschlvssen war, ünd
bei welcher sich alsbald eine ziemlich größe
Menschcnmasse saminelte. Der grosth. Landes-
commissär, der Stadtdirectvr, der Oberbürger-
meister der Stadt und einige andere angeseheNe
Bnrger bcfanden sich am Eingange der Kirche,
in wclche cinzutretcn den Casinojüngern von
Seiten der Pvlizei untersagt wurde. Nachdem
sjch dieselben endlich übcrzcugt, daß nichts zn
machen sei, erscholl plötzlich der Ruf „Aus nach
Ludwigshafen"und der Platz war alsbald ge-
sinbcrt. Auf dem Wege dahin kam es leider
zu Reibungen, veranlaßt dnrch provocirendc
Acußerungen und Handlungen Seitens der lll-
Namontanen, die schließlich damit endetcn, daß
einige dieser Partei Angehörige ihre Messer
zogen und gegeN die sie begleitende Menge zück-
ten. Znsällig krafcn die Stiche des Einen aber
auch cinen GesinnungSgenvssen — allcin einige
Mannheiiner Bürger ergriffen die Thäter äugen-
blicklich und führte» sie sofort in die Caserne,
wv dieselbcn ihrer Slrafe entgegensehen. Es
war natürlich, daß durch solchc blutige Por-
gänge die Stimmung eine gerciztere wurde,
uud als die Menge an die Rheinbrücke gelangtc,
fiei plötzlich ein tüchtiger Schlackcnrcgcn, der
cin und den andern — weun auch minder er-
heblichverletztc, die Meistenaberzur —Retirade
»eranlaßte. — An den Ufern deS Rheins
spieltc übrigens die Cvmödie zu Ende. Die
ultramontanen Casinohelden verliefen sich, und
schvn NachmittagS fand der größte Theil der
»on ihren Pfaffen durch Lügen und Entstel-
lunge» bethvrten Bauern für gerathen, Mann-
nheim zu verlassen. Wahrhast erbärmlich schloß
ein Unterfangen, welchcS nichts AndereS be-
zweckte als Aufregnng, Haß und Verachtung
gegen die Staatsordnung zn säen, und es wird
hvfsentlich dem Arme dcr Gercchtigkeit gelingen,
dic frecheu, mit dcm Blute ihrcr Mitmenjchen
iefieckten Anstifter zur vcrdienten Rechenschaft
zu ziehcn!

Hcktinover, 2Y, Febr. Aus den Worten,
init denen der Justizminister als Ehrenvorsitzen-
der die deutsche Civilproceß-Cominission wieder
ervffnete, scheint hervorzugchen, daß dcrsclbe
an das Zustandckommen der deutschcn Civil-
prvceßordnng glaubt. Er sagte nach der „Nds.-
Ztg." u. A.: „Es waren anwcsend sür Oester-
reich, Sachsen, Hannover, Würtemberg, Großh.

Hessen, Mecklenburg-Schwcrin, Nassau und
Meiningen di- frühdrcn Abgeordneten; für
Bayern statt des mittlerweile zum Justizmini-
stcr befördcrten ftüheren Abgeordneten der Ober-
appellationsrath von PixiS aus München. Ba-
den war durch dem würtembergischen Abgeord-
neten vertreten, Kurhessen und die freie Stadt
Frankfurt waren wegen zeiftveiliger Behinderung
der früheren Abgcordneten hcnte noch nicht
vertrctcn. Dagegen war zu allgemeiner Freude
ein mit einer Vollmacht der obersten Civilbe-
hörde versehener Vcrtreter der Herzogthümer
Holstein und Lauenburg in der Person des
AppellationSgcrichtS - Prästdentcn Dr. Preußer
aus Fl-nsburg erschicnen. Daß dic Ausgabe
nicht unlösbar sei, beweise der Entwurf, wel-
cher aus den Arbeiten der ersten Lesung her-
vorgegangen sei.

Z t a l i e n.

Turin, 21, Febr. Man meldet aus Ca-
tania, daß bie Lava i.n ihrem Laufk eine Schnel-
ligkeit von drei Meter die Stunde erreicht und
daß sie die Territorien von Linguaplessa und
Piedimonte »erwüstet hat.

Florenz, 22. Febr. Der König ist abge-
reist, Er wird morgen in Turin sein.

P v r t n g a l

Liffahvn, 19. Febr. Der Staatsrath hat
dcm Projekt der Reisc dcr Königin nach Zta-
lien seine Beistimmung verjagt. Die ameri-
kanische Korvette „Sacramento" ist abgegangen.
Man glaubt, daß sie sich nach Corogna bc-
geben werdc.

