Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Emleitung des Bischofs vou deu Kanzeln ver-
lesen und für den Monat Juni, aus Anlaß
dieser wichtigen Begebenheit, ein Jubilänm mit
Ablaß angeordnet wordcn. (F. I.)

'München, 22. Mai. Die bayerischen
Künstler habcn an die Kammer der Abgeord-
neten ein Dittgesuch um die Bewilligung einer
jährlichcn Summe von 30,000 fl. zur Pfiege
der vaterländischen Kunft eingereicht.

Berlin, 29. Mai. Jm Abgeordnetenhaus
wurde heute die Wahl des Abg. Jaeschke ge-
nehmigt. Hieraus folgte der Bericht der ver-
einigten Justiz - Commission und Agrar-Com-
mission über den Gesetzentwurf der Markstein-
errichtung Behufs trigonometrischer Vermessung
der sechS Ostprovinzen mit einem Amendement
Eulenburg § 3. Der Gesetzentwurf wird
angenommcn. Bei dcm Berichte .der Agrar-
Commission über den Gesetzentwurf, betreffend
die Fischerei-Ordnung fnr Stralsund, erklärt
sich der Regierungscommissär mit den Com-
missionSvorschlägen einverstanden und wird hier-
auf der Gesetzentwurf angenommen. Es folgt
sodann dcr Bericht der Zwanzigcr-Comission
über den Gesetzentwurf, betreffend die Wege-
ordnung. Die Commission beantragt Ablehnung.
Abg. v. d. Heydt wünscht Zurückweisung an
die Commission. Abg. v. Saucken - Gerdauen
gegen dcn Gesetzentwurf, weil vom Fiscus zu
tragendc Lasten den Communen übertragcn wur-
den. Abg. Waldeck gegen denselben, weil die
Wege-Gesetzgebung ausschlicßlich richtiger der
Kreisvenretung zustehe. Abg. Ziegert und der
RegierungScommissär Maclean wünschen die
Bcrathung des Gesetzentwurfes. Das Haus
lehnt den Antrag des Abg. v. d. Heydt ab
(dafür stimmten die Conservativen. Gneist,
Stavenhagen und die volkswirthschaftliche Frac-
tion) und nimmt den Commiffionsantrag an.
Es folgen Petitionsberathungen. (Köln. Z.)

Königsberg, 25. Mai. Dem „N. C."
wird von hier geschrieben: Von dem hiesigen
gerichtlichen Verhältnissen kann man sich eine
Vorstcllung machen, wenn man vernimmt, daß
neuerdings der Chef eines Obergerichts einem
jungen Richter erröffnete, er habe aus keine
Vergünstigung zu rechnen, weil er unter dem
Ministerium Schwerin liberal gewählt und in
einem Proceß über die Stcllvertretungskosten
eincs Abgeordneten gegen den Fiseus gestimmt
habe. Stärker konnte das Aufhören deS letzten
Scheins von Unabhängigkeit unserer Richter
nicht ausgesprochen werden.

Wien, 29. Mai. Vorgestern ist der Olden-
burgische Protest überreicht worden. Derselbe
spricht sich gegen jede Einflußnahme der Stände
in der Entscheidung der Erbfolgefrage und gegen
Bevorzugung einzelner Prätendenten aus.

Wien, 29. Mai. Die Errichtung einer
eigcnen schleswig-holfteinischen Canzlei ist da-
hier, ähnlich der einstigen niederländischen, wegen
der Länge des Provisoriums beabsichtigt. Jn
Pesth hofft man auf die kaiserliche Zusage einer
persörüicheu Eröffnung des Landtags.

Wien, 29. Mai. Preußen hat hier offi-
ciell die Entsendung von 10 Kriegsschiffen mit
149 Geschützen nach Kiel notiftcirl.

auffther Neumann als Bauvcrständiger fungirte.

Auf eine Frage des Gerichts gelegentlich dieses
AugrnscheinS, ob man den Schaden mit 10 fl. wohl
repariren könne, gab Neumann zur Antwort, er
stelle ihn mit fünf Gulden her. — Sspieatt «at?

Paris, 24. Mai. Heute begann vor dem Livil-
Tribunal der Proceß zwischen den Erben der Frau
v. Pauw und der Hinterlaffenschaftsmasse des Gift-
mischers Couty dr la Pommerais. Erstere begehren
die Nichtigkeits-Erklärung der von Madame de Pauw
ihrem Mörder ausgestellten Endossements auf den
verschiedenen Policen, mit denen dieser auf ihren
Tod speculirte. Von den LebensversicherungS-An-
stalten, welche in diese Angelegenheit verwickelt find,
baben fich zwei, die eompgZnie 6önörsle und die

ter der Gemordeten auf gütlichem Wege abgefun-
den. Dic übrigen Sechs beantragten Annullirung
der betreffenden Policen. Senard und Larnac ver-
treten die Interessen der Familie de Pauw, La-
chaud, der auch der Vertheidiger de la Pommerai's
gewesen, ist ber Abvokat des Eurators von deffen
Hinterlassenschaft. Dufaure, Allou und Picard
plaidiren für dir Assecuranz - Gesellschaften. Die
Verhandlungen werden in acht Tagen wieder auf-
genommen. *

F r a n k r e i ch.

