Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Deutschlanp.

-? Heidelberq, 7. April. Nachrichlen auS
Berlin zufolge hat innn dort schon vorher die
Annahme des mittelstLatlichenAntrags in Frank-
surlfürdcn wahrschcinlichen Fall gehaltenhwelche
Erwartnng bekanntlich inzwischen cingetroffen
ist). Man hvfft dort jedoch, daß die Annahme
des Antrags eine eigentliche praktische Folge
nicht habcn könne, und sieht hierin nur cine
antipreußische Demonstration im Sinne der
Mittelstaaten. WaS Oesterreich aber betrifft,
welcheS dckanntlich daS Vorgehen dieser Staaten
dieSmal gewünscht und beabsichtigt hat, s« glaubt
man, daß es Prcußen nun einen Beweis da-
von gcben wolle, datz Letzteres ohne seine Hilfe
nicht zum Ziele kommen könne, und daß es
folgerichtig auch etwaS für die Leistung Oester-
reichs bieten müsse. Nach dieser (prcußischen)
Anschauung wäre die gefaßte Entschcidung des
BundestagS nur cin dtplomaiischer Schachzug,
dcr jetzt um den vollen oder bedingtcn Besitz
von Schleswig-Holstein geführt wird. S-lbst
in diescr verringerten Potenz kvnnte dieser Act
jedoch nach dieser oder jcner Seite hin, jc nach-
dem er ausfällt, eine gewisse sich mehr oder
minder sühlbar machende Einwirkung auf die
schleswig - holsteinischen und inneren deutschen
Berhältnisse Lußer».

Lörrach, 7. April. Es ist die sicherc Nach-
richt hierher gelangt, daß Friedrich Hecker,
znr Zcit in St. Claire - County, L-taat Zlli-
nois, wohnhaft, von dcmePräsidenten dcr Ver-
cinigten Staaten von Nordamerika zum Consul
in Zürich ernannt wordcn ist und wohl noch
dieses Jahr nach Zürich übersiedeln wird. -

(B. LdSztg.) '

(2 Vom See, 5. April. Der Schulstreit
scheint ultramontanerscitS auf -in anderes Ge-
biet hinüber gcspielt werde» zu wollen, wahr-
scheinlich um auch dadurch dcn absolut Gläu--
bigen beweise» zu wollcn, wie gcsährlich bas
ncue Schulgesetz für die kathol. Religion sei.
Es wird jetzt behauptet, man beabstchtige von
liberaler Seite eine glaubenSlose deutschc Natio-
nalkirche iuS Leben zu sühren, und die Schul-
freunde seien theils die Baumeißer und Mit-
arbeitcr, theils die Handlanger bei dem Bau
dieser Kirche. Wie crfindcrisch doch der rcgier-
sichtige JesuitismuS ist I Aber wir können ver-
sichern, daß die längst bcabstchtigtc deutsche
Nationalkirchc kcine glaubcnslose, jondern nur
einc solche wäre, wic sie der treuste Sohn der
katholischen Kirche, der edle Weffenberg habcn
wollte, und wie sie der gleich treuc Sohn und
noch derzcitiger Domkapitular Hirscher 1849
bcfürwortcte, und an welcher auch dcr trcuste
Sohn, unser greiser Herr Erzbischof, seiner
Zeit alr Wcssenbcrg'S Mitarbciter im Wein-
bergc des Hcrrn baucn hals, wohl nicht ohne
sein Wisien und Willen. Es ist die EpiScopal-
kirche, welchc die Reformfreunde anftreben;
diesc aber ist glaubenSvoller in der Wahrheit,
als die römisch-katholische, und sie verlangi
uichts, als waS selbst daS LieblingSgesctz des
blltramontanismus, daS Concil von Trient vor-
schrcibt: Synoden. Daß daran auch Laien
Theil zu nehmen berechtigt scin sollen, versteht

