Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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jedoch nach wie vor den obersten Näthen der
Krone beiwohncn und dic Leitung der Politik
überhaupt beibchaltcn. Der Zwcck des ganzen
Projcctes gingc lediglich darauf hinaus, zu er-
zielen. daß Frankrcich nicht crschnttert werdc,
und die Krise leicht überstche, wenn Napoleon LII.
durch dett Tod abberufen werdcn sollte, bevor
sein Sohn volljährig geworden. und durch cinc
Hcirath die Fortdauer der Dynastie gesichert
hätte. Jn diesem Sinne soll ein dem gcsetz-
gebendcn Körper vorzulegendes Regentschasts-
gesetz angeblich abgefaßt werden. Der betref-
fende Plan soü — wie man sagt — von der
Kaiserin zunäckst angeregt worden sein. — Ob
derselbe auf mehr, als cinem bloßcn Gcrüchte
Leruht, wird sich bald zeigen.

(:) Heidelborg, 8. Fcbr. Die auf gestern
Abend angekündigte Protestantcn-Versammlunz
hat unter zahlreichster Bcthciligung von Bnrgern
aller Classen stattgefuuden. Geh. Rath Dr.
Bluutschli bchandelte das Thema: „Gemischte
Ehen" in gewohntcr klarer und eindringlicher
Weise, so daß wir uns vorbehalten, darübcr
in aussührlichcrcm Bcrichte Mittheilnng zu
machen. Die Aufmerksamkeit war sehr ge-
spannt und der Eindruck auch dicser Vcrsanun-
lung so mächtig, daß cine große Anzahl neuer
Mitglieder bcitrat. Die Wirksamkeit diescs
VercinS ist hoch anzuschlagen und möchten wir
wünschen, daß auch unsere freisinnigen kathol.
Mitbürger cinmal den Weg jolchcr rcgclmäßi-
gen aügcmeinen Versammlungcn beträten Tas
Wort der Laien, die Ocffcntlichkeit sind nicht
zu untcrschätzende Mächle. Das weiß die kath.
Kirche und daher sckeut sie jedcs Laieiwlement
und Synoden. — Also nachgemacht!

Darmstadt, 4. Febr. Hier wird öffcntlich
zum Eintritt in den Vcrein zur Pflcge verwun-
deter nnd crkrankter Kriegcr aufgefordert. Dcr
Verein steht untcr dcm Protcctorate dcs Prin-
zen und dcr Prinzessin Karl. Die Statuten
schließen sich an die Bejchlüssc der Gcnser Con-
ferenz vom October 1863 an.

Mainz, 5. Fcbr. Heute wurde im großcn
Saale dcs ehemaligen kurfürstlichen Schlosses
der allgemeine Arbeitertag abgehalten. Außcr
unsern hiesigen nicht sehr zahlreichen Lassallia-
nern hatten sich vielc auswärtige und in der
That cine schr großc Menge Zuhörer einge-
funden, so daß Saal und Gallerie dicht gedrängt
angesüllt war. Die Thcorien von Laffalle
wurden von einer größeren Anzahl von Red-
ncrn, fast sämmtlich aus dem Arbeiterstande,
erläutert. Die Anhängcr von Schulze-Delitzsch
betheiligten sich nicht an dcr Bcrathung. Ein
hiesiger Polizcibeamtcr war anwescnd und nahm
mehrmals Veranlaffuna, Rcdncrn durch dcn
Vorsihenden das Wvrt entziehen zu lafsen.
Schließlich wurden verschicdenc Ncsolutionen
angenommen des wesentlichen Jnhalts. dic
großhcrzogl. bessische Staatsregierung auf dem
PetitionSwcge zu crsuchcn, das allgemeine
Stimmrecht zu bewilligen, zur Aushülfc des
Arbeiterstandes Staatshülse zn gcwährcn und
die Art. 184 und 185 des Strafgesetzbuches,
wodurch die Coalition der Arbeiter der Obrig-
keit vder den Fabrikhcrren und Mcisteru gc-
genübcr vcrbotcn und bestraft wird, auf dem

auf andcrn Tonstufen wirderholt. um darauf writer

ten anvertraut, so wie die finnrriche Zusammen-
strllung der Klangfarben laffcn übrrall den großen
Meister durcdblicken.

