Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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Mlagezur Hei-elbergerIeitung Nr.4V.

Deutschland

Äarisruhe, 1. Febr.- (Berordungsb! d. gr.
Oberschulr.) Nr. t8,497. Die Dienstprüfung
haben im Scptember 18K4 am Seminar Ell-
lingen beftanden: 4. für Landschulstellen: Josef
Bickel von Schutterthal, Georg Breinig von
HeddeSheim, Bonifaz Butknmüllcr von Schut-
tern, Adolf Placidus Eitel von Hilsbach, Hein-
rich Falk von Hettingen, Wilhelm Grebcr von
Ringsheim, Christian Haas »on Schuttern,
Heinrich Heih von Gamshurst, Philipp Kastin
von Weinheim, Zäkob Lauber von Büßlingen,
Aloys Nenninger von Neudenau, Aloys Schmitt
von Tauberbischofsheim, Jos. Schneider von
Sulzbach (bei Ettlinge»), Zoj. Stcmmler von
Schifftung, Zulius Winterhalter von Burkheim;
8. für Stadtschnlstellen: Anton Diebold von
Hügelsheim, Wilhclm Göllcr von Windischbuch,
Theod. Laubenberger von Schwenningen, Ed.
Wild von Menzenschwand, — Nr. 739. Be-
züglich der erstmals an offentlichen Landesan-
stalten zur Bcrwendung komniende» LehramtS-
praktikanten (§. 33 der landeshcrrlichcn Ver-
ordnung vom 31. Dezember 1836) ivird ange-
ordnet: 1) Vor oder ivenigstens gleich mit
Beginn seiner Lehrthätigkeit hat sich der Prak-
tikant durch Rücksprache mit dem Direktor u.
den Lehrern, so wie dnrch Hospitiren in vcr-
schiedenen Klassen und Lehrstunden eine mög-
lichst genauc Anschaunng des ganzcn Schul-
organismus und der an der betresfenden An-
stalt geltendcn Eiiirichtungcn zu vcrichaffen.

2) Sodann soll der Praktikant wenigstenS wäh-
rend seines ersten Probejahres in jeder Woche eini-
gen Stunden anderer nnd namentlich derjeni-
gen Lehrcr, in deren Klassen nnd Fächcrn er
Nnterricht ertheilt, alS Zuhörcr anwohnen.

3) Bei der Wahl der einem Volontär zn übertra-
genden Stundcn ist nicht sowohl die Rücksicht
auf die Erleichterung einzelner Lehrcr, als der
Zlveck der praktijchen Ausbildung und Erpro-
bung dcr Praktikantcn in erslcr Linie mastge-
bend. Daher ist sowohl dcr individuellen Lei-
stungSsähigkeit derjelben Rechiiung zn tragcn,
als das Maß ihrcr Kräfte durch Bcschäsligung
in verschiedencn Klassen nnd Lehrgegenstäiiden,
soweit dieseS mit dem Znteresse des Nnterrichts
vereinbar ist, thunlichst zn crmitteln. 4) So-
wohl dcr Direktor der betreffenden Anstalt, als
die Lehrer, in dcren Klasjc oder Fach der Prak-
tikant Unterricht ertheilt, sollcn die Lehrstun-
den desselben öfters besuchen, um vou der Art
und Weiss seines Unterrichts Kenntniß zu neh-
men und ihn in seiner praktischen Ausbildung
dnrch geeignetc Anleitung zu untcrstützen. Wo
es zweckmäßig ericheint bezeichnet außerdem die
Oberschulbehörde dem Praktikanlen einen Lehrer,
welchem neben dcr Direktion die Ueberwachnng
und Anlcitung dcssclbcn bcsonders cmpfohlcn
wird. 5) Ueber die Einhaltung der obigen Be-
stinimungen, so wie über die ganze Wirksam-
keit des Praktikanten, den Grad seineS Lehrge-
schickes und seincr praklischen Brauchbarkcit,
nicht minder über seine sonstige Haltung, über
sein wifsenschaftliches Streben und seine sitt-
lichc Aufführung, habcn die betreffenden Dirck-
tionen nach Bcsprechnng mit dcn obcn (Nr. 4)
bezeichneten Klassen-, beziehungsweisc Fach-
lehrern ausführlichcn Bericht am Ende deö
Schnljahrs, odcr, falls der Praktikantvorher von
der Ansialt abgeht, bei desseuAuStrit! zu erstatten.

