Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Weise vorübergmgen. Dr. Buchegger. Dr.
Schrickel. Dr. Lange.

Kar>sr«br»1L. Iuni. Die großherzogliche
Regierung hat den Beschluß gesaßt. dem xreußi-
schen Antrage wegen AbjchlusseS eiued Handels-
vertrags mit Ztalien ihrc Zustimmung zu cr-
theilen. Die prcußische Rcgierung wird »on
dieseni Bcschluffe bcreits in Kennlniß gesetzl
sein. (Kln. Ztg.)

-j- Mosbacb, 16. Juni. Die frohe Bot-
schafl von der glücklichen Entbindung I. K. H.
der Großherzogin hat auch in hicsigcr Stadt,
wie überall im Lande, die größte Freude hervor-
gerusen. Auf einc von dem Gemeinderathe an
Se. Kön. Hoheit den Großherzvg mittelst des
Telegraphen gcrichtele Beglückwünschung wurde
von unserem vielgeliebten Fürsten in den freund»
lichsten und herzlichstcn Worten gedankt.

Frankfurt, 18. Juni. Die Bundesver-
sanimlung hat gestern ihre Sitzungen wiedcr
aufgcnommen. Es ist jedoch etwas erhebliches
nicht vorgekommcn.

Frankfurt, 1g. Juni. AuS der vorge-
ftrigen BundcstagSsttzung tragcn wir nach:
Qldenburg legte zur wkiteren Begründung seiner
Erbansprüchc auf die Elbherzogthümcr die mehr-
rhrwähnten „Wiener Actenstücke" vor; Rußland
notificirte den Tod dcs Großfürsten, England
die Aufhebung der Ancrkennung der südstaat-
lichcn Flagge, Kurhefsen die Einjihrung de«
deutichcn HandelSgesetzhGheS. Sonst Privat-
reclamationen rc.

Gokha, 1k. Juni. Aus Anlaß des 50-jäh-
rigen JahrcStag» der Schlocht bei Waterlo«
brachte heute der Abg. Schwendl mit k Gen.
im Landtag den Antrag cin: Derseibe möge
die herz. StaatSrcgierung um eine baldigc Vor-
lagc ersuchen, wonach den Würdigsten und Be-
dirftigsten der in unserm Lande noch lebenden
Veteranen ans der Zeit der BcfreiungSkriege
eine angkmcsseiic Pension auf LcbenSzeit vcr-
willigt werden könne.

Berlin, 1k. Juni. Die Zeidlcr'jchc Cvr-
respvndenz bemcrkl in Bczug auf dic Gerüchte
von eincm zu crwartcnden neuen Wahlgejetze,
daß die Rcgierung zwar die Zweckmäßigkcit
einer neucn Wahlordnung in Erwägung ziehe,
indeffen damit stch nicht übereilen werde; daS
Land bedürfc dcr Ruhe „von der parlamen-
tarischen Hctze." „Wir wcrden daher," fchließt
die Zcidlcr'schc Correjpondenz ihre Aussührun-
gen, „im Lause de« Jahretz 1868 wcder eine
Auflösung noch eine Neuwahl habeu."

Berlin, 17. Juni. Abgcordnetenhaus.
Nach erfolgtem Schluß der Scjsion resumirte
der Präsident Grabow die Thätigkcit dcs Hau-
s-s und suhr dann fort: Die Vcrhandlungen
haben ein düstereS Bild der inneren Situation
gegebcn und bcstätigen die Wahrheit meiner
GngangSworte. Von Verständigung wurde
geredet, llnterwerfung wurd! verlangt. Die
Versuchc, den Verfaffungsstaat in den abso-
luten Polizei- und Militärstaat nmzuwandeln,
sind bis zur äußcrsten Gränze gedichen, werden
aber an dem versassungstreuen Sinn deS VolkeS,
der stch durch drcimalige Wiedcrwahl bewährt,
scheitern. Die Session war nicht vergcblich:
die Handelsverkäge stnd genehmigt, daS Eisen-
bahnnctz ist erweitert. Schaaren wir uns um
die Versassung und um den König, der ge-
schwvren hat, ste zu schützen. — DreimaligeS
Hoch aus den König. — Der Abg. Taddel
dankt dem Präsidenten NamcnS des HauseS.
— Hr. Gradow schließt nii« einem Hoch auf
die Versaffung un« das Volk I

Kiel. Nach einem B-richt deS SchifferS
Jochem Stuhr auS Laboe in der „Kieler Ztg."
wurde ihin in den Pfingstfeiertagen in Ran-
ders (Zütland) von einem Volkshanfen die
schleSwig-holstcinische Flagge herabgeriffen, ob-
wohl -r sie nur auf Aufforderung des Hascn-
vogts, der ihm seincn Schutz zusicherte, ausge-
zogen hatlc.

