Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

Page: 151
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdtz1865/0151
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
E n g l a ii V

London, 7. Febr. Die dirSjährige Ses-
sion dcS englischen Parlam-Nts wurde durch
eine königl. Commission mit folgcnder Thron-
rede cröffnct:

keil der ArmeiigesetzjiebuNs', angestellt hatle. Es wird
Jhnen ferner ein Gesetzenlwurf vorgelegt werden, wel-
cher sich auf den Bericht des UntersuchungSausschusies
stützt, der sich mit den öffentlichen Schulcn bcschäftigte
und I Maj. hat die Ernennung einer Commission ver-
sügt? welche die Verhällnisse der dolirten Schnlcn und
anderer Schnlen in England prüfen soll, die nicht in

die neuliche, den VolkSunterricht betreffcnde Untersuchung
einbegriffen waren. Jhre Maj. stellt die großen Jnter-
essen des LandeS vertrauungövoll Jhrer Weisheit und
Gewissenhafligkeit anheim, und betet inbrünstig, dak der
Segen des allmächtigen GotleS über Jhren Berathungen
walten nnd Jhre Beschlüsse zu der Erreichung dieses
ZieleS Jhrer forttvährenden Smgialt, nämlich der Wohl-

London, 7. Febr. Nach der Eröffnung
des Parlaments genehmigten beide Hauser die
Antwortsadresse. Im Oberhaus ergriff der
Graf v. Derby diesen Anlaß, um die feind-
scligc Haltung der Vereinigten Staaten von
Nordamerika gegen England zu tadeln. Graf
Russell entschuldigte diese mit der dort herr-
schenden Aufgeregtheit der Gemüther und ver-
sicherte, England werde strengc Neutralität be-
wahren, unbillige Zumuthungen jedoch entschie-
den zurückweisen.

I t a l i e n

Turin, 3. Febr. Der Allg. Ztg. wird ge-
schrieben: Gestern Abends 6 Uhr versammclten
sich die Minister unter dem Vorsitz des Kö-
nigs, und es wurde auf Vorschlag des Mini-
sterpräsidenten General Lamarmora beschlossen,
daß Viktor Emanucs, der, wie ich ihncn bereits
geschrieben, im höchsten Grad gegen Turin er-
bittert ist, die Stadt.verlassen uud sich nach
Florenz begeben solle. Das diplomatische Corps
ist bereitS heutc Morgens von der Abrcise des
Königs in Kenntniß gesetzt worden, und wird
ebenfalls in diesem Monat noch nach Florenz
übersiedeln. — Den Armen Turins hat der
König vor seiner Abreise aus seiner Privat-
schatulle die Summe von 100,000 Franks be-
stimmt. Während Viktor Emanucl in solch
j heimlicher Weise die dreihundcrtjährige Resi-
denz seiner Dynastie verläßt, ist sein Sohn,
der Kronprinz Humbert, in Ncapel der Gegen-
stand der herzlichsten Sympathien, und seine
Popularität wächst dortselbst mit jedem Tag
mehr. Bei jedem Fest erscheinen neue Mitglie-
dcr der höcksten Aristokratie, die bis jetzt mit
der nenen Ordnung der Dinge geschmollt ha-
ben, und man schildert mir mit warmen Wor-
ten den Tact, welchen der Prinz bei diesen
Huldigungsacten seiner früheren Gegner an'
den Tag legt.

S V a n i e ii

MadriV, k. Febr. Die „Madr. Ztg."
veröffenkicht ein Decret, welches die Befugniß
znr Bildung einer intcrnationalen Creditcom-
pagnie ertheilt.

Madliv, 7. Febrnar. Nach Briefcn auS
Pvrto-Riro haben die dortigen Bchördcn Agen-
tcn ans den Vercinigten Staatcn, welche ge-
kommcn waren, daS Land aufznwiegeln, auS-
gewicsen.

D ä ri e iii a r k

Kopcnhagen, 7. Fcbr. Jn der hentigen
Sitzung deS FolkethingS stand HansenS Antrag
auf Wicdereinfüh'rnng dcS GrundgesctzeS vom
Jnni 18tg anf der TagcSordnnng. Der Mi-
nister deS Jnnern sprach scharf dagegen und
erklärtc, dic Regierung könne an der Debatte
nicht Theil nehmen. Nach sehr heftiger Ver-
handlung wurdc Ucbcrgang znr zwciten Lcsung
nnd Ueberweisung an einen Ansschuß be-
schlossen.

G r i e ch e ii l a ii V

Athe«, S. Febr. Der Prinz Julius, On-
kel des Königs, hat unsere Stadt am 3. ver-
lassen. Man weiß noch nichtS Posttives über.
die Abreisc deS Grafen Sponneck.