Karlsruhe, 7. Febr. (Verordnungsblatt
d. großh. Oberschulr.) Nr. 1633. Auf Grnnd
der Verordnung großh MinisterinmS des Zn-
ncrn vom 7. Jnli 1836 (Rcg.-Bl. Nr. 38),
das Verfahren bei Aiistellung der Lehrer bc-
tressend, wird nnter Aushebniig der deßfallsigen
Verdrdnungcn dcr katholischen Kirchenscktion
vom 21. MLrz 1835 Nr. 3217 und dcs evang.
Oberkirchcnraths vom 15. Dezcmbcr l843
Nr. 22,771 verfügt: 1) Die Bewerber um
eine Schnlftelle haben ihre deßfallstgen Ge-
suche der ihnen vorgesctzteii KrciSschulvisitatur
zu übergeben. Anmeldungen, welche init Umge
hung dcr Kreisschulvisttatiiren unmittclbar bci
der Oberschulbehörde eingereicht werdcn, bldib-n

nnberücksichtigt. 2) Diese Gesuche habcn zu ent-
haltcn: Vor- und Zunamcn, Gcburtszeit,

Fainilienverhältnisse (ob ledig dder verheirathet,
Kinderzahl -c.); b. Zcit der Rezeption mir
Anschluß beglaubigter Abschriften des Kandi-
datenscheins und des Seminarz-ugnisi-s; r. Z-it
der bestandcnen Dicnstprüfung, unter Änschlnß
einer beglanbigten Abschrift des Zeugnisses;
>i. Angabe aller frühern Anstellungen und
Dauer derselben, so wie der Zeit der dcrmali-
gen Anstekung; Ertrag der dermaligen
Slellc, einjchlicßlich dcS Schulgeldes; li Be-
gründung dcs Gesuchs. 3) Der Anschluß von
Diciistzengniffen ist bci Bewerbuiigen bercits
cndgillig angestellter Lehrer nicht geboten, bleibt
denselben abcr nnbcnonimen, und hat zn dic-
sem Behuf auch dcr belrkffcndc Ortsschnlrath
nach §. 9 der Verordnnng vom 30. Angnst
1864 dem Lehrcr auf Verlangcn cin sotches
Zcugniß auSzustellcn. 'Noch nicht endgiltig an-
gcstcllte Lehrer dagcgen haben sich bei jcdcm
Dienstwechscl von dem betressenden Ortsschul-
ratb cin Zeugniß über ihre dienstliche Wirk-
sainkcit und ihr Betragen ausstellcn zu lassen
nnd alle diese Zeugnisse ihren,crstmaligen Mel-
dungen um Hauptlehrerstellen in beglaubigten
Abschriften anzuschließcn. 4) BcwcrbungSge-
suche, welche die vorgeschricbenen Angaben nn-
vollständig enthaltcn odcr dencn die erforderli-
chen Zeugniffd nicht beigclcgt sind, haben dic
Krcisschulvisttaturen dcn b-treffciiden Lchrern
zur Vervollständigung znrückzngeben. 5) Die
gntachtliche Aeußerung über Tauglichkeit und
Würdigkcit des Bewerbers, mit welcher die
Visttatur die Eingabe desselben bei deren Ueber-
ssndung an die Visttatur, in deren SchulkreiS
die betreffende Stelle zn besctzen ist, begleitet,
soll enthalten: o.Urtheil überBesähigung und
Fachkennlnisse dcs Lchrcrs mit Angabe - der
Fächcr, in denen er sich ctwa hcrvorgethän
odcr in welchen er znrückgeblieben, ob er auch
für größere Schnlen sich cigne, nnd betreffen-
den Falls dic Organistcnstelle zu versehen im
Stande sei; b. Dienstfleiß, Erfolg seines Wir-
kenS, Behandlungsweise der Schüler; r. Er-
snnd der letzten Prüfungcn der Schule dcS
Bcwerbers; <i. Angabe des LcbenSwandels des-
selbcn und jcincr Faniilie; e. ob Rügen odcr
diSziplinarischc Erkcnntnissc gcgen ihn crgan-
gen, mit Angabe der Zeit und oon wcm;
f. Gesundheitsoerhältnisse; im Falle der Lehrcr
kränklich, worin seine Krankheit besteht, Es
blcibt den Krcisschulvisitaturen unbenommen,
von den Ortsschulräthcn zu jcder Zeit Berichtc
übcr die Dienstführung nnd den Wandel der
Lehrer einzuholen, 6) Diejenige Visitatur,
welche die Bewerbungen um eine in ihrem
Schnlkrcis erledigie Schulstelle sammelt, hat in
ihrem Bericht an die Oberschulbehörde über
die Wiedcrbesetzung derselben die Bewerbcr in
chronologischer Ordnung nach dem Tagc dcr
Rezeption aufzusühreii nnd ihren Antrag auf
eincn dersclbcn zn begründen. Dieser Bericht
ist sodann unter Anschluß der BewerbungSge-
suche dem betreffendcn Bezirksamt zum Beibe-
richt zu übergebcn (vgl. §. 2 dcr Verordnung
großh. Ministeriums des Jnncrn vom 7. Juli
1836). 7) Bezüglich dcr Rückgabe von Zeng-
nisscn an die Lehrer wird auf dic dicsseitigc
Versügung vom 24. Dczcmb. v. Z. Nr. 18,231
verwiesen. — TodeSfälle: Am6. Nov.v. I.
der kath. Unterlehrer Fricdrich Müller in Ehren-
stettcn, am 15. Dez. v. I. der kath. Haupt-
lehrer Johann Georg Wörncr in Asbach, am
21. Dez. v.J. dcr ev. Hanptlehrcr a. D. Jakob
Hall in Heiligkreuzsteiiiach, am 26. Dz.v. J.dcr
kath. Hauptl Frz.K. Mangold in Ticfenbron».

