Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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von Oesterreich gewünschten Form gestellt wer-
den. — Die Jnstructionen dcs Herrn v. isa-
vigny sollcn die Festhaltung der preußischen
Forderungen betonen. — Frankreich hat die
Jnterimsfiagge für Schlesmig-Holstein bedin-
gungSweisc anerkannt.

Berlin, 17. März. Jn seiuer persönlichen
Bemerkung auf den Angriff des Abg. Wagener:
„Das liberale Ministerium sei vor dem Con-
fiict davongclaufen", am Schlusse der gestrigen
Sitzung sagte dcr Abg.'Graf Schwerin nach
dem stenographischen Bcricht wörtlich Folgen-
des: „Das allerdings habc ich zugestanden, daß
dic Minister gcglaubt haben, zurücktreten zu
müssen, wie sie an eine Grenze gekommen waren,
bei oer sie sich sagen mußtcn, auf verfassungs-
mäßigem Wege könnten sie die Reorganisation,
wie sie lag, nicht durchführcn. (Sehr richtig.
Hört!) So, meinc Herren, werdc ich immcr
reden. Der Hr. Ministerpräsident hat mir ein-
mal in einer früheren Session gesagt, ich diene
meinem König auf eine besondere Weise. Ja,
meine Herren, ich halte es für meine Pflicht,
und ich glaube, meinem Köuig und dem Lande
niemals anders dienen zu können, als da, wo
ich berufen bin. zn sprechen: „Mein gnädigster
Herr, das geht nicht, das geht wider das Necht
des Landes!" (Lebhaftes Bravo.)

Berlin, 20. März. Jn der hcutigen Sitzung
des Abgeordnetenhauses kam bei der Discussion
des Generalberichts der Tikel „Militäretat" an
die Tagesordnung. Dcr Kriegsminister v. Roon
erklärte: Die Friedensarmec sei nicht zu stark.
Die Lage Europa's, die Nachbarschaft, die Groß-
machtftellung und die gcographische Lage Preu-
ßens erheischen eine wehrfähigc Kriegsmacht.
Die Stärkc des Kriegshecres sei keineswegs
willkürlich zu greifen, sondern hänge von der
Stärke des Feindes ab. Auf dem Kriegsschau-
platz müßten sich die militärischen Eigenschaften
des Volkes bewähren. Preußen sei die kleinste
Großmacht; sollte es deßhalb oie kleinsten
Machtansprüche machen? Das ganze Land mit
Jhnen antwortet Nein! Die Regierung HLlt
an der Ueberzeugung fest, daß die dreijährige
Dienstzeit eine gesetzliche Nothwendigkeit sei.
Jhr Vorbild kann nicht Bayern, Sachsen,
Hesfen sein, sondern Oesterreich und Frankreich.
Die Regierung will die Erhaltung der Land-
wehr in ihrer Totalität, aber mit Schonung
der ältercn Mannschaften. Sie erkennt daS
Budgetrecht des Hauscs in der Theorie an.
Sie fordert ein Minimum. Wenn die Kammer
die Verstärkung verweigert, so macht sie Preußen
die Lösung seiner Aufgabc in Europa und in
Deutschlanb unmöglich, und dann bleibt ihm
nur die Eine Aussicht auf scin Ende. Dieß
ist meine Ucberzeugung, dic Sie mir mit Argu-
mentation, aber nicht mit Part?ischlagwörtcrn
nehmen können.

Hannover, 15. März. Dem Vernehmen
nach hat der hiesige großdeutsche Verein scinen
Schriftführer, den bekannten Dr. Bärens,
entlassen. (Kreuzztg.)

Wrcn, 20. März. Jn der heutigen Sitzung
des Untcrhauses wurde der Gesctzcsentwurf
über Bemeffung und Einhebung der Einkom-

mensteuer von Eisenbahnuuternchmungen nach
dem AuSschußantrage angenommen.

