Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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unvereinbar batt, mir solcher Gcringschätzung oer

nichr" da'ß^die Lekandrungswelj/ o!s Be'richtS^den Ein-
wi^ di^ La^e

<5 Heidelberg, 15. Mai. Gestern hat daS
italienische Volk (und mit ihm die ganze ge-
bildete Welt) in der neuen Hauptstadt Jtaliens,
Florenz, daS Jubiläum des größten Bürgers,
des größten Dichtcrs, den Jtalien überhaupt
erzeugt hat, gefeiert, den 6M-jährigen Geburts-
tag des Sängers der göttlichen Comödie. Diese
Jubilarfeier Dante Alleghierri's war eine Feier
von derselben nationalen Bedeutung, wie jene,
welche Deutschland am 10. Nov. 1859 zu Ehren
seines größten Dichters, Friedrich Schiller,
veranstaltete, nur mit dem Unterschiede, daß
die Deutschen eine Hoffnung feierten, deren Ver-
wirklichung jetzt noch aus sich warten läßt,
während das Dantefest mit v>er Verlegung der
Hauptstadt des einigen Jtaliens zusammen-
siel, so daß Jtalien mit dem Geburtsfeste Dan-
te'S zugleich scine politische Wiedergeburt feier-
lich begehcn konnte. Die gebildete Welt feiert
in Dante den Genius an der Markscheide
zweier großer Geschichtsepochen, in dessen dich-
terischen Werken Mitrelalter u. Neuzeit harmo-
nisch zusaiiimenfließen; Jtalien aber feiert in
demerhabenen Florentiner, neben dem gewaltigen
Dichter und Schöpfer der eigentlichen italieni-
schcn Schriftsprache, den Propheten dcr Zukunft
seines Vaterlands, den Märtyrer seiNer poli-
tischen Ueberzeugung, den großen Patrioten.
Verschwunden ist für Jtalien hoffentlich für
immer jene düstere, trübe Zcit vor 2—3 Jahr-
zehnten, von der ein deutscher Dichter (Platen)

Was frommt dir nur dein GeniuS so todernd und so bell

Stuttgart, 22. Mai. In ihrer heutigen
Abendsitzung nahm die Abgeordnctenkammer
den Handelsvertrag mit Oesterreich mit 74
Stimmen gegen 1 (die eines Bauernschulzen) an.

ES isi der ThalsLluß hmterm Stift ober der
großen Wiese. Jn der Nähe ist die starke Quelle,

dem dort einzig vorkommestdrn großen Farn. Es
ist aber die zweite Terraffe hinter der Wiese, nicht
dte erste, in weiten Bogen vom Fahrweg umzogen;
die erste ist auch schon schön, aber die zweite ist
köstlich, weit, eben, kuhl und trocken.

Den überraschendsten Eindruck macht die Stelle
auf den Spaziergängrr, ber vom Sattel herab-
kommt, wo der Heidelberger, Handschuchsheimer,
Wilhelmsfelder und Ziegelhauser Weg fich kreuzen
und neben der Waldbaumschule der Pfad aus dcr'
hrllcn Fernficht in die schattige Tiefe führt. Plötz-
lich findet er fich auf einem hochübrrwölbten weiten
Tanzplatz unter glatten Buchenstämmen, wo sich
ein Zubellied von selbst auS der Brust drängt.
Unten schimmert durch die Stämme von der großen
Wiese her der helle Sonnenschetn.

Sdnst ist in kürzerer Zeit auf dem Fahrweg über
Hirschgasse und Engelswiese oder über die Wittdun-
gen hinter dem Haarlaß, oder ganz durchs Stifts-
thal über die Brunnenstube der Platz bequem zu
erreichen; aber die Ueberraschung und der Vorgenuß

