Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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der Krieg daselbst dauert, es wäxe denn einzig,
daß Einer die feste Absicht hatte, dort sogleich
in den Militärdienst zu treten.

D e ri t s ch l n >r d.

Karlsruhe, 2. Febr. Die letzte der in der
Schulfrage angekommenen Deputationen be-
stand nach dem „Schwäb. Merkur" unter An-
deren auö mchreren Mitgliedern der clericalen
Partei unseres Adels. Auch diese Deputation
ist als solcke nicht empfangen worden. Man
täuscht sich übrigens im ultramontanen Kreise
ungemein über die Lage, wenn man durch solche
Mittel die Regierung zn ermüden mcint. Alle
Sympathieen wenden sich verstärkt einem System
zu, dessen Träger für die inneren Fragen ein
Charakter von unantastbarer Lauterkcit und
ungemeiner Beliebtheit im Volke ist, ein Mann
übcrdies, dessen philosophische Milde und Dul-
dung einen ganz besondern Glanz erhält durch
die neuerdings ausgeführten clericalen Hetz-
jagden.

Aus Baden. Die Organisation der inne-
ren Verwaltung, die bei uns seit dem 1. Oct.
v. I. in's Leben getreten ist, findet außerhalb
des Landes vielsach Anerkennung und Bcsprech-
ung. So unterzieht die „Hcss. Ldz." die Ver-
handlungen in der crsten Sitzung des Verwal-
tuugsqcricktshofs einer eingehendcn Würdigung,
die in dem Urtheil resumirt. dcr Verwaltungs-
gerichtshof habe alle vorliegenden Fälle streng
nach dem Gesetz entschieden, aber nicht nach der
pedantischen Regel, sondern nach dem Gcist.
Der Gcist deS Gesctzes aber verlange bcssere,
menschen würdigere Zustände zu schafsen; deShalb
habe der Gerichtshvs in mehreren Heirathsan-
gelcgcnheiten zu Gunsten der Leute entschieden,
die durch cincn ernftlichen Willen, durch sitt-
liche Kraft beweisen, daß sic im Staat mit zu
schaffcn fähig und würdig seien. Jn dieser
Weise sei auch der Eingriff des Staats in die
Rechte der Gemeinde am Platze, weil cr weiter
sieht alS diesc und dcm Einzelnen wieder hilft
gegen die Engherzigkeit des von seinen Grcnz-
pfählcn noch cingeengtcn Spießbürgerthums.
Die Praxis des Verwaltungsgerichthofs werde
in kurzer Zcit auf die Gemeindc-Verwaltung
eincn wohlthätigcn Rückschlag üben; die Bauern
würden cinsehen, daß sie alles Nörgeln an dcm
Recht eines armen Mannes Nichts hilft. Von
Baden werde aber auch eine heilsame Aufrüt-
telung unter die benachbarten Württemberger,
Bayern und Hessen kommen, wo die Starr-
köpfigkeit noch arg dahcim ist.

Kafsel, 1. Febr. Die „Hess. Morgenztg."
bringt folgende Veröffentlichung: VaterlandS-
verein. Jch beabsichtige mit einigcn Freunden
die Gründung eines Vereins behufs Förderung
vatcrländischer Angelegenheiten im Anschluß an
die Vaterlandskasse. Zur vorläufigen Bcsprech-
ung lade ich Diejenigen, welche ihre Thcilnahme
im Allgemeinen bereits zugesagt haben, auf
künftigen Freitag Nachmittag in meine Woh-
nung ergebenst ein. Die Versammlung beginnt
um 3 Uhr und soll außer der Berathung über
die Einrichtung des Vereins auch die Einwir-
kung auf einige öffentliche Angelegenheiten, z. B.
die Theilnahme am deutschen Nationalverein
und dessen weitere Ausbreitung in Kurhessen,
zum Gegenstande haben. Kasscl, 31.Jan.1865.
Fr. Oetker.

München, 1. Febr. Der Augsb. Ab. Z.
wird von hier berichtet, daß der König den
Antrag des Ministeriums des Jnnern auf
Frcizügigkeit der Aerzte genehmigt habe.

Berlin, 28. Jan. Der N. Fr. Presse wird
von hier geschrieben: Das versöhnliche Auf-
treten des Ministers des Jnnern, Grafen
Eulenburg, hat den höchsten Unwillen der
Fcudalpartei erregt. Sie erklärt laut, er habe
den König compromittirt und müsse zurücktre-
ten. Gleich nach seiner Rede müssen ihm
Vorwürfe gemacht worden sein, denn er änderte
in derselben mehrcre Stellen für den stenogra-
phischen Bcricht. Die Stenographen erklärtcn
jedoch, sie dürften solche Aenderungen nicht
annehmen und die Nede erschien ohne sie. Daß
Graf Eulenburg dcn König blosgestellt hat,
läßt sich nicht läugnen, und man ist begierig,
vb er sich halten wird. Hr. v. Bismarck sucht
den König in Unkenntniß von Alleni zu erhal-
ten, was im Abgeordnetenhause zur Verständi-

gung über die Militärfrage geschicht. Er will
die Auflösung des Abgeordnetenhauscs, und sie
wibd auch nicht ausbleiben und der Staat
dadurch bis in seine Grundtiefeu erschüttert
werden.

