Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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tidklbrrger Zeilung.

Krcisverkündigungsblatt für den Kreis Hcidelberg und aintliches Vcrkündignngsblatt für die Amts- und AmtS-
Gerichtsbezirke Heidelberg und Wicsloch und den Amtsgerichtsbezirk Neckargemünd.


Donuerstag, 22. Juni


unterm 29. Mar d. I. gnädigst bewogen gefunden, dem
Ministerialrath Mulh und dem LegationSrath Dr. Minet
H^nlerth^Erlaubniß zn erthei^en^ ^

Karlsruhe, 20. Juni. Das heute erschie-

nene NegierungSblatt Rr. 28 enthält (unßer
Personalnachrichten):

I. V-rfügungen nnd Bekanntmachungen der
Ministerien 1) Bekanntmachung d-S großh.
Ministerimns des großherz. Hanscs und der
answärtigen Angelegenheiten.' Die Handels-
agentur in Konstantinopel betressend. Darnach
ist dem Georg Treu in Pera (Konstantinopel)
die Function eines Handelsagenten für das
Großhcrzogthnm übertragen worden. 2) Be-
kanntmachnngen des großh. Zustizministeriums.
n) Die Beschnng dcs erlcdigten Notariats-
districts Mudau betreffend. NotariatSassistent
Valenrin Schweigert in AdelSheim wurde alS
Notar sür diesen District angestellt. l>) Die
Verwaltung deS Notariats in> Amtsgerichts-
Bezirk Konstanz, ll District, betreffend. Nota-
riatSassistent Karl Klorer wurde als Nvtar sür
diesen District (Reichenau) angestellt. 3) Be-
kanntmachungen dcS großh. Ministeriums deS
Jnnern. ->) Die Generalagentur für die deutsche
Feuerversicherung anf Gegenseitigkeit in Lud-
wigShafen a. Rh. betreffend. Der von der Di-
rection der genannten Fcuerversicherung zu
ihrcm Generalagenten sür das Großherzogthum
ernannte L. Richard in Mannheim ist alS sol-
cher bestätigt worden. b) Die Ertheilung der
Apothskerlicenz an Alfred Schmidt »on Frei-
burg betreffend. e) Die Ertheilung der Apo-
thekerlicenz an Franz Zimmermann »on Ueber-
lingen betreffend. 4) Bekanntmachungen des
großh. HandclsministeriumS. a) Die Errichtung
einer Postexpedition in Grießen betreffend.
b) Die Ertheilung von ErfindungSpatenten be-
treffend. 1. An Hrn. A. Baillot zu St. Josse-
ten-Noode (Belgien) für die von ihm erfundene
Berbessernng an Nähmaschinen, 2. an Hrn.
Mechaniker Zohann Tobias Romminger in
Dresden für daS von ihm erfundene neue Röh-
rensystem zur Dampserzeugung. S) Bekannt-
machung des großh. Ministeriums der Finan-
zcn. DaS amtliche Waarenverzeichniß zum Ver-
eins-Zolltaris betreffend. DaS nach § 14 des
Zollgesetzes zur richtigen Anwendung deS Ver-
eins-Zolltarifs dienende amtliche Waarcnver-
zeichniß ist auf den Grund deS zufolge des Ge-
setzes vom 3. Mai d. I. vom 1. Juli d. I.
an in Wirksamkeit tretenden VereinS-Zolltariss
nc» aufgestellt, und mit Rückflcht anf die nach
dem provisorischen Gesetz vom 27. Mai d. I.
auf denselben Zeitpunkt einrretenden Aendemn-
gen jenes TarifS durch einen Nachtrag ergänzt

* Politische Umscha».

Aus Hannover schreibt man dem „Nürnb.
Corresp.": „Der sranzöstsche Gesandte soll die
unaugenehme Empfindnng, dir ihm die Zurü-
stungen zur Watcrloofeier crwecktcn, mit Ersolg
beim Grafen Platen geltend gemacht haben.
Jedc ofsiziellc Thcllnahme an dem Erinnernngs-
feste uuterbleibt; in den Kirchen wird nur nach
der Predigt ein Daukgebet gcsprdchen. Die
alken Svldaten werden kommen nnd fich neben
dem rein bürgerlicheu Festeomite zur Tafel
fetzen; aber nicht einmal die Offiziere aus jener
Zeit schcinen Theil nehmen zu wollcn. Sie
beabsichtigen, wie immcr, in stiller Erinuerung
für sich den SiegeStag zu bcgehen, und wenn
fie bieSmal am 18. Jnni znm Könige geladen
werden, so gefchieht Das, wie man meint, um
ihnen einen geschickten Borwand znr Ablehnung
dcr Einladung zu geben, die von dem FestauS-
schnß an sie ergangen ist.

Das spanische Ministerium hat (16. Juni)
in den Cortes die Erklirung abgegeben, cS
habc den General Prim deshalb nach Madrid
zurückberufen, weil ihm von verschiedenen seiten
die Mittheilung zugekommen, der Gcneral solle
den Oberbefehl über dic Ausstandischen über-
nehmen.