4. Dec, wurde es bckannt, daß Str R. Peel selbst

gesrtze beantragen wcrbc. Am 27. Januar ging
die Boraussagung in Erfüllung. Zn der 12tägtgen
Debatte über den Peel'schen Antrag hielt Cobden
cine feiner gewattlgstcn Rcden. Als die Bill im
HauS der Gemcinen mit 327 gcgen 229 und im
Haus dcr Lords mit 211 gegcn 164 St. durch-.
gegangen war, batte Lobden'S Ruhm seinen Höhe-
punkt errclcht. Am 2g. Juni sagtc Sir R. P-el
im Hausc der G-mein-n, daß weder ,r selbft, noch
Gras Grey daS Verdienst habe, dic Rcform ber
cnglischen HandelSgcsetzgebung b-wirkt ,u haben.
Der Name, der mit diefer Reform stets vcrknüpst
bletben werde, fei der eines Mannes, „der, wie
ich glaube, auS rcincn und uneig-nnützig-n Be-
weggründen handclnd, mit nic ermüd-nd-r Energic
an unsern Vcrstand appellirt und srinc Gründe
zum Siege geführt hat durch etne Beredsamkcit,
die man um so mehr bewundern muß, als sic
ohne künstlichen Ausputz war, dcr Rame Richarv
Cobden'S." Zn ähnlicher Wcise äußcrte sich Graf
Grey im Oierhausc. Die Liga hattc nun ihre
Schuldigkcit gcthan und löstr fich aus. Eobden

sich von selbst, den» das ist ja die allein fcste
und richtigc Grundlage der christkatholischen
Kirche, worakf sie von oen Aposteln ausgebaut
wurdc, und wclche alleinige Grundlage das
jetzige römischc Papstthum, daS damals noch
la»ge nicht existirte, nicht mehr ancrkennen
will, weil eben seine Jntercffen mit jenen der
ursprünglichen Kirche im Widcrspruch stehen.
Diese Kirche will Gemeinschaft der Gläubigen
in Beziehung auf die Verwalmng, das Papst-
thum abcr verlangt sür sich absolutr Herrschaft
über dic Kirche. Diese alleinige Gewalt taugt
nicht mehr in unscre Zeit und in unser con-
stitutionelleS Deutschland, dsßhab möge diesclbe
den Verhältnisscn gceignetc Rechnung tragcn!

Frankfurt, 7. April. Ueber die gestrige
BundeStagssitznng werden noch folgende Ein-
z-lheiten mitgetheilt: Oesterreich stimmte für
den mittelstaatlichen Antrag, ohne allenthalben
den Motiven bcizutreten. Bayern stellte sich
auf den bckanntcn Standpunkt deS Hrn. v. d.
Pfordten, und soll deffen „Denkschrift" wieder-
holt vorgclegt haben. Für Sachsen machte
Hr. ». Beust die von ihm in London errungene
Ancrkennung deS Herzogs von Augustenburg
geltend. Luxemburg stimmte nicht. Preu-
ßen wiederholte früher GesagteS und erklärte
jede Beschlußfassung für ungeeignet, währeud
Ha » » over entschieden gegen den Antrag sprach.
Auch Kurhesse», Mecklenburg, die 15.
Stimme und die Hansestädte gaben mchr
oder wenigcr motivirte Stimmen gcgen den
Antrag ab. Oldenburg legte sörmliche Pro-
testation gcgcn eine Beschlußfaffung cin, die
weder dcr Rücksicht gegcn die dentschen Groß-
mächte entspreche, dencn die Herzogthümer ihrc
B-freiung verdankten, noch dcn nativnalen Rcch-
icn DeutschlandS Rechnung Irage. So erfolgte
dann die Schlußziehung mit 9, oder, unter
Hinzuziehung LuxemburgS, mit 10 gegen 6
Stimmen. Hierauf bezeichneten, zuerst dcr
öst-rreichische, dann der preußische Gesandte die
St-llung ihrer Regierungen zu dem Antrag
des Näheren. Oesterreich crklärte, stets bereit
gewesen zu sein, d-m Erbprinzcn von Augusten-
burg die Regierung zu übertragen und dadurch
ein Austrägalverfahren zu ermöglichen; ferncr
daß -s „außer dem Ersatz der KriegS- und
sonstigen Kosten" keinen Vortheil wolle, aber
jetzt jcinen Besitztitel nicht aufgeben werdc, bis
einc entsprechende Lösung erzielt sei. Prcußcn
hielt eine cingchende Prüsung dcr Rechtsfräge
für unerläßlich und stimmte mit Oesterreich
darin überein, daß eS seinerseits gleichfalls ent-
schloffen jci, scinen Besitztitel zu behalten, bis
eine enlsprechendc Lösung crzielt werde; doch
könnc der Gesandte schon jetzt mit Gewißheit
auSsprechen, daß eine Ersüllung der durch An-
nahme dcs Antrages ausgesprochencn Erwar-
tung nicht in Aussicht stehc.

