Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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u»d der Abgeordneten v. Schitling und v. Gem-
mingen-Guttenb-rg angczeigt.

Vvn der grvßh. Staatrregierung ersolgen
chierauf folgeiide Vorlagen: StantSminister Dr.
Stabel: 1) GesetzeSentwurf über oic Gerichts-
barkcit nnd daS Versahren bei Rcfractären und
Desertenrcn. 2) Entschuldignngsschreibcn nicht
erschicncner Mitglieder, nnd zwar des Herrn
Erzbischofs, des Hrn. Fürsten v. Fürstenberg,
Ernst v. Leiningcn, v. d. Leyen, v. Leiningen-
Billigheim, Grafen v. Langenstein, sodann Man-
datsniedcrlegnng deS Frciherrn Schilling von
Cannstatt wegen Krankheit. — Gcnerallieu-
tenant Ludwig: 3) GesetzeSentwurs über die
GerichtSbarkeit in PrivatrechtSsachen der Mili-
tärtzersonen. — Staatsrath Vogelmann über-
gibt dieselden 4 Vorlagen, wie im andern Hanse.
— Herr Ministerialrath Jolly gibt dem hohen
Hausc Kcnntniß von den -ingelaufenen Bitt-
schriftcn, darnnter dieselbe Anzahl wcgc» der
Schulreform, wie sic im andcrn Hauje über-
g-ben wurde. Von Seiten des Schristsührer-
amtS wird angezeigt, daß Freiherr v. Stotzin-
gen einc Jnterpellation an den Präsidenten deS
Ministeriums des Jnncrn wegen der Schulre-
svrm zn stcllen beabstchtige. Dic Kammer unter-
brach sodann die Sitzung auf kurze Zeit und
nahm jchließlich CommissionSwahlen sür die
hcutigcn Borlagcn vor.

Karlsrube, 22. April. Jn der zwciten
Kammer erfolgten folgdnde CommijsionSwahlen
in dic Zollcommission: Moll, Pickford, Achen-
bach, Fallcr, Buhl, Poxpcn, Fauler, Kopfer
und Kimmig. Die Eisenbahn-Commijston be-
steht aus den Abgg. Kirsner, Wcnzler, Weber,
Gcrwig, Schaass, Kuntz, Knies, Hausier und
Frick.

^ Heidelberg, 22. April. Der geistliche
Ordonnanzbefchl, durch welchen ein neuer Pe-
titionssturm an die Ständckammer bezüglich der
Schulreform in Scene gesetzt werden soll, lautct:
k. ^

llnd dcr Kürst felbst erlcbte das Vorspiel dazu tn j
den Iahrcn 1674 und 75. Gehen wir aber zu l
Elisabeth zurück. Sie mußte AUcs preisgcbcn, waS
ihrcin Herzen theuer war, Heimath, Glauben, Ge-
wohnhkit des Lebcns und Denkens. Wunderlickl

diescr Welt des glanzendsten Prunks, fie, das
trotzige Raturkind, ohne jeden Respect »or hohleu
Fdrmen, dle Icbensfrischc. phhfifch und moralisch
-durch und durch gesunde Psälzerin, fic, die jeden
bcschönigenden Euphcmismus haßtc, njcmals dic
zlerliche Hvfetikettc, die Dreffur der Mcnschcn itNd
der Natur achten lerntc. Dazu der Gemahl untcr
ben Männern seiner Zeit viellcicht einer der un-
männltchsten (währcnd Elisabeth vieUercht eine der
männlichstcn aster Fraucn gewefen), ein süßes Hcrr-
chcn ohne Eig-Nth'ümllchkeit, ohne tieseren Geist,
aber doch rajfinirtcn Lastern nachgehcnd. Um den
Fluch -in-r politischen lonventionellen Ehe zu schrl-
dern, gibt cs vicllelcht kein dankbareres Thcma als
diefe Verbindung. Lbcr in rchter Weibltchkctt spricht

Der LNgegebenc Weg lst strcng gcsetzllch unb deßhalb
keincrlei Besorgniß zu hegen.

Frriburg, drn t2. »pril 1366.