Berlin, 18. Mai. Die Marine-Commission
lehnte, wie dereits telegraphisch gemeldet, gestern
die Marinevorlage unter Verwerfung sämmt-
licher dazu gestellten Amendemeuts ab. Für die
Amendements der Abgeordneten Stavenhagen
nnd Kerst stimmten nur die Antragsteller, alle
übrigen 16 Mitglieder dagegen. Das Amen-
dement -Lchulze (Delitzsch) wurde mit 11 gegen
6, daS ursprüngliche Amendement Virchow mit
9 gegen 8 Stimmen verworfen; letzteres hätte
vielleicht im Plenum noch Aussicht aufAnnahme.
Aus der deßhalbigen Discussion heben wir Fol-
gendes hervor: D)ie Regierung war durch die
Geh. RLthc Niölle u. Iacobs und den Contre-
Admirat Jachmann vertreteNd Abg. Virchow
begehrte Auskunft von der Regierung darüber,
ob dieselbe von ihren früheren Forderungen in
den Herzogthümern zurückgegangen sei, nament-
lich ob sie ihre Wünsche in Betreff Alsens auf-
gegeben habe. — Regierungscommissär Jakobs
erklärte, die Regierung habe die Forderung des
Kieler Hafens mit Rücksicht auf die Zukunfl
gemacht. Abg. Virchow sprach eingehend für
seine Amendements, namentlich in Bezuz auf
den Jadebusen und die Beschaffung von Guß-
stahlgeschützcn. Schließlich erklärte er noch die
Anwesenheit eines Commissärs des Minsteriums
der auswärtigen Angelegenheiten für wünschens-
werth. Regierungscommissär Mölle erklärte,
es sei durchaus unmöglich, die Kosten aus den
laufenden Einnahmen zu decken und auf den
Etat zu setzen. Eine Anleihe zu so bestimmten
Zwecken involvire keine Vertrauensfrage. sie
sei unabweisbar. Oeh. Legationsrath Abeken,
als Vertretcr des Ministeriums des AuSwär-
tigen, erklärte, die Regierung betrachte ben Er-
werb des Kieler Hafens als absolute Bedin-
gung eines jeden Arrangements und sie müffe
vor Allem Sicherheit für die Gewährung ihrer
Forderungen habcn, bcvor sie sich auf Verträge
einlaffen könne. Die Herzogthümer seien aller-
dingS von Dänemark losgerissen worden, aber
ihr Besitz gehöre jetzt lediglich Preußen und
Oesterreich. Preutzeu habe also der Bevölkerung
der Herzogthümer, wie Oesterreich gegenüber
Besitzrechte. Zur Erledigung seiner Forderun-
gen vor Abschluß dcr Vcrträge mit dem künf-
tigen Regenten habe.Preußen eben die Einbe-
rusung der Slände beabsichtigt. Preußen werde
seine Forverungen durchsetzen, eS schrecke vor
nichtS zurück. Preußen halte alle seine Forder-
ungen aufrccht, dieselben seien übcrhaupt kein
Gegenstand des MarktenS und des Handelns.
Das Volk von Schleswig-Holstein könne sich
als e'in Bruchtheil nicht den Jntereffen der Ge-
sammtheit widcrsetzen. Abg. Virchow bemerkt,
aus der Kriegskostenvorlage scheine hervorzu-
gehen, daß Oesterreich die Forderungen Preu-
ßens ablehne. Es sei wünschenswerlh zu er-
fahren, ob die Regierung gleichwohl hoffe, diese
Forderungen durchzusetzen. Reg.-Comm. Abeken
crwiderte, die Unterhandlungen befänden sich
zwar in derselben Lage; es boten sich aber
günstige Aussichten auf Erreichung d.er angc-
strebten Resultate, besonders in Bezug auf den
Kieler Hafen, die Heranziehung der Bevöl-
kerung für den preußischen Marinedienst und
die freie Hafenbenutzung. Jm Uebrigen sprachen

ist nicdt so groß, weil dic zweite Terrasse nicht
plötzlich, wte von oben her, erreicht wird. Hiek nun
muß sich ein kraftvoller Gesang, vom himmelhoyen
Laubdach zusammengehalten, wui»derbar ausneh-
men, und einem Lebenslustigen jucken auf dem
glatten ebenen Boden die Füße von selbst znm
Tanz.

Es befinden fich in Schwetztngen 101 Spargel-
züchter, sog. Spargelbauern, welche auf einer Fläche
von ca. 33 Morgen im Ganzen ungefähr 60,000
Stöcke Spargeln bauen. Von diesen 101 Züchtern
baut einer, Martin Gund, 3000 Stöcke, ein an-
derer, Karl Hastler, 2370 Stöcke; überhaupt bauen
17 über 1000 Stöcke. Da man auf den badischen
Morgen 1800 Stöcke rechnet und den mittleren
Ertrag eines Stockes zu ^ Pfd., so ergibt fich ein
Erntequantum von 1350 Pfd. per Morgcn, und
von 450 Lentnern von dcn hier gebauten 60,000
, Stöcken. Berückfichtigt man nun, daß ver Spargel-
! bau fast nur im magersteN Sandboden stattfindet,

! so kann der Rohcrtrag bei Annahme etnes durch-
j schnittlichen Preises von 15 kr. per Pfd. von etwa
^ 11,250 ft. im Ganzen oder 337 fl. 30 kr. per Mor-

sämmtliche Antragsteller flir ihrc Amendements.
Abg. Löwe gegen jede Resolution. Abg. Gneist
erklärte, ein Gesetz von Form und Jnhalt des
gegenwärtigen müßte jeder, auch der bcfreun-
detsten Regierung gegenüber abgelehnt werden;
es sei ein Budget-Ergänzungsgesetz und stelle
das Budgetrecht des Hauses immer mehr in
Frage. Nach dem einstündigen Schlußreferat
Virchows erfolgte die bereits mitgetheilte Ab-
stimmung.

