Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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handlungen zu vcrtagen, bis die Denkschrift
üb-r die KriegSkosten vorgelegt worden ist.

Wien, 1. Mai. Abgeordnetenhaus. Der
ScctionSchef v. Hock motivirtc hcute in zwei-
stündigcr Rede den HandclSvertrag mit dem
Zollvcrein. Der Vertrag sei so vortheilhaft,
als ein zwischcu zwei gleichmächtigen Staaten
abgeschlossener Handelsvertrag überhaupt sein
könne. Redner hebt die Nothwendigkcit und
Wichligkcit desselben hervor und empfiehlt drin-
gend desien Annahme. Der Vertrag wird ben
sür dcn ncuen Zolltarif cingesctzten Ausschüsien
zugewiesen.

Wien, 1. Mai. Die „Gcneral-Corresvou-
denz" bcmerkt über die obschwebcndcn Verhand-
lungen bezüglich der Kieler Hatcnangelegenheit:
Jnsofern eine zeitweiligc Stationirung der preu-
ßischen KriegSschiffe im Kieler Hasen bloS als
AuSflutz dcs von den deutschen Großmächtcn
«Lhrcnd des Jnterims gemeinschaftlich zu üben-
dcn BesahungsrechteS erschcint, ist die kaijcr-
liche Regierung gcrne b-reit, die innerhalb
jener Grcnzen sich.bewegcndcn Wünschc Preu-
ßens zu erfüllen. Gewiß wird Preußen es alS
gcrechtfcrtigt anerkennen, daß. wenn scine See-
streitkräftc in den Bereich der Herzogthümer
gezogen werden, eine beträchtlichc Verminderung
deS Effcctivstandes jeiner dortigen Landtruppen
eintrete, welcher schon gcgenwärtig das Bedürf-
niß des Friedcnsstandes weit übersteigt. Anders
verhält eS sich mit dem Anspruch auf bleibende
maritime Fcstsetzung Prcußens in Kicl. Dcr-
selbe bildet cincn Thcil jener preußijchcu For-
dcrungen, welchc von der kaiserlicheu Regierung
abgelehnt werden mußten, und wcnn gleich-
zeitig Ocstcrreich der vcrbündeten Macht in
einzelnen der von ihr beanspruchten Punkte,
dvrunter uamentlich in dem aus Kiel bczüg-
lichen, sür den Fall einer bundeSgemäßen Lö-
sung der Souveränctätsfrage mit dcr Föderativ-
versassung Deutschlands sich in Einklang brin-
gen lassende ZugcftLndnissc in AuSsicht stellle,
so warcn dannt diese ZugcstLndnisse nicht schon
in dem Sinne für Preußen crworbcn, daß

uun deren praktischc Verwerthung sofort selb-
stLndig in Angriff genommeu werdcn konnte.
Wenn die kaiserliche Regierung eincr solchen
stückweiseu Vcrwirklichung jeneS ProgrammS
preußischcr Spezialvortheile wLhrend der Dauer
deS Provisorium» ihre Gutheißung vorcnthaltcn
zu sollcn glaubt, so hat sie dazu um so trifti-
gcre Beweggründe, alS auch den übrigen bci
der Entscheidung der Gcschickc der Hcrzogthümer-
srage stimmberechtigen Factorcn der ihnen ge-
bührende Einfluß auf die Lösung von Fragen
zu wahrcn ist, wclche so tief in dic LcbenSbe-
dingungen des neu zu bildenden Staatcs eingrei-
sen. Hierin liegt ein gewichtiges Motiv für
Prenßen, sich der endlichen Einsetzung einer
definitiven Staatsgewait i» den Herzogthümern
nicht länger zu widersetzen, da hierdurch die
Erreichung deS von Preußen angestrebten Zieles
bedingt wäre, während nach den bereits er-
folgten Aeußrrungen aller Betheiligten, Preu-
ßen voran, kein Zweifel bestehen kann, daß bei
einer sclbständigen Constituirung des Landes
jeder billigc, mit den deutjcheu Föderativvcr-
HLltnisscn irgcnd vercinbarliche Anspruch Preu-
ßcns jcne bereitwillige Berücksichtigung findcu
werde, welche den gemeinschastlich mit Oester-
reich gebrachten Opfern sowie Deutjchland»
neuer Aufgabe und der geographischen Lage
des großen norddcutschen BuudeSstaates ent-
spricht.