Ireckarsteinach, Ig. April. Ueber das
dahier stattgehabte wanbernde Castno berichtet

un^d darf/ ^ sch ch

Darwfiadt. Das fünfte mittelrheinische
Turnfest wird während der Tage vom 5. bis
8. .August hier stattfinden. Die Militärbehörde
hat hierzu den erforderlichen Raum auf dem
Exercirplatz zur Verfügung gestellt.

Berlin, 21. April. Die „Nordd. Allg. Z."
erklärt die Machricht, daß zwischen den Cabi-
netten von Berlin und von Wien ein Ueber-
einkommen getroffen worden, wonach die Einbe-
rufung der Stände der Herzogthümer erst als-
dann stattfinden sollte, wenn die deutschen Groß-
mächte sich über eine fchließliche Regelung der
dortigen Verhältnisse verständigt — für voll-
ständig erdichtet. Nach demselben Blatt stand
im vorgestrigen Ministcrrath'Ne Herzogthümer-
frage auf der Tagesordnung; die Ergebniffe
der Berathung aber, eine Vorlage über die
Kriegskosten und eine Denkschrift über die Her-
zogthümerfrage seien so bald nicht zu erwarten.

Sonderburg, 21. April. Bei herrlichem
Wetter begann heute um 10 Uhr die Grund-
fteinlegungs - Feierlichkeit in Schanze Nr. 6.
Prinz Friedrich Karl that den erften Hammer-
schlag, indem er dabei dem Könige für deffcn
gute, sür die Armee unerschöpfliche That dankte.
Der Divisions-Prediger Schulzenburg hielt die
Rede über Psalm 11, Vers 4, darauf defilirten
die anwesenden Truppen, drei Bataillonc Jn-
fanterie, eine Schwadron Dragoner und eine
Batterie. Sonderburg ist geflaggt meist in den
holsteinischen Farben. Landes - Deputationen
waren nicht vertreten. Aus der Stadt und Um-
gegend war großer Volks-Zulaus. Morgen um
10 Uhr wird die Feierlichkeit auf Alsen statt-
finden. (Köln. Z.)

Wien, 18. April. Für Galizien ist der
heutige Tag ein historischer. Gemäß kaiserlicher
EntschließunA vom 6. März v. I. wird mit
dem heutigen Tage der über Galizien und

Elisabeth nie den Widcrwillen aus, den fie noth-
wendig gegen ihren Gatten hegen mußte, fie ist
ihm stets treugehorsam und voll Hingebung. Und
es ist gewiß die stärkste Probe ihres männlichen
Sinncs, nickt zu zeigen, wie schwer die Ketten
ihrer Ehe auf ihr lasteten. Nur als man ihre Kin-
der verderben und fie schlechten Erziehern übergeben
will, da beklagt fie fich und versucht alles Möglichc,
wenn gleich erfolglos, um das Verderben abzu-
wenden. Wie aber schafft fie fich eine erträgliche
Eristenz in einer Atmosphäre, die ihrem innersten
Wesen widerstrebte? Sie findet einen Trost in einer
sehr ausgebreiteten und lebhaft geführten Corre- j
spondenz an ihre Verwandten in Deutschland. Ganze
Tage fitzt sie am Schreibtisch und bringt AlleS zu
Papier, was sie innerlich bewegt. Durch solche Her- i
zensergießungen und Bekenntnisse hilft fie fich über !
die Oede ihres äußeren Daseins hinweg. Der tiefste

Herr von Generälen, unter denen kein einziger
das Gewerbe des Mordbrenners abzulehnen für
gut fand. Hier brach ihr Muth zusammen, „tch

Krakau verhangte Belagerungszustand außer
Wirksamkeit treten und die Ausnahme-Maß-
regcln sind beseitigl, welche im Gefolge des
polnischen Aufstandes gegen Rußland österrei-
chischerseits durch ein kaiserliches Manifest vom
24. Febr. 1864 verhängt worden waren.