Flensburg, 12. Zuni. Morgen wird die
lchte Nummer der „FlenSburger Zei-
tung" erschcinen; dasür erstehen aber von
DonnerStag an dic „Flensburger Nachrichtcn",
wclche biS weiter dreimal wöchentlich erscheinen
werdeu.

Wien, 1k. Jnni. Die „Preffe" schrcibt:
„Man bestätigt un«, daß der ungarische
Landtag bereils in den nächsten Wochen,
viclleicht schon vor Ende deS lausendcn MonatS,
berufen werdcn wird. Es ist bckannt, daß dic
Einderufung drei Monate vor dem Zusam-
mentreten zu erfolgen hat. llebcr die KrisiS
i» der ungarijchen Hofkanzlei hörl man nur,
daß ste ini L-tillen sortschleichl."

Aus KarlSbad, 14. Juni, wird dcr
„Köln. Ztg." gejchrieden: „Daß der Kaiser von
Oesterreich nicht zum Besnche dcs am 19. d.
eintresfenden KönigS von Prenßcn hierher kom-
men wird, joll jctzt ganz dcstimmt sein. Es
weilen sehr viele namhafle prcußische und andcre
dcnlsche Diplomateu nnd höhere StaatShcamte
hier, und unter allen diesen wahrscheinlich wohl-
unterrichteten Männern herrscht kaum noch ein
Zwcisel darüber, daß Preußen sich gegen die
Erbanjprüche. deS Prinzen Fricdrich auf das
Herzogthum erklären, dagegen die Ansprüche
des GroßherzogS von Oloenburg unterstützen
werdc.

Aus Mccklenburg - Schwerin, 12.

Zuni. Die Sorgsalt der Minister für ihre
patrimonialen Pflcglinge geht weit. Sie haben
nänilich (wic der „B. Res" geschricben wird)
nicht öffentlich, sondern einzeln den Buchhand-
lungen Bcfehl gegcben, AlliS, waS über Mccklen-
burg im Auslandc erscheint, so lange anzu-
hälten, biS ihncn die Erlaubniß zusteht, eS den
unmündigeii-Mecklcnburgern zukommeu zu las-
scn. llm auf AllcS recht gcnau vigiliren zu
können, ist einer Bnchhandlung zu Schwerin
dcr Befehl gcgeben, sofort ein Excmplar von
ciner jolchen Schrift über niccklenburgische Zu-
stände an den Großherzog, an die StaatSmi-
nister v. Oertzcn und v. Schrötcr zu sendcn.
Erst nachdem diese dcm Wcrke ihrc Gcnehmi-
gung ausgedrückt haben, kann diese Waare als-
danu als eine unschädlichc und unverdächtige
Speise auSgegeben werdcn.

A r a n k r e r ch.

Paris, 13. Juni. Bei Beginn der gest-
rigen Sitzung des gesetzgebenden Köpers hielt
Carnot, den Traditionen der früheren Kammer
gemäß, bei Eröffnung der DiSkussion über daS
Budget dcs A-swärtigen eine Rede zu Gunsten
der polnischen Sache und gegen die russische
Politik sowohl. als gegen die russische Allianz.
Dcr Redner bedient sich stellenweise sehr starker
AuSdrücke. Zum Schluffe weist er in folgen-
den Worten auf die Solidarität hin, welchc
Frankreich und Deutschland zu gemeinsamen
Anstrengungen für Polen und gegen Rußland
vereinigen müßte. Carnot versteht unterDeutsch-
land natürlich das deutsche Volk und nicht die
deutschen Kabinete. „Die öffentliche Meinung
ist in Deutschland nicht ohne Macht; sie wird
sogar mit jedem Tage stärker. Das deutsche
Volk ist ein aufgeklärtes Vol^, das sehr gerne
auf seinen alten Groll feierlich verzichten würde,
wenn es nur des Mißtrauens sich zu ent-
schlagen im Stande wäre. Meiner Ansicht
nach würden wir die Zukunft von ihrer größ-
ten Gefahr befreien, wenn wir dieses Miß-
trauen Dcutschlands zerstreuen würden, und
ich möchte wohl, daß unsere auswärtige Politik
entschlossen diese Bahn beträte. Vor Astem
müßte man durch Wort und That ein loyales
Volk davou überzeugen, daß Frankreich den
Principien seiner Revolution, den Principien
von 1789 treu zu bleiben gedenkt. Denn aus
dieser Quelle müssen wir immer schöpfen, sei
eS, daß wir zur Sicherstellung unserer innereu
Freiheit einer normalen Kraft bedürftig sind,
sei es, daß wir nach der Regel unsreS internatio-
nalen Verhaltens zu suchen haben. Schlagen wir
also unsere erste Constitution auf. Wir lesen
darin: „Die französische Nation verzichtet auf
jeden Eroberungskrieg und wird niemals ihre
Kräfte gegen die Freiheit irgend eines Volkes
verwenden." Wenn die französische Nation
dieses Glaubensbekenntniß auf die Marksteine
der deutschen Grenze feierlich eingraben wird,
so wird sie eine ganz neue auSwärtige Politik
einsühren und um einen bedeutenden Schritt
dem großen europäischen Staatenbunde näherge-
kommen sein, derschonHeinrichlV. vorschwebte."