Oldenburez, 3. April. Auf der heutigen
Tagesordnung des Landtags standen die Ver»
träge untsr den Zollvereinsstaaten wegen Er-
nenerung dcS ZollvcreinS. Auf Antrag dcS
Ausschuffes und ohne daß diescrhalb eine De-
batte stattfand, crtheiltc der Landtag soweit
nöthig seine Znstimmung zu diesen Verträgcn.

Berlin, 3. April. Der bleibende Ausschuß

lder sein Fabrikgeschäft seiner politischcn Thätigkeit
aufgeopfert hatte) erhielt von d-n Fr-ihändl-rn
deS Landes cln Ehrengeschenk von 75,090 Pfd. St.
Bei jedcm weitern Schritt, dcn England auf der
Bahn dcs FrekhandelS machte, wirkte Lobden's
Sttmmc mit Alltorttät, aber in andern als Han-
delsfragcn dachte er nie daran, etnc FübrcrroUe
spielen zu wollen. 1857 vcrlor er seincn Sitz im
Parlament, weil er als Friedcnsfreund gcgcn Lorb
PalmerstonS chinesischc Politik gestimmt battc. Wäh-
rend er aber 1859 in Amertka war, wurde er in
sciner Abwescnhekt von Rochdale gcwählt, und bei
dcr Hcimkehr wurde ihm ein Sitz im Eabinet an-
geboten, den -r jedoch ablehnte. Doch üb-rnabm
er gern eine amtliche Sendnng nach Paris, um
den cnglisch-franzöfifchcn Handelsvcrtrag zum Ab-
schluß zu bringcnc Daily News ruft aus: Richard
Cobden war größer als ein Cäsar. Er war cin
wirkltcher Wohlthater seines Vaterlandes. Treffend
ist folgcndc Bcmerkung deffelbcn Blattes: Die Frel-
handclsideen dabcn vor Cobden eristlrt und wür-
dcn auch ohne ihn sich früber odcr spätcr Gcltung
verschafft habcn. Abcr wte vlel hing nicht vtcüelcht
von dem „früher" ah? Ohnc Lobden wnrde Eng-