Berlin, 2. Febr. Die Finanzcommission
hat beschlossen, dem Abgeordnetenhause vorzu-
schlagen, die Bescklußfassung übcr die von der
Regierung gemachtcn Eisenbahnvorlagen und
über den Staatsvertrag mit Oldenburg (dessen
Nützlichkeit die Commission anerkennt) bis zum
Zustandekommen des Staatshaushaltsetats für
1865 auszusetzen.

Woldenberg, 2. Febr. Heute wurde für
die Kreise Friedeberg und Arnswalde von
Saucken-Julienfelde zum Abgeordneten gewählt.

Wien, 31. Jan. Jn der gestrigen Abend-
sitzung des FinanzausschuffeS wurde das Kapitel
„Staatöministerium" in Berathung genommen.
Der Sitzung wohnten die Herren Minister v.
Schmerling und v. Lasser bei. Beim ersten
Titel „Centralleitung" beantragte Dr. Giskra,
der die Zuruhesetzung der überflüssigen Be-
amten befürwortete, eine Streichung von
36,000 fl.; Dr. Brestl cinen Abstrich für Jn-
terkalarien. Die Herren Minister vertheidigten
die vom Abg. GiSkra angegriffene Position.
Minister v. Lasser erwidert, daß kein Beamter
zur Ruhe gesetzt werden dürfe, wenn nichl das
Amt aufgehoben, oder der Beamte dienstun-
fähig geworden. Der Hr. Staatsminister von
Schmerling weist darauf hin, daß durch die
Agcnden der Landtage jich die Geschäfte des
Staatsministeriums wesentlich vermehrt haben.
Bei der Abstimmung werdcn die Anträge des
Dr. Giskra und Dr. Brinz verworfen und der
des Dr. Brestl auf einen Abstrich von 18,000 fl.
angenommen und der Titel „Centrallcitung"
mit 610,701 im Ordinarium und 30,822 fl.
im Extraordinarium genehmigt. Bei den Kosten
für daS Reichsgesetzblatt, welche mit 42,503 fl.
veranschlagt wurden, wurdcn 10,000 fl. ge-
strichen. Bei dem Titel „Generalinspcction der
Gendarmerie" wurde auf Anlrag Herbst'S die
vorjährige Srnnmc bewilligt.

Wien, 31. Jan. Der FinanzauSschuß be-
ricth auch hcntc das Budget der politischen
Verwaltung. Herbst motivirt einen Antrag auf
Abstrich von 300,000 fi. mit Verminderung
der Agenten der politischcn Behördcn. Schindler
rügt die Bevorzugung der Adeligcn. Giskra
sagt, dic Brünner Statthaltereiburcaux seien
Wochen lang arbeitsloS. Der AuSschnß ist
für einen Abstrich von 200,000 fl. Vrints
wi§derholt den Antrag auf Einigung mit der
Regierung, Schindler und Schmerling erklären
dieß für unzeitgcmäß. Der Ausschuß verwirft
dcn Antrag. Gestern hat der Finanzausschuß
beim Budget des StaatSministeriums cinen Ab-
strich von 19,000 fl. bei der Centralleitung,
von 10,000 fl. bei den Kosten deS Reichsge-
setzblattS und von 10,000 fl. bei der General-
inspcction der Gendarmerie nach dem Antrage
deS Referenten trotz des WidersprUchs der Mi-
nister Schmerling und Lasser beschloffen.

Wien, 31. Jan. Von Paris aus ist ge-
meldet worden, daß das vatikanische Cabinet
eine authentische Jnterpretation des Syllabus
zur Mittheilung an die katholischen Negierun-
gen bestimmt, veröffentlicht habe. Jn der That
ist heute dem Grafen Mensdorff Seitcns des
päpstlichen Nuntius eine Art von Commentar
zur Encyclica und zum Syllabus, in Beglei-
tung cincs Rundschreibens überrcicht worden,
worin der Cardinal und Staatssecretär Anto-
nclli die Runtien beauftragt, gegenüber den
Regierungen, bei welchen sie accreditirt sind,
die mehrfach hervorgetretene mißverständliche
Auffassung dieser an die Organe der katholischen
Kirche gerichtete Kundgebung des Oberhauptes
derselben zu berichtigen, namentlich aber zu con-
statiren, daß — wie bereits gestern kurz
gemeldet — die erwähnten Actenstücke keine
politische Tenden; habcn und mit deren Ver-
öffentlichnng nicht entfcrnt beabsichtigt gewesen
sei, in dke inncrn Einrichtungen irgend eines
Staates einzugreifen.'

