Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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D e » t s «h l a » d.

^Heidelberg, April Die gegcnwärtige
Session des gejetzgebenden Körpeis m Paris zlkht
d-rmalen unlere ganz besondere Ausmerksam-
keil anr sich. Die Z-ichen mchren fich in auf-
sallcnder Weije, daß Frankreich dcr casarischen
Regiernngswclhode dcs napoleonijchen Kaiser-
reichs in bedenklicher Weijc müd« zu werden
beginnt. Wen» dic Vorrede zum „Leben Cä-
sars" eine Jnterpellation an die öfienlliche
Meinung Frankrcichs zu Gunsten dcS Jmperia-
lismn« war, so ist dieselbe in einer jür diesen
sehr unerquicklichcr Weise bevorwortet worden.
Auf dke salvrischen Bcmerknngcn deS „Labie-
nus" folgie die Rede Thiers, die geradezu eine
unumwundenc Aufiorderunz an Napolcvu m.
cnthält, Frankreich sciue parlamcntarijchen Jnsti-
tulionen znrückzugcben. Nach Thiers jchleuderte
Zules Aabre eine weitere sulminante Anklage
gegen daS Kaiscrreich. Dann kam GlaiS-Bizoin
uud jagtc cs laut heraus, daß Frankrcich so
despotijch regicrt wird, wic Rußlaud uud die
Türkci, und die napoleouische Regierung, wklche
stets die Grnndjätzc von 1789 im Munde sührt,
jah sich zu der Erklärnng genöthigt, daß jie
vvn ihrer dictatorischen Gewalt nichts abzcben
könne, ohne den cigcuen Bcstand in Frage zu
stellen, Frankreich weiß nnn, woran es ist, und
was cs von dcr napolconijchen Regierung zu
erwarten hat. Dcr Kampf gcgen die fast abso-
lntc Gcwalt desselbc» hat begonueu, und wird
mit allen zu Gebvtc stcheudcn Mitteln sortge-
sührt werden,

München, 9 April. Man crzählt sich
hcnte vielsachc Acußcrungen, wclche der König
gcstcrn gegen Kiuumermitglieder gemacht hat.
Den Abg. Kolb sragtc er, wic lange er jcho»
Mitglied dcr Kannner sci. Kolb antmortete:
Scit 1846, aber mit Unterbrechnng. Warum
die Untcrbrcchung? sragte der König. Weil
ich, war die Antwort Kolbs, einige Zahrc in
der Schweiz lcbtc. Wahrjcheinlich, bemerkte
der König, a»s GeiundhcitSrücksichtcu 1 Ncin,
Ew. Maj., ich wollte nur der Rcactio» LUS-
weichen. „Da habcu Sie", erwiedcrte dcr Kö-
nig, „jshr wohl gcthan". (Bayr Bl)

Münchc», .10. April. Jn dcr Abgeord-
uctenkammer wnrde hente dcr Gcsetzeutwnrf
über Einsührung zweijähriger Finauzperioocu
vcrhandelt uud ciustimlnig angcnommen.

Koblenz, 8. April. Dem Vernehmen nach
hat sich die päpstliche Cnrie mit oer preußischen
Regicrnng über die Bcsetzung deS erzbijchös-
lichen Stuhls von Kölu geeinigi Der Bischof
von Osnabrück, Hr. MelcherS, soll dazn aus-
erkvren sein. (Allg. Ztg.)

Z t a ! r e n.

Tu.in 9. April, AbcndS. Deputirtenkam-
mer. Der Ärtikcl bczüglich der Eijcnbahncn der
iüdlichen Provinzen ist angcnommen Ivorden.
Dcr Ministerpräsident, Gcneral Lamarmora,
sagt, daS Ministerium habe die CabinetSfrage
gestellt, um die Coalition mehrerer Localin-
terefien zu verhindcrn, welchc eincn Druck auf
die Regiernng ausüben wollten,

Roui, 9. April, Abends. Dieje» Morgen
hat drr Papst die Palmen gesegnet und jelbst
die Verthcilung an daS diplomatijche Corps,
welchrS diejer Ceremonie beiwohnte, vorgenom-
mcn. Eine sehr grvße Mcngc Fremder wohnte
dcr Prozession in dcr Bafilika deS VatikanS
bei. Hcrzvg v- Persigny ist diesen Morgen um
7 Ubr i» Civita-Vccchia gelandct; er kam um
11 Uhr in Rom an, wo cr im französischcn
GcsandtschäftSpalast abstieg.

L v >! - l e -.

Madrikn 9. April. Herr Bermndez hat
gestern im Senat erklärt, er wcrdc niemals
die An«rkcnnung der cngllschen CouponS un-
terslütze».

