Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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wie ein Besessencr. „Der katholische Geist crhebt
stch mächtig, deS EnolgeS gewiß, in dem ge-
messen großartigen Takte deS Prinzips vor-
schreitend", das sind die welthistorischcn Wortc.
mit denen cr die Durlacher Versammlung ein-
führt. Leivcr besteht. aber das Reich Gottes
nach der Bibel nicht in den Worten, sondern,
in Kraft und hintcr den Wortcn bleiben die
Thaten so übel zurück, daß man nnwillkürlich
an den kreisenden Berg erinnert wird der mit
einem MäuSlein niedcrkam. „Der LibcraliS-
muS", heißt es, -steht verblüfft vor der mace-
donischcn Phalanx, zu welcher das katholische
Volk sich zusammenschaart!" Und wcr ist der
Führer dieser Macedonierd Der Held vom
Neckarstrand, der zwar das Schwert nicht führt.
aber die Elle, und der das große Wort sprach:
„So lange Lamey in's Schloß kommt, so lange
kommt Lindau nicht hinein." Ja wohl, mcinc
Herrn, uud so lange man Lamey einen ge-
scheidtcn, crfahrcnen Mann nennt, wird man
Hrn. Lindau etwas AndcreS nennen, und so
lange man vor La-mey den Hut abnimmt, wird
man das vor dem Lindau nicht thun, und so
lang sich die „große kathojische Bewcgung"
ihre Führer hiuter einem solchen Ladentisch su-
chen muß, hat die neue Aera gute Ruhc. Mit
Lindau's wirft man keine Rcgicrung um. Es
hat schon Mancher Herrgott werden wollen
und ift in's Narrenhaus gckommen, sagt ein
gutes altes Sprichwort. Das mag Hr. Linoau
. stch mcrken. (B. L.-Z.)

-- Aus Buden, 15. Febr. Wenn die am
8. d. M. zu Durlach abgehaltene katholische
Wandervcrsammlung die Aüshebung dcö Schul-
gesetzes auf vcrfassungSmäßigem Wege oder
einstweilen, bis dieses vollziehbar ist. die Er-
läffung eines provisorischen Gcsetzcs vcrlangt,
so erklärl sich ein gewisseS Blatt, welches den
. entschiedensten Fortschritt rcpräsentirt, lnsofcrn
damit einverständen, alS auch es der Meinung
ist, daß, waS dic Wünsche auf Abänderung
des Gesctzes betreffe, die Regierung sich den-
selben nicht verschlicßen dürfc, wcßhalb cs viel-
leicht geralhen sein möchte, beim Wiederzuiam-
mentritt der Kammern das fragliche Gcsetz
einer Durchsicht zu unterziehcn. DieseS Blatt
wünscht aber natürlich nicht, daß, wenn es
hiezu komme, das Verlangen des Klerus Be-
rücksichtigung finde, sondcrn daß umgekehrt die
dem Klerüs entgegenstchendc Partei, dic aus
ganz anderen Gründen mit dem Gesetzc unzu-
frieden ist, weil sie um seden Preis die Com-
munalschule will, in der Kammer Einfluß ge-
winne. Allein diese Partei wird sich ganz ge^
wiß in ihren Erwartungen ebenso getäuscht
sehen, wie dic klerikale; denn die Negierung
wird schwerlich geneigt sein, ein von ihr vor-
gelegtes und von den Kämmern angenomme-
nes Gesetz, welcheS, ohne dem der Schulreform
^ zu Grunde liegendcn Prinzip etwas zu vcrge-
ben, dcn bestehendcn Verhältnissen und Wün-
schen möglichst Rechnung trägt, schon auf dem
nächsten Landtage, bevor noch die Erfahrung
zu Rath gezogen werden konnte, einer Abän-
derung zu unterwerfen. Wenn aber die An-
sichten übcr das, was geschehen soll, so weit
auseinander gchen, daß von zwei Partcien die

fie zur Frau haben, aber gleich, darum möchten
alle Schritte getroffen werden, daS Hochzeitsfesr in
Gang zu bringen, damit — nickt etwa ein Dritter
dazwischrntretr. Bei noch anderen Verständigungrn
schrieb die Braut, fie würde fich sofort etwa 2000 Frs.
aus ihrer Erbschaft herkommen lassen, um das Hoch-
zeitsfest zu einem würdigen, glänzenden zu machen.
Die deßhalb erwarteten Briefe aus der franzöfischen
Schweiz kamen auch an, fie las ihm die französisch
geschriebenen Briefe vor, rr vrrstand von dem Fran-
zöfischen aber nichts wetter, als daß die 2000 Frs.
auSgeblieben waren. „Nun, das thut nichts zur
Sache, nach dcn dortigcn Landesgesetzen darf kein
Geld über die Grenze gehen, lege Du sie nur aus,
fie sind uns sicher genug. Den Tag unmittelbar
nach der Hochzeit reisen wir, wie das ja jetzt an
und für sich Sitte ist, von Königsbcrg fort, unserer
neuen Heimath zu." Der seelenvergnügte Bräutigam
oder vielmehr sein Vater, ein ehrsamer Tischler-
meister hierselbst, besorgte die Hochzeit, die in einem
großen Salon KönigsbergS ftattfand, unter Bei-
wohnung gratulirender Gaste. Man schwelgte in
Genüffrn, man badete sich in Champagner. „Zwei
Herzen und — eiu Schlagl" „Jetzt, tbeurer Mann,

