Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 7.1932

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Notizen

von einer Reise in Griechenland

HEINRICH LAUTERBACH
I.

Mit der Untergrundbahn erreicht man, von Piräus kommend, das Zentrum
Athens, den Homonia-Platz, Athens Potsdamer Platz. Eine der Radialstraßen
führt auf die Akropolis zu. über dem Straßengewirr steht fern und zart die
Silhouette des Parthenon. — Die Straße des Äoius läuft sich tot in den Slums
am Fuße des Akropolisfelsens. Auf einem Umweg gelangt man hinauf zu
den Propyläen und auf die Plattform der heiligen Burg. Fremd und fern,
fast abweisend, steht dort der Parthenon in der überklaren wunderbaren
Luft. Fast durchsichtig, selbstleuchtend wirkt der goldene Stein; Reflexlichter
heben die Schatten auf. Hoch hinaufgehoben in den Himmel steht der
Tempel über dem funkelnden Meer der Stadt; die kräftigen, klaren und
großen Linien des Hymettos und Pentelikon umschließen in weitem Bogen
das Tal, „die heilige Flur von Athen". Fern glänzt das Meer mit den Inseln
Salamis, Ägina.

Alle Einzelheiten treten weit zurück: gewaltig wirkt der Tempel, das Symbol
festgegründeten, erdverhafteten Seins. Hier ist nichts Dunkeles, alles ist hell,
alles strahlt im Licht.

II.

Athen und Piräus sind heute fast zu einer Stadt zusammengewachsen. Man
schätzt über 700 000 Einwohner. Von den griechischen Flüchtlingen aus Klein-
asien wurden 1922 an 200 000 in Athen und Piräus angesiedelt. Ganze Stadt-
teile bestehen noch heute aus Baracken. Im übrigen überwiegt das ein- und
zweigeschossige Einfamilienhaus. Die Hauptverkehrsstraßen zeigen Asphalt-
fahrbahn neben z.T. unangelegten Bürgersteigen. Die Wohnstraßen sind
meist ganz ungepflastert. Athen erhält jetzt sehr gutes Wasser aus einer
Talsperre des 60 km entfernten Marathon. — Auch die leistungsfähigste Kom-
mune der Welt könnte all die Aufgaben, die das plötzliche gewaltige An-
wachsen der Stadt verursachten, nicht so schnell bewältigen. Es wird viel gebaut.
Vom Lykabettos aus fielen mir verschiedene Schulgebäude im Stadtbild auf.
Ich besuchte den Architekten Professor Kriesis von der Technischen Hochschule
Athen,, der mir in liebenswürdigster Weise seine im Bau befindlichen Univer-
sitätsinstitute und eine sehr schöne von ihm errichtete Gewerbeschule, mit Foto: Lauterbach,
allen modernen Einrichtungen versehen, zeigte. Leider konnte ich keine Fotos Frauenfigur des 6. Jahrhunderts aus dem

Akropolismuseum. Gefunden im Perserschutt
am Erechtheion

Statue du femme, du 6° siede, au Musee
de l'Acropole Retrouvee dans les decom-
bres de i'ere perse, au pied de l'Erech-
theion

Sculpture of a woman, 6tfi Century, now at
the Acropolis Museum, found in the Persian
rubbish near the Erechtheion

dieser interessanten Gebäude erhalten. — Das Unterrichts-
ministerium entfaltet eine sehr rege Bautätigkeit. Ich hatte
Gelegenheit, einige Schulen, z. T. noch im Bau, zu sehen.
Die verschiedenen Projekte beweisen, mit welcher Ziel-
sicherheit und Energie der Schulbau betrieben wird. —
Die normale Volksschule enthält 6 Klassen und eine offene,
überdeckte Turnhalle. Die auf der Volksschule aufbauen-
den höheren Schulen, Gymnasium und Realgymnasium,
enthalten gleichfalls 6 Klassen sowie Klassen für den natur-
wissenschaftlichen Unterricht. Wie die Pläne z. B. der Archi-
tekten Panagiotakos und Despotopoulos zeigen, werden
zuweilen Volksschule und Gymnasium mit gemeinsamem
Festsaal zu einer Baugruppe zusammengefaßt. Es gibt
auch eine deutsche Schule in Athen, die der Architekt
Diamantopoulos gemeinsam mit Bensei - Hamburg er-
Foto : Lauterbach baut hat. Mitarbeiter war der seither in Athen ansässige

Akropolis von der Straße des Äolus aus gesehen . . . , .. . . _ ■- ■ ■ ■ i i l x-

L'Acropole, vue de la rue de rEoie deutsche Architekt Gustav Eglau, welcher heute Lehrer für

The Acropolis as seen from the Eaolus road Innenausbau an der von Kriesis errichteten Gewerbeschule

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