D ä ii e m a r k

Kopenhagrrr, 11. April. Der Antrag deS
gemeinsamen UnsschusseS wurde im Landsihing
angcnommen, in Folkcthing verworfen; somit
ist dcr Regicrungsvorschlag im ReichSrathe ge-
fallen. Die Regierung erklärte, in der Verfas-
sungSsragc zu eincm wcilercn Beschlnß noch

nicht gekommen slin. Die session des Reichs»
raths wird morgen gcschlofien.

A m e r i k a.

Newyork, 31. März. (Pcr Ufrika.) Amt-
lichen Angaben znfolge griffen die Conföderirten
unter Lec am 25. d. M. die vor Petersburg
in Virginien gelcgenen Forts Steadman und
Askell an, ervberten ersteres zeitweilig, wurden
jedoch schließlich mit einem Verluste von mehr
als 3000 Todten und 1800 Gefangenen wieder
herausgeschlagen. Der Verlust dcr Unionstrup-
pen belief stch auf 2000 Mann. Die Gcsammt-
macht des Lrord -Gcnerals Shersdgn. hat d.as
Heer Grants erreicht. Lincoln, Grant und
Sheridan hielten in Grant's Hauptquartier
-Kriegsrath. Unbeglaubigte Gerüchte von neuen
Friedens-Anerbietungen Seitens Lee's sind in
Umlauf. — Dev Bericht Lee's über den An-
griff des F-ort Steadman zcigt an, daß er neun
Kanonen genommen und fünfhundert Gefan-
gene gemacht hat. Lee fügt hinzu, daß zwei
Versuche, den Unionisteu ihre Position wieder
zu nehmen, zurückgeschlageu worden sind, aber
die Consöderirten hättcn sich zurückgezogen, weil
cs ihncn unmöglich gewesen wäre, die hintcren
Forts ohne große Lerluste zu nehmen. Lee zu-
folgc ist sein Verlust nicht groß.

Halboffiziellen Berichten aus Mexico zufolge
schlug Corena ein französisches Chaffeur-Re-
giment bei Veranos und ließ die Gefangenen
erschießen. Die F-ranzosen rückten am 29. Ja-
nuar von Durango gcgen Chihuahua vor,
zogen sich jedoch wieder zurück, da letztercs
stark bcsetzt war.

Neuefte Nachriehterr.

Montreal, 30. März. Die Plünderer von
St. Alban sind in Freiheit gesetzt worden; ste
werden den Unionisten nicht, den Ausliefcrungs-
verirägen gemäß, übergeben werden wegen ihrer
Eigcnschast als Kriegführende, aber sie sind
auf's Ncue verhaftet worden, untcr der An-
schuldigung eines Mordversuchs.

Newyvrk, 1. April, Morgens. (Mit dem
Dampfcr „Ciry of London.") Die allgemeine
Bewegnng der Armee Grants wird nächsten
Mittwoch beginnen. Die Jnfanterie rückte gegen
Hatchers Niver vor. Sheridan ging vor, um
die Southside-Eisenbahn abzuschneiden. Thomas
soll, aus dem Südwesten kommend, gegen Lynch-
burg vorrücken. Die Bewegung gegen Moblle
bcgann am 18. März. Die Herren Lincoln
und Seward sind noch in Eity-Point. — Gold
151^4; Wechselcours 165^; Bonds 105^/s
Banmwolle 46. matt.

Berlin, 11- April. Hcute Nachmittag
wurde der Handelsvertrag zwischen dem Zoll-
verein und Oesterreich hier unterzeichnet.

XHeidelberg, 11. April. Jn der letzten
Sitzung des hiesigen ev. Ortsschulraths, zu
welcher sämmtliche Lehrer eingeladen waren,
bildete das Vorrücken der Schüler in höhere
Classen den Hauptgegenstand der Berathung.
Ueber den Mißstand, daß bisher die Schüler
mit dem Alter, wenn sie auch die nöthigen
Kenntnisse nicht hatten, dennoch in höhere Clas-
sen stiegen, wurde längere Berathung gepflogen,
an welcher die Lehrer lebhasten Antheil nah-
nwn, und ihre desfallsigen Erfahrungen mit-
theilten. Es machte sich dabei die Ansicht gel-,
tend, daß in Zukunft alle diejenigen Schüler,
welche zwar das gesetzliche Alter, aber wegen
Nachlässigkeit, schlechtem Schulbesuch und Träg-
heit noch nicht die nöthigen Kenntniffe und
Fertigkeiten erlangt haben, noch ein Jahr in
derselben zu verbleiben haben oder nur beding-
ungsweise in eine höhere befördert werden sollen,
aus der sie wieder zurückgewiesen werden' kon-
nen, im Fall sie es sich nicht ernstlich angele-
gen sein lassen, aufmerksam und fleißig zu sein.
Jn Bezug auf die jetzige Stellung der Lehrer
zu ihrer nächsten vorgesetzten Behörde, drängt
sich uns hier umvillkührlich eine Vergleichung
auf, die wir nicht unterdrücken können. Wäh-
rend sie in den 30er irnd 40er Jahren zwar
zu den Schulvorstandssitzungen kommen durf-
ten, aber weder Sitz noch Stimme hatten, son-
dern als blose Znhörer auf einer Seitenbank

