Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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welche die Steuer freiwillig vorher zablen, er-
halten ein Jntercsse von 8 Proz.

Neueste Nachrichten.

Berli n, 14. Fcbr. Jm Abgeordnetenhause
Fortsetzung der Debatte über die Arbeitercoa-
litionsfrage. Löwe vcrthcidigt den Antrag
Schulze's und sagt: Die feudale Partei beute
die ArbeitercoalitionSfrggL zu politischen Zwecken
aus. Reichenbcim greift den Ministerpräsi-
denten wegcn dcr Waldenburger Untersuchung
an: der Name des Königs sei mißbraucht, es
seien deyr Könige lügnerische Bcrichte durch dic
Arbeiterdelegirten überbracht worden. Der Han-
delsminister versprichl die Veröffcntlichuug des
Untersuchungsberichtes und bcfürwortet die Ein-
setzung einer Commission zur Erlcdigung des
Antrags. Fortsctzung der Debatte morgen.

Paris, 15. Febr. Der heuliqe Moniteur
berich'tet über die Audienz dcs päpstlichen Nun-
tius beim Kaiscr; dcrsclbe bedauerte die Brief-
vcröffentlichung, versicherte, er sei durchdrungen
von seinen Pflichten, wie es auch in seincm
Charakter liege, sich nie von den Negeln deS
Völkerrechts zu eutfernen. Der Kaiser nahm
die Erklärungen des Nuntius wohlwollend auf.

Newyork, 3. Febr. Drei offiziösc Süd-
commissäre sind in Monroe zu Friedensunter-
handlungen angekomnien, Seward ist dcnselben
entgegengereist. Der Congreß nahm das Ver-
fassungsamendement zur Abschaffung der Scla-
verei an. Die Nachrichten von Sherman lau-
ten widersprechcnd. Gold 206t/z. Wechselcours
225. 108^8- Baumwolle 83.

Aus Baden. Nach dcr „Bad. LandeS-
Ztg." wurde wegen herrschendcr' Aufregung
kei.n Versuch gemacht, in Möh-ringen ein
wanderndes Casino abzuhalten. — Jn
Freiburg wurde am 14, das wandernde
Casino in der St. Marüns-Stadtpfarrkirche
abgehalten. Frhr. von Andlaw eröffnete das-
selbe mit einer Ansprache an die Vcrsammelten, >
worin er u. a. bemerkte, daß Niemand das z
Wort ergreifen dürfe, dcr nicht Katholik sei ^
und nicht die gleichen Ansichten wie dic Ver- >
anstalter des Casino hegten. Auf den Vor- j

schlag deS SprecherS wurde Baurath Bader
zum Präsidenten der Versammlung gewählt.—
Das landw. Wochenblatt Nr. 6 bringt folgende
Mittheilungcn über den Stand und Gang der
Katastervermessung: „Die stückweisc Vermeffung
wurdc im Frühjahre 1853 mit 26 Geometern
im Amtsbezirk Offenburg bcgonnen. Gegen-
wärtig ist sie auf 35 Anttsbezirke und 902 Ge-
markungen ausgedehnt. Am Schlusse dcS jüngst
abgclaufencn Jahres war die Vcrmeffung ganz
beendigt in den Amtsbezirken Offcnburg und
Kork, nahezu beendigt in dcn Amtsbezirkcn
Lahr, Achern, Rastatt und Baden, weit vorgc-
rückt in den Amtsbczirken Karlsruhe, Bretten
und Eppingen. im Ganzen aber in 228 Ge-
markungen zum Abschluß und zur Anerkennung
durch die Grundeigenthümer gcbtacht. Von
165 Gemarkungen sind die Vermessungswerke
in der Ausarbeitung begriffen, und in 81 Ge-
markungen ist die Vermessung im Laufe; in
428 Gemarkungen wird die Feststellung und
Vermarkung der Grenzen betrieben. Gegen-
wärtig sind 67 Vermeffungsgeometer und 64
technische Gehilfen in Thätigkeit und 1 Ver-
messungsassistenl mit 4 Geomctern mit Aus-
bildung des DrcicckSnetzcs beschäftigt. Zur
Fortführung der Vermessung und zur Aufstel-
lung der Lagcrbücher sind gegenwärtig 4 Be-
zirksgeometer aufgestellt. Aus den gegebenen
Zahlen folgt, daß die Vermessung nicht in der
Wcise fortschreitet, wie man unterstellte, als
die Dauer der Vermeffung zu 15—20 Jahren
angenommen worden. Die Ursache liegt darin,
daß die Vorbereitungcn zur Vermessung, näm-
lich die gesetzlich gebotene Verbesserung der Gc-
markungsgrenzen, die Vcrmarkung der Gemar-
kuugs-, Gewannen- und Eigenthumsgrenzen,
sowie die, soweit thuulich, wit der Vermessung
zu verbindenden Verbesserungen in der Feld-
eintheilung, Weganlage u. s. w. sehr viel Zeit
erfordern, weit mehr als die Vcrmesiung selbst."
— Jn St. Leon hat sich nach der B. L.-Z. der
Bruder des dortigen Pfarrers, der ehem. Stabs-
guide Weindcl, bis dahin wohnhaft in Bruch-
sal, so zu sagen unter den Fenstern des Pfarr-
hauses erschossen. Die Umstände, unter wel-
chen derselbe den Selbstmord ausführte, lassen

