Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

Page: 670
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1865/0670
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
daß den Unterhandlungen Jtaliens mit Röm
neue und ernste Schwierigkeitcn entgegengetrcten
seien; die römische Curie soll nämlich ganz ent-
schieden auf ihrer Weigerung beharren, irgend
wclche politische Angelegenheiten (namentlich
in Bezug auf die Hauptstadt Rom alS Acqui-
valent für die Concessionen Victor Emanuels
in religiöser Beziehung) in den Bereich der
Verstandigung zu ziehen. Damit sind denn
alle bereits in Umgang gesetzteu Gerüchte von
einer Reugestaltuna Roms beseitigt, durch welche
der Pabst sich ctwa aus der Stellung eines
weltlichen Souverains in diejenige eines mo-
ralischen Obcrhaupts der katholischen Kirche
zurückgezogen hätte.

Jn der heutigen Sitzung der zweiten würtem-
bergischen Kammer ist von Wächter und Ge-
nossen der Antrag eingelaufen, die Regierung
zu ersuchen, die dem Abschluß eines Handels-
vcrtrages mit Jtalien entgegenstehenden Hindcr-
nisse zu beseitigen. Minister v. Barnbüler be-
merkt, daß er die hierüber gestellte Jnterpella-
tion bisher nicht beantwortet habe, um den
schwebenden Verhandlungen nicht vorzugreifen.

Die würtembergische Kammcr der Abgeord-
ncten hat sämmtliche Anträge des Eisenbahn-
ausschusses bczüglich der Schwarzwaldbahn abge-
lehnt, dagegen den Antrag von Wirth u. Mitt-
nacht (Geuehmigung der Leonbergcr Bahn mit
der Bitte um gleichzeitigen Bau der Böblinger
Bahnlinie) resp. auf dem nächsten Landtage dar-
über Vorlage zu machen, mit 44 gegen 42 Stim-
men angenommen.

Herzog Ernst von Coburg ist zu einer Bade-
kur nach Biaritz abgereist.

Jn dem Jacoby'schen Processe wcgen Maje-
stätsbeleidigung hal daS Obertribunal in Berlin
gestern dic vvn dem Beklagten erhobenc Nichtig-
kcitsbeschwcrdc zuDrckgewiesen. Derselbe hat-
demzufolge eine 6-monatliche Gefängnißstrafe
anzutreten.

Die Diäten der preußischen Abgeordneten,
welche dem Herrenhause und auch der ministe-
riellen Presse so vielcn Kummer machen, sollen
in dcr nächsten Sesston Gegcnstand einer Ne-
gierungsvorlage werden. Das Gerücht, daß
die gänzliche Abschaffung der Diäten vorge-
schlagen werde, dürfte nicht ganz ohne Grund
sein.

Der Wiener Gemeinderath hat zu einer Festgabe
für das deutsche Schützenfest in Bremen 1000 fl.
bewilligt.

Jn Alexandria ift die Cholera im Zunehmen.

D e u t s ch l a n d

Karlsruhe, 22. Juni. Zu denjenigen
Vorlagen, welche auf Grund unscrer neuen
gesetzlichen Einrichtungen am dringendsten ge-
fordert werden, gehört die Aenderung der Ge-
meindegesetzgebu n g., insbesondere die durch-
geführte Trennung der Bürger- und Einwoh-
nergemeinde. Freilich stehen damit die größten
prinzipiellen Fragen im Zusammenhang, so
namcntlich die der Bürgergemeinde zu gewäh-
rende völlige Freiheit der Entscheidung über
Annahme oder Nichtannahme neuer Bürger.
Der Staat müßte sein jetziges, logisch unge-

gegen den Urheber, deren man mehrere im Auge

unterstützt, daß der Angeklagte von feindsktiger
Gefinnung grgen den Bürgermeistrr erfüllt war,
mit dem er in Folge seinrs unordentlichen Lebcns-
wandels häüfig in unireiwillige Berührung kam.
Auck eutfrrnte sich der Angeklagte, als er wegrn
drr vorliegenden Untersuchung vor Gericht geladcn
war, heimlich und wolltr nach Amerika auswan-

wo cr wieder zurückgrbracht wurde. Drr Versuch
des von Hrrrn Anwalt Engelhorn verthridigten
. Angeklagten, seine Anwrs.nbeit zur Zeit der Brand-
^legung an einem dritten Orte nachzuweisen und
seinen außcrgerichtlichcn Geständnissen rine unver-
fangliche D-utung zu gebcn, hatte nickt den gr-
wünschken Erfolg, da die Gcschworenen nach kurzer
Berathung drn Angeklagten für schuldig erklärtrn, !
der sodann von drm Gerichtshofe wegen bcrndigten !

