Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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kS aber, in der BorauSfttzung, alle katholischen
Regierungen ohne AuSnahme würden den vor-
liegcnden AuSsluß dcr geistlichen Machwollkom-
meithcit alS eine beklagenSwerthe (lloploradle)
Verkennung dcr znr unwidcrruflichen Geltung
gelangten großen politischen und sozialen Prin-
zipien bcurtheilen — und der römische Stnhl
selbst werde darauf verzichten, Sätzen, die so-
gar in der Thcorie conlrovcrs, einen practischen
Nachdruck geben zu wollcn — zunachst an der
Hoffnung festhaltc, daß es gclingen wcrde, ohne
Gesährdung dcr Gewissen sowie deS staatlichen
und kirchlichen Friedens auch die gegcnwärtige
CristS zu iderwinocn, und daß in jedem Fallc
der Kaiscr Napoleon nicht aushören werde, dem
rvmijchen Stuhl u»d der römischen Kirche seine
hingedende und uncigennützige Untcrftützung zu
leihen.

Nach einem Bremer Blatt hat eine Rcihe von
Vertretcrn von Gewerbcn in Kremen de» An-
schluß Bremen« an dcn Zollverein entschicden
gcsordert,

Feldmarschall Frhn v, Wrangel ist vom
Kvnig in den Grafenstand crhoben worden,

Das sranzöflsche Kriegsschiff „Amazone" ist
mit 2<XX> Soldaten an Bvrd auf jeiner Fahrt
von Mcxico nach Frankreich in Havanna an-
gckommen,

Die Königin von Spanien hat 55 neue
Senatoren ernannt.

Z»r Schleswig-Holsreiii'scheii
Lache.

Pic Beleuchtnng in Kiel am Abend des
30, Dcc, war glänzcnd, Die Augnstenburg'sche
Gesiunung sprach sich dabci in Znschristen wie
die solgcndcn auS: „Dein ganzcS Volk steht
zu Dirl" „Ein Geduldigcr ist dcsicr, als ein
Starker," „Rccht ninß doch Rccht bleiben!"
„Wir Ivollcn ihn habcnl"

Wien, 3, Jan, Die „Gen,-Corresp," stellt
aus Grund eineS Kopcnhagcuer BrieseS in
Abrcdc, daß die Ankunst dcS Barons v, Plcfsen
auS PcterSburg mit dcr MinistcrcrisiS zusam-
menhäugc; dcrjclbc sci bcrcits wicdcr abgereist,
Auch dic Nachricht, daß der König die Bcsciti-
gung Bluhme'S und David'S wünsche, sei eine
tendenziöse Erstndnng,

Berlin, 4, Jan. Die „Provinzialcorrc-
spondcnz" jagt: Zur »ollen Gcwähr für die
Besriedigung dcr prcußischen und der deutschcn
Zntrressen in Bctrcff der künftigen Stetlung
SchlcSivig-Holsteins findcn znr Zeit Bcrathun-
gen i» vcrschicdenen GcschäftSbranchen, namcnt-
lich in Bclrcff dcr maritimen, der militärischcn
und der Handelsverhättniffe der Herzvgthümcr
statt.

D e ii t s ch l a n V.

Karlsruhe. Die „KarlSruher Zcitung"
leitet die Mittheilung dcr päpftlichen Eücyclica
mit solgcnden Worlen cin: „Nachstchcnd thcilcn
wir unscrn Lcscrn dic viklbcjprochene Enchclica
mit, worin dic päpstliche Curie sich in vollkom-
men erjchvpfendcr Weisc über di^Stcllung deS
modcrnen Kalhvticismus zu den großen Fragen

Mekivirung dirseS SchriitcS, wic sle dic Nachdarn
auSgehen ließen, wurde abgelehnt, Man hätte «,r
die Marime der Noth „enkwlckeln" können unb sür
den Falt sprack „übcrlegtes Schwetgen mehr als
Wortr".

