Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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man daS Fundament zu dem Landpfeiler und
beginnt mit dem Auffüllen des Bahndammcs,
der zu dem jctzigen Bahnhof führt. Es scheint
nach dieser neuen Absteckung, als sei man von
den früheren Planen, nämlich der Errichtung
eines Eüterbahnhofs nachst dem Zollhofe, und
eineS weiteren Bahnhofes im Schloßgarten ab-
gekommcn, und werde nun alle Bahnhöfe in
die Gegend des Lindenhoses, unweit des jetzigen,
jedoch mit veränderter Stellung, errichten; so
hört man wenigstens, Bestimmtes kann darüber
uicht mitgethellt werden.

Stuttgart, 4. April. Die 1. Kammer
hat heute den Gesetzenlwurf, betresfend die Ab-
lösung öffentlicher Lästen, ohne Dcbatte mit
22 gegen 6 Stimmen angenommen.

Leipzig, 2. April. Die Arbeitsein-
stellung der Setzer und Drucker hiesiger
Buchdruckereien ist nun wirklich erfolgt. 500
Arbeiter feiern in diesem Augenblick, kaum
daß die Zeitungsverleger noch über einige Kräfte
verfügen können, um doch nicht die Heraus-
gabe ihrer Blätter vollständig einstellen zu
müssen. Es gibt indefsen Ausnahmen. Jn
der Buchdruckerei von Otto Wigand, welcher
den ihm von dm Setzern vorgelegten Tarif
angenommen, wird forlgearbeitet, und bei Tauch-
nitz ebensälls, nur mit dem Unterschiede, daß
Letzterer nicht nachgegeben, sondern rundweg
gedroht hatte, selbst jedem seiner Arbeiter den
Stuhl vor die Thür zu setzen, der sich beifallen
lassen würde, ihn znr Annahme des Tarifes
zwingen zu wollen. Da die Tauchnitz'sche Ofst-
zin zu allen Zeiten bei den Arbeitern im besten
Rufe stand, wirkte die Drohung in der vor-
erwähnten Weise. Ein Uebelstand für die Sache
der Setzer und Drucker ist der, daß sie nicht
nur um des höheren Lohnes wegen, sondern
auch dann die Arbeit einzuftellen gedroht hat-
len, wenn die Arbeitgeber fortfahren würden,
mehrere Maschin'en von einem Maschinenmeister
bedienen zu lassen. Darin liegt ofienbar ein
Uebergriff in das unbestreitbare Recht des Ar-
beitgebers und ein Stück Zunftzopf zugleich.
Wie man hört, werden morgen und in den
nächsten Tagen 120 der jüngeren Arbeiter Leip-
zig verlassen und anderwärts Arbeit suchen,
während die Zurückbleibenden von Unterstützun-
gen aus der . vorhandenen Kasse, sowie von
anderweitig einlaufenden, sich längere Zeit hin-
durch zu erhalten hoffen.

Wien, 3. April. Das Unterhaus hat in
seiner heuligen Sitzung das Budget des Eul-
tus näch den Anträgen des Finanzausschusses
angenommen. Der Abgeordnete Greuter aus
Tyrol ist gegen den Abstrich der Subvention
für bie Franziskaner in Sing in Dalmatien;
Er wirft der Regierung vor, daß sie die Wahl-
freiheit in Dalmatien beeinttächtigt habe. Der
Staatsminister Ritter v. Schmerling entgegnet,
daß in Tyrol von anderer Seite auf die Wah-
len eingewirkt wurde.

Wien, 29. März. Sie erinnern sich viel-
leicht der einsamen, aber unerschültcrlichcn Un-
erschrockenheit, mit welcher längere Zeit das
„Fremdenblait" für die oldcnburgische Candi-
datur gefochtcn. Der Eigenthümer des Blattes
ist jetzt durch das Ehrenritterkreuz erster Klasse
des oldenburgischen HauS- und Verdienstordens
ausgezeichnet worden.

E » g i a » V.

