Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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lung mit der Kirche dem UltramontaniSmuS
so geläufig ist.

Frankfurt, 9. MLrz. Der baycrische Ge-
sandte vertrat in dcr heutigen BundeötagS-
sitzung den erkrankten Gesandten von Wür-
temberg. Der Gesandte für Braunschiveig-
Nassau kegte eine Denkschrift vor, worin die
Herzogiu Adelheid von Nassau (Schwester des
Priuzen Friedrich Wilhelm von Hessen) für
ihre männliche Nachkommenschaft auf Grund
der !cx Erbansprüche auf Lauenburg

erhedt. Großh. Hessen zeigt an. daß eS daS
Nachdruckgcsetz bedingungSloS anzunehmcn be-
reit sei; Mecklenburg wünscht vorherige Mit-
theilung des von Sachsen eingcreichten Exposcs
dcs BuchhändlervereinS an die Bundesregie-
rungen. Der L sächsische Civilcommissär für
Holstein und Lanenburg übereicht eine nach-
träglichc Liquidation. Auf Bortrag deS Mili-
tärausschusses wird die Dotation sür Ulm bc-
willigt, der Proviantirungsctat und für die
Bundcsfestungsauditeure eiue Gratification an-
genommen.

Berlin, 10. März ' Jm Abgeordnetenhause
wurde die Debatte über die Beschwerden aus
BreStau und Bromberg wegen Beschränkung
des Pctitiousrechtes der Kommunen durch Sen
Minister des Jnnern heute fortgesetzt. Die Ab-
geordneteu Rechtsanwalt Lenl aus BreStau,
Profcffor Virchow und Prof. Gneist crörterten
in eingchender Weife besonders die formclle
rechtliche Seite uno wiesen auf die zahlreichen
Präcedenzfälle hin, in welcheu man den Kom-
munen gestattet habe, sich um Angclegenheiten,
die gewiß nicht zu den innern gehörteu, zu
bekümmern, so die Betheiligung am Leipziger
Gedenkfeste, die Untcrstützung des germanischen
Museums u. s. w. Viel Heiterkeit erregte die
Berufung auf die in frühcren Jahren üblichen
Petitionen einzelner KreiStage um Wiederein-'
führung der Prügelstrafe. Mit Nccht bezcichnete
man das PetitionSrecht der Kommunen als
ein SicherheitSventil, welches die Gesahr einer
Erplosion rechtzeitig andeute. Dcr Abg. Gneist
betrachtetc die vorlicgende Frage auS einem
höheren Gefichtspunkt und führte aus, wie
wcnig doch alle Gesetzgeberei in Preußen so
langc zn bedeuten habe, als es dem jewoiligen
Minister gestattet sei, durch Reskripte dem Ge-
setze, wie beispielsweise hier der Städteordnung
jede belicbige Auslcgung zü geben nnd dieser
AuSlcgnng durch Verhängung von fog. Exeku-
tionSstrafen im VerwaltungSwege Beachtung zu
sichcrn. Unabhängige GerichtShöfe zur Entschei-
dung übcr Streitfragen auch des öffcntlichen
RechtS sind hier dic einzigen wirkfamen Garan-
tien für die bürgerliche Freiheit. — Auch Graf
Schwerin erklärte sich, wenngleich er ein unbe-
schränktes Petitionsrecht der Kommuncn mit
Nücksicht allf ihrc durch den Charakter als
moralische Perfonen beschränkte Rcchtsfahigkeit
nicht anerkanntc, gcgen die Eulenberg'schen das
Petitionsrccht präventiv und genercll beschrän-
kenden Rcscripte, sowie die Durchführung dieser
Rescripte durch Exckutivstrafen. So wurde die
Gneist'sche Nesolution, wclche die Nescripte als
dem Art. 32 dcr Verf.-Urkunde zuwidcrlaufend

leichterung der NackforsLung nack dem abhanden
gekommenen zu übkrgebcn; dre Dame nahm keinen
Anstand, dieser Aufsorderung Folge zu lcisten, und
Cartoucke H. gestern Gentleman, heute Policc-
man — besaß ein Paar der seltensten Pendeloqucs, !
bis - - er allenfalls erkannt wird. !

