Die Form: Zeitschrift für gestaltende Arbeit — 7.1932

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1 cm
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Links: Balance- und Festigkeitsstudie aus Blech. Kleiner Fuß trägt einen

hohen Aufbau (40 cm). Winzige Verbindungspunkte der flachen und

gedrehten Formen. Aus einem Stück, ohne Verschnitt

Rechts: Gleichgewichtsstudie in Blech. Gleichgewicht hängt von den

sehr fein differenzierten, empfindlichen Eckbiegungen ab. Aus einem

Stück. Kleiner Fuß in Form einer flachen Kante trägt den 25 cm hohen

Aufbau

A gauche: Essai d'equilibrage et de stabilite execute avec un morceau
de tele. Petit socle avec Superstructure tres elevee (40 cm). Joints
intimes entre les parties plates et les parties tortiHees. Faites en une
seule piece, sans coupures

A droite: Essai d'equilibrage, avec un morceau de töle. L'equilibre
depend de la forme judicieusement choisie des angles. En une seule
piece. Un petit socle forme de deux branches courbees en un angle
droit porte la superstructure, haute de 25 cm

To the left: Sheet-iron study of balance and solidness. A high con-
struetion (40 cm) on a small stand. Extremely small connecting points
between the flat and the tweisted forms. Made of one piece, no chips

To the right: Sheet-iron study of balance. The balance is regulated
by the very differentiated, delicate corner bents. A stand in the shape
of a flat narrow ledge Supports the construetion of 25 cm in height

Spitzen und Handwebereien von Otto Lange,
Staatliche Kunstschule Plauen i.V.

WILL GROHMANN

Es dürfte kein Geheimnis sein, daß die Spitzen-
industrie infolge der starken Veränderung in Mode
und Geschmack arg darniederliegt. Die wirtschaft-
lichen Auswirkungen, besonders in Sachsen, sind
katastrophal, zumal auch die Gardinenindustrie den
veränderten Verhältnissen, die sich durch die neue
Bau- und Raumkunst ergaben, in keiner Weise Rech-
nung trug. Man war in einer schlechten Tradition
seit Jahrzehnten erstarrt, hatte außerdem schwer
gegen die ausländische Konkurrenz, die mit moder-
neren Maschinen arbeitet, und gegen Zollschranken
in allen Ausfuhrländern der Vorkriegszeit zu kämp-
fen. Es ist noch nicht lange her, daß man sich zu
einer Fühlungnahme mit zeitgemäßeren Künstlern
aufraffte, um wenigstens künstlerisch das Versäumte
aufzuholen, durch die künstlerische Qualität wieder
konkurrenzfähig zu werden. Technisch waren die
Neuerungen nur unwesentlich, hier handelte es sich
höchstens um die Frage der Anschaffung kostspie-
liger, aber rentabler Maschinen.

Seit drei Jahren versucht Otto Lange an der Staat-
lichen Kunstschule in Plauen i. V. durch den Entwurf
und die Ausführung vorbildlicher Spitzen ein besse-
res Niveau zu schaffen. Die Abbildungen zeigen
Maschinen-Tüllspitzen (also Spitzen, bei denen das
Grundgewebe stehen bleibt und ausgeschnitten
wird), Maschinen-Ätzspitzen (solche, bei denen der
Grund aus Pflanzenfaser nach Fertigstellung durch
eine Lauge herausgeätzt wird) und Hand-Klöppel-
spitzen, die durch überkreuzen und Verflechten der
Fäden entstehen. Die Tüllspitze zeigt eine geschickte
Verschränkung geometrischer unregelmäßiger For-

men in regelmäßiger Wiederkehr. Die verschiedene
Dichtigkeit der Fadenführung ergibt einen größeren Gobelin

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