Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Ml lMM Heidetberger Iettung Nr. 88.

Deutschland

Jn der Bundestagssttzung vom 6. Axril be-
gründete Baden stine Abstimmung solgender-
maßen:

,Die großh. Neglrrung hak von dem frühesten Ber-
suche Dänemarks an, durch Bereigderung der Thron-
iolgeordnung eiiler Theilung der Monarchie nach Aus-
st-ideii des diimschln KSnizShauseS ,uv°i;uloin,ii-il, un-
ivandelhar die gleiche Skelluug eingehalkeu. Dnrch langc
Iahre hindmch beiand st- slch dadei in vdllei Ueberein-
stiinniililg mil ihren hohen Mikverbüiidelen. — Jn den
Iiilgiinstigen Z-iiverhIllniss-n, w-lche einen nnn über-
Ivnndcnen Versuch d-S Eingeben» aus din Grundgedanken
däniicher HauSxolikik im Londonn Prokokoll gebrachk
hallen, stand die großh. R-giernng sast allci» sür diesc
ihr iininer gl-ich- Ueberzellgllng. E« ging di-s-lbc da-
hin, d-b das Si-aksr-chk d-r Hirioglhümer di, Thron-
solge im Maniiesstainiil- d,s old-nburgisch-u Hauses
geordnet babe, und daß diese im regel»äßigeii Erbgange
aus H-rzog Friedrich VUI. von SchleSivig - Holstein-
Sonderburg - ilugnstenbiirg sühre. In diesem zürsten
hal nach dem Hinscheiden des lehkin Ikonig - H-rzogS
oldenbnrgischen Stamniks die großh. Regierung dahrr
den lechtniäßigcn Erben und Fü-st-n über b-id! Heizog-
ihümer aiierkannl. Sinsprachen g-g-n daS Rechl d,s
augnstenburgischen HanseS lagen dem Bunde danials
nichl vor. Die Ausprüche, welche sich aus die politische
TranSaelioii d-s Londoner Prolocolls ftüblen, hakle die
großb. Regierulig. die demseiben s-rn g-bli-ben war,
iiichl jn b-rücksichlig-n. Di-ß um so loeuiger, als nie-
uials Ansstcht mar, daß -s di- Bedeulniig -in-r voll-
endetcn Thalsache gewinnen könule. Erkannle ste einmal
in Herjog Friedrich den legilimen Tdron-rben, sv be-
siudek si- sich nun nichk in d-r Lage, -inem Autrage

zoge Friedrich inzwischen auch dic unzlveideuliae Unier-
stützuug der holsteinischen Beoölkernng zu Theil gewor-
den ist, wclche dei Enischeidung deS ganzen künftigen
GeschiekeS der Herzoglhümer nichl ulngangen werden
dars. Wenu näinlich irgend eine letzte Jnstauz znr Enl-
scheidung einer streitigeu Thron - Erbsolge der Heizog-
Ihnmer gesunden Iverdcu will, so wird diese nichl in dem

uichl wohl in einem Auskrägalgerichle, sondern ganz
allrin in den politischen Facloren des LandeS selbst zu
suchen sein, über dessen Geschicke vcrsiigl iverdeu soll,

Verlaus dieser hausgesetzlichen nnd vkrsassilngsinWigeli
Thäligkeil von Agnaken und Slänoen besorgl zu seiu.

enlscheidenden polilischen Faclorcn der Herzoglhünier,
Fürst und Slände, gelangt, sv wird deieu Zustiminung
nicht zweiselhast sein, und auch die hohe BnildeSversainni-
lung bürild kcinen Anstand nehmen, der Abrcde der bei-
den hohen Regicrungcn fich anzuschließeii Jndem die
großh. Regierung sich dahei ^dcin Ausdrnckc der ver-

hohen Regirrnngen von Bayern. Sachsen nnd Hessen
zu Gunsten baldiger Lösung dcr schwebenden Frage eni-
bält, kann sie nicht unterlassen. dre Hoffnnng 'beijU'
sügen, daß es dcr maßhaltenden BMgkelt der die Her-
zoglhümcr im Befitzc hallenden hohen Regierungen ge-
lingen möge, durch vorgängige Verhandlungen Übcr dle
Bedingungcn, dcren Herstellung im Jnteeefse Dentsch-

lauds von der Mnsligen herioglichen Nrgirrnng g>-
wünschr werden muß, die Erfüllnug diescr Erwarlung

