Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Deutsrhland

Karlsruhe, 26. April. Laut Allerhöchster Ordre
pom 24. d. M. trelen in denl großh. Armeecvrps folgende
Beförderungcn nnd Versetzungm ein:

I. Jnfanlerie.

Die Hauptmänner 2. Klasse: Rigel im 3. Jnf.-Reg.
und Lemaistre im J^erbataillon rücken^in^die 1. Klasse

dieinegimenl, Graumann im 5. Jnf -Regrment und von
Göler vom 2. Jns. - Reg.. im 4. Jnf. - Regiment. Zu
Oberlieutenanten werden befördert die Lieulenante: von

4. Jnf.-Reg., und Schneidcr im 2. Jnf.-Regimeitt.

N. Artillerie.

Hauptmann 1. Klasse Dicnger^wird^vom Festungs-

Karlsrrihe, 24?Aprie Hcutt MiNag zab
bic hicsigc Hlmbelsgenossenschast in de» mit
Blumen nnd Fahncn geschmackvvll decbrirten
Räumcn deS großenMuscumSsnales ein Festessen
zu Ehrcn des 4. bad. HandelStagcS, an wclchem
mehrere Ministcr, sämmtliche Räthc deS Han-
delsministeriums, der Stadtdirector, der Ober-
bürgermeistcr der Rcsidenz und dic Delegirten
anSwärtigcr Handclskammern als Ehrcngäste
Theil nahmcn. Der Präsident dcs Handels-
tageS, Herr Bankier Köllc, brachtc den crsten
Trinksprnch auf S. K. H. den Großherzog aus,
in welchcm er ans dic trcncn, ächt constilutio-
nellen Gcsinnunge» deS geliebten Landcshcrrn
hinwieS und hervorhob, wie die in der denk-
würdigc» Osterproclamatio» vom Jahr 18K0
gegebenen Verheißungen bcreits zur Wahrheit
geworden sind. Dicser Toast sand eincn begei-
sterten Wiederhall in den Herzen der Anwe-
senden und wurdc mit Jubel anfgcnommen.
Den zwkiten Trinklxruch brachte der Vizeprä-
sident des HandelStages, Herr Ritzhanpt, auf
die treuen Räthe dcr Kronc und ihre segens-
rcichc Wirksamkeit zum Wohle des Vaterlandes
aus. Auch dieser Toast sand d-n jreudigften
Anklang. Dcr Präsident deS HandelSmini-
sterinms, Herr Staatsrath Mathy, dankte Na-
menS seiner Collegen vom Staatsministerium
in langcr, geistreicher Rede, in welcher cr unter
Anderm auch die bisherige crsprießliche Wirk-
samkcit drr KarlSruher Handclskammer hervor-
hob, und schloß mit einem Hoch aus den Vorort
des badischen HandelStagcs und seinen Präst-
denten, Herr» Bankicr Kvlle. Von Herrn Th.
Hcrrmann wurdc der Verdicnste dcr hiesigcn
Gemcindcbehörden um Handel und Verkehr
dnrch Hcrstellung der Rhcinbabn, des Hafens
zn Maxan und der ncnen Eisenbahnschiffbrücke
dnrch einen Trinkspruch auf Herrn Oberbnr-
g-rmeister Malsch g-dacht. Es wurden noch
cine Menge Toastc theils ernsten, theils heitern
Jnhalts ausgebracht, bis sich die Gesellschast
in später Abcndstunde trcnnte.

Heidelberg, 2S. April. Das bedeu-
tendste TageScreigniß war in dcr letzren Z-it
die telegraphisch gemeldete Capitulation Lee's
mit ieincr ganzcn Armce.. Sie ist für die Süd-
staaten ein schwercrcr Schlag, als selbst der Fall
Richmonds, dcnn der geübte Sirategc Lee galt
mit seiner Armee mehr als ein Dutzend be-
festigter Plätze. Nun ist der letzte Rest dcr
Hauptarmee in nordstaatlicher Gefangcnschast,
und die Conföderativn hat nur noch cinige kleine
Armeecorp«, wclche kcinen ernstliche» Widcr-
stand mehr leisten könncn. Mit Lee hat die-
selbc ihren rechten Arm verloren, und ihre
Seele, Jefferson DaviS, ist nunmchr ohnmäch-
tig. Sie ist dahin, mil ihr dic Sclaverei, und
mit dieser die südstaatliche Aristokratie. An
die Stelle dcr letztercn tritt die nordstaatliche
Dcmokratie, nnd nian kann von dcm praklischen
Sinne der Amerikaner erwarten, daß dieser den
Haß der Südstaaüicheu gegcn den Nordcn bald
zu besänftigen wiffen, und daß der Siden auf
Grnndlage des PrincipS dcr fteicn Arbcit sich
bald constituiren, und mit dem Nordcn auS-
svhncn wird. Die StaatSmänner der tlnion
scheincn'hiezu in der That die Hand bieten zu
wollcn. Wird dieses ausgeführt, so dürste die
nenerstandenc llnion sich bald zu einer hohen
Bedeutung erheben. — Jeder Anhängcr deS
wahrcn Fortschritts der Menschheit wird mit

der Wendung, welchc dic Dinge in Amerika ge-
nommen haben, durchauS zusriedcn sein. Zur
Erfüllung ihrer großen und schwercn Aufgabe
bedarf die Union aber »or Allem jetzt eineS
baldigen und langcn FriedenS.