tz Heidelberg, 30. April. Der hieflge ev.
OrtSschulrath hat in sciner gcstrigen Sitzung
dcn Bericht übcr die Prüfungen dcr ev. Volks-
schulen, welche von ihm iu dcr Woche nach
Ostern abgehalten wurden, berathen und festge-
stellt. Es dnrfte wünschenSwerth erscheinen,
daß das Wesentlichste davon hier mitgetheilt
würde. Wir könncn unS dabei um so kürzcr
fassen, als wir schvn srüher von Zeit zu Zcit
übcr dic Wirksamkeit deS c». OrtSschulrathS
und die Schule berichtcten. Dic prot. Schulen
stnd in der glücklichen Lage, daß die Geistlichen

sich nicht gegen daS Gcsctz auflehnen; die Prü-
fung konnte also in dcr gewohnten Ordnung
so vorgenomnien werden, daß die Kinder zucrst
in der Religiou gcprüft wurden. Es war cr-
freulich warzunehmen, daß man dabei die
Sprüche, Lieder und ChatechismuSfragen rc.
nicht nur auswendig lernen ließ, sondern auch
aus da« Verstchen dcrsclbcn sah, wic man aui
dcn cbenso passenden alS geschickten Fragen,
welchc Herr Stadtpfarrer Schellenbcrg, öcr als
PrüfungscommisjLr für den Rcligionsunterricht
von Seitcn der kirchl. Behörde crnannt war,
an dic Kinder stcllte, und dcn erhaltenen Ant-
worten erjchen konnte. Dic Prüfungen in den
übrigen UnterrichtSgegenjtLnden leitete Herr
Profcssor Holtzmann mit seltenem Takt, Um-
stcht und Gewandtheit als Vorsitzender des OrtS-
jchulrathS, deu Mitglieder sleißig den Prü-
sungen anwohnten. Die Theilnahmc von Seiten
der Eltern und Verwandten war eine rccht
erfrculiche; auch cinige Mitgli-der dcs Kirchen-
gemeiuderaths beurkundeten ihr Jnteresse an
der Volksbildung durch ihre Gegenwart. AuS
dem Eingangs srwähnten Berichte, und wie
wir uns durch eigcne Anschauuug überzeugten,
läßt sich im Allgemeinen sagen, daß der Sland
der hiestgen cv. Volksschulen ein jehr guter
ist, daß sämmtliche Lehrer mit Fleiß, Bcruss-
treue uud Geschick gearbeitet haben, so daß
ihnen, wie ben Leistungeu der Schüler alle
Ancrkennung gezollt wcrden muß. Auch in der
Zndustrieschule hat sich dcr OrtSschulrath an
den aufgelegten Arbciten von der Pflichttrcue
und Tüchtigkeit der Lehrerinnen, so wie von
den erlangtcn Fcrtigkeiten der Schülerinncn
überzeugt. Am Schlusse dcr Prüsung jedcr
Klasse erhielten.die Kinver ihre Schuizeugniffe
und, waS dei den Klcinen wenigstens den
Glanzpunkt der Prüsung bildete, schöne Bretzeln
und 14 Tage F-ricn, welch' letztere ihnen und
den Lehrern zu ihrer Erholuug vom Herzen
zu gönnen stnd.

Obrigkeitliche Bekanntmachungen und Privat-Anzeigen.

Kreis Heidelberg.

, , Die Wahlen für die Kreisversammlung des Kreises Heidelberg betr.

Unter Hinweisung auf dic Wahlordnung fur die Krersveriammlungen vom 20. April d. I. (Regbl. Nr. 19, S. 205) werden die nach § 30 deS
Verwaltungsgesetzes bei der Wahl der Kreisabgeordneten wahlberechtigten Grundbesitzer und Gewerbtreibend en, sowie die nach 8 27, Ziff. 5
und § 38 des Verwaltungsgesetzes jrum Stimmrecht auf den Kreisversammlungen berufenen größten Grundbesitzer mit Fristen von vrer Wochen
aufgefordert, sich unter näherer Angabe ihrer Verhältnisse zum Zweck der Aufstellung der betreffenden Listen anzumelden.