Lörrach, 11. Febr. Gestern wurdc vor dem
hicsigcn KreiSgerichl', wie vor ciniger Zeit in
Jestcttcn, eine EhrenkränkungSklage gegcn dcn
katholischcn spfarrer Restle verhandelt. Der
Angeklagte, ohne Zweifel mit bcdcuteiiden hie-
rarchischen Talenten auSgestattct, wclche sciner
Zcit in Jtalien jeine Umwandlmig vom Schrci-
ncrgcsellen zmn Pricster zur Folgc g-habt haben
sollen, war früher IN Warmbach, dann in Al-
tenburg Pfarrer, und verstand meisterhaft die

gewiß schwere und seltene Kunst, sich an beiden
Orten in kurzer Zclt den Haß nnd die Ver-
achtnng seiner Pfarrkinder zu erwerben, Trotz
des tiesen SchmutzcS, der bei Gelcgenheil dcr
zahlreichen Zwistigkeiten dieses Seelenhirten zn
Tage trat, war er noch lange Zeil in Freiburg
wohlgelitten und gchörte sogar zn den Auser-
leseiien. Man mochte im Gefühle, daß man
zur Blüthezeit des Rnckjchritts scine rückstchtS-
losen Dienste allzn stark in Anspruch genommen
hatte, einen gewissen Respekt vor ihm haben.
Diescr edle Priester hatte nun vor einigen
Monaten in einer Flugschrift die bürgerlichen
Collegien »on Warmbach unter Aufzählnng der
einzelnen Namcn eincn Tensclsklub von Lkgnern
und Verläumdcru gcnannt und war deshalb
mitcr der Anklagc der Ehrenkränkung durch die
Presje auf gistern 4 Uhr vor daS Kreisgericht
geladen. Er erschicn nicht, sondern sendete eine
Verthcidigmigsschrift, worin cr das Verfahren
gcgen ihn von der Einwilligung seiner geistlichcn
Behörde abhängig macht und an dcm Thatbe-
stand des Vergehens auf armselige Wcisc jesui-
tisch zu deuteln und eS zu entschuldigen versucht;
wie z. B. cr habe dic bctreffendc Stellc nach
eincm Beinbrnch in der Fieberhitze geschrieben.
Das Urthcil des GerichtShofs lantete gegen de»
Angeklagtcn, überciuftimmend mit dem Antrag
der großh. StaatSamvaltschaft, auf 4 Wochen
AmtSgcfängiiiß, Der Zndrang des PublikumS
zn dicser Sitzung war so stark, daß der ver-
sügbare Raum nicht hinreichte, alle znm Theil
auswärtige Anköniuilinge aufzunehmcn.

