Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

Page: 244
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1865/0244
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
werden. Man sah ferner voraus, daß wenn
in Wirklichkeit die öffentliche Meinung sich
gegen die bisherige Gesetzgebung und zu Gun-
sten dcs Ullramontanismus crklären würde,
der Standpunkt des Ärinisteriums sehr erschüt-
tert, seine Stellung gefährdet nnd damit reac-
tionären Einfiüssen wieder der Eingang geöff-
net wäre. — Trotz aller Machinationen ist
aber die Sache jetzt doch ihrem Ende entgegen
gegangen.' An dem Widerstand der freisinnigen
Mehrzahl der Bevölkerung, der mit jcdem Tage
stärker wird, ist die ganze Agitation gescheitert.

c5 Heidelberg, 5. MLrz Von den formulirt
vorliegenden Forderungen Prcußens weiß man
jetzt so viel, daß ihre Erfüllung dem neuen
Slaate Schleswig-Holstein kaum einen Schat-
ten vou Selbstständigkeit belaffen, und
ihn zu einem bloßen Vasallenstaate herabdrücken
würde, unfähig in die Reihe der souveränen
Mitglieder veö deutschen Bundes einzutreten.
Und selbst diese hoch gcspannten Forderungen
bezeichnen eigentlich nur das Minimum der
Ansprüche PreußenS, so daß ein Verzicht auf
dicv ollständige Einverleibung der Herzogthümer
nicht einmal ausgeschlossen ist. Wenn aber in
Bczug auf Holstein als auf unbestreitbares
BundeSland dem Bunde gegenüber das Deco-
rum noch cinigermaßen gewahrt erscheint, so
wird dagegen die Verfügung über Schleswig
ganz unbeschränkt in Anspruch genommen, und
Deutschland auch nicht das kleinste Maß des
Einfluffes darauf zugestanden, trotzdem bisher
der staatsrcchtlichc NeruS zwischen den beiden
Herzvgthümern die Handhabe bot, auch über
das unmittclbare Bundesgebiet hinaus (m
Schleswig) gegen Dänemark aufzutreten, um
Dentschlands Recht zu wahren. Prenßen kennt
jetzt diesen Nerus nicht mchr, so wenig wic
seincr Zeit Dänemark; es will nicht einmal
' Rendsburg eine Bundesfcstung werden lassen.
So schwer mißachtet „der Befreicr" der Herzog-
thümer, mit Verleugnling dcr Fahne, unter der
er zum Kampfe auszog, dasselbe Recht, waS
er gegen Dänemark zu crstreitcn übernommen
hatte. —

Heidelberg, 28. Febr. Das „Ev. prot.
Wochenbl." meldet aus dcr Diöcese Schopfheim
von einer gemischten Ehe, welche zwischen einem
Katholikcn und ciner Protestautin nur unter
Schwierigkeiten geschloffen werden konnte. Der
katholische Pfarrer zu I. im Bez.-Amt St. B.,
welchem nach stattgehabter Trauung zu W. im
B.-Amt Schopsheim die Trauungsurkunde zum
Eintrag in das Ehebuch überschickt wurde, da
dcr Bräutigam aus diesem Ortc ift, antwor-
tele darauf:

^d ^ wird ^ noch beigefüqk, ^^ß ^Eini^ Thoma

sotche Su^jecte von Herzen^, wir verlieren nichtS an
ihnen. Der englische hochkirchliche Decan Swifl sagt:
„Wann der Papst seinen Garten jäek, ^so bekommen wir

Ein sorchtbar Gemetzel und Fluchten begann —
Kyrie eleison!

Die Sckwarzen liefen vorne, die Buben hinten nach.
Ach und weh! Weh und ach!

Hoch lebe unser Lamey undHerrRoggcnbach!

Kyrie eleison!

Und noch in Ludwigshafen da schrie'n sie weh
nnd ach!

Ack und weh! Weh und ach!

Der Teufel hol' Herrn Lamey und Herrn Rog-
genbach!

Als den Tasinovizen nun solches Leid geschah —

Da schrie'n die Bösen Mannhcims vergnügt:

Victoria! —

Kyrie eleison!

Ein wandcrndes Casinoist gar 'ne lust'ge Sach'!
Ach! Ach! Ach'.

Hoch lebe unsrr Lamey und Herr Roggenbach!

(Klaooeradatsch.)