eine das schroffste Gegentheil von dem erstrebt,
was die andere begehrt: so würde doch offcn-
bar vie Stellung der Regierung eine viel
schwierigere werden, wenn sic nur dem Ver-
langen dcr einen Partei willfahren und da-
durch selbst znr Pärtei werdcn würde, anstatt,
wie es einer Regierung geziemt, über den
Parteien zn stehen. Das in Frage stchende
Blatt meint zwar, daß man nach Einführnng
dcr Communalschule vor dem Klerus Ruhe er-
halten werde; allein dieser Jllusion können
wir uns nicht hingeben. Oder würden nicht
alsdann neuc- und weit größere Schwierigkei-
keiten entstehen, wenn der Klerus darauf aus-
ginge, Kirchcnschulen zu errichten und diesel-
ben der Staatsaufsicht zu entziehen? Lassen
wir daher das Schulgesetz, wclchcs den Lan-
deSverhällnissen angepaßt ist und in der Haupt-
sache genügt, vorerst unangetastet, und ver-
trauen wir der Negierung, daß sie mit den
Pfaffen fertig werden wird!

Gotha, 11. Februar. Scit einigen Tagen
weilt der Prinz Wilhelm von Baden nach sei-
ner Rückkchr von Berlin zu wiederholtem Be-
such an unserm herzoglichen Hof.

Müncden, 10. Febr. Der Gesctzgebungs-
ausschuß hat gestern bei der Abstimmung in
der Frage der Staatsanwaltschaft den Negie-
rungsentwurf cinstimmig abgclchnt. Ein Ver-
mittlungsantrag von Neumayr wurde ebenfalls
abgelehnt. Für den Antrag von Edel, der
Staatsanwalt solle den Sitzungen beiwohncn,
wenn es der Dienst fordere oder das Gesetz
Conclusionen gcstattc, ftimmten Endel und
Uinbscheidcn. Morgen findct dic Abstiminnng
über den Majoritätsantrag statt, welcher die
Anwcsenheit dcs StaatSanwalts und seine Con-
clusionen nur in den Fällen zuläßt, wo ein
Jntcreffe des Staats direct oder indirect in
Frage steht.

Berlin, 13. Febr. Der Nedaktcur des zu
Görlitz erscheinenden „Niederschles. Anzeigers"
wurde am 8. d. M. wegen „Schmähung von
Anordnungen dcr Obrigkcit" zu 20 Th. Gcld-
strafe, der Verleger außerdem zum Conccssions-
Verlust verurtheilt.

Wien, 13. Fcbr. Die „Generalcorrespon-
denz" schrcibt: Bczüglich der Zahlung der fäl-
ligen 11-Millionen-Staatsschuldrate an die
Bank ist mit Rothschild und den meisten Mit-
gliedern des für das Domänenverkaufsgeschäft
zusammengetrctenen Consortiums, aber unab-
hängig von letzterem, ein Abkommen vcrcin-
barl worden. Nach dem 14. Februar werden
die Verhandlungen wegen des Domänenver-
kaufs wiedcr aufgenommen. — Die „Wiener
Abendpost" schreibt: Die Bildung einer inter-
nationalen Enquetecommission ist beschlossen;
in derselben werden drei Vertreter Oesterrcichs
und drei Vertreter Englands untcr Oberlei-
tung des HandelsministeriumS figuriren. Die
Commission wird nach Bedarf durch Zuziehung
Sachkundiger aus dem Berciche der Produc-
tion und des Handels für einzelne Zweige und
Artikel verstärkt werden und sich lediglich dar-
auf beschränken, die englisch-österreichischen Ver-
kehrsbcziehungen zum Gegenstande ihrer Untcr-
suchung zn machen und däourch, wenn mög-

gart nehmen wir den vollgepacktcn Koffer tn Em-
pfang." Der Absckied war rührend. Rührender
noch seine Klagen, a!s er mit der „jungen" Ehe-
frau in Stuttgart ankam und ben Koffer nicht vor-
fand. „Laß mich nur machen! Ich sckreibe einen
französiscken Brief, der Brief geht zurück und der
Koffer ist da, wenn wir in der Schweiz sind." Die
Grenze wurde überschritten. Sie waren iu der
Sckweiz, in der sog. franzöfischen Sckweiz. War
auch nock kein Koffer da, so war doch die zweite
Heimath, das Erbbesitzthum nahe. Ie näher man
kam, um so mehr pockte das Herz der „jungen"
Ehefrau, bis sic dicht vor dkr Thüre ihm an den
Hals flog und auSrief: „Ack, bester Mann, noch
eine Mittheilung muß ich Dir machen, ebe wir in
das Haus der Metnigen einziehen, ick liebte Dich
so unaussprechlich^ daß ich Dir, um Dich zu be-
sitzen, die Geschichte von der Erbsckaft vorgespiegelt
babe; verzeih, vergiß, was ick that, mein Herz
ist desto reicher, Alles, Alles wird es Dir ersetzen."
Dem jungen Ehemann soll hierbei etwa so zu '

lich, eine Grundlage für anzubahnende Ver-
kehrS- und Tarifserleichterungen im beidersei-
tigen Jnteresse zu gcwinnen. Die „Abendpost"
meldet ferncr: Die Vorlage deö neuen Zollta-
rifscntwurfs wiro jcdenfalls noch im März
vor vcn Reichsrath gebracht wcrdcn.