Die OrganisationSedicte von I8l>3 und 1807
sprechen als erlte Folge deS erwkiterten BefitzeS die
Pflicht au«: ,di- in einer langjäbrigen durck Got-
tes Gnade gksegneten Regiernng gesawmelten Kennt-
niffe nnd Erfahrungen dem neu hinzngekommenen
Land! nützlich zn machen,"

(Schluß folgt.)

* Heidelberg, 2. Zan. Zu Weibnachten hat
Herr P. B eck aikch diksmat wieder die Geburt Jesu
bildlich plastisch dargestellt, und es ist keinc Frage,
daß dlese gklungenr und vorzüglichc Darstellung
die früheren derartlgen Erpofftlonen in jedrr Be-
ziehung weit übcrtrifft. „Krtppe l'c" nannte man
dte früher versuchten kinfachen Schaustellungen für
daS Lhristfest; fi, waren wohl gut gemeint nnd in
ihrer naiven Rohheit, Derbheit und Ptumpheit
auch s- demüthig und tefchciden, auf scenlsche An-
prdnung, anf Pcrspeclive, Deroration und künstle-

auSspricht, welche die menschliche Gesellschaft in
dem 18, Jahrhundert bewcgen. Je weniger die
Probleme, welche, wie den Jndividuen, so den
Staalen und Völkcrn der heutigcn Zeit zur
Bewältigung vorliegen, willkürlich von ihnen
geschaffen flnd, je bestimmter solche auS histo-
rischen und sozialen Entwicklungen hervorgin-
gcn, die daS lebende Geschlecht überkam und
auch dann nicht ablchnen kann, wenn eS fest-
stände, daß die AusgangSpunkte dazu zu ver-
urtheilcn seien, um so einleuchtender wird eS,
daß der von der päpstlichep Politik gewählte
Standpunkl der verdammenden Negation die
Völker Europa's hinweist, zur Lösung ernstrr
und großer Zsitausgaben anderen stttlichen
Kräften sich zuzuwcnden, alS ihnen die Prin-
zipien eines sich versagenden KirchenregimentS
übrig lassen, Der Stäat, diese auch im cano-
nischen Recht, alS in göttlicher Einsctzung be-
stehend, aucrkannte sittliche Ordnung der
menjchlichen Gescllschaft, wird seine Pflicht
erfüllen, wie solche sich für ihn dadurch stAt,
daß die für den Augenblick in Rom zur Herr-
schaft gekommene Schule iatholischer Theologie
einen Vortheil darin zu findcn glaubt, die Er-
süllung der ihrigcn mit wohlseilen Berdam-
mungSsätzcn abzuschließen, Die vielgelästerte
und geschmähte moderne Bildung wird ihrer-
seitS unterdesscn, dem barmherzigen Samariter
vergtcichbar, dcm Bcdürfniß der Mcnschhcit
nnscrer Tage anch da mit aufopsernder Pflicht-
üdnng abzuhclfcn suchen, wo, wic schon zu
Zciten des ErlöserS, Pharijäer und Lcvitcn
vornehm die Opfcr am Wege liegen lassen,
Gcradc im Jnteresse der idealen Ziele aller
Bildung wird dabei daS Bcdaucrn festgehalten
wcrden dürfen, däß stch einc so mächtige Or-
ganlsalion, wic die latholijchc Kirchc, fürdcr
der Milarbcit an dcn Wcrken dcr Civilisation,
wie dcr Hcilung der damit parallel laufenden
Schädcn entzichen will, Gelröstcn wir uns
jcdoch der Hoffnung, datz dic Zeit nicht ferne
sei, welche an die Slclle jolcher hierarchischen
Parteischritte wieder oic lebcndige Arbeit ächt
apostolischcn SinneS trcten lißt."

