Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Uttdtlbtrgrr Ieillmg.

KreisverWuiiigullgsblatt fiir üen Kreis Heiüelberg una anttliches EierkitnSigllilgsblatt für öic Ämls- unb Amts-
Gcrichtsbczirke Heidelbcrg und Wicsloch unö üc» AnitSgerichtSbezirk Neckargeinünü.

R» 14S- S-^itag, 28 J„ni 18VL.

Einladung zum Abonnement.

Auf das mit dem 1. Juli beginnende dritte
Quartal der „Heidelberger Zeitung"
laden wir anmit zum Abonnement ergebenst ein.
Die Heidelberger Zeitung ist durch Beschluß
Großh. Ministeriums des Jnnern vom 24. No-
vember v. I., Nx. 14,731, alö Kreisver-
kündigungsblatt für den Kreis Heidel-
berg und als amtlickes Verkündigungs-
blatt für die Amts- und Amtögcrichtsbezirke
Heidelberg und Wiesloch und den Amts-
gerichtsbezirk Neckargemünd erklärt worden,
in Folge dessen nlle Bekanntmachungen der
betreffenden Staatsstellen darin zu erscheinen
haben.

Jndem wir uns im Uebrigen auf das mehr-
fach veröffentlichte ausführliche Programm be-
ziehen, bemerken wir hier noch, daß das vier-
teljährliche Abonnement in hiesiger Stadt 1 fl.
3 kr., durch die Post bezogen 1 fl. 24 kr. be-
trägt. Jnserate, welche durch unsere Zeitmrg
die ausgedehnteste Verbreitung finden, werden
mit 3 kr. die dreispaltige Petitzeile oder deren
Raum berechnet.

Heidelberg, im Juni 186s.

Die Exvedition.

(Schifsgasse Nr. 4.)

* Politische Nmschau.

* Zu der zwischen Oesterreich und Preußen
jetzt herrschenden Spannung haben — außer
der schleswig-holsteinischen Sache — die Bc-
mühungen Preußens, Deutschland mit dem Pro-
jecte eines Handelsvertrags zugleich zur Aner-
kcnnung des Königreichs Jtatien zu vcranlassen,
nicht wenig beigetragen. Die deutschen Miltel-
uud Kleinftaaten (wovon wir selbstverständlich
daS Großherzogthum Baden hier ausnehmen)
zeigen wenig Gcneigtheit, dieser Einladung
Preußens zu entsprechen. Die Einen haben er-
klärt, daß ihrc Beziehungcn zu Oestcrreich ihnen
die Anerkennung nicht gestatten. Andere wieder
sind von dhnastischen Scrupeln zur Ablehnung
bestimmt worden. Hierbei ist nur zu beklagcn,
daß das Jnteresse der Bcvölkcrnng, besonders
der Handel- und Gewerbtreibenden, von frem-

den Gesichtspunkten in den Hintergrund gedrängt
wird.

Aus den Telegrammen und anderen Zeitungs-
berichten ersehen unsere Leser den neuesten
Stand der Einigkeil zwischen Oesterreich und
Preuhen. Die entgegengesetzten Bestrebungen
der beiden Mächte platzen immer heftiger auf
einander. Der preußische Premier versteht das
gleiche Besitzrecht Oesterreichs und Preußens
so. daß daS Letzkere aües Beliebige zu seinem
Vortheil thun und das Erstere ruhig zusehen
müsse. Jn jüngster Zeit hat Hr. v. Bismarck,
wie wir schon mehrmals bemerklich machten,
seinc deutsche Gesinnung dadurch bethätigt, daß
er oem dänischen Elcment in Nordschleswig
die möglichste Unterstützung angedeihen läßt.
Er setzt voraus, und wvhl mit einigem Grund,
daß den Dänen in jenen Gegenden die Gele-
genheit willkommcn sein werde, das deutsche
Jnteresse durch dic Beförderung jeder preu-
ßisch - Bismarckischen Gewaltanmaßung nach
Kräftcn zu ichädigen. Dies erklärt die Sen-
dung des Prinzcn Hohenlohe, der sich, bei dem
Mangel sonstigcr Eigenschaftcn sür Verwaltung
und Diplomatie, dem Ministerium wvhl durch
seine junkerliche Befähigung zur Einfchüch-
terung deutscher Unterthanen empfohleu haben
muß. Eins begreifen wir nicht: bie Geduld
Oesterreichs gegcnüber den täglichen Eingriffen
und Uebergriffen der norddeulschen Großmacht
oder großthuenden Macht. Diese Langmuth läßt
sich selbst durch die Finanzresultate des Herrn
v. Plener nicht erklären.

Die spanischen Truppen auf Santo-Domingo
rüstcn sich thätig zur Abfahrl von der Jnsel.
Die Bewohner sind fehr zufrieden damil, noch
zufriedener aber die spanischen Sokdaten.

Noch immer könneu die Unterhandlungen
zwischeu Hrn. Vegezzi und dem päpftlichen Hof
über die Klippe der bischöflichen Eideslcistung
nicht hinwegkommen. Jn Jtalien ist übrigens
die allgemeine Stimmung entschieden gegen
jede Uebereinkunft mit Rom.

Jn vielen Städten Jtaliens finden Volks-
versammlungen statt, um gegen die Unterhand-
lungen mit Nom Protest zu erheben.

Die grvße Verschwörung zu Valencia, von
welcher das spanische Ministerium so viel Lärm
gemackt, und welche es zur Unterdrückung der
Preßfreiheit und andercn Dingen ausbeuten
wollte , nimmt mit einem Male sehr gering-
fügige Verhältnisse an. Alle zu Valencia in

Haft genommenen Bürger mußten wieder frei-
gegeben werden. Die ministeriellen Blätter fah-
ren indessen in ihren Beschuldigungen gegen
die Fortschrittspartei fort, unv suchen den Ge-
neral Prim möglichst zu verdächlizen.