VeS allgemeinen dentschen HandelStages Irat am
30. v. M. in Berlin zur g. Plcnarversamm-
lung zusammcn. Der Präsident, Consul Meier
aus Bremen, referirtc übcr die Schrittc, welche
er seit dcr letzten Versammlung behufs An-
bahnung eineS HandelSverträges mit Rußland
gethan hattc; die Dcnkschrift deS Ausschuffes
war ins Rnssische übcrsetzt und in Rußland
verbrellet worden, wo schutzzöllnerische Zntereffcn
dagegen agitirte»; mil -nglijchen Handelskam-
mer» nnd französischcn 'National-Oekvnomen
war zur Milwirkuug einc Cvrrespondenz ailge-
knüpst, u»d auf Antrag des Präsidcntcn wur-
den zwei, resp. drei Delcgirte auS dem blei-
benden AuSschuffe gewählt, welche perjönlich in
den Handelskreisen RußlandS für das Zustande-
kommen eines Handelsvertrages im Jntereffe
des deutschen Zollvereins >n gceigneter Wcise
wirken und°demzusolge nach russischen Handels-
städten reiseu möchten. Die vielcn Anträge und
das rciche Matertal sür die dritte Generalvcr-
sammlung des allgemeinen deutschcn Handels-
tageS wurden beraihen und gesichtet. Die vor-
läufige Tagesordnung ward fejtgestellt wie
folgt: 1) Wahl des Bureau's; 2) Bericht über
dic Wirsamkeit deS AuSschusses; 3) Handcls-
verträgc, n) mit Rußland, b) mit Jtalien,
c) mit der Schweiz; 4) Differential-Frachten
und einhcitliche Claffificatio» im Eisenbahn-
Transportwesen; 5) Münz-, Maß- und Ge-
wichtswesen und Vcreins-Goldmünze; 6) Zoll-
vereinsangelegenheiten, n) Reform der Verfas-
sung, b) zollamtliche Bchandlung deS JmportS
und Exports in den Sechäfen, e) deutsches
Consnlarwescn, dinsuinll missi; 7) Handels-
gerichte (Organisation u. Competenz); 8) Gleich-
mäßiges Porto für Bricfc u. Packete im deutsch-
österreichischen Postverein, Geldscndnngen und
Postanwcisungcn; 9) AllgemeineS deutsches
Verstchernngsgejetz; 10) Classification der

Schiffe. Für dicse Gegenstände wurden vor-
läufig Berichterstatter ernannt; die R-ferenien
für dic Generalversammlung werden in dcr
letzten Conferenz unmittelbar vor der Plenar-
versammlung bezeichnet. Dic Generalversamm-
lnng soll aus Montag den 4. Septcmbcr nach
Braunschweig berufcn werden.

Aus Schleswig - Holstein, 4. April.
Gestcrn fand in Altona eine Vorberathung von
Bertranensmännern auS «erschiedcnen LandeS-
theile» statt, welche einstimmig die Ber-
liner Erklärung dcs cngeren AuSschusseS
vvm 26. März billigte. Die Delegirtenver-
sammluug sämmtlicher Schleswig - Holsteinvcr-
eine ist aus den 19. April nach Rendsburg in
Aussicht genvmmen. Sicherem Vernehmen nach
werden außer dcn schleswig-holsteinischen Dele-
girten dic Abgeordneten Mctz von Darmstadt
nnd Virchow von Berlin eingeladen wcrden,
dere» letzterer sein Kommen schon zugesagt
haben soll. (H. L.)

Krankroich

Paris, 3. April. Die durch Boudet abge-
schaffte Preßleitung im Ministerium des Jn-
nern ist wieder hergestellt. Ein Herr Domer-
gues wurde zum Director des Preßbureaus
ernannt.

land nicht sckon 1846 die verhaßten Korngesetze
losgeworden setn, und zwei Iahre später brach der
Orkan aus, in welchem die Throne auf dem Fest-
laude wie Kartenhauser fielen. Wer weiß, wie
Englanb fich währenb dieseS SturmeS benommen

Berlin, l. April. Nach der Tr. hat die Marie
Fischer jetzt gestanden, die Ermordung deS Prof.
Gregy auf Veranlassung der Quinche mit dieser

Gregy aufhängen wollen, indessen dcr Strick sei
zu kurz gewesen und das Opfer habe sich zur Wehr
gesetzt. Da habe vie Quinche dem Grothe das
Hackmesser geretcht, mit dem Gregy dann erschla-
gen worden sei. Die Fischer will bei dem Morde
selbst keine Hand mit angelegt haben.

* Ein Soldat wurde mit 25 Hieben bestraft.
Er lachte nach jedem Streich. Als er nach voll-
zogener Erecution nach dem Grund seineS Lachens
gefragt wurde, antwortete er: „Haben'S den Letzxn."
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