Karlsruhe, 2, Jan. Die großh. LandeS-
commissäre, bekanntlich nach dcm Vcrwaltungs-
gcsetz Mitgliedcr deS Ministerialcollegiums,
habcn bis jctzt in unrcgelmLßigen Zwischen-
räumcn übcr ihre seitherigen Erfahrungen pcr»
sönlichc» Bericht erstaUet. Dem Vernchmen
nach soll nu» künftig regelmäßig cinmal in
jedem Mvnat cine Gesammtsttzung staktfinden,
an wclcher ncbcn dcn acht ständigcn Collegial-
mitglicdcrn auch die vier Landescommissäre stch
zu dethcitigen HLtten, (S. M.)

Ncustadt a. h. Ht, (Pfalz), 2. Zanüar.
Währcnd der RegierungSpräsisent der Pfalz
dem Predigcr der freien Gemeinde in Mann-
heim, Hrn, Scholl, die Erlaubniß verweigert
hat, Vorträge über Astronomie zu haltcn, hat
das Ministerinm zu Müuchen den Jesuiten
gestattct, 14 Tage lang hier Misstonsübungen
zu halteU, Bcichte zn hören und zwci bis drci
Mal jeden Tag zu predigen rc, Es ist diese
Ertaubniß erthcilt worden gcgcn dcn.Willen
der großcn Mehrzaht der Bürgerschaft, gegen
die auSdrückliche Erklärung deS Bürgermeister-

rlsche Aussührung keinen Anspruch zu machcn.
Dcmungcachtet g-denkrn wtr mit Inniger Luft d-s !
liebcn schönen Krippelc, cs gehört zu den angc- i

Jngkndzeit. Herr Bcck verwcndet auf seine bild- !
lkche Darstellung jcdesmal mehrere Wocken, und s
wir bewundcrten auch vtesmal wieder nlcht nur i
tie teLnischc Tcschicklickkcit und Gcwandthett, son- s
d-rn auch die Phaütaffc, dte portifche B-gabung,
die gemüthltche und liebevollc Aufsaffuikg und Hrn- i
grbung, womit alleS angeordnet und ausgeführt tst, >
Herr Beck crsrclkt dadurch nlcht nur dir Zugrnd, ^
sondrril auch manchen, deffen bemoosteS Haupt :
beurkundrt, daß -r nicht Mthr zur Jugenb gchört. >
Ji rusalem mlt seinem h-ttigen B-rge, dl-Brücke i
üdcr dcn Bach Kidron, B-Ihlehem, Razarcth «nd i
die andcrn Ortsckaften sind nach topographischen
BNdern, deren Gcnauigkclt anerkannt ist, meister- !
haft wiedrrgegeben, cbenfo das wahrhaft kiebllche !
idyllische Proscenium, belcbt von Hcerden und Hir-
ten, drnen der Engel deS Hcrrn die Grburt deS
Heilands verkündet, G-wtß eefreut stch mancher,
wenn rr erfährt, daß dicfts anmuthige Bild btbli-
scher Geschtchte, diese so g-treultche, traulich und

amts und gegen den Wunsch einer großen
Anzahl hiestger Katholiken, welche fotgende
Eingabe an da« BezirkSamt gerichtct haben:
„Dic unterzeichneten Mitglieder der katholischen
Kirchengcmeinde dahtev erklären hicrmit auf die
in hicstger Stadt verbreitete Nachricht über die
Abhallung einer Mtssion durch Geistliche de»
Jesuitenordcns, daß sie mit den längst in der
Geschichte gerichteten Grnndsätzen und Lehren,
sowie mit dem verderblichen Wirken der Jünger
Loyola'S nichtS gemein haben wollen und daß
ste xrinzipiell und in Rückstcht auf die zahl-
reWn gemischtcn Ehen jowie die überwiegende
Beoötkcrung der protestantischen.Confession es
sür cine Calamität bctrachten, wcnn eine solche
hier abgehalten wcrden jollle, Die Unterzeich-
netcn ersuchen deshalb daS königliche BezirkS-
amt, doch dafnr sorgen zu wollcn, daß eine
Mission ferngehaltcn werde, die nur Unheil
bringen Ia»n." (Folgen die Unterschristen.)