Wien, 21. April. Ein scharfer Protest des
gegenwärtig in Kiel anwesenden Frhrn. v. Halb.
huber hatte sofort die Wirkung, daß die von
Danzig abgegangenen Kriegsschiffe Rückordre
erhielten, und die Maßregeln zur Verlegung
der Flottenstation überhaupt sistirt wurden.

-Wien, 21. April. Die „Pr. Z." erhält
von hier solgende Telegramme: Der Konflikt
ist erledigt. Preußen bedauert unter Aner-
kennung der Rechte Oesterreichs, daß es nicht
vorgängige Rücksprache genommen habe und er-
klart auf das Bestimmteste, in Kiel weder ein
Definitivum schaffen, noch dasselbe präjudiciren
zu wollen. — Der austropreußischen Ueber-
einkunst gemäß können einige Preußenschiffe im
Kieler Hafen provisorisch stationiren, aber aus-
geschloffen bleibt die einseitige Festsetzung oder
gar Befestigung.

F r a n k r e i ch.

Paris, 20. April. Der Kaiser von Ruß-
land hat auf seiner Reise nach Nizza ein großes
Gefolge, nahe an 70 Personen, darunter ver-
schiedene Prinzen seines Hauses und Minister,
bei sich, da leider Ereigniffe eintreten können,
welche die Vornahme gewisscr amtlicher Forma-
litäten im Auslande nothwendig machcn wür-
nen. Der Großfürst Alexander, Brudcr des
Czarewitsch, ist heute in Nizza angekommen,
gestern schon die Großfürstin Marie und der
Prinz von Leuchtenberg. Die Kaiserin verläßt
nicht das Lager des Kranken, deffen Zustand
hoffnungslos erscheint.

Z t a l i e n.

Turin, 22. April. Der Senat verwarf
die Abschaffung der Todesstrafe. Die bctref-
fende Senatscommission spricht sich gegen den
Eifenbahnverkauf aus.

Nizza,. 22. April, Abends. Der Zar ist
angekommen. Der Zustand des Thronfolgers
ist immer noch beunruhigend.

B e l g i e n.

Brüfsel, 22. April, Abends. Der König
Leopold ist ernstlich erkrankt. Laut ärztlichem
Bulletin hat ihm die Reise nach England eine
hestige. Bronchitis zugezogen, worauf große Er-
schöpfung solgte. Diesen Morgen war sein
Zustand befriedigender.

T p a n i e n

Madrid, 18. April. General Pareja, der
Kommandant des spanischen Geschwaders im
stillen Ocean, hat der Regierung gemeldet, daß
in dem wahrscheinlichen Fall, daß General
Pezet und das jetzige peruanische Kabinet ge-
nöthigt wären, der Revolution zu weichen, die
im Lande ausgebrochen ist, er der ihm folgen-
den Regierung eine Mittheilung schicken werde,
worin diese aufgefordert würde, fich ohne Ver-

mir", rtef sie oft. Ihre frühere Achtung gegen
Ludwig XIV. verwanbelte sich in ttefen Wider-
willen. (Sckluß f.)

Im Jntclligenzblatt von Potsdam Nr. 75 be-
finbet sich folgende Anpreisung des „Amuletbiers",
Getrsnk für jedeF Aller zur „Leben-Fluidum-
Neubildungs-Verbefferung":

„Um die Entstehung und um das stete Vorhan-
densein obigen Biers hat uns das mehr als be-
klagcnswerthe Generations-Bedürfniß, Dank dafür
bekommen wir durch Befriedigung deffelben. Ueber
die Edelzweckbestimmung bezrichneten „Getränks"
noch nähern Aufschluß, als ver oben gemachte zu
geben, halten wir für mchr wie überflüsfig. Uebcr-
tragen aber bittend, mit wärmstem Wunschvermö-
gen, den strebsorgsam-gcrecht-genialen Forschungs-
geisten unsercr Zeit „den auf bem Wahryeitsprüf-
stein erprobten Werth deffelben behufs allseitiger
Recommandation, und in Betreff der zu erzielen-
den Anwendung des sog. Generations-Bedürfniß-
Befriedigungs-Materials entsagen wir jeder Gm-
pfehlung bis auf diese."
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