Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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durch die amtlichc» NachweisuugkN, daß die
„Bolkdzeitnug" im letzten Quartal des vorigeu
Jahrs allein 12,000 Abonnenten verlorrn had
Nach dcr „Krcnz-Ztg." wäre oer Haltung oer
„Volks-Ztg." in der schleswiz - holstein'lchen
Frage zu Gunsten des HcrzogS von Augnsten-
bnrg oiejes Ergednitz zuzuschreiben.

Berlin, 18. Jan. (Sitzung deS Abgeord-
ttetenhauses vom 19.) Der Handelsminister
überrcicht einen Gesetzcntwurf bctr. die Heran-
ziehung ausländijcher 8ije»bah»gcjeUjchaste»,
wclche xreutzischc Eiienbahnen übcrnehmen, zur
Eisenbahnstener. Der Entwnrs geht an oie
vereinigten Eommissivnen für Handel und für
Finanzen. — Ferner überreicht der Handels-
minister eine Vorlage, belresseno die Erneuerung
der Zollvcrcinsverlräge, sowie das Protokoll
ncbst Denkschrist, betr. die Nachtragsdestim-
mnngen zum tzreußisch - sranzösijcheu Handels-
vcrtrag. Die Dcnkschrift zur crsten Vorlagc
wird dem Präjidium nachträglich im Lauf des
heutigen Tagcs zugehcn. Die Entwürse gehen
an diejelbcn verciniglen Commissionc». — Der
Minisler entscrnt sich. — Der Präsident lhcilt
mit, daß autzer dem Anlrag deS Abg. Rei-
chensperger und Gen. auch ein Antrag dcr Abg.
Wagener und Gen. aus Erlaß einer Adrcsse an
den König cingcgangen sci. HDer Adreßentwurs
ist in dcm bckannten reactionären Sthle gchal-
ten, im Uebrigcn nur cine Paraphrase der
Thronredc.) Abg. Kosch beantragt, sofort in
dic s-chlußbcrathung im Hausc einzutrelcn.
Abg. Wagcner: Die Adrcsse sei bcautragt,
nicht aus Parteiinteresse, noch mit Aussicht
ans Ersolg, jondern mit Rücksichl aus den Ernst
dcr Siluation und damit nicht die Rede Gra-
bow'S als einzige Antwort aus die Thronrcde
dastche. Er wünsche daher regelmaßige Behand-
lung des AdreßantragS, damit auch die Mino-
rität ihre Ansichten anssprcchcn löune. — Die
Ucbcrweijuiig dcr Aorcßanträge an cine Com-
mission ivird abgelehnt (dasür die Eonservativen
und Ultramontanen) und die Schlnßberathung
angciioinmen. Der Präsident ernennt für die
Schlußbcrathung den Abg. Twestcn zum Re-
fcrentcu, den Abg. Aßmann zum Correfcrcnten.
— ES solgen Wahlprüfungcn. Dic Sitzung
daucrl fort.

Berlin, 20. Zan. Zn der gcstrigen Siz-
zung dcs Abgeordnetenhauses wurde die Wahl
des LandralhS v. Ernsthausen (Moers) zwar
sür giltig erklärt, dagegen aus Aiktrag der
Commijsion auSgcsprochcn, daß dic Ncreinignng
der Candidatur zum Abgcordnetenhause und
des Wahlcommissariats in ciner Person nicht
zuläsjig sei und sich mit dcr Unabhängigkeit
der Wahlen nicht vcrtrage. Eine lebhaste De-
battc cntspann stch bei der Prüsung der Wahl
des Herru von Tettau zum Adgeordnctcn dcs
vicrten Königsberger WahlbezirkS, Kreis Pr:
Eplau. Der Hergang bci jcner Wahl war
nach dem CommissionSbericht folgender: Der
Wahlvorstand wurde gebildet, die Abstiirimung
erfolgte, und nachdem der WahlcommissariuS
gesragt, ob Alle gcstimmt hätten und sich Nie-
mand mehr gemeldet habe, hat er die Wahl
für geschlossen erklärt. Es ivurden 295 Stim-
men abgegebcn, 147 Stimmen lauteten auf den

uns, durch dcn hler gebotcnen Kunslgennß im
höchsten Grade beiriedigt sein werden.