Eine Bemerkung hierzn ist gewiß überfiüs-
sig, da sich die Moral der Gcschichte jedem
Unbefangellen auf den ersten Blick nahe legt.
Nur fügcn wir bei. daß der katholische Clcrus
gegenüber den gemischten Ehen überall derselbe
ist. So wird aus den österreichischen Kron-
ländern ein Fall berichtet, wo der katholische
Geistliche den Bräutigam, der ein Protcftant,
zu bereden suchte, lieber die Braut (die dem
Mann bereits ein Kind geschenkt hattc), mit
Gcld abzufinden, als in der sündhaften ehe-
lichen Verbindung sic unglücklich zu machen.
Der Ketzer aber wollte das Mädchen und sein
Kind nicht sitzen lassen und die Ehe ward nach
vielen Schwierigkeiten doch geschloffen.

Mnnndeim, 3. Mär. Auf Einladung der
Handelskammer versammelten fich im hiesigen
Aulasaal heute Morgen zwischen 4—500 hlesige
Handel- und Gewerbtreibende, um die vomMini-
sterium verlangte Erklärung der Betheiligten in
Betreff der Errichtüng cines Handelsgerichts
zu berathcn und zu beschließen. Wie veraus-
zusehen war, erkannte die Versammlung eine
raschc und billige RcchtSpflcge als eine der
wichtigsten Erundbediugungen für die Blüthe
des Handels und der Gewerbe, und erblickte
in den HandelSgerichtcn ein durch die Praxis
iu verschicdenen Staaten bewährtes Jnstitut,
dcffen Errichtung in Mannheim, wie in den
übrigen HandelSplätzen des Landes sehr zu
wünschen sci.

Darmstadt, 3. März. Die Kaiserin von
Rußla-nd wird Ende März von Nizza hier cin-
trcffen und während des April in unserer Stadt
verweilen. Um dieselbe Zeit wird auch dcr
Kaiser von Rußland hieher kommen, um seine
Gemahlin später auf. der Nückreise nach Peters-
burg zu begleiten.

Frankfurt, 5. März. Ueber den Fall
Charlestons vernehmen wir: Die Conföderirten
räumten die Stadt in der Nacht vom 17., nach-
dcm sie zwei Pänzcrschifse zcrstört und die
Kanonen vernagclt hatten. Jn der obern Ttadt
sollten 6000 Ballen Baumwolle verbrannt wer-
den. Die Flammen ergriffeu einen Pulvervor-
rath. Die Explosion verbreitete den Brand nach
allen Richwngen. Mehrere hundert Menschen
kamen um; zwei Drittel der Stadt sollen zer-
stört scin. — Die Unionisten, welche erst am
18. einzvgen, fanden 200 Kanonen und kleine
Munitionsvorräthe.

München, 2. März. Der König hat an
den Vorstand dcr k. Akademic der Wissen-
schaften, Gch.-Rath Frhrn. v. Liebig, ein
Handschrciben gerichtct, die Anerkennung dar-
über enthaltend, daß derselbe eine- Berufung
an die k. Universität in Berlin auf die uneigen-
nützigste Weise abgelehnt hat. Gleichzeitiq hat
der König dem Baron v. Liebig das ^roß-
komthurkreur des Verdienstordens vom heil.
Michael deniehen.

Frankreich.

Paris, 2. März. Der „Moniteur" zeigt
an, daß auf dcr gcftern eröffneten internatio-
nalen Conferenz übcr die Regelung des euro-
päischenTelegraphenwesens folgende lb Staaten,
außer Frankreich, vertreten warcn: Oesterreich,

* Theater.

angenehm, berkchten zu müssen, daß bereits vorige
Woche unsere bermalige Theaterdirection, Herr
Wibmann, dem hiefigen Theater-Comite gckün-

aufzuschlagen gedenkt, ist uns unbekannt — wahr-
scheinlich in der Schweiz — dock so viel ist gewiß,
daß dieser strebsame Mann stets in freundlicher

dieser Saison unb den gesteigerten Forberungcn
! unserer Theatcrfreunde, welche für das nächste Jahr
> auch eine Spieloper verlangen, mag dcm Herrn

^ nants" in neucrer Zeit betraf und seinen Geist
' umdüsterte, laffen uns lcider nicht so bald wiedrr

Bayern, Belgien, Dänemark, Spanien, Griechen-
land, Hamburg, Jtalien, Niederlande, Portugal,
Preußen, Nußland. Schweden und Norwegen,
Schweiz, Türkei und Würtemberg. Die.Con-
ferenz hat eine Commission ernannt, die unter
dem Vörsitz deS Generaldirektors der französt-
schen Telegraphenlinien, Vicomte Vongy, den
Entwurf einer Convention auszuarbeiten hat.
Bis zur Vorlage diese« Entwurfcs werden die
Conferenzsitzungen ausgesetzt.

