Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 7.1932

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Arbeiten an der
Kerschensteiner-Gewerbeschule

an der Liebherrstraße, München
Direktor Max Wiederanders

Ouvrages provenant de l'ecole artisanale Kerschen-
steiner Munich

Products of the Kerschensteiner-Gewerbeschule,
Munich

Teedose, Ulmenmaser und Schwedische Birke,
Hans Knöpfle 1930/31

BoTte ä the, ronce d'orme et bouleau de Suede
Tea box elm streaked and Swedish birch

Aufgabe der Schule (und zwar jeder Art von Schule) ist
die Erziehung zum „Menschen". Wobei in der Fach- oder
Berufsschule „der Beruf" eben der Kreis wird, in dem sich
„Menschentum" auswirkt. Daß die Berufsschule es ebenso
leichter wie schwerer hat, heute diese Aufgabe zu er-
füllen, wird klar. Leichter: sie hat am „Werk" den unbe-
grifflich-tatsächlichen, Wochen und Monate Arbeit bean-
spruchenden Gegenstand. An ihm müht sie sich, für ihn
müssen Opfer der verschiedensten Art gebracht werden.
Dies bringt den Vorteil der allmählichen Einwirkung über
das Tun hinweg ins Unbewußte, statt durch Wissen und
begrifflichen Stoff ins Bewußte. Schwerer: weil eine Umwelt
auf Schritt und Tritt Gegensatz ist, weil das Außen, für den

Lernenden Wahrgenommene in Widerspruch steht zu dem,
was die Schule will und fordert. Also ein Sichtbarwerden
des Gegensatzes, optisch und handgreiflich wahrnehmbar,
einwandfrei feststellbar.

So ist alle Arbeit an unserer Schule nur auf solche Er-
ziehung eingestellt: das Ziel ist der sittlich widerstands-
fähige Mensch. Diesem werden nach Fähigkeit und Mög-
lichkeit (wirtschaftlich und anlagegemäß) Ertüchtigung, Er-
ziehung zur Pünktlichkeit, Sauberkeit, Ordnungsliebe, Sorg-
falt, Ausdauer, Geduld, Opferbereitschaft an Zeit und
Geld, Fachkenntnisse, Mittel und Methoden technischer und
wirtschaftlicher Art hinzugefügt als Hilfen für die Erfüllung
des Lebens am „Werk". So wird z. B. ein Fachgebiet wie

Apothekenschrank, Rüsternmaser, Theodor Lüffe 1930/31

Armoire ä pharmacie, en ronce d'orme
Cupboard for drugs, elm streaked

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