Diese Anfforderung ergeht:

s. an a lle Grundrigenthümer, welche in dem Kreise Heidelberg(in den Amtsbezirken Heidelberg, WieSloch, Sinsheim und Sppingen)
an Liegenschaften Grundsteuerkapitalien von mindestens 25,000 fl. befitzen, die seit fünf Iahren von ihnen oder ihren F amilienvorfahren versteuert
werden, — ohne Rücksicht auf deren Wohnsitz;

b. an die Gewerbtrribenden, wrlche im Kreise ihren Wohnort oder tbre Hauptniederlaffung haben und Gewerbsteu erkapitalien im Betrag von
50,000 fi. in dem Kreise besitzen, die von ihnen oder ihren Familienvorfahren seit fünf Iahren versteuert werden;

e. mindestens an die Körperschaften — Genossenschaften, Stiftungen. Universitäten — und Actiengesellschaften, deren Verwaltung im Rreis ihren
Lsitz oder ihre Hauptniederlassung hat'und welche in demselbrn seit länger als fünf Iahren an Grundsteuerkapitalien 25,000 fl. oder an
Gewerbstruerkapitalien 50,000 fl. versteuern einschließlich des Fiskus, jedoch mit Ausschluß der Gemeinden.

Die Anmeldung hat zu geschehen:

». von denjenigen, welche in dem Kreise ihren Wohnort oder ihre Hauptniederlassung haben bei dem Bezirksamt ihres WohnortS, beziehungS-
weise ihrer Hauptniederlassung;

b. von denjenigen, welche weder Wohnsitz noch Hauptniederlaffung im Kreise haben, bei dem unterzeichneten Kreishauptma nn.

Die^A>lmeU>ungen Habni zu enthalten die Angaben : ^ ^ „ G ,

5) der von dem SteuerpfliLtigen oder von seinen Famil?envorfahrrn seit mindestens fünf Iahrn? — da/ !aufende Steuerjahr mit eingerechnet —
in dem Kreis versteuerten Grund- beztrhungsweise Gewcrbsteuerkapttalien und zwar getrennt nach den auf jeden Steuerdistrikt entfallenden Quoten.

Heidelberg, den 1. Mai 1885.

Der Kreishauptmann:

Renck.

Großh. Bezirksamt Heidelberg.

Nr. 8530. Heinrich Borheimer von Heidelberg
wtrd als Agent der Elberfelder Feuerversicherungs-
gesellschaft für den Amtsbezirk Heidelberg bestätigt.
Heidelberg. den 20. April 1865.

Großh. Brzirksamt:

R e n ck.

Danksagmig.

Es wurden mir heute als Ertrag der von der
Liedertafel zu Gunsten der Famtlie des I.
Wölfel veranstalteten Abendunterhaltung 40 fl.
3 kr. durch den Vorsteher Hrn. Kinkel übergeben,
wofür im Namen der Genannten herrlich dankt.
Hetdelberg, ben 2 Mai 1865.

Waarenversteigerung.

Jn Folge richterkicker Vrrfügung werden auS
der Gantmasse des -fKaufmann Joseph Kraus-
mann dahier

Mittwoch, den 3. Mai,
Donnerstag, den 4. Mai,

Freitaq, dcn Z. Mai,
jeweils Nachmittags 2 Uhr,

im Pfandlokal, Plöckstraße Nr. 44 (neben der rngl.
Kirche), Crinoline, Glockenzüge, Seiden - Laffet
un^d Gummiband, Spitzenkrägen,^ Negligeha^ben,

Hci^>elbergb den 2^. Äpril 1865.

Der Gerichtsvollzteher:

Fre y.

F ahrnißverfteigerung

Nächsten Donnerstag. den 4. d. M.,
MorgenS 9 Uhr,

napee'S, Tische, Stühle, Wasch- und Nachttische,
Bettladen und Bettung, 1 Waffenschrank, 2 Bück-
sen, 1 Parthie sehr gut erhaltene Herrenkleider
nebst verschiedenem Hausrath gegen Baarzahlung
versteigert. (1)

G. Kayster, Gerichtstaxator.

(^emand, der guten Unterrickt in der LtsNent-
8prr»vl»e geben kann, wolle sich in der
Erp. d. Ztg. melven. (1)

I-riixiie et litterrtiire frLH^Lises.

ciner Parthie zurnckgesetzter ^/. und °/, Da-

menkleiderstoffe, Eattun-Reste, Som-
mer-B«ckskin und Paletvt.

Jnserate

und dns Straßcll-Plllkllt können cntwcdcr bei
dcr Expedition (Schissgasse Nr. 4) oder in der
Buchhandlung deS Herrn K. Voiss (östl.
Kauptftr. Nr. 20) nbgegricn werden.
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