Darmstadt, 26. April. Bei der heutigen
Wi-dercrössnung der Ständevcrsammlung bcan-
tragten die Hcrren Metz und zwanzig Genos-
jcn, den Ministerpräfidenten v. Dalwigk wegen
schwerer VersassungSverletzung, begangen durch
die Fortdaucr dcr mit dcm Bischof von Mainz
abgcschlossencn Cvnvention im Widerspruch mit
deui schon vor zwei Jahren gcsaßten Kammer-
bejchluß, in Anklagcstand zu versctzen.

Borlin, 22. April. Bezüglich des von dem
Submarine - Jngenicur Wilhelm Bauer in
Danzig vorgelegten Projecles, bctteffend den
Bau eines TancherbranderS für Marinezwccke,
erfahrt die „Westpr. Ztg.", daß dassclbe günstig
beurtheilt worden ist nnd wahrscheinlich dic
Ausführung desselben in Stettin verwirklicht
werdcn wird.

Berlin, 22. April. Zu dem Gesctzesent-
wurse, betrcffend die Marine-Anleihe, ist dem
Hauje der Abgeordncten noch ein Nachtrag
zugegangen in Betrcff der muthmaßlich ersor-
dcrlichcn Kostcn zur Hcrstellung eineS Marine-
Etablissements im Kieler Hafen zwischen Frie-
drichsort und Holtcnau. Dic veranschlagten
Kosten belaufen sich im Ganzen auf 3,800,000
Thaler.

Berlin, 25. April. AbgeordnetcnhaiiS. Zur
Vcrhandlung kommt dcr BudgetS-Coinmissions-
bericht über dcn Eiieiibahn-VerwaltungS - Etat
mit dem Berichtc der Commiffionen für Handel
und Finanzen über den Entwurs, betreffend
dic Geivährung ciner Staatsbeihülsc für die
Tilsit-Znstcrburger Eijenbahn-Gesellschast uud
sür dic Ostpreußische Südbahn Gesellschaft
(Pillau - KönigSberg - Lyck). Die Kammcr ge-
nehmigt den Berwaltungs-Etat. Die Abgeord-
neten Michaelis, Techvw, Virchow und Kneist
sprechen gegen Iubvenlionirung dcr Eijeubahn-
Gescllschaften; die Abg. Osierrath, Simson
und der Handelsmiiiistcr dafür. Das Haus
lehnt beidc Eiscnbahn-Gejetze ab nnd gcneh-
migt die aus beide Bahnen bezüglichcn Etats-
posten.

Berlin, 25. April. Dic „Nordd. Allg.
Ltg." bcftätigt die Nachricht, daß Prcußen die
Berufung einer schlcswig - holstcinischcn VolkS-
vcrttetnng enlwcder 'nach dem 1848er oder nach
cinem zwischen den deutschen Großmächten auf
breitestcr Grundlage zu vereinbarenden Wahl-
gejetze heantragt habe. Dicselbe werde zunächst
die Finanzverhältnisse zu diScntiren haben in
Betreff der Kosten nnd Peiisionen auS dem
ftüheren und dcm letztcn Krieg, der für die
verschiedenen Pratendentcn auszuwerfenden Ent-
schädigungSsummen, dcr Anerkcnnung der
StaatSgläubiger vom ersten Kricge her, der
Rückzahlung der augustenburgischenAbsindungs-
summc nach Kopenhagen n. s. w. Preußen
werdc nic die Aufnahme SchleSwigS in den
Deutschcn Bund zulasjen, io lang particnlari-
stische Bestrebungen kein Aequivalent sür gc-
währte Dicnstc zum schutz des gcmehrten Bun-
deslandcs geben; SchleSwig müßte sich dahcr
allein vertheidigcn. Die prcußische Politik schcut
keine Besprechung, sondern sordert sie, uni die
H-rzogthümer zu überzeugen, daß der ihr ge-
machtc Vorwurf der Selbsisucht uiigerechtfer-
tigt sei.

K r »i » k r e i ch

Parisj 23. April. Hr. Emil Ollivier isi
im Var - Departement mit einer sehr starken
Majorität zum Mitglied deS Gcneralraths ge-
wählt worden. Von 2574 Wählern gaben ihm
2405 ihre Stimmc.

Paris, 25. April. Hr. v. Balsh h-ißt
der Attachc der russischen Botschast, der gestern
mit Dolchstichen angesallen wurde. Der Mörder
ist ein ehemaliger Lieutenant der russ. Armee,
welchem die rnssischc Botschaft das Geld zu
einer Reise zum Kaiser nach Nizza vcrweigcrt
hatte. Dr. Nelaton hosst, Hrn. v. Balsh, der
blvß schwer verwundet ist, retten zu können.