Leipzig, 6, Axrit. Vorgesterli bereits haben
fteiwillig über 100 Buchdruckergehilfen, tauter
jüngere unverheirathete Leute, unsere Stadt
verlasseu, um anderwärts Arbeit zu suchen uud
der hiesigen Unterstützungskasse nicht zur Last
zu salleu. Denu wie die Priuzipale fest zu-
sammeuhalten, nm deu oon deu Gehilfeu ge-
forderteii Taris abzuwehreu, so herrscht uuter
deu Letztern ebensalls eiue seltene Eiutracht.
M!uß natürlich uuter der Arbeitselnftelluiig der
Druck der größeru Werke start leiden, so wer-
deu boch die Zetkungen uud Lokalblätter nicht
davon berührt; säinmtlich erscheiueu sie iu der
seitherigeuWeise fort, mid Brockhaus verspricht
bao auch sür die Folgezeit für alle bei ihm
gebruckteuBlätter. Nur der „Lelegraph" bittet
uuter deu gegebeuen Verhältnisseu „um ütach-
sicht", und der „Dorfanzeiger" oerlaugt sie
Zuserate sür emeu frühereu Termiu. Uuter
deu Gehilfen, die sich im Juteresse der Andern
der Arbeitseiustellung angeschlosseu habeu, be-
siiideu jich Leute, die 20 uud mehr Jahre iu
dcmselbeu Haus gearbeitet uud ö uud 8 Thlr.
wöcheutlich verdieut habeu. — Auch uuter beu
Schueidergeselteu isl nach dem Borgauss
der Breslauer eiue Bewegmig im Gang, in-
dem Erhöhmig des Lohus aiigesprocheu wird.

Müiicticii, 9. April. Der König drachte
bci dcr gestrigen Tafel folgeudrn Toast aus:
„Seit der letztcn Vertagung dcr Rammer hat
stch mir noch keiue Gelegenheit geboteu, die
Bertreter meiucS Landes zu begrüßcn. Heute
hade ich dic ttammer der Adgeordueteu um
mich verjamoi-ll, um ihr lücinen königiichen
Gruß zu enibicien. Dem theuer» baycrischen
Vaterlande uud icinen Abgeordncteii bringe ich
dieses Glass"

Berlin, 7. April. Die heutige Sitzuug
des Abgeordneteuhauses eröffuete Präsident
Grabow mit einem Nachruf für deu in ver-
gangener Nacht plötzlich oerftorbeiien Abgeord-
neten, Haiidelskammerpräsidenteiio. Röuue. Das
Haus tritt hierauf iu die Tagesorduung. Nach
Berathung oerschiedener Pojitionen gelaugt man
zu dem Disposilionsfoud für allgemeiue poli-
tische Zwecke. Dieser Fond ist eiu geheimer,
unterliegt nicht derKoutrole der Oberrechuuugs-
kammer uud soll un Betrage vou 31,000 Thlr.
nach dem Vorschlage der Komniission wieder
gestricheu werdeu. — Hr. o. PHtschke-Collande
hält deu Foud für nothweudig, damit auch das
Miuifterium eine Zeitung habeu, uud seiue
Ansichteu aussprechen könne. Der Foud ist
viel zu gering; das Haus möge dem Minifte-
rium eutgegeukommen, es haudelt sich ja uur
um ciue uubedeutende Summe. — Minister
Graf Euleuburg: Mit dem Streicheu der
Summe bringeu Sie die erste Schwierigkeit iu
das Zustaudekommeii des Etats. Hr. o. Heu-
nig: Der Herr Miuister möge dic mit deu
31,000 Thlru.. erzielteu Vortheile uud Nach-
theile balaucireu; am Ende oerzichtet er selbst
darauf. Die „Proo. Korr." im Staatsmiui-
sterium redigirt, ist eiu Beispiel daoon. Wir
solleu Geld bewilligeu, damit die Regieruug
Artikel gegen uns verbreite» kanu? Diese Re
gieruug ist ja keiue solche, welche die Juteresseu
des Laudes schützt, souderu eiue Parteiregie-
ruug, uud für Parteiiuteresseu habeu wir doch
keiu Geld zu bewilligeu. Will der Miuister
deu Koiiflikt, so mag er die Verautworttichkeit
dasür überuehmeu. — Der Ätinister: DesPreß-
fondsbedars jede Regierung. DieBewilligungder
Summe ist keiu Vertraueiisootum. Hr. v. Vincke:
Auf dem vo» der Kommissiou eingeschlageneu
Wege errcicheu wir deu Zweck »ichl; der Kou-
flikt wird erweitert, anstatt lokalisirt zu wer-
deu. Wir habeu ja nur eiue moralische Macht.
Hr. Zuug: Wir habeu dieselbe Macht wie das
Ministerium; die Macht des VolkeS zieht uicht
alle Tage mit klingendem Spiele auf; versucht
man es, sie zu unterdrückeu, so bricht sie sich
wie 1848 Bahn. Eiu wahrhaft tonstitutio-
uelles Miuisterium bedarf keiner feilcu Federu