Ueber Omer Paschas geheimnißvolle Rund-
reise in Italien liegen biS jetzt keine weitcren
Berichte vor. Derselbe wurde am 12. in der
Morgenstnnde vom Papste iu einer besondcrn
Audienz empfangen. In derselben überreichte
der General dem heil. Vater eine Snmme Gek-
des als einen von deu Marvniten SyrienS
gesammelten Pctcrspfennig. Am Tage vorher,
Sonntags, war er bei den armenischcn Mön-
chen zu Gaste geladen, da der armenische Erz-
bischof ein Freund deS Generals ist.

Ein neapolitanischeS Blatt berichtet, die Peft
sei in Acgypten in der Zunahme begriffen.

D e u t s ch l a n d

Aus Baden, 19. Juni. Die Wahlen zu
den kathvlischen Stiftungscommissionen, bez.
Verwaltungsbehörden deS örtlichen katholischen
Kirchenvermögens, welchen zugleich provisorisch
das Rechnungswesen der weltlichen Ortsstif-
tnngen, mit Ausnahme der für die Schule be-
ftimmten, anvertraut ist, sind schon oft Gegen-
stand der Beschwerde von Seiten der Gemein-
den gewesen, deren Anrechte namentlich in den
letzten Jahren vielfach förmlich verkümmert wur-
den. Wie man vernimmt, soll nunmchr die.
Regierung gewiüt sein, zur Ordnung dieses
Verhältnisses Hand anzulegen, und es sollen
die Einleitungen hiezu angebahnt sein. Allge-
mein im Lande herrscht die Ueberzeugung, daß
auf Grundlage der 60-er Gesetze ein dauernder
fester Zustand nach allen Seiten hin begründet
werden muß und daß dieß nur dann geschehen
kann, wenn alle Grenzgebiete zwijchen Staat
und Kirche mit fester Hand so bereinigt wer-
den, daß alle unnöthigen Bernhrungspunkte in
Wegfall kommen. Daß der Staat aber keiner
extremen Richtung huldigt, zeigt bestimmter
als irgend eine Ausführung der bekannte Leit-
artikel der Karlsr. Ztg., der mit aller Bestimmt-
heil die confessionelle Schule und in ihr den
obligatorischen Religionsunterricht durch die
Kirche festhält.

K AuS Norddeutscbland, im Juni.

Gegen Ende des vorigen JahreS ist auch in
dcr freien Stadt Lübcck hinsichtlich des Schul-

Zweites Deutsches Sundesschießen in Sremen.

Wir rntnehmen . der „Deutschen Schützen- und
Webr-Zkitung" Folgendes:

Bremen, 10. Juni. Es wurde neullch an dirser
Stclle gesagt, es fei nickt gut, wenn bei stder
Gelegenhkit gleich von der „Schwerralligkkit" der
Drutschen gesprochen, wenn auf fie geschimpit würde.
Sollte der Verfaffer dahei meinen Berickt im A"ge
gehabt haben, worin ich vie spärlichen Anmelvun-
gen von Ehrengaben aus dem großen Dentschen
Vaterlande mit der Schwerfälligkeit unfereS Volkes
zu entschuldigen suchte, so verweise ich ihn zu
meiner Rechtfertigung auf die Gesammtsumme der
angemeldkten Ehrengaben und empfehle ihm, ta-
von die Summe abzuziehen, welche die Deutschen
im Auskande heigesteuert haben, und wenn er dann
noch jetzt, wo unS das Fest bis au^wenige Wochen
nahe gerückt. ist, mein Urtheil hart nennen kann,
so will ich mich anschicken, setne Nachficht zu —
brwundern. Es ist eine blinde, eine gefährliche
Licbe, die für die Vorzüge schnell ein lob.ndes
Wort, aber für die Fehler keinen Tadel hat. Wenn
wir unS nicht daran gewöhnen, dem Deutschen I

menkam, — und wie grcß war dte Begeisterung
sür daffelbe!

Trotzdem daß unser Gabentempel reich gesckmückt

Dort belheiUgm fich dic Städte und Dörser und eine
große Mcnge oon anderen ats Schützcngcscllschasten
durch Stiftung von Chrrngaben an dem Fcfl, während
bei unS hauptsächl'ch ruir in Sckützenkreisen das

Srfreulich, ja erhebend ist die Thrtlnahme, welche

die Deutschen im Auslande für unser Fest brkun-
drn. Ahre Gaben repräsentiren biS jctzt schon weit
mehr als den vierten Theil des GesammtwertheS

contrastirt sehr gegen die der Deutscken in der
Heimath. Aus Deutschlands großen Ctakten ist
nicht eine Anmeldung, welcke z. B. der von Sa-
marang (550 Thlr.) gletchkäme, und die von Cal-
cutta (330 Thlr ), Singapore (420 Thlr.), Ba-

(ca. 440 Thlr. Crt.) erreicht. — Je weiter von der
Heimath rntfernt, desto schmerzlicher empfinden
unsere Landsleute den Mangel der Einheit im
Jnnern und damit den Mangel der Macht deS
Vaterlandes nach Außen, und um so höher wfffen
fie das Streben zu schätzen, welches darauf gertchtet
ist, im Deutschen Volke daS Gefühl dafür zu wecken.
Sie sollten nur all' die Briefe lrsen, welche dte
Ehrengaben begleitcn: eine hohe, warme Begeiste-
rung für Deutscklaud und für die Ziele des Sckützen-
bundeS durckweht sie mehr oder minder sammtlich.
Von denen neuesten Datums zeichnet fich in dieser
Beziehung aus der von den Deutschen in Honolulu
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