Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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bestellt worden; Misiouri hat stch eine neue
Verfasiung gegcben. Zwei Hauptern des Auf-
standes, Bcnjamin und Brcckenridge, soll es
gelungett sein, außer Landes zu entkommen.
Der Kriegsminister Stanton hat einen.Bericht
verösfentlicht, nach welchem das Unionistcnheer
während des Bürgerkriegcs 325,OlX) Todte und
1,100,000 Verwundete zählte.

Deutschland

Karlsruhe, 25. Juni. Die von der gr.
Direction der Verkehrsanstalten neuerdings ge-
troffene Anordnung, wornach die Hin- und
Rückfahrtsbillette 1. u. 2. Classe vom 1. Juli
bis lctzten September zur Fahrt in den Tchnell-
und Curierzügen nicht mehr berechtigen, hat
das allgemeinste Mißfallen erregt. Man war
einer Erweilerung der Einrichtung bezüglich
der Nückfahrtsbillette gewärtig, wie solche viel-
fach in den Nachbarstaaten besteht, statt desien
bringt man uns eine Beschränkuug. Wir wollen
uns in eine weitschichtige Besprechung dieser
Angelegenheit nicht einlassen, vermögen aber
die angeführte „Belastung der Schnellzüge"
als einen durchschlagenden Grund nicht anzu-
erkennen, wcil wir von dem Betriebsdienst ver-
langen, daß cr sich dem Jnteresie des Publi-
cums unterordnet und nicht umgekehrt. Ueber-
haupt wären manche Schäden unseres Bahn-
betriebs aus der einen Erkcnntniß zu kuriren,
daß die Verwaltung um deS Publicums Willen
da ist, und nicht dicses um jener Willen. Es
ift allemal vom Uebcl, wenn das Publicum
von der Bahnverwaltung r*giert wird.

(Bad. Lztg.)

Stuttgart, 27. Zuni. Die 2. Kammer
hat heute das Eisenbahngesetz nach dem Negie-
rungsentwurf mit allen gcgcn 2 Stimmen
(v. Mehring und Tafel) angenommen.

Die „Deutsche Wehrzeitung" enthält eine im
Namen des Officiertages abgefaßte Ansprache
des RedactionsausschusseS an das deutiche Volk
in Betreff der Wehrfrage, in welcher geiagt

Ziel eines^edlen Lebens den Tod preist, für Edre. Frei-
heit, Ruhnr ^nnd Gcöße des Batev^andrs Die ^ufam-

er zu irgend rinem großen Magazin, kauft für
8—900 Francs Seide pder Tuche und bestellt die
Zusendung mit quittirter Rechnung pünktlich zu ber
und drr Stunde in sein Hotel. Kurz vor dieser
Stunde erscheint er selber im Hotel und befiehlt
sofortige Zulaffung des Böten. Dieser kommt
pünktlich, -ört überall das hochste Lob des vor-
nehmen Herrn und begibt sich auf dessen Zimmer.
Mit vieler Grazie wird er empsangen, — eS be-
findet fich Niemand sonst im Zimmer — und der
Herr äußert seine höchste Zufriedruheit mit den
Waaren. „Bilte," spricht rr dann, »folgen Sie
mir, ich werde Sie brzahlen und nicht vergeffen,
Jhren Weg zu vergüteu." Der erfreute Bote folgt
durch mebrcre Zimmer; endlich zieht der Herr
einen Schlüssel hervor, um seinen Secretär auf--
zuschlirßrn; — vergeblich, der Scklüffel will nicht
schließen. „Ach," ruft er, „ich habe den Schlüssel
im Schlafrock stccken laffen, entschuldigen Sie einen
Moment" — und er geht, den Schlüffel zu holen.
Natürlich kommt er nicht wieder und weiß seinen

den sämmtlichen Waaren verschwundeu ist. Sollten
dte Herren auf ihren Kunstrrisen auch andere S^ädte

Wunsch ist eS, den wir den Freunden unjcres StrebenS,
mit dem Danke für ihre Hilfe, zurückgeben, uud nebeu
ihm noch eiue Mah n un g. Wer wahrhaft und gründ-

biete sv gut wie nichls tbun. Wir können nur anregen,
nicht schaffen. Das Volk aber nnd unsere Gesinnungs-
grnoffen in dcn bürgerlichen Kreisen. sie^ sind^ bnufcn

Oefterreiehifche Monarchie.

Venedig, 20. Juni. Ein bübisches Atten-
tat wurde gegen den Podesta von Venedig,
Grafen Bembo, verübt. Es wurde nämlich eine
große Pctarde in deffen Privatgondel gelegt.
Wahrscheinlich hofften die Bösewichter zur sel-
ben Zeit den Podesta selbst in die Gondel steigen
und Schaden nchmen zu schcn, zum Glück aber
explodirte das Projcctil zu früh, und wurde so
bloß die Gondel zcrtrümmert. Es ist dies übri-
gens bereits das zweite derartige Attcntat gegen
den Podesta Grafen Bembo.

C' n g l a tt V

London, 23. Juni. Das Heranrücken der
Cholera gegen Europa — siegrassirt in ihrer
indischen Heimath in ungcwöhnlichem Grad,
uno herrscht nicht bloß in Aegypten, wie ge-
meldet, fondern auch, und zwar sehr heftig, in
Arabien, besonders in Mekka und Medina und
längs der Pilgerstraße nach dicsen heiligen Stät-
ten — wird in der Londoner Preffe mit Be-
sorgniß betrachtet; namentlich bei dem, trotz
dcs großen neuen Abzugcanals wieder sehr eckel-
haft gewordenen Zustand der Themse.