Wien, 2. Febr. Die auf heutc anbcraumte
Nückkehr des Grafen Karolyi auf den Berliner
Gesandtschaftsposten ist aufgeschoben worden.
Der Ausnahmszustand der Lemberger Uniber-
sität ist aufgehoben.

Fr a nkr e i ch

Paris, 2. Febr., Abends. Nach dem heu-
tigen Wochenausweis der französischen Bank
haben zugenommen das Portefeuille um 8V2
Mill., der Notenumlaus um 4^ Mill., das
Conto - Corrent der Privaten um 4^/z Mill.;
dagegen abgenommen der Baarvorrath um 32/z
Mill., die Vorschüsse auf Unterpfänder um
*/z Mill. und das Guthaben des Staates um
3 Mill.

I t a ! i e rr

Turin, 28. Jan. Der Deputirte Boggio,
einer der wülhendsten Gegner des gefallenen
Ministeriums, hat einen Gesetzesvorschlag zur
Pensionirung der durch Verwundungen im
September zu Arbeiten untauglich gewordencn
Jndividuen eingcbracht, dessen Lesung aber ver-
wcigert wurde.. — Die Kammer ist sehr spär-
lich besucht, dagegen bilden sich schon in allen
Theilen des LandeS Comite's für die baldigst
bevorstehenden Kammerwahlen, und die nächsten
2 Monate dürften somit alle politischen Kreise
in Jtalien in graßer Bewegung sehen, denn es
gilt diesmal namentlich der rcactionären und
clericalen Partei, welche anch ihre Candidaten
aufstellen will, entgegenzutreten.

C' n g l a n D

London, 1. Febr., Abends. Dcr Special-
correspondent der Times meldct aus Neuyork
unterm 21. Jan., daß der nnionistischc Mo-
nitor Patapeco am 17. Angesichts Charlestons
von einem Torpedo (nnterseeische Höllenmaschine)
zerstört worden ist; 50 Mann sind dabci zu
Grunde gegangen. Die Südstaatlichen haben
das Fort Caswell und andere Wcrke von Wil-
mington zerstört. — Hr. Foote ist auf Em-
pfehlung des conföderirten Congreffes wieder
losgelassen worden. — Briefe aus Savannah
melden, daß Sherman, nachdem er bedeutendc
Verstärkungen erhalten, gegen Branchville, Au-
gusta oder Charleston marschirt. — Der Prä-
sident Davis setzt in einem Schreiben an den
Senat von Georgia die Gründe auseinander,
aus denen hervorgeht. daß dcr Norden und der
Süden kcine Convention bezüglich der Regu-
lirung ihres Zwistes annehmen können. —
Der Goldcurs ist großen Schwankungen unter-
worfen gewesen. Schlußcours 204^/z.

S P a n i e u

NDadriD, 2. Febr. Die „Epoca" berichtet,
dasi in amtlicher Correspondenz Pareja hurch-
blicken läßt, die peruanische Frage werde sich
friedlich lösen. Nichtsdestoweniger werde die
Fregatte „Numantia" morgen abgehen, da die
Rcgierung stets cine respectable Macht im stillen
Ocean haben wolle.

T ü r k e i

Konstantinopel, 1. Febr. Die telegra-
phischen Verbiudungen zwischen Bagdad und
Jndien sind jetzt eröffnet. Das erste Tele-
gramm ist am 29. Dcc. vom Generalgouver-
neur von Bagdad an den Gouverneur von
Bombay abgesandt worden. — Vessim-Paschcr
hat die Stelle des Mehemet-Pascha als Ma-
rineminister eingenommen. Diese Ernennung
hat allgemeinen Bcifall gefunden. — Haider-
Effendi, der ottomanischc Ex-Commissär in Tu-
nis, ist zum Gesandten in Wien ernannt wor-
den. — Die Pforte hat den Kasnadar, den
Minister des Bey's von Tuuis, decorirt. —
Die mit dem Hause Laing angeknünpften Un-
terhandlungen betreffs der Consolidation der
innern Schuld der Türkei sind unterbrochcn
worden.

Bucharest, 1. Febr. Die Kammer hat
mit 105 g'egen 11 Stimmen ein Gesetz votirt,
wonach der Fürst allein die Metropolitane und
Bischöfe zu erneunen hat.

A m e r i k a.

Neuyork, 19. Jan. Die ueue Expeditisn
gcgen Wilmington hat bereits einen entschiede-
nen Erfolg errungen. Am 15. Jan. cröffncte
Admiral Porter ein heftiges Bombardement
gegen Fort,Fishcr. während dessen die Land-
truppen unter General Terry, die bercits auf
dem Gestade festen Fuß gefaßt hatten, einen
Sturm gegen die Festungswerke unteruahmen.
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