(Der Kurfürst von Hesfen befiegt.) Der I
Kurfürst hat in Hcrrn Ullmann, dem Führer der !
Patti-Karawane. scincn Mrister grfunden. Letz-
terer batte in Kaffel nämlick das Tyeater gemicthet. i
Der Intendant verlangte als „selbstverstandlick" für !
den Kurfürstcn freien Zntritt in die Hofloge. „Fallt
mir nlckt ein," sagte der nickt leickt zu ersckütternde
Jmpresario, „will Hohcit in mein Theater, so muß
Hobrit bezahlen." „Ia, aber die Beleucktung muß
wenigstcns vrrgütet wrrden." „Ist Ibre Sacke, wird

erklärt, mit Ausnahme der Feudalen, allseitig
angenommen. Der Debatte stber das Petitious-
recht der Gemeinden ging der Beschluß oeS
Hauses vorher, das gegcn 18 ^vgeordnete
wegen eines Wahlausrufes eingeleitete Strsf-
verfahren zu sistiren. Abg. Waldeck benutzte
diese Gelegenheit zu einer Kritik des bekannteu
Urtheils gegcn Zakobi wegen Majestätsbeleidi-
gung, so wie der die Unabhängigkeit der Ge-
richle gefährdenden neuereu Znstitute über-
haupl. (N. F. Z.)

Wien, 7. Ätärz. Dem Vernehmen nach ist
an den Grafen Karolyi die Weisung ergangen,
dem Bcrliner Kabinet gegestüber, gestützl auf
die betreffenden Berichte deS dieffeitigen Kom--
miffärs in den Herzogthümern, Emsprache gegen
eine Tendenz zu erheben, welche sich in einer
Reihe einseiliger Verfügungen der letzten Zeit
darzustellen scheine und welche nur ausi einer
voüftändigen Verkennung des Maßes der beider-
seitigen Nechte beruhen könne. Es ist der Ueber-
zeugung, daS ein solcheS Vorgehen des prcußi-
schen Commiffärs den Absichlen feiner Re-
gicrung vollständig sremd jei, gleichzeitig aber
der zuversichtlichen Erwartung Ausdruck gege-
ben, daß diese Regierung in geeigneter Weise
Sorge tragen werde, der Stellung, die zu be-
hauplen Ocsterreich eben so sehr das Jntercffe
wie daS Necht habe, dieselbe Würdigung und
Rücksicht zu sichern, welche Oesterreich feiner--
seits ocr Stellung Preußenö jedcrzeit und in
vollem Maß habe zu Theil werden laffen.

(Karlsr. Ztg.)

F r a n k r e i ch

Paris, 10. März. Zm Senat wurde heule
nach einigen unbedeutenden Rcden die General-
discussion geschloffen, und darauf wurden die
erstcn 11 Paragraphen der Adreffe ange-
nommen. ^

G »» g l a n d

London, 3. MLrz. Begreifliches Aufsehen
erregt der Proceß gegen Gregorio Mogni,
der gestern vor den Central-Eriminalgerichtshof
geführt wurde. Bekanntlich hat sich Mogni als
Urhcber des an Harrington begangenen Mords
selbst gesteüt, uachdem sein Landsmann Sera-
fino Pelizzioni bereits von der Jury als
der Mörder Hatringtou's schutdig befunden und
in Fvlge dcffen zum Strange verurtheilt wor-
den war. Der damals präsidircndc Richter
Martin hatte dem Verdict oer GeschworencN
seinen vollen Beifall ausgesprochen und aus-
drücklich gesagt, dcr Beweis der Schuld Pe-
lizzionis sei dcr directeste uild zwingendftc, der
ihm in seinör Praxis vorgeiommcn, und in
den begleitenden Umstänven de- VerbrechenS
sei nichts, was die Ermordung aus einfachen
Todtschlag rednciren könne. Zctzt har eine an-
dere Jury entschieden, daß Gregorio Mogni
dennoch den Todesftreich gesührt hatte; nachdem
die grvße Zury vorher erklärt hatte, baß der
Act eiufach als Todtfchlag und nicht als Morb
zu betrachten sei., Mogni wurde zu 5 Jahren
Zuchthans verurtheilt. Es kann kein Zweifel
obwalten> daß der unschulvig vernrtheilte Pe-

Freckhcir des Fremdlings". Da aber lacktc der
Fürst und sagte in seiner eckt lakonischen Weise:
„Ist ein grober Hund. Gcfällt mir. Werde zahlen."
ScreNisstmuS erlegte 15 Goldfückse und ließ cin
belleres Licht leuchten, als bis jetzt in Hesscns
Volksschulen glänzt.

Berlin, 8. März. In der heutigen Sitzung
der Abgeordneten theilte der Prästdent u. A. auch

(Schallendes Gelächtcr.)