rechtfertigtes Zwangsrecht aufge.ben, freilich
aber gleichzeilig die Eheschließnng nicht mehr
von vorgängiger bürgerlichcr Annahme an
cinem Ort abhängig machen. Dem nächsten
Landtag dürfle kaum eine Vorlage gemacht
werdcn, und es ist nicht zu erwägen, ob man
nicht für solche tiefgreisende GesetzgebungSar-
beiten den Weg einer planmäßigcn Kommis-
sionSarbeit einschlagen sollte. Die Erfahrung
hat ^elchrt, daß die Gemeindegesetzgebung zu
allen Zeiten den schwierigsten Verhandlungs-
gegenstand der badischen Landtage abgegeben
hat. — Unter den von der Negierung bestimmt
abgelehnten sog. Vergleichsvorschlägen der Kurie
nennt man auch den Plan, konfessionelle Sek-
tionen in dcr oberften Schulbehörde einzufüh-
ren, womit das Prinzip der Staatölcilung der
Schule voükommen durchbrochen wäre. (S.M.)

o Aus dem Mittelrheinkreis. Die
Nr. 136 des Schwäb. Merkurs enthäll einen
kurzen Artikel über den Verein für baoische
Ortsbeschreibung. Dkbser Artikel rührt
sichtbar von einem Mitgliede des Lereines her
und hat eben so sichtbar den Zweck, dem Ver-
eine zu schaden, indem darin behauptet wird,
die Zeitverhältnisse seien demselben nicht gün-
stig und er verliere noch mehr an Theiluahme,
weil das Organ seiucr Veröffentlichuugen, die
Zeitschrift Badenia, im allgemeinen wenig
gefalle, da ihr Redacteur, ein ehemaliger Libe-
raler, jetzt stark ultramontan gesärbt jei.
Diese letztere Bemerkung sieht einep.Denuncia-
tion so ähnlich, wie ein Tropfen Wasser dem
andern. Wir können unö hier nichr näher
darauf eiulassen, soudern ersucheu den Verfasser
des Artikels nur, uns in der Badenia dic
Stellen zu bezeichnen, welche ullramontanen
Geist verrathen. Was den Herrn veranlaßt
haben mag, über dje jüugste Geueralversamm-
lung des Vereines eiuen Bericht zu erstalten,
um demselben in der öffentlichen Mein-
ung zu schaden, begreifen wir keiueswegs.
Besser und erspricßlicher wäre es gewesen, der
Herr Correspondent des Schw. Merkur hätte
in der Generalversammlung seinc Bedenken er-
hoben, statt stch hinter die Anonhmität eines
Zeitungsartikels zu verschanzen.

Aus Baden, 19. Juui. Die Verpflan-
zung der Sicchen-Anstalt iu Pforzheim an einen
andern Ort hat bis jetzt noch nicht stattfinden
können, obwohl sie wcgen Mangel an Na^m
eine nothwendige Sache ist; man ist aber noch
zu keinem festen Entschluß gckommen. Die Uni-
versttät Heidelberg, sowie die von Freiburg
reclamirt sie. Man hat abee zu keiuer Theilung
kommen wollen wegeu der vermehrteu Verwal-
tuugökosten. Jn neuester Zeit scheiut man aber
doch zu einer Theilung schreiten zu wollcn,
indem sowohl in Heidelberg als in Kreiburg
Aussuchung eines tauglichen Platzes bejch'lossen
wurde. Weun auch die Theilung mehr Kosten
verursacht, so erkennen wir doch dieseu Plan als
den tauglichsten, weil er der Wisscuschaft in
hohem Grad nützlich sein wird. (<L>. M.)

LLKiesbaden, 25. Hrni. Die Urwahlen
zur zwciten Kammcr finden am 2. Juli, die
Wahleu der Avgeordnelen selbst am 11. Iuli
stalt. — Die höchstbesteuerten Grundbesitzer


kommrner sein soll, als alle bisher erfundeneu.
Er verlangt nur 12,009 Dollar zur Hrrstettung
der Maschine. Eine wiffrnschaftliche Commission,

vermessung, A. D. Bache, dem Secretär des Smith- !
son'schen Jnstitutes, Jos. Henry und dem Major ^
vom Geniecorps, I. L. Woodruff, hat mehreren i
Vrrsuchen beigewobnt, die mit dem Modelle der !

eine Geldvrrwilligimg empfohlen, damit Wrsuche

sckeinlich hält. Das Modell besteht aus vrci hohlen
Cylindern von India Rubber, die mit Wisserstoff-
! Gas gefüllt wurden; diese Cylinder laufrn an
! beiden Enden in eine Halbkugel aus. Die Cylinder j
' find von verschiedener Länge, aber zirmlich gleichem !

wählen am 13. Juli zu Rennerod, Montabaur
Limburg, Nastätten, Königstein und Wiesbaden
die Höchstbesteuerten Gewerbtreibenden am 15.
Juli zu Limburg zur ersten Kammer.