darauf schließen, daß er damü seinem Bruder
absichtlich etwas anthun wollte. Die That-
sache, daß man den Leichnam über Nacht an
der Straße liegen ließ, und sodann an die
Anatomie nach Heidelberg lieferte, so wie die
dem Verftorbenen sofort nachgcsendeten übcl-
wollcnden Gerüchte und andere Vorgänge laffcn
eben alleryand Schlüffe zu. — Prof. Dictzel
in Karlsruhe hielt daselbst am 10. Febr. im
Saale der Gesellschaft Eüttracht seinen vierten
handelspolitischen Vortrag, in wclchem er die
Entwicklung des deutschcn Zollvcreins bis 1855
schildert. — Ju Neckarau ift am 13. Febr.
Schcune und Stall deS Wirthshauses zum
Engel abgebrannt.

-j- Vom Neckar, 13. Fcbruar. Von Mannheimcr
Handelsleute» erfahre ich, daß bei dem dortigen Ge-
treideqeschäfl noch keine größere Ausdehnnng statlfindel
mit AuSnahme für Gerste, bei welcher die Nachfrage
ekwas Ivbhafter ist, indem auch mehrere giößere Acrien-
braucreien belrächttiche Qvanliläten Gerstc kaufen ließen.
Mehl wird stark offerirl, findet aber nur für den nächst-
gelegenen Consum Abgang; Nüböl und Leiuöl. bei
herannaheuder Verbrauchözeit wieder mehr beachlet, cr-
freuen stch ziemlicher Nachfrage, obwohl eine Preisver-
änderung des stärkern Bedarfs ungeachtet nicht einge-
lrelen ist. So zeigl sich auf dem Fruchtmarkte bei be-
schräuktein Geschäfl und matter Kauflust, wie in dec
Politik eine ruhige Stimmung, die dem früheren
östcrreichischen Beobachler als daö höchste Gut auf Erden
galt. — Von Köln vernimmt man, daß die dortige
Schisfbrücke seit Samstag Vormittag bei stärkerem Zu-
nehmen dcs Nheineises abgefahren ist. Schiffe, welche
die Bergfahrt bereits angetreken. hatte», erachteteu für
raihsam -.urückzukehren uud so ist der Stromverkehr von
Nenem Uuterbrochen. — Seit gestern erblickt man 'wieder
zahlreiche Schliltschuhläufer auf der Eisdecke deö Neckars;
die Jugend von Neuenheim befährt mil kleiueren Schlitten
den südwcstlichen Abhang des hciligcn Bcrges, weShalb
bei dem Herabsteigen bei deS Pfadcs Glälte' eiuige Vor-
sicht nölhig ist. Auch bei und oberhalb Neckargemünd
ist der Ncckar fest zugefroren.

c n n' ^ e», ^l ist^eS.

reise die Freundlichkeit lMben . ihren Zauberstab auch mr
Heidelbera zu versuchen. — Es soll für das Concert,
Freitag oder Samstag, der Saal des Nussischen

Obrigkeitliche Bekanntmachungen und Privat-Anzeigen.

das Gesuck gestellt, da^ ourck Urtheil zu Recht er-

diese Äl-gc ift auf DikNsta, de? tl. Apri?d. z"
Vormittags 8 Uhr anberaumt.

DieS wird hierinit gemäL §. 1058 P.-O. zur
Kenntnißnahme der GläubiAr öffentlich bekannt
gemachr.

Heidelberg, ven 11. Februar 1865.

Großh. bad. Kreisgericht.
Civilkammer.

Obktrcder.

Großh. bad. Amtsgericht Heidelberg.