F r a n k r e r ch
Paris, 20. März. Jm gesetzgcbenden Kör-
per wurde die Wahl von Bravay mit 184
gegcn 45 Stimmen für giltig erklärt. — Beim
Empfang der Adreffe des Senats antwortetc
der Kaiser: Es gewährt mir ftets eine lcbhafte
Bcfriedigung, die Handlungen meiner Regierung
von der ersten Körperschaft des StaateS richtig
gewürdigt zn sehcn. Jedes Zahr beim Beginn
dcr Discuffion empftndet man zuerst eine ge-
wiffc Unruhe; man sollte glauben, daß Mei-
nungsverschiedenhcitcn jcde gemeinsame Ver-
ständigung verhindcrn müßten. Aber bald bricht
sich die Wahrheit Bahn; die Wolken zerstreuen,
die Geister bcruhigen sich, und die fast ein-
stimmige Annahme dcr Adreffe bezeugl die innige
Ucbereinstimmung, welche nach Montesquieu
zwischen der Ncgierung unb den berathschla-
gendcn Versammlungen Regel scin soll. Be-
klagen wir uns nicht über Diffonanzen, so
lange sie uns gcstattcn, uns über jene Har-
monie zu beglückwünschen, welche in einem ein-
zigcn Gedankcn der Stabilität, ber Ordnung
und des Fortschritts die Mitglicder von Ver-
sammlungcn einigt, deren persönliches Verdienst
und geleistete Dienste ste der Wahl des Volks
oder dcS Souveräns bezeichnet haben. Seien
Sie beim Scnat Dolmetschcr meiner Gefühle
unb meincs Vertrauens auf seine Erleuchtung
und scinen Patriotismus.

Z t a l i e n.

Turin, 20. März. Der König ist hier an-
gekommen. Er hat heute die Minister empfan-
gen. — Jn Folge der Vcrminderung bes Bri-
gantenwesens in den südlichen Provinzen ist
die Militärdivision von Benevent aufgehoben
wordcn. — Die Majorität der Commiffion,
wclche mit Prüfung der Frage einer provi-
sorischen Bilanz beauftragt ist, ist für den mini-
steriellen Vorschlag günstig gestimmt.

E p a tt t eu

Madrid, 20. März. Der Gehalt eines
Gesandten bei dem König Franz II. von Neapel
ift aus dem Budget gcstrichen.

Aus Baden. Nach eincr ncuesten Ver-
fügnng des FinanzministeriumS soll der Rest
des im Jahre 1862 gesetzlich bewilligten Eijen-
bahn-Anlchens mit noch 8 Mill. Gulden nun-
mehr in vierprozentigen Obligationen, je am
1. April und Oktober verzinslich, aufgenom-
men werden. — S. K. H- der Großherzog
haben sich gnädigst bewogen gefunden, den Rc-
gierungsrath Ströbe bei der Oberdirection des
Wasier- und Straßenbaues, sowie Kirchenrath
Pfarrer K. H. von Langsdorff zn Oberkirchen-
räthen zu ernennen. — Die Verfügung, wor-
nach diejcnigen Personen, welche sich wegen
dritten Diebstahls in den Strafanstalten be-
finden, unmittelbar nach erstandener Strafe in
dic polizeiliche Vcrwahrungsanstalt ver-
bracht werden sollen, wcnn sie keinen ihren >

Unterhalt sichernden Erwcrbszweig nachzuwci-
sen vermögen, ist vom großh. Ministerium des
Jnnern außer Krast gesetzt. — Bei einer Ver-
sammlung von Lehrern dcs Bezirkes Laden-
burg haben sämmtliche Anwesende sich mit
aller Entschiedenheit gegen das Treiben der
Partei der Kasinomänner ausgesprochen und
dic Versicherung dcr unwandelbaren Treue gegen
uns-rn allgeliebten Großherzog Fricdrich gege-
ben. Eben daselbft hat die Kasinogesellschaft
mit allen gegen zwei Stimmen — die dcr
beiden katholischen Geistlichen — dic Abschaf-
fung dcs Bao. Beobachters beschloffen, worauf
die beiden Gcistlichen ihren Austritt crklärtcn.