(N. F. Z.)

Müuchen, 2. Jan. Es bestäügt sich, daß
der bayensche Episcopat aus Anlaß der Speyerer
Angelegenheit eine maßvoll gehaltene Vorstel-
lung an Se. Maj. den König gertchtet hat.

Z ta l t en

Turin, 26.' Dec. Nach der Encyclica des
Papstes wird man im übrigen Europa von der
Gewohnheit ablasscn müssen, die Jtaltener re-
volultonärer und anarchijcher Bestrebungen zu
beschuldigen, weil sie sich ntcht mit dem römi-
schen Hose aussöhnen. Denn eine Aussöhnung
wird jctzt in Aller Augen als unmöglich er-
scheinen, einem Hose gcgenüber, der so über-
spannte Ansprüche erhcbt und alle Grundsätze
der modernen Gesellschaft leugnet und verdanuüt.
Die Unabhängigkeit der bürgerlichen Gewalt,
die Versöhnung zwischen Katholicismus und den
moderneu Freiheitsioeen sind bloßer Jrrthum,
daS ist es, was man in Rom unter dem Fort-
schritt versteht. Freilich erinnert man sich noch
in Ztalieu, daß einst vom selbigen heiligen
Stuhle herab, aus dem Munde dessclben PapfteS
eine andere Sprache sich vernehmen ließ, aber
damals regicrte in Rom, wie neulich Veuillot
selbst gesagt haben soll, Pio Nono der Erste,
und jetzt spricht unbeschadet der päpstlichen Un-
fehlbarkeit Pio Nono der Zweite. Die Ency-
clica ist im gegenwärtigen Augenblicke eine
höchst wichtige Kundgcbung, durch welche die
römische Frage vereinfacht und ihrer Lösung
näher geführt wird. Durch dic Encyclica ift
an die Adresse der Tuilerien vom päpstlicheH
Stuhle ein entschiedencs IXoli me tnnKsre ge-
richtet; Napolcon hat kein Necht, sich in die
Angelegenheiten des Vatikan zu mischen, und
der Papst verkündigt, daß er, statt von fremden
Regierungen Rathschläge anzunehmen, selbst es
sei, der die Herrscher der Welt inspirire. Wenn
die Ansprüche der Encyclica erfüllt werden
könnten, so wäre der Papft nicht mehr das
Haupt des Katholicismus, er wäre der Be-
herrscher der Könige und Kaiser. Jn merk-
würdigem Gegensatze zu dcr kühnen Sprache
der Encyclica steht die Besorgniß, das Bcispiel
des Kardinals Andrea möchte im heiligen Col-
legium ansteckend wirken. Thatsache ist, daß

ansckaulich unö vorgeführte geweihre Stätte hetlt-
ger Ueberlieferungen, dtcse liebltche Bühne der G e-

h. Dreikönigabend, noch einmal zu sehen unS
gegönnk sein wird.

(Wttterung.) Während in den letzten Tagen
am Mittelrhein eine Kälte von 4 bis 6 Grad R.
her'rschte, erfreute sich der Norden Europa'S einer
milden Temperatur. An St. PetrrSburg hatte
man am 30. December 3 Grad Wärme, in Stock-
holm sogar 5 Grad; an demselben Tage zu Bcrlin
3 Grad Kälte und tn Ratibor Grad Kälte.
Am 29. December war in MoSkau V- Grad Kälte.

Die Flensburgrr „Nordd. Ztg." wünscht, daß
bei Herstellung des Definitivums die Herzogthümer
SchleSwig-Holstein alS ein Großherzogthum
constitutrt werden. — Wir dagegen schlagen vor,
solche Jdeen ruhen zu lassen, weil wir glauben,
daß drn Herzogthümern bereitS genug angehängt
worden ist, fie im Gegentheil MancheS loS zu
werden wüuschen müffen. (Hamb. WeSpen )
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