Berlin, 22. Mai. Die Budgetcommiffion
des Abgeordnetenhauses nahm in Berathung
der Staatsschatzverwaitung einstimmig die An-
träge des Refcrentcn Reichenheim an, dahin
gehend: Die geschehene Entnahme aus dem
Staatsschatze ohne die gesetzliche Ermächtigung
durch die Landesvertretung ist verfaffungswidrig;
das Staatsministerium ist für die entnommenen
Beträge verantwortlich; die Decharge für die
Staatsschatzverwaltung von 1860/62 ift nicht
zu ertheilen. — Die Budgetcommission hat be-
reits die Berathung der Kriegskostenvorlage
begonnen. Der Regierungscommissär erklärte:
Preußen halte an seinen Forderungen in der
Schleswig-Holsteinfrage vollständig fest; die Be-
rufung der Stände bczwecke Verhandlungen
für Forderungen, welche der Erbprinz von
Augustenburg kenne. abcr nicht crfülle; nur
mit den Ständen, und nicht mit dem Letztcren,
der seiu Necht nicht nachgewiesen und kein
Souveräu ckt- faoto sei, könne Prcußen ver-
haudeln; biS zur Erfüllung der preußischen
Forderungeu werde das Provisorium fortdquern.
Der Referent Twesten empfiehlt Verhandlun-
gen mit dem Erbprinzen von Augustenburg.

Wien, 21. Mai. Gestern Mittag soll, in
einer Conferenz mit dem Grafen Mensdorff,
der preußische Gesandte die beftimmte Anfrage
gestellt habeu, für welche seiner Forderuugen
Prcußen auf die volle und unbedingte Unter-
stützung Oesterreichs bei den schleswig - holstei-
nischen Ständen werde rechnen können. Graf
Mensdorff soll entgegnet haben, er werde erst
dann in der Lage sein, sich darüber auszuspre-
chen, wenn ihm vorher seinerseits die Frage be-
antwortet wyrden, ob Preußen darauf verzichte,
mit dem nicht von Oesterrcich gutgeheißenen
Theil jeiner Foroerungen vor dic Stände zu
treten. Baron Werther soll sich zur Beaut-
wortung dicser Vorfrqge für den Augenblick
außer Stand erklärt haben. (Kaxlsr. Z.)

F r a n k r e i ch.

Paris, 21. Mai. Jn der letzten Sitzung
des MinisterratheS hatte dem Vernehmen nach
eine lange Berathung aus Anlaß d.er aus New-
york eingegangenen Berichte statt, nach wel-
chen ällenthalben in der Union Werbebüreaux
gegen Mexico errichtet worden sind, ohne daß
die Vereinigten-Staaten-Regicrung dagegen ein-
schreitet. Es wurde, wie verlautet, die unver-
zügliche Abscndung von Jnstructioncn an den
französischen Gesandten in Washington beschlos-
sen, welche ihn anweisen, Explicationen über
diesen Vorgang zu verlangen. Jn London sollen
auch bereits Schritte gethan worden sein, um
zwischen England und Frankreich eine Offensiv-
und Defensivallianz zu Stande zu bringen,

gen ein wahrhaft cnormer genannt werden. — Es
nimmt daher dieser Bau auch von Jahr zu Zahr
zu. Die hiesigen Spargeln wandern in ihj^r Mehr-
heit in die Hände von Gastwirthen der benachbar-
ten größeren Städte, mit welchen vor Beginn der
Stichzett feste Accorde abgeschlossen werden.

Die jetzigen Poffen-Tantiemen werden doch noch
für etwas Besseres gezahlt, als zur Zett des Bur-
lesken-Unfpgs auf dem Wiener Burgtheater gegen
Ende des vorigen Jahrhunderts. Damals wurden
„Künstler" für Ohrfeigen rc. besonders honorirt.
Nachstehendes Eonto aus jener Zeit diene zum
Beleg:

Diese Woche 6 Arien gesuugen . 6 fl. 7 kr.

Einmal in die Luft geflogcn . 1 „ — „

„ in'S Wasser gesprungen 1 „ — „

„ begoffen worden . . . — „ 34 „

Einen Fußtrttt " 34 „

worüber dankbarlichst quittirt

N. N.
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