London, 3. April. Zn der Unterhans-
sitzung hielr Lord Palmerston dem Hrn. Cob-
den eine Mchrede, in welcher er dessen un-
eigennntzige Bemühungen fnr den Freihandel
und den sranzöfischen Handelsvertrag besprach.
Deßgleichen Disraeli und Bright.

Z t a l i c n.

Turin, 3. April. Zn der heutigen Sitzung
der Deputirtenkammer wurde ein Gesetzentwurf
über den Bau mehrerer Panzerschifse vorgelegt.

T pa n ien

Madrid, 28. März. Die „Bolja" sagt,
wenn dcr Papst Rom verlassc, werde Spanien
ihm die Balcarischen Znscln (Majorka und
Minorka im mittclländischcn Meer, 75 Ouad.-
Meilen groß mit -twa 320,000 Einwohner)
vollständig abtretcn.

Madrid, 3. April. Die „Epoca" bcrich-

<et von einer über die italienische Frage gehal-
tenen Conferenz zwischen dem Runtius und
dem Marschall Narvaez. Der Letztere erklärte
darin, Spanien würde das Recht des Papstxs
respektiren, halte aber eine PoWk der Ver-
söhnlichkeit für nothwendig.

R u ß la nd

St. Prrersburg, 28. März. Ueber die
jetzt in Petersburg grassirende epidemische Krank-
heit werden die traurigen Nachrichten in einem
diesem Gegenstande gewidmeten Artikel der Rus-
sischen Correspondenz bestätigt, worin es unter
Anderm heißt: „Die epideniische Krankeit fährt
fort, unter den Lrmeren Klassen von Peters-
burg zahlreiche Opfer zu finden. Die Hospi-
tiler reichen nicht mehr aus , nm allen An-
sorderungen zn genügen. Es mußten daher
außerordentliche Waßregeln ergriffen werden.
Der Oberoormnndschastsrath hat in den Ge-
bäuden der Alexandrowskischen Fabrik ein Ho-
spital von 600 Betten eingerichtet. Ferner hat
das Kriegsministerium dem Rath sür die öffent-
liche Wohlthättgkeit Kasernen überlafsen, um
sie zu Hospitälern umzugestalten, nnd die oberste
Medicinalbehörde hat für dieselben 30 Chirur-
gengehülfen hergegeben. Ein Vergleich der
Krankentabellen für die Winter 1863 bis 1864
ergibt für den letzteren ein Mehr von 8901
Kranken. Der Staatsschatz hat 106,000 Rnbel
Silter hergegeben, um dic Kasernen des Js-
mailowsktschen Regiments in Hospitäler umzu-
schaffen. Die Duma (Magistrat) hat 60,000
Rubel Silber zur Errichtung eines andern
Hospitales ausgesetzt. Aber da alle diese Maß-
regeln unzureichend waren angesichts der vtelen
hülssbedürfttgen Kranken, so hat man von der
öffentlichen Mildthätigkeit Hilfe in Naturalien
oder in Geld verlangt."

A m e r i k a.

Wic daS „Mcm. dipl." aus verläßlicher
Quelle erfahrcn habcn will, fanden zu Torento
nene Friedensverhandlungen zwischen dem Nor-
den und dcm Südcn statt. Nach langcn Con-
ferenzcn brachtcn die unionistijchen Agenten ein
Projcct aus nachfolgendcn Grundlagen nach
Washtngtvni 1) Rcconstituirung dir llnion;
2) Aushebung bcr Scläverei; 3) cine Con-
vcntion bezügtich der Amendirung dcr Consti-
tution und drr Rechte allcr Staatcn, sowie
Modification dcs Wahlsystems hinsichtlich der
Erncnnung des Prästdenten.