und Blätter. — Hr. o. Blankenburg: Das
Herrenhaus hat ausdrücklich erklärt, das Strei-
chen dieser Positionen habe es veranlaßt, den
ganzen Elal zu verwerfen.' Streicheu L>ie, so
thun Sie es bewußt. Bei dem Andauern des
Koufliktes lerut die Regieruug regieren. Kou-
zessioneu macheu ist Reoolution vou obeu ulid
das ist gefäbrlich. — Frhr. v.Hooerbcck: Wirsind
uuserer Ueberzeugung uns bewußt uud werden
noch Mauches thun, was dem Herrenhause uicht
gesällt. — Hr. o. Uuruh: Die geheimeu Fonds
sind iu alleu konstitutiouellen Länderu eiu Ver-
trauensootum u»d das können wir dem Mini-
sterium nicht geben. Das Laud wie das Haus
wüuscheu Versöhnuug. Zu eiuem Kompromiß
gehöreu zwei; soll Einer den ganzeu Weg zu-
rückkegeu, so ist dies kein Kompromiß, sondern
Untcriverftiug, und was das Ministerium uu-
ker „Lcrsöhuung" oersteht, weiß j-der aus dem
Muude des Kriegsmiuisters, Worte, aber keine
That, demi die Regierung will keiue Versöh-
nung. Abg. o. Gottberg: Mit kleineu Posi-
tioneu muß mau beim Eutgegeukomnien an-
faiigen. Wir sind allerdings hier im Hause
eine kleine Partei; die Regiening stützt sich
aber auf eiue große Partei im Lande. Jch habe
auch Gendarmeii uuter meinen Befehleu. habe
aber noch keine ZeitungSartikel durch dieselben
vertheileu lassen. Zetzt werdeu allerdings die
Amtsblätter mehr gelese», weil das Land das
Bedürfniß sühlt, sich zu orientiren; zwangs-
weise werdeu die Bauern zum Lesen nicht an-
gehalten. Dr. Becker: Mit der Streichung
erkeuneu wir an, daß ein anderes Ministerium
in der Presse fteiwillige Unterstützuug findeu
wird. Das. Herrenhaus hat sich um Speciala
uicht zu kimmeru. Hr. o. Hennig: Jn sehr vie-
len Kreisen wird die Provinzial-Korrespondeiiz
deu Baueru iu das Haus getragen. Wir köu-
uen schon deßhalb nicht sür diöse Position
siimmeu, weil der amtlicheu Presse jede Zügel-
losigkeit gestattet ist, währeud alle liberalen
Blätter auf das Strengste verfolgt werdeu. —
Minister Gr. Eulenburg: Es existirt eine Ver-
ordiiung, wonach Amtsblatter vou deu Schul-
zen oorgelesen werdeu sollen. llnter den
obwaltenden llmstäiiden handelt es sich wirk-
lich nichtuinein Vertrauensvotum. Vertrauens-
votum wärc es, wenu man der Regierung 20-
oder 30,000 Thaler mehr geben wollte. —
Hr. Dr. Frese sMiudeu): Mit diescm Gelde
wird das Haus schlecht gemacht, wird agitirt
gegeu Versassuug und Recht, uud das sordert
die Regieruug vo» uus? Wo sind die Ver-
sicheruiigeu des Ministers, das Haus möge nur
iu der Militärfrage nachgeben, uud daim werde
es die Rcgieruug aus alleu auderen Gebieten
zur Nachgiebigkeit bereit finden? Die Regie-
rungspresse strotzt oon Lügen und Verleum-
dungeu. — Auch die Herreu o. Saucken-Ger-
daueu uud Lasker stnd für das Streicheu; das
Ausdräugeu oo» ?lrtikeli^ in Amtsblättern ist
ciu Eingriff iu die pcrsöuliche Freiheit. —Die
Diskussiou ist geschlosseu. Nach persönlichen
Bemerkungeu der Herreu v. Hooerbeck, v. Kirch-
mami, vou Uuruh, v. Viucke, v. Blau kenburg,
befiirwortet dcr Refcreut Hr. Assmaun die Ab-
setzung der Smmue. Loyale Angriffe kinne
mau sich gefallcn laffeu, aber die Regierungs-
presse eutstellt dic Bestrebuugeu des Hauses,
währeud die liberale Presse keiue Freiheit hat:
die Presse ist uur noch ftei im Zuteresse der
Regicrmig, sie ist also uicht mehr der Aus-
druck der öfseutlichcu Meiuung. — Die 31,000
Thaler werdeu mit großer Majorität ge-
st riche u.

Verlin, 8. April. Das Obertribmial hat
dieser Tagc eiuc jür dic Presse schr wichtige
Entschcidung dcS Kammergerichts bestäligl. Es
handeltc sich mn die Versolguug dreier hiesiger
Bläitcr, dcr (inzwisch-» eingcgaugenen) „Ber-
liuer Abciidzcitmig", der „Nat.-Ztg." und der
„Berl. Reform", wclchc angcklagt uud iu erstcr
Jnstauz verurtheilt wordcn wareu, weil ste auS
französischen, rejp, cuglijchen Blättcrn Urtheilc
über das Berhalteu dcr deutschen Großmächte
gegen Dänemark wicdcrgegeben hatten, die fich
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