saßen, ja während der Reactionszeit gar nicht
mebr zu den Sitzungen eingeladen wurden, sind
ste jetzt, ivie es das Gesetz verlangt, durch einen
ihrer Collegen im Ortsschulrath vertreten und
werderr von diesem bei besonderen Fällen zu
den Berathungen beigezogen. Und das mit Fug
und Recht; denn aus so vorzüglichen Krästen
auch der Ortsschulrath zusammengesetzt sein
möge, so gibt es aber doch Fragen, namentkich
aus dem rein praklischen Schulleben, zu deren
Erorterung gerade diejenigen das rechte Zeug
mitbringen, die mitten in der Schule stehen.
darin leben und wirken. Jn gleich anerken-
nender Weise hat auch der hiesige kath. Orts-
schulrath bei ähnlichen Verhandlnngen seine
Lehrer um sich versammelt, und wir rechnen
eä beiden Collegien nicht gering an, daß sie so
und nicht anders verfahren.

H VZiesloch, 10. April. Geftern hielt der
Großhcrzogliche Kreisschulratb Herr Lentz von
Heidelber-g an ullsercr erweiterten Volksschule
eine üffentliche Prüfung, die zu dessen vollkom-
mener Zufriedcnhcit ansfiel. Sein woblwol-
lendes Bcnehmen gewann aber auch von An-
fang die Schüler, so daß bis ;um Schlusse ein
offener, mnnterer Gcist herrschte. der stch be-
sonders in dcn Liodern und Vortragen des
Schlußactes kundgab. Die Theilnahme von
Seitcn dcr Eltern und Schnlfreunde war eine
sehr erfreuliche. Nach dem ausgegebenen Pro-
gramme zählt diese Anstalt nach dem crsten
Jahre ihres Bestehens nunmehr 71 Schüler.
Als die Prüfung vorüber war, versammelten
sich um den allbeliebttn Herrn Kreisschnlrath
Beamte. Geistliche, Lehrer, Schulräthe und
Bürger in großer Zahl in vertraulichem Kreise
und fceuten sich seiner Gegenwart. Je besser
der Eindruck war, den dic persönliche Erschei-
nung des Herrn Kreisschulrathes hier machte,
desto mehr staunte man darüber. daß in eini-
gen katholischen Gemeinden dcs Amtsbezirks
Üngesetzlichkeiten, ja Rohheiten vorkommen konn-
ten, die die Absichten des Herrn Kreisschul-
' raths, daselbst ebenfalls öffentliche Prüfungen
vorzullchmeii. vereitelten. Solches Benehmen
gercicht wahrlich keincr Gemeinde zur Ehre,
wohl aber zur Schande, und gehörte sie auch
der äuffersten Opposilionspartei an.

Aus Baden. Die Handelskammer in
Karlsruhe hat einen Jahresbericht veröffent-
licht, worin unter Andern die Errichtung einer
Hantelsakademie betont wird, unter Beiziehnng
der gerade in Karlsruhe in hervorragendem
Maße vorhandenen Lehrkrastc; die Aufhebung
der in veraltetem iDtyle gcbaltenen Abtheilung
deS Polytechnikums (Handelsklasse), die übri-
gens in Bleibtren eincn anch über die Grenzen
des Landes hinaus bekannten Lehrer zählt, soll
ohnehin in Aussicht genommen sein. — Siche-
rem Vernehmen nach ist, wie die B. L.-Ztg.
meldet, in Bezug auf das in einigcn kathol.
Landortcn vorgekommene Wegbleiben mancher
Volksschuler von den durch die gesehlichen Schul-
aufsichtsbehörden anberaumten Schulprüfungen
strenges Einschreiten angeordnet.

gegeben worden sein. — Nach Eröffnung des von dem
Beklagten mittlerweile nenerbaulen Gasthofes erhob Hr.
Otto^Kühn eine Klage gegen desfen Besitzer, und stellle

zu baben nnd verlangte im Woig;rungÄfalle eine Ent-
schädigungssttmme von 30,000 fl. — Das biesige Amts-
gerichl, bei welchcm die Klage zuerst använqig war, er-
kannte den Eid nicht für zulässig, und setzte die von
Erperten ennittelte Entschädigungssiimme vou 15,000 fl.

- am 7500 fl. — fest. Beide Theile appellirlen gegen
dieses Urtbcil an das groß . Hofgericht. wclches den dem
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