Hcrr Psarrcr und Schulinspcctor Herzog in We-
genstetten (Aargau) hat der christlichen Ingend
seiner Pfarrgrmeinve als höchst gefährlick bezeich-
net nnd das Lesen dcrselben verboten: 1) dic Stun-
den dcr Andackt; 2) die Werke von Walter Scott;

3) die Gehcimniffe von Paris von Eugen Sue;

4) — das Konslanzer Kochbuch von Karolina
Kümickrrl'.

lizzioni, der MiÜwoch, den 21. v. M., den
Tod am Galgen hätte erleiden sollen, jetzt in
Freiheit gesetzt werden wird. Die Times gcfteht
heute, daß der Glanbe an die Unfehlbarkeit
des englischen Vcrfahrens heute mcht mehr so
fest steyt, wie gestern Morgen oder vorgestern.
Nicht nur der Eifer Negretti's ^oer sich ähn-
liche Mühe gab, wie der deutsche Rcchtsschutz,
verein im Fallc Müller). sondern anch die
Ehrlichkeit Mogni's und mehrere andcre glück-
liche Znfälle waren nöthig, um einen Justiz-
mord zu verhüten. Star und Advertiser be-
nützen den Fall Pelizzioni's als Waffe gegen
die TodeSstrafe überhaupt.

London, 9. März, Abends. Auf eine Jntcr-
pellatiou deS Hrn. Maguire erwiedert der Vis-
count Palmerston: Der brasilianisch» Oberbe-
fehlshaber hat dem briüschen Gesandten mög-
lichste Schonung des auSländischen Privateigen-
thums versprochen. Jn den Krieg werde sich
England nicht einmsschen; die Kriegführung
sei leider unmenschlich. Aus eine Anfrage des
Lord Nobert Cecil erwiderl der Unterstaatsse-
crctär Layard: Die amerikanische Negicrung
habe von England keinerlei Entschädigung für
die Capereien confödcrirter Kriegsschiffe verlangt.

I t a l i e n.

Turin, 7. März. Ein neuer Streit ist
zwischen Regierung und Geistlichkeit aufs hcllfte
cntbrannt. Auf allen Punklen der Halbinsel
verweigcrn die Bijchöfe den Regierungsinspek-
toren den Eintritt in die von ihnen abhängigcn
S»chulen. Was vorauSzusehen war, ist einge-
troffen. Vielle Elementarschulen werden gesperrt,
um von Seite der Regierung neu gegründet
zu werden. Der Staatsrath, der hiermber um
sein Gutachten befragt wurde, hat dasielbe im
Sinn des Standpunktes der Negierung abge-
geben. Die Autorität des Staats dürfe nicht
vor den von Seminarien abhängigen Schulen
ftehen bleiben.

Neirefke Nachrichten.

Neuyork, 25. Febr., Abends. (Mil dem
Dampfcr „North American^.) Gold 199V,;
Wcchselcours 214; Bonds 111^/«; Baumwolle
84. Keine politischen Nachrichten.

Wien, 11. Febr. Der Ausschuß zur Be-
richterstattung über die bekannte, bei der Ver-
handlung des Jahresberichtes der StaatSschul-
denkontrolkommiffion abgegebene Erklärung des
Hpn. v. Plencr erkannle cinstimmig, es sei
kein Grund vorhaudcn, dieserwegen einen An-
trag im Hause zu stelley, nachdem Hr. v. Plener
vorher erkiart, cr sei zu jener Aeußerung nur
dadurch veranlaßt worden, daß er gla.ubke, die
Aulräge dec Kontxolkommiffipn gingen über
den gesetzlichen Wirkungskreis derselben hinaus.

LlUs Baden. Die Postpraktikanten
Spörin, Kling, Schwarz, Straub, Würth,
Gotha, Jäger, Bucb, MeNgis, Becht u. Cameral-
practikant S>icvert sind zu Betriebsasiistenten
ernannt wörden; zu Buchhaltern: Postpracti-
kant Meycr und Affistent Müller. — Nach

-j- M ä rz e n v ei l ch e n.

Eingreifend in der Wrltgeschichte Lauf,

Frisckst vu das Mittelalter wieder auf,

Was Jilnocenz, Gregor und Bonifaz gelehrt,
Stellt man entschieden hin, republkcirt es wieder,

Der Hoheprikster abcr ist nickt reckt bclehrt,

Wenn er statt Lickt die Finsterniß begehrt,

Der altc Pius ist ein gläubig frommer Christ,
Dock sckeint er nicht zu wissen, wie vielUhr es ist!

Pius 1L.
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