Nr. 3737. Gegen Handelsmann Jonas Mayer
von^hier haben wir Gant erkannt, den Tag c>eS

Oktober v. I. festgesteUt uncHTagfahrt zum Rich-
tigsteUungs- und Vorzugsverfahren auf
Mittwoch den 22. März d. I.,
anberaumt dNorgens 8 Uhr,

Alle, wclche aus irg-nd einem Grunde Ansprüche
an die Gantmasse machen woUen, werden aufge-
fordert, solche in dieser Tagfahrt, bei Vermeidung
des Ausschluffes von dcr Gant, persönlich oder
durch gehörig Bevollmächtige, schriftlich oder münd-
lich anzumelden und zugleicb die ctwaigen Vorzugs-
vder UnterpfandSrechre zu bezeichnen. dic der An-
meldenbeEgeltend macken wiU, auch gleichzeitig die

In derselbcn Tagfadrt wird "i'n Gläubigeraus-
schuß ernannt, anch ein Borg- oder Nachlaßver-
gleich versucht und es sollen die Nichterscheinenden
in Bezug auf Borgvcrglciche und jene Ernennun-
gen als der Mehrhcit der Erschienenen beitretcnd
angesehen werdcn.

Wegen eineS Nachlaßvergleiches wird auf die Be-
stimmungrn der Handelsrechtsätze 220 ff. hinge-
wiesen.

^ ^ Kah.

s2j Eisenhut, Act.

^ ^ b ^llkmlv^ung/ ^ ^

b ^ Samstag den II. März d. I.,
Vormittags 10 Uhr,

im Rathhaus zu Meckesheim öffentlich vcrsteigert
unr> der Zuschlag ertheilt, wenn der Schatzungs-

27 Ruthen Acker hinterm Blötzberg,

eins. Ad. Kilian, ands. ^riedr. Heid, tar. 100 fl.

29 Ruthen Acker aus dem Taubenbuckel,
eins. Leonh. Seltenreich, ands. Frtebrich

Hrid, tar.100 fl.

3.

26 Rutyen Acker zwischen den Hölzern,
eins. Friedr. Heid, ands. Wiese, tar. . . 150 fl.

1 Vrtl. 1 Rth. Acker außcn an der Win-

Kreß, tar.. 200 fl.

5.

28 Rth. Acker auf den Mühläckern, eins.

Friedr. Hcid, ands. Leono. Seltenreich, tar. 150 fl.

6.

1 Vrtl. 1 Rth. Acker in der Breitenhecke,
eins. Georg Heid, ands. Peter Kreß, tar. 200 fl.
7.

1 Vrtl. 10 Rtb. Acker auf dem Peters-
berq, eins. Michael Flcck, ands. Friedr.

Heiv, tar..170 fl.

2 Vrtl. 22 Nth. Acker und Berg am
Schatthäuserpfad, daS mittlere Theil, eins.
Katharina Gänsler, ands. Friedr. Heid,

tar. 200 fl.

9.

1 Vrtl. 7 Rth. Wiesen zwischen ben
Hölzern, etns. Bernh. SchoU, ands. Friedr.

Heid, tar.310 fl.

10.

10 Rth. Wiesen beim Heimathsbrunnen,
etns. Michael Stier, ands. Friedr. Heid,

tar.80 fi.

11.

18 Rth. Weinberg bei Sct. Martin, eins.

Weg, ands. Micbael Müller, tar. ... 40 fl.

12.

19 Rth. Acker am Mönchzeller Pfad, eins.

Kriedr. Jhle, ands. Bernb. Scüvll, tar. . 80 fi.

13.

11 Rth. Baumberg bei Sct. Martin,

cins. selbst, ands. Jakob Stern, tar. . - 40 fl.

14.

Friedr. Heid, ands. die Straße^ ^tar. . . 240 st.

8umm» 2060 fl.

Neckargemünd, den 9. Februar 1865.

Der Vollstreckungsbeamte:

Ackermann.

Bckanntmackunft.

Nr. 136. DaS fur die auf der herrschaftlichen
Wage zu Bruckhavsen zur Abwägung kommenden
Handclsgewächse zu entrichtende Waggeld wtrd
hiemit auf drei Kreuzer vom Centner festgesetzt.

Schwctztngen, den 11. Februar 1865.

Großb. markgräfl. bad. Rentamt.

Kärcher.

Freiwillige Feuerwchr.

Der Ball findet am Samstag, den 18. d.
M., in dem Harmonicsaalc statt. Das NLHcre
besagt die Ballordnung.

Eintrittskarten sür die Mitgliedcr dcr frei-
wiüigen Feuerwehr wcrden am Freitag, den
17. d. M., von MorgenS 10 bis 1 Uhr, und
Nachmittags von 3 bis 6 Uhr in einem be-
sondercn Zimmer der Bierbraucrei „zum
Schlüssel" auSgegebcn.

Am Balltage sclbst werden keine Eintritts-
karten mchr auSgcgeben.

Heidelberg, den 14. Febrnar 1865.

Die Ball-Commijsion. (1)
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