Der World, ein der Unionsregierung scind-
licheS Newyorker Blait, gibt die Anzahl der
»on der Amnestie ausgeschlossenen Personen
auf 175,000 an. Man zweifelt jedoch nichl,
daß sie fast alle auf ihr Ansuchen Begnadi-
gung erhalten wcrdcn. ES bestätigt sich, daß
Davis uicht »or ein KriegSgericht, sondern vor
ein Civilgerlcht zu Washington gestellt wird,
sobald der Proceß gegen die Genossen von
Booth beendet ist.

Jm Seuat zu Rio de Janeiro ist ein An-
trag auf Abschaffung dcr L-claverei gestellt
worden. Dieselbe besteht jetzt nnr noch in Bra-
silicn und den überseeischen Besitzungen von
Span.ien und Partugal.

Deutschland

Kartsruhe, 20. Juni. Se. Königl. Hoheit dcr
Großherzog haben^Sich unter d^m ^ Ma^d. I.

Löwenorden zu verleihen.

Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben Sich
unter dem 29. Mai d. I. gnLdigst bewogen gefunden,

Marschall Magntm.

(Schluß.)

Am 2. Decemver — so erzählt Vsron, der da-
mals bekanntlich tief hinter den Loulissen steckte —
wollte St. Arnaud als Kriegsminister Magnan
Instructionen geben, erhirlt aber ein trockeneS
„Laffen Sie mich machen!" zur Antwort — und
ging in srinem Vertrauen zu dem General so weit,
daß er erwiderte: „Gut. ich lasse Sie machen, weil
ich Sie kenne!" Und Magnan machte seine Sache
1n der That gut und prompt; die beiden schönen
Seelen verstanden fich gegenseitig zu gut, alS daß
sie fich tn etnander hätten täuschen können.

Während St. Arnaud im KriegSministerium war
und mit dem Elyfte correspondirte, leitete Magnan
die Action. .Vom ersten Graurn drs TageS an war
«r auf dem Place de la Loncorde, um dte Ein-
bringung der StaatSgefangenen und ihre Abfüh-
rung nach Vincennes, Mazas rc. zu überwachen.
Ihm, dem in den Straßen von Paris Comman-
direnden, muß auch der glorreiche Gedanke zuge-
schrirben werden, die Parisrr durch dritthalb Tage
fich erhitzrn und die Rrpublikaner auf den Boule-

vards am Chateau d'Ean unmittelbar unter den
Augrn etner Armee Barrtcaden bauen zu laffen, .
ehe man ernstlich attaquirte. St. Arnaud fing !
schon an ungeduldig zu werden — aber am 4.
(Donnerstag früh) sagte ihm Magnan: „Seien
Sie ruhig; um Mittag beginnen meine Kanonen
thre Arbeit!" Wirklich war um 4 Uhr AlleS vorbet.
AngesichtS der gründlichen Massacre, bie man nun-
mehr unter den Republikanern anrichten konnte,
mußte der Minister gestehen, daß Magnan den
befferen Theil erwählt.

Auch ließ Napoleon ihn nic mehr von ftiner >
Seite. Magnan hatte das Commando der Armee
von Paris nte wieber. abgegeben, nur ward das-
selbe nach dem Orfini-Attentate zu einem der fünf
großrn Militär-Arrondiffements erwettert, in welche
damals ganz Frankreich getheilt wurde. Außerdcm
ward Magnan gleich im Ianuar 1852 Senator
und im December drffelben IahreS, wie gesagt,
Marschall und Großjägermeister. Am besten aber
zeigt der Umstand, daß er zu dcn fünf Generälen
zählte, welche dte Regierung sofort übernehmen
sollren, falls Louis Napoleon vor Consolidirung
der durch den Staatsftreich angebahnten Zustände

j etneS plötzlichen Todes sterben sollte, wie viel ftin
' Gebieter auf ihn hielt.

' Der Mann ist nun gestorben; er läßt eine große
- Lücke unter den Vertrauensmännern zurück, auf
welche Napoleon M. unbedingt zählen konnte. Ast
eS dieftm gelungen, mittlerweile Ersatzmänner zu
schaffen, auf welche er in der Stunde der Gefahr
mit Sicherhett zählen kann? Marschall Magnan
war ein alter Mann, und der Kaiftr der Fran-
zoftn wird allerdings von ftinem Tode weniger
überrascht ftin, als von dem ftineS in der Blüthe
ber Iahre hinrveggcrafften HalbbruderS Morny.
Auch überfthen wir nicht, daß der gegenwärtige
Herrfcher FrankreichS jene kostbare Regenteneigen-
schaft im hohen Grade befitzt, die Männer, die er
braucht, mit großer Menschenkenntniß und etnem
fichern Blick sich auszuwählen. DaS Kaiftrthum hat
seit den letzten Iahren in den polttischen und mi-
litärischen Reihen manche bedeutende Kräfte ge-
worben. Mac Mahon, Rouher rc. find posthume
Stützen, dte man zur Zeit des StaatSstreicheS
wenig kannte. Aber alle diese Männer haben ihre
Feuerprobe für die Aufrechthaltung der Napoleo-
nischen Dynastie -rst zu beweiftn. Die Anhänger
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