(B, L.-Z)

Müncbe», 9. Fcbruar. Der AugSb. Abdz.
wird von hier gcjchricben: Das Ereigniß deS
TageS ist der Fall Nichard Wagnsrs. Der
König hatte schon scit Wochen kcine Zcit mehr
sür die mustkatischen Vorträge des Herrn von
Bülow, und jetzt ist auch der Protektor des-
selbcn in Ungnade gksallen,

Jserlvhn, 5. Febr. Der Lassalle'sche Ar-
beitcrverciii war aus gestern Nachmittag wieder
zu ciner Vcrsammlung zusammenberuftn; die-
selbe durfte jcdoch »ichl gehalten wcrden, wcil
nach dcr „Westph, Ztg," mittlerweile von der
Regicrung in ArnSbcrg die Verfügung hierher
gelangt war: „für die nächste Zeit derartige
Versammlungcn hisrorts nicht zn dulden."

- Wien, 10. Febr. Die „Wicn. Ztg." ver-
öffcntlicht heutc die folgende Mitthcilmig: „Jn
letzterer Zeit sind im Königreiche Ungarn wie-
der von Seite einer, wie die wiederhvlten Rück-
sälle darthim. leider nnvcrbesserlichen Faclion
Bestrebungen hcrvorgctreten, ihren hochvcrrä-
lherischen Planen mit allen Mittcln der List
nnd Gewalt Geltmig zu verschafftn, oie, «enn
ste auch ncnerdingS dnrch die Wachsamkeit der
Regiermigsorganc vdreitelt wurdcn und ersolg-
los gebliebcn sind, demioch daS durch solche
verbrccherische Vorgänge schon so jchwer beim-
gesuchte Land Bcht zur Ruhe uud gedeihlichen
Sicherheit gelangeu laffcn. Die zur Bestrafung
dieser hochvcrrätherischcn Unlernehmungen be-
ruscnen MilitLrgerichte sind dadurch in die
traurigc Lagc gckommcn, in den letztverflossenen
Monatcn auf Grund nmfassender Untersuchun-
gen mehrere schwerc Vernrthcilungen eintrcten
zu lassen. Zu diesen gehört anch daS nber
cinige der dcshalb Untcrsuchten gcschöpstc und
am 6. Fcbruar dS. I. zu Ofcn kundgemachte
strafgerichtliche Erkemitniß. Durch llrtheil des
oberstk» Militär - Justizsenates alS oberster
Attlitär - GerichtSbehvrdc wurden dcs Verbre-
chcnS des HochverrathS schuldig erkannt und
verurtheilt, und zwar auS ihrem Geständnisse:
1) Stephan v. Nedeczky, Gutsbesttzer, und 2) -
Ludwig Bcniczky de Benitz, BerwallungSrath,
jeder ncbst Adelsverlust im Wege NechtenS zum
Tvde durch dcn Strang, ii» Wege der Gnade
zu LOjährigcin jchweren Kerker; auS Zusam-
mentrcffen dcr Umstände: 3) Paul von Almasy,
Gutsbcsitzer, nebst Adclsverlust. zn 20jährigem
jchweren Kerker: 4) Ludwig v. GaSpar, Ad-
vokat, nebst Vcrlust deS Adels und des Advo-
katen - Befugnisses; 5) Lndwig Zambelly v.
Bieberstcin nebst Verlust des Adels; 6) Gabriel
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