T ch w « i j.

Bern, 20. April. Ani 17. d. M. fand in
Aarau eine Conferenz der Polcn - Comite'S

statt, an welcher 22 Repräsentanten von achk
Coniite's, sowie auch Langiewi^ und Gras
Platcr Thcil nahmcn. Dic Vrrsammlung gc>
langtc zu der einmnthigcn Erklärung, sie finde
die Ermuthigung und Untcrstützuug einer mas-
senhaften AnSwanderung nach Amcrika nicht
angemessen. Wenn cinzelne Polen auSwandern
wollcn, so mögen die jeweiligcn Comite'S nach
Ermessen nnd disponibeln Mitteln handeln,
j-dcnfalls sei aber cine Bcförderung nach Often
(Türkei und Donaufürsteiithümer) für einen
Theil der Polen vorznziehen. (Bund.)

Z t a ! i e n.

Turin, 20. April. Der Commissionsbericht
übcr die AuSdehnung des Strafgcsctzbuchs aus
Toskana ist vertheilt worden. Derselbe hält die
Todesstrasc aufrccht sür folgende 9 FLlle:
1) und 2) Angrifse auf dic Personcn deS Ko-
nigs und dic königlichc Familie; 3) Verwandten-
mord; 4) Giftmord; 5) und 6) Mord mit
Vorbedachl und aus Bestcllung; 7) Mord als
Vorbcreitung oder Erleichterung eines andern
Verbrechens odcr der Flucht oder Straflosigkeit;
8) Ranbmord; 9) Eisenbahnbeschädigungen,
welche den Tod eines Menschen herbeisühren.
Für oie Fällc, in welchen die Todesstrafe auf-
gehoden ist, tritt lebenslängliche ZwangSarbeit
an dcrcn Stelle.

Turin, 25. April. Jn der hcutigen Siz-
zung der Deputirtenkaiiimer wurden dcs Mi-
uisters L-ellas Finanzprojecte, einschließlich der
Anleihe von 425 Millionen, mit 153 gegen
47 Slimmcn angenommcn.

T p a „ i e n

Madrid, 25. April. (Senat.) Herr Cal-
dcron-Collantes greift die Regicrung bezüglich
der Entsetzung deS Prosessors Emilio Castelar
und deS RectorS der Universttät an, die er
ungesetzlich nennt. Gcneral Callongo verlangt,
daß man die Verhandlung abkürze. Während
wir hier vcrhandcln, sagt cr, sterben unsere
Soldaten auf St. Domingo. Die ErSrterung
wird ohne Abstimmuiig gcschlossen. Für mor-
gen steht die Frage von St. Domingv auf der
TageSordnung.

Neueste Kactzrichten.

^ Berlin, 26. April. Den schleSw.-hvlstcin.
Ltänden soll vorläufig nur die Anschlußfrage,
nicht aber auch dic Erbfolgcfragc »orgelegt
werden.

Wien, 26. April Jn der heutigen Sitznng
des Nnterhaujes wurde dic Berathung des
HandelsmiilistkriumS nach dcn AuSjchußaiitrL-
gcn erledigt und die Debattc des BudgetS des
Justizministeriums bcgonnen. Die HH. Schind-
ler und Kuranda sprachen gegen objectiveS
Skafversahren in Preßsachen.

Bcrn, 2K. April. Dic Conserenzverhand-
lungcn in Stuttgart sind vcrtagt nnd hofft
man, daß dieselben am 10. Mai wicdcr ausge-
nommen werden. — Zn eincm gestern Abcnd
stattgehabten Meeting wuroe eine Adresse an
den siegendcn Norden Amerika's beschlossen.

Loudon, 2K. April. Die Ermordung Lin-
colns erfolgtc in dcr Racht vom 14. auf den
15. April. Der Präsident ftarb am 15. Mor-
gens. Das Attentat aus Seward sand am
Tage (15. April) statt. Der Minister ist durch
eincn Pistolenschuß verwundet.

Newyork, 15. April. (Per Dampfer Nova
Scotian.) Präsident Lincoln wurde in seiner
Theaterlogc ermordet. Der Mörder, NainenS
Booth sprang von der Logc anf die Bühne
und entfloh nach Baltimore; soll jedoch gefan-
gen worden sein. Ein zweitcr Mörder hatte
sich gleichzeitig in Sewards Krankenzimmcr be-
geben und dcnselben lebenSgefährlich verwundet,
seüi herbeieilender Sohn Friedrich Scward
wnrde gleichfalls ichwcr verwundet und ist seit-
dem gestorben. Sewards Wicderherstellung ist
unwahrscheinlich. General Grant svllte gleich-
sallS dcr Theatervorstellung beiwohnen, wurde
jedoch.in einc Ministerberathnng benifen. Beide
Mörder sind Brüdcr Namens Booth. — Sher-
man rückt vor, di- Räumung Raleighs hat sich
bestätigt. — Gold 151s/,, kein Geschäft wegen
dcn Tvd Lincoln'S.
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