T ü r k e i

Bucharest, 7. Fcbr. Cogolnitschano ist
cntlasse», Boseano zum Ministerprästdcntcn,
Stratt zum Finanzministcr crnannt.

Karlsruhe, K. Febr. Es deuten manche
Anzeichen darauf, daß dem nächsten Landtag
ein neues Straßengesetz vorgclegt wird.
Das bis jetzt bestchende stammt aus dem Jahre
1818, ist also total vtraltet und wcgen der in-
zwischen durch daS ganze Land verbrcitcten
Eisenbahnen vollftändig unpraktisch. Dic Ab-
sicht der Direction dcs Wasser- nnd Straßen-
baues geht dahin, alle bisherigen StaatSstraßen
und wichtigen Vicinalwege i» den Straßenver-
band auszunehmen, hiesür aber die Gemcinden
I mit Präcipnalbeiträgen beizuzichcn. (S. M.)

Karlsruh«, 7. Fcbruar. Den deutschen
Regierungen wird nach dem „Schwäbischen
Merkur" gegcnwärlig eine Eingabe des dcut-
schen Handwerkerbnndes eingchändizt, welche
zu Gnnsten dcS ZunstregimentS den Grund-
sätzcn dcr Gcwerbefreihcit entgegentritt.

Heidelberg, S. Febr. Dem „Schw. M."
wird von hier geschriebcn: „Zn studentischen
Kreisen cirkulirt dahier -ltie Petition an die
Regierung um Anfhebung der akademischen Ge-
richtsbarkeit, beziehungSwcise um Reviston der
akademischen Gesetze. Auch die Ncgierung hat
ihrerseits diesen Gegenstand bereits vor einiger
Zeit in Erwägnng gczogen, und eS wird wohl
dem nächsten Landtage schon ein darauf bezüg-
licher Gesetzesentwnrf vorgelegt werden. Wenn
auch die Beibehaltung einer gewissen akademi-
schen DiSciplinargewalt als zweckmäßig cr-
scheint, s° ist doch die jetzt bestehende AuSdeh-
nung einer eximirten GerichtSbarkeit aus reiu
bürgerliche Rechtsverhältnisse durchauS unbe-
gründet und wird, wie in andern Ländern be-
reitS geschehen, dem modernen Rechtsbewußtsein
zum Opser fallen müssen.

Aus Baden. Die „Bad. L.-Z." meldet
als fcststchende Thatsache, daß der kath. Psarr-
verweser in Rosenberg vor 3 Wochcn nach
Amerika durchgebrannt ist und vorher die
Stiftungskiste bestohlen hat, wozu er offenbar
einen falschen Rechnersschlüssel machen ließ, da
man einen solchen nachher vorfand. Die -nt-
wendete Summe beträgt, wie Sachkundige rer-
stchern, 2S0—300fl.! Er hinterläßt angcblich
Tausende von — Spielschulden! — Jn einem
Orle bei Bruchsal fuhr der Hr. Pfarrverwaltcr
während dcs Unterrichts einen Knaben solgen-
dermaßen an: „Du, ich will Dir was jagen:
bete für Deincn irrc gelcitcten Vater, bcte snr
ihn, daß cr auf dcn richtigen Weg geleitet wird,
daß jcin Leib und seine Secle den HLnden des
SatanS cntrisscn wird u. s. w." Und warum?
— Weil der Bater de'S Kleincn in den O/tS-
schulrath wählte nnd gewählt wurdc.

vermischtc Unchrichten.

Die Zahl der Civileinwohner in den Städten Preu-
ßens, welche über 75,000 Einwohner zählen, beträgt
nach der letzten Zählunc,, iin Verqleiche mit 1861:
Berlin 607.000. Breslau 155,360, Köln 117,805,
Köniqsberi, 94.796, Magdebnrg 91,028, Stettin 81,591,
Danzig 78,080, zusammen 1,225,660. Die Totalzu-
nahme 'der Civilbevölkerung beträgt über 10 pCt. (bei
Berlin allein circa 16 pCl). und inclusive ca. 65,000
Mann Militär nnd Angehörige disselben, wohnen bei-
nahe-7 pCt. der ^Gesammtbevölkerung deS Staates in

Schönau (in Baden), 4. Febr. Die „Hesi. Ldsztg."
s^^ Jahre^^etittontt vom

hier erwähnt wurde, erheischt den ^ Neu^ru von zwei
Brücken im ungefähren Betrag von je 12—15,000 fl.,
....................................
loading ...