Paris, 28, Mar, Trotz Ler bcruhigende»
Mittheilungcn über die Verhältniffe in Mexico
ichickt die Regierung doch 3000 Mann Ver-
stärkungen dahin ab, Dic Fregatten, die nach
dcu amerikanischen Gewäffcrn gehen, solle» an
den mcricanischen Küsten krcuzen und möglichc
Landungen von Auswandcrcrn verhindern. —
Die Opposition verlangt 140 Millionen zu
Gunsten deS VolkSichuliiiiierrichts, Ein Mit-
glied sagte: jeit Jahren gibt man in Frankreich
Unterricht in Anlehen, so daß man auch einmal
ein Anlehen sür dcn Unterricht machen kann,

Paris, 29. Mai, Prinz Napolcon ist
hente nach seinem Gutc am Genfer Sec adge-
rcist- Der Prinz hat nicht alle seine Stellen
nicdergelcgt; er bleibt General, Senator u, s, w.
— Nach Privalbriefen aus Newyvrk ware Scr-
geant Blakett, welcher Booth erschoß/ anf vffe-
ner Slraße erdolcht worden, — Die als Bro-
schürc erjchienene Rcde dcs Prinzen Rapoleon
wurde confiscirt; die Broschüre war nicht ge-
stemyelt,

T ch w e t z.

Bern, 25. Mai. Der Bundespath hat nach
dem „Sch. M." an die Großmächte die An-
frage gestellt, ob und in wie weit die Mächte
die Errichtung einer eigenen schweizerischen
Marine gutheißen und deren Flagge anerken-
nen würden. Bekanntlich haben die Schweizer
bedeutende Handelsniederlassungen in Triest,
Marseille und anderen Häfen, und es fahren
zahlreiche, <schwcizer Bnrgern eigenthümliche,
Handelsschiffe auf allen Meeren, welche sich
jetzt einer oder der andern fremden Flagge be-
dienen müffen.

I t a l i e n.

Turin, 23. Mai. Gestern hat in Mailand
die vom Wahlverein der „Unabhängigen" or-
ganisirte Volksversammlung, worüber wir be-
reits in Nr. 125 kurz berichtet, im Theater de
1a Stadera stattgefunden, um ein Votum gegen
die Zurückziehung des Gesetzvorschlags über
Anfhebung der geistlichen Genossenschasten ab-
zugeben. Die Versammlung wurde vom De-
putirten Crispi präsidirt, dem sich als Viceprä-
sidenten die Deputirten Brofferio und Bolto,
der Präsident des Wahlvereins, der Provinzial-
rath Massi, angeschlossen hatten. Die Ver-
sammlung saßte einmüthig folgcnde Beschlüsse:

1) Erklärt dieselbe, daß die geistlichen Genossen-
schaften vollständig aufgelöst werden müffen;

2) daß der römisch - katholische CulmS nicht ^
mehr Freiheit als die übrigen Culte genießen ^
soll; 3) daß Rom die Hauptftadt ist und sein
muß, und daß das Parlament und der König
dort ihren Sitz aufzuschlagen haben.

Die „Unita Jtaliana" vom 27. d. berichtet
Folgendes: Jl Pensiere Jtaliano von Florenz
veröffentlicht eine Botschaft aus Rom, die also
lautet: „Die halbamtliche Sendung des Grafen
Revel ist vollstandig geglückt. Die politischen
Verhandlnngen werden fortgesetzt. Der Ent-
wurf zum Concordat zwischen dem Papst und

folgendes Schreibcn Ieröme's an seinen kaiferl.
Bruder mit: „Den 5. December 1812. Sire, in
einer Stellnng, bie mich zum vorgeschobenen Posten
Frankreichs macht, und aus Anhänglichkeit sowohl,
wie aus Pflichtgefühl daraus angewiesen, Alles,
was den Intereffen Ew. Majestät zum Nachtheil
gereichen kann, zu überwachen, halte ich eS für

Allem, was ich um mich her^wahrnehme,^in Kennt-
niß zu seben. Ich beurtheile die Ereigniffe mit
kaltem Blut und wünsche, daß Sie Vertrauen
genug zu mir befitzen möchten, um meine Auf-
faffung der Dinge in Berückfichtigung zu ziehen.
Ich weiß nicht, Sire, in welchen Zügen Jhre Ge-
nerale und Agenten Ihnen die Stimmung der
Gemüther rn Deutschland schildern; allein
wenn fie Ew. Majestat von Unterwürfigkeit, von
Ruhe und Sckwäche sprechen, so hintergehen fie
fich entweder selbst, oder hintergehen Gw. Ma-
jestät. — Die Gährung ist auf den höchsten Grad
gestiegen, man trägt fich in schwärmerischer Be-
geisterung mit den tollsten Hoffnungen um. Man
nimmt fich Spanien zum Vorbild, und wenn der
Krieg zum Ausbruch kommen sollte, so wird das
Land zwischen Rhein und Oder der Herd eines
auSgedehnten, rührigen Aufstandes werden. —
Jerüme."

dem König begreift 25 Artikel, die geheimen
Artikel nicht mit einbegriffen. Alle katholischen
MLchte wcrden cingeladen werden, ihm beizu-
treten. Von Spanien ist dies im Grundsatz
bereits geschehen. Jetzt steht man mit Portu-
gal in Unterhandlung und mit den österreichi-
schen und deutschen Staaten. — Jn den Schau-
fenstern der Buchhändler Roms wird jetzt das
Bildniß des Königs von Jtalien mit Geneh-
migung der Behörden ausgestellt."