Kaiscr Napolcon III. hattc gcwünfcht, Laß sein
zu Ende dicfcs odcr dcs nächsten Monats crjchcr-
nendcs „Lcben Cäsar's" gleichzcitig mit der fran-
zöslschcn Ausgabe auch in Ueöerfetzungen tn den
wichtlgsten lebcndcn Sprachcn, Dentsch, Englisch
und Ztalienisch, erscheinen solte. Dcr Hofbuch-
händlcr Napolcon's, Plon in Paris, bei wclchcm
dle Originalausgabc crscheint, wandte sich telc-
graphisch wcgen einer d-utschcn Ued-rsetzung an die
Buchhandlungen: Gerold in Wien, Miltler in
Berlin, Sotta in Stuttgart, Bernhard Lauchnitz
und Otto Wigand, deide in Lcipzig. Gerold er-
hiklt die Drpcsche am Abend und fuhr andern
TagS sosort nach Paris. Dlc Unterhandlungcn
dort danerten drci Tagc und wurdcn durch den
Advokatcn dcr Gcsandtschaft, vr. L-Vita, geführt
und zum Abschluß gebracht. Gerold bczahl, an
Plon cin dcdeutcndcS Honorar und crhält dafür
das unbeschräuktc Eigenthum der deutschcn llcbcr-
setzuug; dic von Gerold veranstaltcte deutschc AuS-
gabc ist die ausfchlleßliche Orlginalausgabe für -

Namen v. Tsttan, 147 aus ». Sancken-Zulien-
felde, 1 Zettel trug den Namen von Zauken-
Julienfeldc. Dicse Stimme ivurde für nngiltig
erklärt und in Folge dcssen, da L-timmengleich-
heit vorlag, eine zweile Wahl vorgcnommen.
Zn diejer crhiclt Hr. v. Tettau die Majorität.
Dic Commisjion ist der Ansicht, daß, da eS
unzivcifelhast jei, daß mit der Bezeichnung von
Zauken-Zulienfelde nur Hr. v. Saucken-Julien-
felde, eine in jener Gegend allgemein bekannte
Persönlichkeit, gemeint jein könne, jene für un-
giltig erkiärte Stimme als gillig unb Hr. v.
Saücken ais gcwählt angejehen wcrden mnsse,
weil -r bei cincr Wahl, bei dcr es stch nur
um zwei Personen gehandelt hade, die Majori-
tät von einer Slimme crhalten habe. Die
Stimmc könne nicht für ungiltig angcsehen
wcrden, sondern sic enthalte nur cine uiigcwisjc
aber uiiziveifelhafte Privatanssage (Bravo). Die
Adthcilung beantragt, bie Waht des Hrn. von
Tettau sür ungiltig zu crtlären und gteichzeitig
ausznsprecheii, oaß Hr. ». Saucken in der Bor-
aussctzung dcr Aniiahmc der Wahl binnen 8
Tagen ats Abgevrdncter jenes Kreijes zn er-
klärcn jei. DaS Haus eutschied fich nach län-
gerer Debatte, in welcher Graf Eulenburg und
v. Gottberg den Conimissioiisanlrag bekäiiipslen,
sür Annahme des letzkcren. Dic Waht des
Hrn. v. Tettau ift also sür ungiltig erktärt. —
NLchste Sitzuiig undestimmt.

Bcrli», 21. Zan Zn Betreff dcr Behand-
lung der SchleSwigholsteinischen Vercüie hörl
man, es soüen nur die eigene» holsteinischeu
nnd schleswig'schcn Landcsgcsetze anf jcne Ber-
eine angewendct wcrden. Die österreichische
Depcschc vom Dczember joll dic eiiijchlagendeii
Fragen schr ausführlich bchandeln. Es bestä-
ligt sich, daß die preußische Antwort daranf
noch nicht erlasscn >st. Wegen des Handcts-
vertrages mit Oesterreich sollen noch cinige
nichl sehr wcscntiiche Schwierigkeilcn zn besci-
iigcn sein. Die Nachricht von einer dcabjich-
tigten Zusammenknnfl zwischen dem Herrn v.
BiSmarck und dem Grasen Ültensdorff wird in
unlerrichlelen Kreisen als unbegrüiioct ange-
s-hen.