Der zweite Satz hat für Viele ein besondereS Jn-
tereffe seinrr Eigenthümlichkeit halber. Er glrickt
einer Feirr eineS srohen Greigniffcs in cinem aus-

nickt in sentimentalen Phrasen. Seine Originalität
schildertBerliozin folgrnderWeise: „Das^IIegretto
sebsrravcko, ^Takt, gehört zu jencn Scköpfungen,

Wege der Gcsetzgebuug zu beseitigen. Der
Vcrlauf der von 10 Uhr Morgens biS 5 Uhr
Nachmittags mit kurzer Unterbrechung dauern-
dcn Vcrsammlung bcwicS, daß dic Lasfalle'sche
Bewegung noch kcineswegs ihr Ende errcicht

h»t. (F. I )

Weimar, 1. Febr. Für vas am 15. Aug.
d. I- zu feiernde goldene Jubiläum der Grün-
dung dcr Burschenschaft in Zena hofft man,
daß cs dann an der Zeit sein wird, die hifto-
risch werthvolle Burschcnschaftsfahne aus ihrem
Verstcck hervorzuholcn, da die Bedenken, die
früher gegen das Hervortrelen jcner Fahne
gcltcnd gemacht wurden, doch cinem überwun-
dencn Standpunkt angehören.

Gotha, 2. Fcbr. Der von dcr kurfürstlichen
Polizci in Hanau ausgewiesene dcutsch - katho-
lischc Prcdiger Biron hat vorläufig seinen
Wohnsitz in hiesigcr Stadt genommen.

München, 5 Febr. Oberzollrath Widmann
ist gestern nach Stuttgart abgereist, wo, wie
wir veruehmen, die Vcrhandlungcn zwischen
dem Zollverein und der Schweiz morgen er-
öffucl wcrden sollen.

Wien, 2. Febr. Dcr oberste Gerichtshos
hat im Preßprocesse dcs -Dr. Wittelshöfer das
Urthcil deS Oberlandesgerichts bestätigt, wclchcs
die in crstcr Jnstanz vcrhängte Freiheitsstrafe
in eiue Gcldstrafc von 100 fl. umgewandelt
batte. und somit wcder der außerordentlichcn
Berufung des Verurtheiltcn, noch dcr ordcnt-
lichen der Staatsauwaltschast Folge gcgeben.

F r n n k r e r ch.

Paris. 4. Febr. Jm Gehcimen Rath wurde
hente die Unterrichtsfrage behandelt. Der Be-
schluß ist noch nichr betannr; .nur so viel ver-
lautet, die Kaiserin habe stch gcgen dcn Zwang
und die Unentgeltlichkeit des Unterrichts auS-
gesprochen. — Die Nachricht über die Baupläne
deS Hrn. Haußmanll und die hiefür geforder-
ten 400 Mill. ist falsch. Hr Haußmünn hat
sein Projcct noch nicht vorgelegt. (s. Bcil.)

Paris, 6. Februar. AuS Bcrliil vom 5.
wird gemeldet: Die Militärvorlage sirirt daS
jährliche Kontingent anf Els voin Tausend.
Der Marineminiltcr verlangt ein Anlehen von
225 Mill.-zum Ban oer Flotte. Der patrio-
tische Verein sammelt Unterschriftcn für esne
Pekition an den König, welche Einverleibung
dcr Hcrzogthümer verlangl.

Paris, 6. Febr. Äus PeterSbnrg wird
telegraphirt: Dic russischc Rcgierung hat dic
Wahlen des Moskauer Adels anullirt, folglich

S ch w e i z.

Bern, 4 Febr. Oberst Ziegler von Zürich,
eine der ersteu militärischen Autoritäten der
Schweiz, hat auf nächfteu Sonntag eine Ver-
sammlung sämmtlicher Militär-Directoren dcr
Cantone nach Äarau ausgeschrieben, auf wel-
cher eine Vereinfachung dcs schwcizerischen Mi-
litärwesens berathen werden soll.

Z t a ! i e ;r.

Von dem Gcschwornenhof vou Catania wird
gcgcnwärtig ein scheußliches Verbrechcn zwcier

Mönche aus einem Kloster in dcr Provinz
Messiua verhandclt. Sie hatten ein Mädchen
verführt, und als die Folgen sichtbar wurden,
inS Kloftcr gelockt, umgcbracht und bei Nacht
in der Todtcngruft der Kirche bcgraben. nach-
dem sie zuvor einen dort stchenden Sarg aus-
gcleert hatteu. Solchc Vorgänge werden wohl
auch in Sicilien der Agitation für Aufhebung
der Klöster Nachdruck geben.