T p a n i e n

Madrid, 21. Febr. Der neue Finauzmi-
nister, Hr. Alexander Castro, hat heute der
Kammer erklärt, daß cr deu Gesetzcntwurf der
Vorwegnahme der Sieuern zurückziehe, und
daß er aus Unterstützung dcr Deputirten rechne
für den neuen Entwurf, der auf die Verbes-
serung der Finanzen auSgeht.

Madrid, 22. Febr. Der Finanzminister
wird daS Budgct der verschiedenen Ministerien
einer Prüsung unterwersen, um bedeutende
Ersparnisse zu machcn.

Reueste Nachrichteu.

Wien, 23. Febr. Jn der heutigen Untcr-
hausjitzung wurde der Antrag von Vrints in
Bctreff der Behandlung des Butgets für 18K5
und desjcnigen für 1866 angenominen. Herr
v. Schmerling hatte vorher erklärt: auch die
Regicrung theilc lebhast den Wunsch, daß eine
Vereinbarung zu Stande komme, und sei be-
rcit, ihrcrseits möglichst dazu beizutragcn.

Petersburg, 23, Febr. DaS „Journal
de St. Petersbourg" dementirt die Angaben

der lchteu Bombaydepesche: Seit 1858 sei kcin
russischcr Gesandter in Bukhara; Daschkend
sci nicht in russiichem Besttz, .dahcr auch für
die Negierung kcine Mvglichkcit, daselbst Steu-
ern zu erheben; die Nachricht vom Bau einer
Straße nach Bukhara sei unrichtig.

AuS Bade». Der „Badische Beobachter"
behauptet in der mit Bcschlag bclegten Nummer
in einem Aufrufe: „An die Katholiken" geradezu,
daS Allerhöchste Handschreibcn enthaltc unwahre
Behauptuugen! ES ist in diesem, an Form
und Zuhalt unverschamten Aufrufe von 684
Gemciuden die Rede, aus deuen Adressen fchon
eingegangen oder doch angemeldet seieu. Da
man nuii eiuen andern Weg cinschlagen, be-
zichungswcise über einen solchen sich einigen
müffe, heißt es weiter, so solle das Absenden
von feriieren Adrefsen, als mit der Würde der
Katholikcn ohnehin nicht mehr vcrträglich, un-
terbleiben u. s. w.

vcrmischte Nrchrichtrn.

Heitbronn, sl. Fcbr. Bci drr gestcni hier abge-
haltenen Versteigerung von eichener Gerberrinde wur«
den seilgehoten: 49,937 Ctr. Glanz- nnd Naitelrinde
und 860 Klafter Grobrinde. Davon wurden aber nur
verkauft: 13,855 Ctr- von der ersten und 411 Klafter
von der zweilen Gattung. Die Preise bewegten stch
von 2 fl. 48 kr. bis 4 fl. 3 kr.' pr. Ctr. Glanz- und
Raitelrinde und von 19 fl- 30 kr. bis 27 fl. pr. Klftr.
SS ttfE " G-f"MMl-rl°S bcr-chn-t stch zn »4,E fl.

Ravensburg, 19. Febr. (Zur Warnung.) Ein
Reiseuder woüte, als der Eisenbahnzug schon in Be-

Körper vollständig in zwei Theile geschnitten wudhe!

Darmstadt, 19. Febr. Jm Juni d. I. wird dahier
eine größere Blnmen- und Pflanzen - Ausstellung statt-

Gottesdienst in Heidelberg.

Sonntag, den 26. Febr., Vormittags 9 Uhr, predigen:
in der Heiliggeistkirche: Hr. Stadtpfr. Herbst; in der
Providenzkirche: Hr. Decan Dr. Zittel.

Nachmittags 3 Uhr,

Univerfitätsgottesdivnft in der Providenzkirche,
'/»ll Uhr: Hr. Lic. Nippold.

MittwochO 9 Uhr: Hr. Vicar Schwarz. ^

Deutschkatholische Gemeinde.

Sonntag, den 26. Fkbr., früh 9 Uhr, GotteSdienfl i»
unserem Betsaale durch Hrn. Dr. Brugger.


Obrigkeitliche Bekanntmachungen und Privat-Anzeigen.