— Von den Vertretcrn der Landgemeinden des
Amtöbezirks Wertheim wird eben eine Adrcssc
an S. K. H. den Großherzog unterzeichnet,
den Dank für seiu treues Festhalten an ller
Verfassung, den Zumuthungcn der klerikalcn
Partei gegcnüber. und Zustimmung zu dem
Schulaufsichtsgesetz enthaltend. — Gegcn An-
walt Brummcl in Karlsruhe ist durch den
großh. Staatsanwalt eine Anklage wegen be-
leidigender Auslassungen gegen das großherz.
Bezirksamt Werthheim, als einer öffcntlichen
Behörde, die er sich in der von ihm verfaßtcn
NekursauSführung mehrcrer katholischcn Ge-
meindcrathsmitglieder von Frcudenberg und
Ebenheid gegen ein amtliches Straferkenntniß
wegen Verweigerung der Betheiligung an der
Ortsschulrathswahl erlaubte. erhoben worden.

— Von den Bezirksräthen des ganzen Amts-
bezirks Waldkirch ist eine Adresse an das
großh. Staatsministerium abgegangcn, worin
die Zustimmung zu dem ncuen Gesetz übcr die
Aufsichtsbehörden der Volksschulen ausgedrückt
wird.

Vermischte Aachrichten.

Nichtung in Badeii. Das Wesen der sieien Theologie

Wttnder. Die Gottheit Christi. Die Änferstchttng Jesu.
Jesiis in seinem Verhältnisse zuin Volke. Das Bild
Jesu im Lichte der Geschichle. Die Angriffe anf^die

Verloosnngen.

Haupttieffer ? Seric 2382 Nr. 2t 40,000 Frsi, Serie
6816 Nr. 39 4000 FrS., Serie 576 Nr. 5 1000 Frs.

Obrigkeitliche Bekanntmachungen und Privat-Anzeigen.

Großh. bad. Amtsgericht Heidelberg
Bekanntmachung.

Nr. 6522. Jn der Gantmasse gegen Bukbdrucker
Valenttn Wolsschlag hier haven wir die Vermö-
gensabsonderttng zwischrn dem Gantmann und sei-
ner Ehefrau auf den Antrag der Lrtzteren ausqe-
sproLen.

Dies wrrd znr öffentlichen Ke nntniß gebrackt

So geschehen Heidelberg. den 17. März 1865.

Großh. Amtsgericht:

K a h.

(2) __Cisrnhut, Act.

Großh. Amtsgericht Heidelberg.
Bekanntmachung.

Nr. 6482. Gr. Ittstiiministerium hat mit Er-
laß vom 1l. d. Mts. Nr. 2497 grnebmigt, daß
Ludwig Julier dahier (Carlsstraße Nr. 22) als
Stellvertrrter bei Verhinderung einrs Gerichtsvoll-
ziehers odcr Gerichtsboten im oieffeitigen AmtS-
gericktsbezirke verwendrt werde.

Dies wird mit drm Bemerken zur öffrntlichen
Kennti.iß gebracht, daß derselbe in dieser Eigen-
Ickaft verpfltchtet und in den Dienst einaewiesen
wurde.

Heidelberg, drn 18. März 1865.

Großh. Amtsgrricht:

... Kah.

(--!) Eistnbnt.

Großh AmtSgericht Heidelberg.

B e k a n n t m a ch u n g.

^ Rr^. fi4^99^ ^D^.^H^a h n

Heidclberg, den 18. März 1865.

Großh. Amtsgericht:

K a h.

(2)__ _Eiscnhut.

Großh. Amtsgericht Heidelberg.

Bekanntmackunq.

Nr. 6693. Joseph Schweiß von Ladenburg und
Mathias Hester von F^iedrichsseld haben gegen Bäcker-

hie^ eine Forderung von 37 fl. 48 kr. bez. 34 fl7 44 kr.
für Arbeitslohn zu machen und im Vollstreckungsweg
Beschlag auf das Guthaben des Monz bei der Eisen-
bahnbaukasse, sowie später Znweisung erwirkt hätten,
daß aber die Beklagten, worunter auch Bernhard Kirch-

B e s ch l u ß.

Dies w!rd dem Bernhard Ktrchner. dessen Aufent-
haltsort unbekannt ist, nach F 243, 244 d. P. O. anf

So geschb hen Heidelberg, den 17. März 1865.

Großh. Amts-Gericht.

Kah.

(1)__Eisenhut, Act.

E»is Ostern ofsen. in einem gemisch
ten Waarengeschäfl. Näheres unter
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