A ni e r i k a.

Neuyork. 28. Jan. Die Monitors der
Unionisten können sich Wilmington nicht nähern,
wcil daS Wasscr zu seicht ist. Es sind unkoni-
stische Verstärkuugcn nach Wilmington abge-
gangen.

Hr. Blair ist nach Washington zurückgckehrt;
seine Mission ist gäuzlich gescheitert. Jefferson
Davis fordcrtc als Basis dcr Untcrhandlungen
die Unabhängigkeit des Südcns. — Der
Uuionsgencral SHScman marschirt nach Au-
gnsta. — Die Ausgäbe von 200,000,000 ^/gg
StaatSscheinen anstatt Bonds ist autorisirt.

Die Jouruale von San Francisco bestätigen
die Abtretnug mericauischer Provinzen an den
Kaiser Napoleon als Pfand für die Bezahluug
der sranzösischen Fordcrungen, nach deren
Deckuug Napoleon sie zurückgebcn würoc. Der
Kaiscr habc Hrn. Givin zum Gouverncur er-
nannt und demselbcn Truppen versprochen.

Neuyork. 28. Ian., AbendS. Gold 212^2.
WechselkurS 233, Bonds 108^,^. Baumwolle 88.

Neneste Nachrichteii.

Kopenhagen, 6. Febr. Daö Folkething
hat heute die erste Berathung deS Grundgesetzes
beendigt und dcn directen Uebcrgang zur zwei-
teu Berathung mit 62 gegen 31 Stimmen ge-
nehmigt, die Niedersetzung cines Ausschusses
dagegen verworfen.

Müncken, 7. Febr. Die baycrischc Hypo-
ihckcu- nnd Wechselbank hat ihrcn Disconto
für Wechscl auf 4*/, und für Lombardgeschäfte
auf 5 Prozcnt hcrabgesetzt.

Lvndon, 7. Fcbr. Heute wurde das Par-
lament eröffnet. Die Thronrede sagt unter
Anderem : Die Verhandlungen zwischen Oester-
rcich, Prenßen nnd Däncmark wurden durch
einen Friedenstractat abgeschlossen. Die Mit-
thcilungen, welche die Königin von dcn frcmden
Mächten erhält, gewähren ihr die wohlbcgrün-
dete Hoffnung, daß kcine abermalige Störung
des Friedens von Europa zu befürchten sei.
Die Königin bedaucrt die Fortdauer des ame-
rikanischen Krieges; sie wird unverrückt neutral
bleibeu und würde sich jedcr friedlichcn Aus-
glcichung freucn. Die Beziehungen zu Japan
sind freundlich; die Stellung zur japanesischen
Negierung ist bcfestigtcr. Die Köuigin bedauert
den Kampf auf Ncusecland. Sie hat dic kana-
dische Union genchmigt. Sie frcut sich der
Nuhe in Jndien. Die Finanzen und die all-
gemeine Lage EnglandS find bcfriedigend. Die
Noth in den Fabrikbezirkeu hat bedeutend nach-
gelassen, der Wohlstand in Jrland stcigt. Die
Thronrede verheißt verschiedene Bills in Betreff
dcs Armen-, Patcnt- und Gerichtswescns.

Das Trio ist knnc lcichte Aufgabe für die Hörner
(nämlich nickt für Vcntilhörner geschriebe», da zu
jener Zeit diese nock nickt aufgctanchc waren >. So-
wohl bie Hörncr als auch die erste K-Klarinctte,
dir sich bis in's hohc 8 vcrstklgen muß, sind als
^oloinürNGentcbanoe)^, cnso^w ^ das ^iolon-

schcint hicr^die^Erfindung crstickt zu haben", so
blribt dies immer eine indtviduelle Ansicht, der so
Mancher nickt beistimmen wird.

Dcr lehte Satz, -XIIeAro viv»eo, ^lla breve-Takt,
legt glcich den Urtypus seines bumoristischen Ele-

sonderes Antereffc dnrch kie nkckischen Figuren dcr
Triolcn glrich zu Anfange.

Der nrsprünglichc Charakter dkS Satzcs ist bis
zn Ende sestgchaltrn. Okt blos lwcistiinmige dia-
toniscke Fortschreitlingcn in mannickfachen Bewe-
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