Bcrli», 21. Jan. Dic „Norddcutsche All-
gcnieine Zeimiig" hört ans jicherer Quellc, daß
das Gerücht von der Bcrlobung der brüischen
Prinzessin Helenc mit dem Erbgrvßherzog oon
Weimar unbegründet sei.

Berlin, 21. Zan. Bon Sciten dcr Libc-
ralen unterbleibt ein Antrag auf Erlaß einer
Adrcsjc. Am Dienstag ftndet die Verhandlmig
statt, ebenso im Herrenhanse. — Prinz Fried-
rich Karl hatte nach jeiner Rückkunst jofort
eine Auoicnz bei dem König. — Die Regie-
rungspräsideiiten sind aiigcwiejen, die Kammcr-
berichic dcr ZeiMugcn zu prüfen.

Altona, 18. Zan. Die in voriger Woche
hier stattgesuiidcnen blutigen Schlägereien haben
verschiedcne heiljainc Bejchräiikungcn der sol-
daten zur Iolge gehadt, unler denen, komisch
genug, auch eine Abjonderung dks preußijchen
und österrcichijchcn MiütärS nach den Stadi-
theilen begrisscn ist, jo daß wir dic Thcorie deS
Dnalismn« hier im Kleincn praklijch ocrwirk-
licht finden.

gc.il; Deutschlant. Dic Uebersetzmig ces franzö- ,
sischen Tcrlcö bcsorgt Profcffor Rictfchl in Bonn, I
welcher sür den Band 8000 Fr. erhält. DaS Wcrk i
umsaßt 3 Bände vnn 40 bls SO Bvgen und cinen ^
Atlas von 30 Karien. Zedcr Bogcn wandert, so- ,
dal« -r gesetzt isi, tn -tnem Eremplar an Prof. !
Rirtschl znr Repision, in eincm andein in die
Eabinetscanzlei deS Kaisers, wo er vom Katscr
stlbst glcichsalls revidlrt und npprobirt und mtt
dcffen llnterschrift vcrsehen nach Wicn zurückwan-
dcrt. Deir Ertrng d>» ganzen W-rkcS bat, wt, di-
„Ostd. Post" berichtet, Napoteon den Armcn ge-
wtdmet. Die deutsche Ausgabc erschcint an dem- !
sclben Tag in Wten, an welchem die französische
tn Parls ausgegedcn wird.

Zn einem Grabhügel auf dem Gute der Mme.
Seyfarth bei Ekateriiioslaw (Rußland) hat man
elncn Schatz gesunden, wclchcr einem Hunnen-
HSnptllng angchörte. Er brsteht au« rinem schwe-
rrn Diadem, ln welcheS rine Amethyst-Kanirc mit !
elncm mannlichen Brnstbllde spätrömischer Ardeit ,
-lngclasscn ist und aus deffen -bri^lm Rande kleine '
I Hirsche dargeftellt sind. Dazu gehören etn dreite«

Jn Flensburg ist nnn auch eine schleswig-
hoisteinische Zolldiicclion gedildet, Seren Gc>
schäftskreis durch eine Berfügung der Eivil-
commissäre vom 12. d. destimmt wvroen ist.

Wien, 21. Jan. Heute Miktag hat bei
der Redaction dcr „Presse" wegen dcs öster-
reichisch - prenßischen Depeschenwechsels eine
HauSdnrchsuchung ftattgefundcn. Es ist eine
Unlerjuchung wegen V-rletzung des AmtSge-
heimnisscs anhängig gemacht.