Hanau, 24. Juni. Die vereiuigten Vor-
stände der hiesigen Sängervereine haben gestern
Abend beschlosscn, das projectirte Sängerfest
nicht abzuhalten, nachdem Seitens dcr Regie-
rung in Folge „allerhöchsten Beschlusses" das
AuShängen schwarzrothgoldener Fahnen ver-
boten ist.

Berlin, 24. Juni, Abends. Die Nordd.
Allg. Ztg. dementirt die Angaben schleswig-
holsteinischer Blätter, nach welchen die Sen-
dung deS Prinzen Hohenlohc eine Wahlagita-
tion, Petitionen wegen Entfernung des Augu-
stenburgers oder Vorberejtungen zur Abtretung
Nordschleswigs an Dänemark bezweckcn sollte,
uud fügt hinzu: Wir sind überzeugt, die
Staatsregierung wird sich in dem Bestreben,
den beiden Nationalitäten der Herzogthümer
gerecht zu sein, beide vor gegenseitiger Be-
drückung zu schützen, durch Verdächtigungen
nicht bcirren lassen.

Wien, 23. Juni. Das Abendblatt der „N.
Fr Pr." meldet, daß der Kaiser das Demis-
sionsgesuch Schmerling's (?) und Plener's nicht
angenommen habe. — Ein Artikel des Bot-
schafters, welcher sich in heftigen Necrimina-
tionen gegen die Führer des Abgeordneten-
hauses ergeht, weil sie versucht haben „daS
Ministerium von dem hohen Felsen der Macht
in die Tiefe des Privatlebens zu stürzen", scheint
dicse Mittheilung zu bestätigen.

Wien, 24. Juni. Gerüchtsweise verlautet,
die in den letzten Wochen zwischen den euro-
päischen Cabinctten stattgchabten Verhandlungen
wegen einer umfassenden HeereSreduction hätten
eine bestimmtere Form angenommen.

Karlsbad, 21. Juni. Heute Abend nach
9 Uhr traf der König von Preußen, von einem
zahlreichen Gefolge bcgleitet, hier ein. Morgen
Nachmittag trifft der Ministerpräsident v. Bis-
marck mit seiner gesammteu Kanzlei hier ein.

Aus Mecklenburg - Schwerin, 21.
Juni. Die Rostocker Bürgerschaft ist in großer
Aufregung. Jn erster Linie richtct sich dieselbe
natürlich gegen den begangenen Rechtsbruch,
in zweiter aber auch gegen die Ausführung
der Execution und die übereilte Unterwersung.
Die Bürgerschaft hat auch in ihren beiden
Quartiercn einstimmig das Verhalten des Nathes
in energischer Weise verurtheilt.

F r a n k r e i ch.

Paris, 23. Juni. Die „France" theilt
das Programm des Ministeriums O'Donnell
mit; dasselbe besteht in solgenden Punktcw:
Wiedereinsetzung des nach den Aprilereignissen
aufgclösten Municipalrathes von Madrid; Er-
nennung des Herzogs v. Famancas zum Bür-
gcrmeister von Madrid; Wiedereinsetzung des
unter Narvaez abgesetzten Madrider Universi-
tätSsecretärs Montalvan; Generalamnestie für
die Presse; Ausdehnung des Wahlrechts; pro-
vinzweise Wahlen statt districtsweiser; Aner-
kennung des KönigreichS Jtalien. — Die „Opi-
nion nationale" hat eine Verwarnung erhalten,

scgel versehen, daS als Steuerruder dieut. Unter
dem Floß hängt der Tragkorb oder das Fahrzeug
so, daß der Mittelpunkt der Sckwere von der Mitte
nack beiden Enden hin geweckselt werden kann, so

vorderen Gnde aufwärts oder abwärts gericktet in
der Luft sckwimmxn. Die Steigkraft des BallonS
ist eine senkrechte und eine wagrechte; die letztere
treibt den Ballon gegen «ine Luftströmung hori-

den gewöhnlichen Montgolfieren aufwärts treibt.
In ziemlick ruhiger Atmosphäre könnte ein solckes
Luftschiff vielleickt nack belicbigen Richtungen ge-
lenkt werden.

Der Tag der Enthüllung deS Arnvt-Denk-
mals in Bonn ist auf den 29. Iuli festgesetzt
worbrn.
loading ...