Paris, 3. M5rz. Das Polen-Comite in
Pariö hat einen Aufruf an das Publikum zur
Unterstützung der polnischen Flüchtlinge erlas-
sen. Prinz Napoleon hat in seiner Gemahlin
und seinem eigenen Nanien einen Beitrag von
2000 Frs. gespendet.

E n § ! t« rr d.

Lorrdon, 26. Febr. Während man auf
dem Continente damit umgeht, die Preßfreiheit
täglich mehr zu beschneiden, ist man in Eng-
land bedacht, der ohnehin bereits unbeschränkten
Preßfreiheit ncue Garantien zu gewähren. Jm
Unterhause wurde eine Bill ejngebracht, welche
verlangt, daß hinfort kein Anjurien - Proceß
gegen die Presse mehr angestrengt werden dürfe,
ohne daß vorher die Kronjuristen ihre Zustim-
mung gegeben haben u.'s. w.

London, 4. März. Der Timescorrespon-
dent meldet aus Ncw-Aork unterm 22. Febr. :
Die Südstaatlichen haben Charleston am 17.
geräumt, nachdem sie die Kanonen vernagelt,
die Baumwolle verbrannt und den größten
Theil der Stadt vernichtet hatten. Am 19.
befand sich Sherman' in Winsboro, 30 Meilen
nördlich von Columbia. — Die Feste Anderson
am Cape-Fear-Flusse ist am Sonntag genom-
men worden. Die Besatzung zog sich nach
Willmington zurück. — Die. südstaatliche Rei-
terei ist am 20. d. in Cumberland (Maryland)
eingerückt und hat sich dcr Generale Kelly und
Crook bemächtigl.

Z t a l i e n.

Turin, 2. März. Der Gesetzentwurf, wel-
cher die Zahlen des Budgets von 1865 ver-
ändert, ist soeben veröffcnrlicht worden. Die
ordentlicheu Einuahmen belaufen sich anf
635,605,607 Frcs. und dic außcrordentlichen
Einnahmen auf 33,832,955 Frcs., zusammen
669,438,583 Frcs. Die ordentlichen Ausgaben
betragen 806,656,147 Frcs. und die außer-
ordentlichen 69,938,16:1 Frcs. Also im Ganzen
876,639,309 Frcs. Das Totaldeficit ist mithin
207,200,786 FrcS.

P o r t u g a !

Liffabon, 1. März. Die Demission deS
Cabinets Loule ist definitiv angenommen wor-
den. Marquis Bandeira, der mit ver Bildung
des neuen Cabinets beauftragt ist, hat daffelbe
noch nicht endgiltig zu Stande gebracht.

T « r k e i

Konstantinopel, 27. Febr. Herr von
Monstier wird auf dem Pvsten eincs Bot-
schafters Frankreichs in der Türkei durch Hrn.
Venedetti ersetzt.

neue Geistesblüthen von demselben erwarten, um
so größere Theilnahme wird beim Publikum dieses
vorzügliche bramatische Werk finden, und insbeson-
dere auch, weil die Rolle des Grafen Thorane
(der Königslieutenant) von dem Benefizianten dar-
gestellt wird, einem jungen Künstler, drssen vor-
züglickcs künstlerisches Streben bei allen seinen
Leistungen für den unparteiischen Beobachter un-
verkennbar ist; wir erinnern nur an bie letzte Dar-
stellung des Pater Häsler und andere bedeutendere
Charakterbilder, welcke dieser begabte Mime unS
vorführte. Auch die Befttzung der weiteren Rollen
dürfte bei dem hiefigen Publikum Anerkenng fin-
den, dem wir den Besnch der bevorstehenden Be-
nefiz-Vorstellung bestens empfehlen.

Müller. Nee, der Scandal in Mannheim
is doch zu toll! Die find ja verfolgt worden wie
die ersten Christen!

Schultze. Ja, die ersten Christen starben
aber oock für ihren Glauben.

Müller. Und die Schwarzen in Baden?

Schultze. Na, die — leben davon!

(Kladderadatsch.)
loading ...