K r a » k r e i ch

PariS, 20. Jan. Heutc sand die Beerdi-
gung Prouohon's statt und wnrde jeine Lciche
auS dcm Stcrbehause dircct nach dem Fried-
hofe gcbracht. Eine ungeiiicine Mcnschenmenge
hatte sich eingefunden, um ihm das t-tztc Ge-
lcit zu geben. Ein jedenfalls nnabsichtlicher,
aber nnangenehmer Zwijchenfall ftörle den
Trauerzug. Geraoe als der Sarg ans dem
Hause getragcn ivnrde, kani ein Regiment
Gardegrenadiere mit klingendem Spiele von
einer sogcnaniiten militärischen Promeiiade zu-
rück nno nahm den Weg dnrch die Straße, in
wclcher dcr Leichenwagen stand. Die Mcnge
eille der Musik entgege». „Still mit der Musikl
Achtung vor den Todtenl" scholl eS aus Aller
Niund. Die Musik spieile anfäüglich weiter,
allein der Obrist li-ß, jv wie er hörte, um
was cS jich handle, dieselbe schwelgen, und lauk-
io« zvg das Regimenl vorüder. Kurz darauf
kam ein zweitcs Regiment ebcnfalls Iint Mnstk
anmarjchirt. Aberinals jperrte jich vor ihnen
die Straße, n»d noch lauter u»d dringendcr
ertönte der obigc Rus. Anch dieseS Rcgiment
jtellte, ans Gehciß des Obersten, das Spiel
ein. Es wurde» am Grabc mehrere Reden
gehalten.

Z t § l t « u

Turin, 21. Zanuar. Jn der Deputirlen-
kammer legte heule der Finanzmulister die Mo-
dificationell zum Budgel für 1865 vor. Dar-
nach beträgl im ordentlichen Budget das Deficit
171 wtillioneu; der Minister glaubt aber, das-
selbe durch die Gesetze über Cnregistremellt und
Stempel sowie durch das Gesetz über die Re-
organijaliott der Provincialverwaltung aus 121
Millioncn herabbringen zu können. Die außer-
ordenllichen Ausgaben betragen 70 Millionen.
die Einnahmen 25 Millionen, svmit bleibt eine
Dissercnz von 46 Millionen.

D ä n e m a r k

Kopenhagen, 21. Zan. Jm Ausschusse
deö Reichsratys - Votksthings isr zur Küsten-
fahrtsordnung der Antrag gestellt: Lon der
Berechtigung sremder Schiffe bleiben einstweilen
die schleSwig-holsteinischen L-chiffe ausgeschlosscn,
da mit der jetzigen Verwaltung der Herzoglhü-
mer cin Tractat sich nicht verhandeln lasse,
sondern die Anerkennung der politischen Zu-
stände Schleswigholstcinö Seitens der europäi-
schen Großmächte abzuwarten sei. —Der heu-
tigen Berling'schen Zeitung zufolge ist der Le-
gationssecretär Baron Ludwig v. Güldcntrone
zum GeschästSträgcr iu Berlin ernaunt. Nach
Flyveposten hat der bisherige dänische Gesandte

HalSband, schiirckenförmige Armbander, zwci Lrink-

des Kaukasus ihre Kiingen einreiben, um sie vor
Rost zu bewahreu u. s. w. Alle diese Gegenstände
find auS reincin Golde und von merkwürdiger
Arbeit. _

(TodeSurtheil.) Abermals ist tn London,
am 12. d. M., das TodeSurtheil über etnen Deut-
schen, Ferdinand Eduard Köhl, gefällt worden,
welcher der Ermordung seines LandSmannes, Chri-
sttan Fuhrhopp, schuldig befunden wurde. Die
Proceßverhandlungen waren sehr rinfacher Natur,
da die Indicien der Schuld überzeugend vorlagen.

Berlin, 13. Ian. Gestern hatte Frau Llara
Schumann den Unfall, bet rinem Spaziergange
zu fallen und fich dadurch eine Verletzung am Arme
zuzuziehen. Zwar ist dieselbe nicht bedrutend, aber
doch der Art, daß fie eS Frau Schumann unmög-
lich mackt, in vem angekündigten Loncerte zu
spielen.
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