Paris, 14. Juni. Aus der gestrigen Siz-
zung des gcsetzgebenden Körpers, in welcher die
Berathung über die ordcntlichen und außer-
ordentlichen Budgets für die Gebahrung 1866
sortgesetzt und von der Opposition die Unter-
drückung dcr Bezirkspolizei und der geheimen
Fonds, sowie dic Verbesserung der Lage junger
Sträflinge und die Vermehrung der Jnvaliden-
besoldungen verlangt wurden, sind besonders
die Reden von Pelletan über die geheimen
Fonds und von I. Simon über das Gefäng-
nißwesen bemerkenswcrth. Ersterer geißelte mit
seinem bekannten Humvr das Verfahren der
Regierung, die alle Freiheiten unterdrückt, poli-
tische Umtriebe durch ihr ganzes System un-
möglicht macht und dochnoch Gelder fordert
zu geheimer Ueberwachung der Unterthanen.

I. Simon fand allgemeine Zustimmung, als
er das Verlangen stellte, man solle die Central-
zuchthäuser ersetzen durch landwivthschaftliche
Strafanstalten.

Paris, 17. Juni. Aus zuverlässiger Quelle
erfährt man, daß die Anzahl der in diesem
Sommer nach Mexico hinüberzuschaffenden
Truppen sich auf 10,000 Mann belaufen und
im Nothfall sogar bis 14.000 crhöht werden
wird, da die Regierung entschlossen ift, einen
Hauptschlag gegen Juarez zu führen.

Z t a l i e n

Das Befinden Pius' IX. ist so vorzüglich,
daß er am Frohnleichnamsfeste allen Ceremonien
anwohnte. Msgr. Pier Francesco Meglia, päpst-
licher Nuutius in Mexico, ist vom heiligen
Vater in aller Form zurückberufen. worden.

Florenz, 17. Juni. Die „Opinione" ver-
sichert, daß in den Unterhandlungen über die
erledigten Bischofssitze sich Schwierigkeiten er-
hoben haben; zugleich dementirt das genannte
Blatt die vom Pariser „PayS" mitgetheilten
Nachrichteu.

S P a n i e r».

Madrid, 15. Juni. Der „Jrurac Bat"
bringt nachstehende Mittheilung: „Valencia,

II. Juni. Der Plan der Verschwornen war,
sich der Person des Generalcapitäns beim Her-
ausgehen aus dem Theater zu bemächtigen, so-
fort San Francisco und die Eisenbahnstation
zu besetzen, die Absctzung der Dynastie und
die Vereinigung Spaniens und Portugals zu
verkündigen. Die Truppen scheinen der Ver-
schwörung ziemlich fremd gewesen zu sein. Als
General Villalonga die compromittirten Offi-
ziere verhaften ließ, brachten die Soldaten ein
begeistertes Hoch auf die Königin aus. Das
Geld, das zur Förderung der Bewegung dienen
sollte, war von den Progressisten und den
Demokraten aufgcbracht worden, und zwar
unter dem Vorwande, den Ueberschwemmten
Unterstützung zu gewähren."

Madrid, 16. Juni. Die Untersuchung
über die in Valencia entdeckte Verschwörung
soll dic bestimmtesten Beweise liefern, daß das
Complott von progressistischcr Seite angezettelt
war. Das Projcct, eine „iberische Union"
durch Annexion Spaniens an Portugal zu
Stande zu bringen, soll übrigens nicht viele
Anhänger zählen. Man versichert, Hr. Olo-
zaga, ein Führer der entschiedensten progressi-
stischen Fraction, sei, wic Prim, dem Com-
plotte in Valencia nicht fremd; er sei, als
dasselbe enthüllt war, von Vico nach Bayonne
abgereist. Oberst Alemany, welcher in Va-
lencia an der Spitze der Verschworenen stand,
ist ein ehemaliger Offizier der Garde; er ist
schon lange als eifriger Progressist bekannt;
das demokratische Comitö in Valencia, unter
der Führung eines gewissen Guerrcro, soll
mit dem in das Complott verwickelten pro-
gressistischen Comito Beziehungcn unterhalten
haben. Der Redacteur des in Valencia er-
scheinenden Journals „LoS Dos Reinos" ist
nicht, wie es anfänglich geheißen, unter den
Verhafteten; eS ist ihm gelungen, zu ent-
kommen.

sr » ß i a » d

Warscbau, 15. Zuni. Uebermorgcn ver-
läßt der Statthaltcr d-s Königreichs Polen,
Graf Berg, di- Kaiscrstadt, und wird Tag«
daraus, am Sonntag, nach mehr alS drei-
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