G r i e ch e n l a n d

Athen, 26. Mai. Die Wahlen haben
heute im ganzen Königreichc begonnen. Sie
werden am Montag beendet sein. Die neue
Kammer wird sich am 9. Juni versammeln.

A m e r i k a.

Jn einem in der Couper - Jnstitution zu
Newyork am 12. Mai stattgehabten, stark be-
suchten Meeting des Antisclavereivereins setzte
ein gewisser Tilton, ciner der Redacteure des
Newyork Jndependent, auseinander, daß Jeffer-
son Davis gehangt werden müffe. Der be-
kannte eifrige Abolitionist Wendell Philipps
entgegnete hierauf, wenn er mit der einen Hand
dem gemeinen weißen Manne des Südens eine
Zeitung und mit der anderen dem Neger das
Stimmrecht hinhalte, und Jeder auf seinem
eigenen Grund und Boden stehe, so fürchte er
sich vor Jefferson Davis nicht, wenn derselbe
auch hunderttausendsach vervielfältigt werden
sollte. „Und", fuhr er fort, „so lange ihr es
nicht dahin bringt, daß ich mich vor ihm und
seinem Einfluffe fürchte, würde ich ihn nie
hängen. Virginia fürchtete sich davor, John
Brown am Leben zu laffen. Aber nie soll mit
meinem Willen ein Mann aus dem Süden am
Grabe Davis sagen dürfen, die Union habe es
nicht gewagt, dcm Elenden das Leben zu schen-
ken. Beffer, er wandert in der Welt umher
und man weist mit Fingern auf ihn, als den
Mann, welcher ein auf der Sclaverei aufge-
bauteS Reich zu gründen suchte, und der ein
Land verließ, wo ihn sein eigenes Volk vor
Wnth über seine Verbrechen in Stücke gerissen
haben würde. Er ist nicht so stark, als cr sein
würde, wenn er im Grabe ruhte und seine
Freunde sagten, er sei zu stark gewesen, als
daß die Union es hätte wagen dürfen, ihn am
Leben zu laffen." Deßhalb werde ich nie dazu
helfen, daß in nnserem Lande der Galgen im
Namen dcr Union aufgerichtct werde.

Buenos-Ayres, 12. April. Was ich
Jhnen mit dem letzten Dampfer als eine mög-
liche Eventualität bezeichnete, ist zur Thatsache
geworden. Lopez, der Präsident von Paraguay,
beantwortet die Weigerung der argentinischen
Regierung, paraguay'sche Truppen durch das
argentinische Gebiet zum Angriff auf Brasilien
vorgehen zu lassen, mit cincr Kriegserklärung
an die argentinische Republik. Diese Erklärung
ist zwar noch nicht offiziell übergeben, aber
man weiß die betreffenden Papiere in den Hän-
den des hiesigen Vertreters von Paraguay. Jn-
zwischen sammelt sich das brasüianische Ge-

Auf dem Bahnhof in Königsberg wurden mehrere
Eentner falscher Kaffeebohnen confiscirt. Sie
beftanden aus braungefärbtem und in Formen ge-
preßtem Roggenmehl.

* Literarisches.

Das Maibeft von Westermann's Illustrirten
Deutschen Monatsheften enthält wiederum die
ausgesuchtesten Beiträge. Bäir glauben daffelbe am
besten durch einfache Aufzählung des Inhalts zu
empfehlen. Eine größere Erzählung von Iulius
Grosse „Eine alte Liebe" croffnet das Heft. Dteser
folgt eine interessante Skizze „Mozart's Aloysia^
aus der Feder deS bekannten Mufikhistorikcrs Lud-
wig Nohl. Karl von Holtei theilt vier brs-
her ungedruckte Briefe Goethe's an den Frhrn.
von Schuckmann mit. Hettner gibt die Fort-
setzuna seineS clasfischen Aufsatzes über „Herder"
und Karl Vogt den zweiten Theil semes natur-
wiffenschaftlichen Artikels über„Das Meer". Hieran
sckließen sich „Kleine Naturbeobachtungcn von E w.
Schröder, ein sehr interessantcr Aussatz von Fr.
Mohr „lleber die Entstehung der Steinkohle" und
endlich die Mittheilungen des „Neuesten aus der
Ferne". Bon den Illustrationen heben wtr neben
mannichfachen Anfichten von der Insel Madeira
besonders die beiden Portrats von Mozart und
seiner Iugendgeliebten hervor, welche fich durch etne
seltenc Klarhett des Schnrttes auszrichnen.
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