^Nr. 1206. Zur Verhütung von Ungliicksfällen

Brüchen wird auf Grund bes 108, Ziff. 2 des
Polizeistrafgesetzbuchks verorbnet, wie folgt:

8° i'

Das offene Gewinnen von Lehm, Kies, Sand
und Erde darf nicht durch Untergraben, sondern
nur durch einen, wo thunlich, schichtenwetsen Be-
nirb von oben nach unten geschehen.

Für die Art des l^etriebS von Steinbrüchen
vaven die BeztrkSämter in den einzelnen Fällen
aus das Gutachten einer technischen Behörde zu
anindende Vorschriften zn ertheilen, nach welchen
M vet demselben zu achten ist.

Die Bezirksämter haben durch das untergeord-
M Aufsichjgpxrsonal die Befolgung obiger Vor-
Mlsten übermachen zu läffen und sich von Zeit zu
bei schicklichen Gelegenheiten selbst davon zu
verlasfigen. °

8. 4.

diesseitigcn Vdrordnungen vom 21. März
^«14, vom 11. August UnV 21. November 1837
treten außer Kraft.

KarlSruhe, den 21. Januar 1865.

tgez.) A. Lamey.

(gez.) Mündel.

m Bczirksamt Wiesloch.

ot2. Die Bürgermetsterämter werden an-
vkwtesen, vorstehende Verordnung des Gr. Mint-

steriums des Jnnern vom 21. v. M., Nr. 1206,
Centralverordnungsblatt d. I. Nr. 4, Seite 14,
den Gemeinden nach Maßgabe unserer Verfügung
vom 5. November v. I. Nr. 7114, im Heidelberger
Journal Nr. 264, zu verkündigcn und die Verkün-
big^ungSbescheim^ungm ^in ^doppelttr Ausfertigu^ng

Wiesloch, den dZ. Februar 1865.

Großh. Bezirksamt.

Lindemann.

Großh. Amtsgericht Neckargemünd.

Gant-Edict.

Rr. 1287. Gcgen dgs Vermögen des flüchtigen
Gustav.Oberbauer von Gauangelloch, früher

und zum^ Schuldenrichtigstellungs- und VerzugS-
versahren Tagfahrt aus

Mittwoch den 22. März, Vormittags 8 Uhr,

weUhe aus waS immer für einem Grunde Anspruche
an die Gantmaffe machen woll-en, aufgefordert,
solche in der angesetzten Tagfahrt, bei Vermeidung
des Ausschusses von der Gant, persönlich oder durch
gehörig Bevollmächtigte schriftich oder mündlich an-
zumelden und zugleich die etwaigen Vorzüge oder
UnterpfandSrechte zu bezeicknen, dte geltend ge-
macht werden wollen, mit gleichzeitiger Vorlegung
der Beweisurkunden oder Antietung des Bewetses
mit andern Beweismitteln.

Jn derselben Tagfahrt wkrd ein Massapfleger
und Gläubtger-Ausschuß ernannt, und sollen Borg-

und Nachlaßvergleiche versucht werden, wobei be-
merkt wird, daß in Bezug auf Borgvergleiche und
Ernennung des Massapflegcrs und GläubigerauS-
schusses die Nichterscheinenden als der Mehrheit
der Erschienenen beitreteud angeseben werden.

Den im Auslande wohnenden Gläubigern wird
ausgegeben, spätestenS bis zur Liquidationsfahxt
einem im Anlande wohnenden Gewalthaber zum
Empsange aller Einhändiaungen, welche nach den
Gesetzen an die Partei selbst oder in ibrem wirk-
lichen Wohnsitze zu geschehen haben, aufzustellen.

Neckargemünd, den 17. Febrnar 1865.

v. Stetten.

Stangenholzversteigerung.

Donnerstag den 2. März d. I., Dormittags
10 Nhr, werben im Schutzbezirk „Vorderwald"des
Lampertheimer Gemeindewaldes
17,100 Stück 2- und 3zölltge kieferne Hopfenstan-
gen und

0300 Stück l'/^zöllige kieferne Trudelstangen
von vorzüglicher Qualität öffentlich an den Meist-
bietenden versteigert.

Die Zusammenkunst tst zu Neuschloß.

Steigliebhaber werden hierzu eingeladen.

Lampertheim, den 20. Februar 1865.

Großherzoglich Hessische Bürgermeisteret
Lampertheim:

(1) Billau.

(Zu vcrkaufen.) Ein Cvinptoirpult
vvn Eichenhvlz und ein kirschbaumener Glas-
schrank billigst. Wv sagt die Exped. d. Bl.
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