Newyork, 22. März. Von Fayctteville
hat Sherman, nach Zerstörnng der Bamnwoll-
mühlen und deS Arsenals, in nordöstticher
Richtung den Marjch nach Goldsborough ange-
treten. Ob das Gerücht, daß er jchon in Golds-
borough angekommen, cinc Vereinigung mit
Shofield bewerkstelligt habe, auf Thatsachen be-
ruhe, ob Lee wirklich, wie mit einiger Unstcher-
heit gcineldet wird, eine starke Truppenabthei-
lung von Richmond nach Raleigh detachirt und
selber den Oberbefehl in der letztcn Stadt über-
nommen hat, darüber fehlt noch sicherc Nach-
richt. Von Fayetteville joll Hardee mit 20,000
Mann nach Raleigh gezogen sein, und vor
Richmond, heißt es, befehligcn Zohnstone und
Beauregard. Daß die Bundestruppen Kingston
bcsetzt haben, wird jctzt auch »on südstaatlicher
Scite cingeräumt. Jn den beidcn vorhcrgegan-
gencn Gefcchten am 8. und 10. sollen die Bun-
destruppen 2000 Mann, Bragg 3000 Mann
verloren haben. Unterdeß ist auch Sheridan
bei Whitehouse angelangt, nm sich mit Grant
zu vcreinigen. Gcneral Kautz soll abgesandt
wordcn scin, um die Verbindnng mit Sheridan
zu eröffnen, habe aber am Chickahominy cine
so starke Truppcnaufstellung Longstrects angc-
troffen, daß er umkehren mußte. — Dcr süd-
staatliche Congreß hat sich am 18. vcrtagt. Die
von dem Präsidcnten Davis verlangte Aufhe-
bung der HabcaScvrpnS-Aite ist ins Werk ge-
setzt wordcn (doch heißt es von anderer Seite,
der Scnat habe sich nicht damit einvcrstanden
crklärt). Ferner hat der Congreß dcn Präsi-
denten ermächtigt, die Baarvorräthc dcr Rich-
monder Banken in Bcschlag zn nchmen; doch
sind die Banken dieser Gewaltmaßregel zuvor-
gekommen und haben ihre Baarbestände theils
in Sicherheit gebracht, thcils zur Einlösung
auSgcgebencr Noten vcrwandt. Der Kricgs-
sekrctär hat die jofortigc AnShcbung von Scla- I

ven zum Militärdienst angeordnct; von Eman-
cipation soll jcdoch keine Rcde sein.

Ueber dic Lage RichmvndS und der Consö-
deration hcrrscht im Nvrden nur Eine Stimme.
Der New-dorker Herald bchauptet, Lec und
Davis HLttcn schon definitiv bcschlosseti, den
Kampf aufzugebcn; DaviS überlasse die Ver-
handlungen und die Entscheidung den G-ne-
ralen Lee nnd Grant. Der letztere Vorschlag
sei in cinem Cabinetsrath in Washington be-
reits zur Sprache gekommen; Seward habe ihn
befürwortet, Lincoln nichts davon wissen wollen.
Die Tribune sagt, Lee habe gegen DaviS er-
klärt, daß es eine absolnte Uumöglichkcit für
ihn sei, dcn gcgen ihn von allen Seiten an-
ziehenden Feindestruppen noch tängcr die Stirn
zn bieten, und die regierungsfcindliche World
selbst erwähnt einen Ausspruch Grants, daß
Richmond binnen 10 Tagen geräumt jein werde.
Ein Privattelegramm mcldet jogar als eincThat-
sache dcn Rücktritt deS Prästdcnten DaviS.—
Jn Wilmington ist cine Masscnvcrsammlung
gehalten wordcn, welche die Sache der Consö-
deration sür hoffnungsloS erklärtc und den Wic-
dercintritt Nordkarolina's in die Union zu be-
sördern sich anheischig machts. — Jn Missonri
ist das Krtegsrecht aufgehoben wordcn. — Die
Flüsse in Peunsylvanien sind wirder in ihre
Ufcr zurückgetretcn, doch nicht. ohne daß die
Uebcrschweinmung eincn Schaden von mehreren
Millionen angerichtet, einc Brückc der New-
Aorkcr Centralbahn zcrstört und die Eriebahn
auf eine Strccke vvn 100 Meilen weit beschä-
digt hat. — Der Fall in Gold hat den Ge-
schäftsvcrkehr im ganzcn Land bcdenklich affi-
zirt, und mehrcre Bankerotte sind vorgekoinmen.

