Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 7.1932

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Fabrizierte Reihenwohnungen für landwirtschaftliche Cooperative mit automatischem Betrieb. System Mullhall, San Diego County Cal. Wand
und Decken: Kabe Kieseiguhr Kompositionsplatten. Architekt Richard J. Neutra, Los Angeles

Logements en alignement constitue.s par des elements fabriques en usine, destines ä des societes cooperatives agricoles ä exploitation auto-
matisee. Systeme Mullhall, San Diego County, Cal. Les murs et les platonds sont constitues par des panneaux combinables „Kabe" ä base
de kieselgur

Fabricated Rowdwelling for an agricultural Cooperative, San Diego Cal.

Die industriell hergestellte Wohnung in U.S.Ä.
Typisieru ngssch wierig keiten

R. J. NEUTRA

Jede Wirtschaftskrise der paleotechnischen Epoche fand
ihre Ratgeber, die Rückkehr zu primitiveren Arbeitsweisen
empfahlen: „damit mehr Hände beschäftigt würden". Die
Industrialisierung in U.S.A. ist zu weit fortgeschritten, als
daß solcher Rat nicht sogleich seine mangelnde Stichhaltig-
keit dartun würde. Eine Lösung liegt offenkundig nicht in
der Preisgabe irgendwelcher Errungenschaften der Er-
zeugung: sie ergibt sich natürlich aus besserer Verteilung.
Kapitalistische Sprecher sehen die Möglichkeit lebhaften
Absatzes in der Preissenkung auf dem offenen Markt, der
erweitert werden soll. Tatsächlich sind breite industrielle
Gebiete auch in U.S.A. noch beträchtlicher Intensivierung
und Kostenermäßigung fähig. Die Art und Weise der Be-
hausung von 70 v. H. der Bevölkerung ist das imposanteste
dieser unerschlossenen Gebiete.

1929 wurden 8 1 206 000 000 in Kleinhaus-Wohnungen
angelegt, die kaum der Kaufkraft eines Drittels der ameri-
kanischen Verbraucher entsprachen. Die Kosten der ge-
samten gewaltigen Bautätigkeit für Zwecke der Fabrikation
und des „Geschäfts" waren um 70 Millionen Dollar ge-
ringer als die obige Ziffer, obgleich in dieser Hinsicht
überall höchst unvernünftig überbaut wurde*).

*) Der Verfasser hat ermittelt, daß es in Los Angeles etwa fünfmal
mehr Grundstücke gibt, die für „Geschäftsbauten" zoniert sind, als die
Region die dafür 1960 benötigt würde. Auch dann, wenn man, wie
hier üblich, als ein berechtigtes Verhältnis einen halben Fuß Geschäfts-
frontlänge auf den Bewohner annähme. Die Gründe für diesen Zu-
stand sind interessant, aber außerhalb des Rahmens der gegen-
wärtigen Erörterung.

Hieraus ergibt sich die Marktbedeutung des Wohnhauses
für die beschäftigungslose Industrie. Eine jährliche innere
Aufnahmefähigkeit für 3 Milliarden Dollar an Lieferungs-
werten ist gegeben, wenn man die Masse der Wohnungs-
nutzer erfassen kann. Das flache Land spielt eine wichtige
Rolle dabei, ebenso das Ineinanderwachsen von Stadt und
Land auf Grund der vorhandenen Verkehrsmotorisierung
und der Automatisierung auch der kleinsten Landwirt-
schaft, die bevorsteht. (Vgl. die obige Abbildung.)

Verblüffende Preisermäßigungen scheinen im industriell
hergestellten Kleinhausbau möglich, um auch die restlichen
zwei Drittel der Bevölkerung zu erfassen. Sie sind in-
genieurmäßig und produktionstechnisch fürs erste so gut
wie gelöst und, richtig begonnen, können sie sich auch
weiterhin aus der bekannten Beschleunigungsrate: Tech-
nische Verbesserungen — Absatzerweiterung — Minde-
rung der Gestehungskosten — ergeben. Die Schwierig-
keit ist jedoch weniger eine materielle auf seiten der In-
dustrie als eine psychologisch-ideele auf seiten der Ver-
braucher.

Technische Akzessorien aller Art werden in U.S.A. be-
reitwilligst von den Haushalten aufgenommen, noch nicht
aber eine vollkommen durchgängige Rationalisierung des
Hauses unter Hintansetzung individualistisch-formaler Ge-
wohnheiten. Ohne diesen entscheidenden Schritt jedoch ist
die industrielle Großherstellung kein versprechendes
Unternehmen, bleibt zögernd und benötigt ais Weg-

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