Wien, 13. Februar. Die vereinsländischen
Comnüssäre in Berlin werden übermorgcn in
der Lage sein, auf die Tarifvorschläge Oester-
reichs zu antworten.

Triefik, 8. Febr. Gestern wählte die Ver-
sammlnng, welche zur Abfassung einer Loyali-
tätsadresse an den Kaiser zusammcngetreten
war, einc Depulation, aus neun Mitgliedcrn
bestehcnd, wclche unter Führung des Podesla
die Adresse dem Kaiser überrcichen wird.

F L a n k r e i ch.

Marseille, 12/Febr. Der Orkan hat sich
gelcgt, aber die Kälte ist empfindlich. — Das
Paketboot von Jtslien ist angekommen. —
Briefe von Rom vom 8. stellen die Existenz
des Circulars deS Cardinals Antonelli in Ab-
rede, indcm sie sagen, daß der Charakter der
Encyclica ausschließlich theologisch und pastoral
ist. Man versichert, daß der Hof von Rom,
obgleich mit dem Bricfe des Käisers Maximi-
lian mißvergnügt, den Nuntius in Mexico
lasscn, aber daß er kein Concordat abschließen
wird.

I t a l i e rr»

Turin, 10. Febr. Der Nätionalverein wird
am nächsten Dienstag eine Generalversamm-
lung haltcn, zum Zwcck, alle liberalen Ver-
einigungen des Königsrcichs in einen Vcrein
zusammenzufassen. Es handelt sich natürlich
darum, die Bewerbungen für die nächsten Wah-
len im Königreich zu organisiren. Außerdem
ist der Plan im Werke, sobald die Uebersied-
lung nach Florenz stattgefunden hat, dort ein
großes Blatt der ganzen Partei zu gründen.
Die hcrvorragendsten Parteimitglieder haben
ihre Bethciligung an dcmselben zugesagt.

Turin, 12. Febr. Das Gericht von Mon-
dovi hat den Bjschof, Mgr. Ghilardi, zu 3^/z
Monaten Gefängniß verurtheilt, weil er ohne
das königliche Exequatuü die Encyklika veröf-
fcntlicht hat. (Die ital. Regierung begnügt sich
also nicht mit ciner platonischeu Mißbrauchs-
erklärung.)

Turin, 13. Febr. Eiu k. Decret vom 6.
gestattet, wie schon gemeldet, die Vcröffentlich-
ung dcr Encyclica, jedoch unter ausdrücklicher
Wahrung der Rechte des Staats und der Krone
und ohne Zulassung der,dcr den Jnstitutionen
und Gesetzen dcs Landes widerstrcitenden Sätze.

S P a n t e n

Mudrid, 13. Febr. Der Finanzmimster
Hr. Barzenallana hat gestcrn in der Commis-
sion der Vorwegnahme der Steuern crklärt, daß
er in seinem Gesctzentwurf folgende Modifica-
tionen vorgenommen habe: Die Vorwcgnahme
wird nur obligatorisch sein für die Steuer-
pflichtigen, welche über 60 Realcn zahlen und
für die Beamten, welche über 8000 Rcalen
jährlichcn Gehalt haben. Die Stcuerpflichtigen,

Muthe gewesen sein, als wenn er, wie es in

weiter ging'S, bis er in die besckeidene Hütte der
Mutter der Ehehälfte, einer Sennerin, trat. Ein
Eimer erfrischender Milch war Alles, was er er-
hielt. Sofort telegraphirte er nack Königsberg:
„Papa! Glücklick angekommen! von Erbsckaft gar
nickts yorgefunden, Koffer perllu, in den näcksten
Tagen hast Du mich wieder!" Der aus den Him-
rneln gefallene junge Ehemann ist wieder in Kö-
nigsberg eingetroffen. Daß eS auck hier heißt:
„Wer den Sckaden hat, darf für den Spott nicht
sorgen!" versteht sich von selbst. Der junge Mann
ist der Gegenstand der N^ugierbe, ganz insbesondere

Daß er durch das Ereigniß sehr verwirrt gewordrn
ist, crgibt sich daraus, daß er selbst nickt rinmal
den Namen deS Ortes nenncn kann, der jetzt seinc
„junge" Ehefrau birgt. Ueberrasckungen haben ihn
mit Blindheit geschlagen. Einem on-<tit zufolge
wird die ihn immer noch rasend liebende „junge"
Ehefrau hierher zurückkehren und eventualiter die
^ Gerickte in Anspruck nehmen.
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