Reueste Rachrichten.

Newyork, 25. MLrz. (Mit dem Dampfer
„Peruvian".) Der Rebellen-General Johnston
meldet, daß er Sherman bei Bentonville an-
gegriffen und geschlagen und dcmselben drei
Kanonen abgenommen hatte. Sherman sam-
melte sich jedoch wieder und bleibt in befestigter
Stellung vor Johnston. Die südlichen Jour-
nale melden einen am 16. errungenen Sieg
Hardee's bei Averysboro, wobei die Unionisten
3000 Mann verloren hätten. Umlaufende Ge-
rüchte wollen wissen, Sherman habe Goldsboro
besetzt, desgleichen sei Mobilc von den Unio-
nisten besetzt. — Gold 156^/x,; Wechselcurs
162^/^(?); Bonds 1053/g; Baumwolle 40.

Paris, 4. April. Der „Moniteur" hat
Berichte aus Syrien, welchen zufolge Karam
sich in Folge einer Uebereinkunst zwischen dem
Pattiarchen und Daud Pascha unterworfen hat.

Vermischte Nachrichten.

Frankfurt, 3. April. Heute Morgen fand die Prä-
mnrung der Pferde für den FrühlingSpferdemarkt statt.
Das Comite bestand aus den Herren Major Capitän,
H. Brückner, R. Roth, B. Freyeisen, A. Goldschmidt,
Dr. Fischer, v. Holzhausen, G. Stern und Gehrinq.
Preise erhielten:

1) Leichtere Zugpferde (Ackerpferde) : Herren
Roose und Böhme aus Leipzig (branne Wallachen dä-
nischer Racc). Das Accessil: Hr. Nachmann aus Lan-
genlonsheim (Schimmelstuten). Jm Ganzen traten 5

2) Schwere Zugpferde: Hr. Kanffmann aus Leu-
tershausen (Schimmel-Wallachen mit Mohrköpfen). Das
Accessit: Herr G. Löbstein (braune Wallachen). Jm
Ganzen traten 2 Paare in Concurrenz.

3) Wagenpferde kleineren Schlags: Hr. H.
Fränkel anö München (braune Stuten). Das Accessit:
Hr. B. Fränkel auS Frankiurt (braune.Wallachen). Jm
Ganzcn traten 12 Paare in Concurrenz.

4) Wagenpserde größeren Schlags: Herr I.
Freund aus Wien (dunkelbraune Stute ünd Wallach).
Das Accessit: Hr. Äron Fränkel aus Ursprung (bräune
Skuten). Jm Ganzen iraten 7 Paare in Concurrenz.

5) Reitpferde leichteren Schlag-s: Hr. Roose
und Bohme aus Leipzig (schwarzbraune Stute). Das
Accessit: Hr. A.Fränkel aus Ursprung (Hvnigschimmel,
Ätute). Jm Ganzen traten 22 Pserde in Concurrenz.

6) Reitpferde schweren Schlagss Herr H.
Fränkel auS München (Schimmelstute). Das Accessit:
Hr. A. Schlldmann aus Nürnberg (Schimmelmohrkopf).

Den Preis zur freien Versügung erhielten die Herrcn
Gebr. Loebstein aus Jebenhausen (Schimmelhengst). Die
Preise bestanden in Ehrengaben im Wertbe von 100 fl.
Noch niemals wobnte eine so große Menschenmenge der
Prämiirung und nicht minder der Bertbeilung der Preise
dei. Die regierenden Bürgermeister. so wie der Ober-

nnd Kelchen bestehenden Gegenstände an dke Prämiü'teii.
Herr Loebstein brachte im Namen sämmtlicher HLndler
auf daS Gedeihen Franksurts und StutkgarlS eiu Hoch
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