Nencste Nachrichten.

Newyork, 1S. Zuni, Nachmittags. Die
in Monreo garnisonirenden schwarzcn Truppen
weigcrten sich nach Texas zu gehen, u. drohten,
auf ihre Officiere zu fchießen; stc wurden jedoch
entwaffnet, und eS wurde Ordre nach City
Point gesandt, den Schwarzen keine Waffen
mehr zu geben. — Gold 145^; Wcchsclcurs
158^/,; Bonds 102^/g; Baumwolle 42, fcst.

Wien, 27. Juni. Die ganze Ministercrisis
ist durch die ungariscben Altconservativen ver-
anlaßt, welche einen Dualismus der Regierung
anstreben. — Gerüchtmeife wird von der Auf-
hebung der siebenbürgischen und croatischen Hof-
kanzlei gesprochen, weil eine Wiedervereinigung
Siebenbürgens und Croatiens mit Ungarn m
Aussicht stehe. Erzherzog Stefan wurde wegeu
Wiederübernahme des Palatinats hicrherberufen.
Sämmtliche abgetretene Minister, mit AnSnahme
Schmerling's, sollen provisorisch bis zum Schluß
der Reichsrathsseffion fortfunctioniren.

Wien, 27. Juni. Das Gesammtministerium
soll heute feine Demission gegeben haben, Graf
Mensdorf für Erzherzog Rainer zum Minifter-
präsident designirt sein; v. Plener (uach An-
dcren Mecsery und Burger) bteiben. — Nach
einem Tclegramme des „Fr. I." verbleiben nur
v. Mensdorff und Burger im Ministerium.

mit ihrer Gegenwart beehren, so ist hiemit das
Publikum «vertirt.

Antwerpen, 23. Juui. Gestern Abend gegen
8 Uhr fand auf dem Schiffe Gesina mit 311 Fäs-
sern Naphtha, für Leer bestimmt, eine furchtbare
Erploston statt. Wenige Augenblicke fpäter war
das Sckiff in dicke Rauchwolkeu gehüllt, dem bald
häuserhohe Klammen folgten. Der Lanal hatte
nur einen halbcn Fuß Wasser, uud biS zur Fluth
dauerte eS uoch einige Stunden, eS kosinten deß-

Gefahr, daß alle im Canal befindlichen 27 Sckiffe,

Feuer um Mitternacht, als die Fluth acht Fuß
Waffer gebracht hatte, auf acht Fahrzeuge concen-
trirt blieb, welche mehr oder weniger beschabigt

Wr'en, 27. Juni, Abends. Die „Wiener
Abendpost berichtet, dcr Kaiser habe dem Erz-
herzog Raincr auf deffen Bitte einen längeren
Urlaub crtheilt und den Grafen v. Mensdorff
mit dem Prästdium des Ministerraths betraut,
ferner dcn ungarischen Hofkanzler Zichy'und
den Minister Nadasdy auf ihre Bitte, dcn
Erstcren unter Vorbehalt ferncrer Verwendung
im Staatsdienste, den Letzteren mit dem Aus-
druck voller Anerkennung für die geleisteten aus-
gezeichneten Dienste, ihrer Posten enthoben und
den Gr. v. Maylath zum ungar Hofkanzler er-
nannt, der heute bereits seinen Diensteid abge-
legt hat. — Weiter meldet die „Wiener Abend-
post": Die internationale Enquete-Commission
hat für jetzt ihre Arbeiten unterbrochen, wird
abcr ihre Thätigkeit in dcn Herbstmonaten
wieder aufnehmen. Die Zwischenzeit soll zur
Vcrvollständigung des Materials benützt werden.

Aus Baden. Durch Allerhöchste Ordre
wird Oberlieutenant v. Porbeck im Festungs-
Artilleriebataillon zur Artilleriedirection der
Bundcsfestung Rastatt befehligt. — Außcr der
Wanderversammlung der deutschen Schulmänner
und Philologen wird in diesem Herbste auch
die Zusammenkunft der süddeutschen Apotheker,
welche im vorigen Jahre in Wiesbaden abge-
halten wurde, in Heivelberg stattfinden.

* Heidelberg, 25. ^uni. Eine an das großherz.

Karlsruhe, 25. Junl. „Tristan und Jsolde"
von Richard Wagner lst durch die Aufführung,
welche daS Werk nach so vielfachen Versuchen in
KarlSruhe, Weimar uud Wiem, endlick durch die
Aufwendung der außerordentlichsten Kräste und
Gelbmittel in München gefunden hat, anfs Neue
in den Antheil des Publikums gerückt worden. ES
wird daher erwünscht sein, zu erfahren. daß die
Möglichkett einer Aufführung auf unserm Hof-
theater neuerdingS in Ausficht genommen ist. Dem
Vernehmen nach ist Hr. Director Devrient mit dem
Schnorr'scheu Ehrpaar wegen eineS Gastspiels tn
den Hauptpartteeu des Werkes in ünterhandlung
getreten. (Karlsr. Z.)

(Treulos, aber menschenfreund lich.) Wie
die „Krak. Ztg." berichtet, traf dieser Tage eine
Handarbeiterjn ihren Geliebten gemüthlich mit eincr
andern Dame am Arme, an den Mern der Weichsel
spazteren geheub. Jm Sckmerz über seine Untreue
stürzte fie sich in den Fluß. Der ungetreue Lieb-
haber hatte aber doch noch so viel Herz für die
Verlaffene, daß er fie aus den Wrüen rettetc und
in Sicherheit brachte.
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