Heidelberger Zeitung — 1865 (Januar bis Juni)

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beobachtetcn, nicht wenig dazu beigctragen habc»,
ctwa nvch vorhandenc Bedenken zu zersireuen
und die Leute mit der neuen Ordnung der
Dinge »ollständig auszusöhnen. E« smd über-
hauxt allc Anzeichen vorhanden, daß letztere
sich rascher einlebt, alS es von mancher Seite
her gewünscht wird. (B. L.-Z.)

.Hcidelberg, 20. April. Die nord-
amerikanische Union, welche »or dem Bürger-
kriegc nur ein kleines Hcer von 10,000 Mann
besaß, hat jetzt über eine große Armee von ge-
üblen Veteranen zu gebieten, sie befltzt weit-
tragende Geschütze, gepanzerte Fregatten, un-
angrcisbare MonitorS. Nach dem gewöhnlichen
menjchlichen Maßstabe gemesien, ist Amerika
jetzt erst groß gewordcn, und vermag, wenn cs
will. auch sernerhin seine Gcschichte mit Blut
zn schreiben. Ob es nach glücklich beendigtem
Bnrgerkriege alsbald answärtige Kriege begin-
nen wird, mag noch zweifelhaft erscheinen. Dic
Wahrscheinlichkeit liegt jedoch in der Natur der
menschlichcn Dinge. Zwar hat Minister S e-
ward unlängst sehr friedfertige Worte geaus-
sert. Er will Kanada unbehclligt lasien,
falls England gerecht ist, und cr will übcr-
haupt die Politik der Nicht - Zntervention be-
folgen, salls daS Volk der Union nicht cine
andere Politil fordcrn sollte. Es ist abcr nach
Allem anzunehmen, daß das Volk dcr vcreinig-
ten Staaten Znterventionsgelüste an den Tag
legen wird, und England wird thun mögen,
waS cs will, so wird cS der llnion nicht so
gerccht zu werden vermögen, wic diese es ver-
langt. Jn demokratischen Ländcrn wiegen die
Ansichten cinzelncr StaatSmänner wenig. Die
Massen, namentlich wenn sic durch Waffenklang
aujgeregt sind, machen ihre Politik selber. Eine
lurze Zeit der Ruhe wird »ielleicht jetzt in
Amerika cintreten, aber nicht eine Zeit deS Ver-
Irauens. Man wird wedcr in England, noch
in Frankreich d-n Flottenstand einschränken.
Einen Wink gibl uns bercits di« in solchen
Dingcn stctS seinfühlende Pariscr Börse. Auf
die Nachricht von dem großen Siege bei Rich-
mond zeigten die Kapitalisten daselbst iustinkt»
mäßig Beunruhignng und die Fvnds sind jo-
fort ctwas gcfallen.

Leipzig, 17. April. Noch immer schwebt
dic Angelegcnheit der Buchdruckcrgehülfen. Der
neueste Stand der Sachc ist, daß man von
beide» Scitcn übereingekommen ist, eine ge-
mischtc Commission von 11 Mitgliedcrn niedcr-
zuictzcn, wclche einen ncucn Tarif vcreinbaren
soll. Mitglied diejcr gemischten Tarifcommission
ist u. A. dcr um den Austrag dieser Angcle-
gcnheit sehr »erdiente Buchdruckereidesitzer Baron
Tauchnitz. Als ObmanN dcrjelben ist Geheim-
rath Professor v. Wächter gewählt und von
beiden Parteieu bestätigt wvrden. Hofsen wir,
daß aus dicsen Verhandlungcn nun endlich
die AuSglcichung der je längcr je unerträglicher
werdcnden Disierenz hervorgehen mvgcl

Berlin, 10. April. lleber den Entwurs
des Handclsvcrtrages zwijchen Oestereich und
dem Zvllverein crfährt man noch folgende Fest-
sctzungen, wclchc wesentlich mit dcn Bestim-
mnnge» deS Vertragcs vom 10. Fcbruar 1853
übercinstimmen. Die VcrkehrSerleichterungen
betreffcnd, soll bei dem unmittclbaren Ucber-
gang dcr Waaren aus einem Gebiete ins an-
dcrc keine Vcrschlußabnahme und Anlcgung
eincs anderen VerschlufseS, auch kein AuSpacken
,der Waaren stattfiuden. Die beiderseitigen Zoll-
amter sollen sich an demselben Orte befinden.
Wenn Gegenstände odcr Erzeugnisie in dem
einen Gebietc mit inneren Abgaben (Schlacht-
und Mahlsteuer, Consumtionsstcuer u. dgl.)
belastct sind, svllen dieselben Gcgenstände auS
dem andern Gcbiete keine höhere Abgaben zah-
len. Die contrahirenden Thcile sagen sich ge-
gcnseitigc Mitwirkung bei llnterdrückung des
Schleichhandels zu, und zu dicscm Zwecke wird
daS Zollcartel von 1853 erncuert. Stapel-
und Umschlagsrcchte wcrden sür unzuläsiig er-
klärt. Die contrahirenden Theile wcrden dahin
wirken, daß durch Annahmc glcichförmiger
Grundjätzc dcn Arbeitsuchenden aus dem einen
Gebiete cin möglichst weitcr Spielraum in dem
andern gegeben werde. Die Handel- uud Ge-
wcrbtreibenden aus dem andern Gebiete sollen
keinc höheren Abgaben als dic eigenen Unter-
thancn zahlen. Auch die Meßbesucher und Han-
delsreiscndcn sollen keinen außerordentlichcn Ab-

gabcn unterworscn sein. Eben so wenig zahle»
Frachtführer und See- und Flußschiffer eine
Gewerbesteuer. Die contrahirenden Theilc wer-
den ihre Consuln verpslichten, den Augehörigen
deS andern Theilcs gegen nicht höhere Ge-
bühren als von den eigcnen Angchörigen Schutz
zu gewähren. Art. 21 behält den conlrahircn-
den Theilcn das Recht vor, an die Zollstellen
deS andern Beamte zu schicken, um die Ge-
schäftsbehandlung in Bcziehung auf Zvllwesen
und Grcnzbcwachung kcnnen zu lernen. Artl 22
bczieht flch auf die Enclavcn, welche von ver-
schicdenen Bestimmungen des Vertrages auSge-
nommen sind. Art. 23 bestimmt, oaß unmit-
telbar nach der Ratification Commissarie» zu-
sammentreten solle», um die zur Ausführung
dcs Vertrages nöthigen V-reinbarungen festzu-
stellcn. Art. 27 handelt von dcr Ratifica-
tionsfrist. (Rürnb. Corr.)

Berlin, 18. April. Heute erfolgte die
feierliche Legung des GrundsteinS zum KricgS-
dcnkmal. Der König sprach, während er die
Hammerschlägc thal: „Den Gesallenen zum
Gedächtniß, den Lebendcn zur Anerkennung,
dcn künftigen Gejchlechtern zur Nacheifcrung."
Di^Gru^idste^E^

wund-n hal, dem Konig

Berlin, 18. April. Die Anträge des
StaatsanwaltS gegen Zakarewski, Zaraczcwski,
BronikowSki und Lutumski lauten auf zwei
Zahrc, gegen dcu Propst Radicki abcr auf drei
Jahre Zuchthaus, gegcn Oppen aus Posen auf
Frcisprechung.

Kiel, 1k. April. Heutc ist das llrthcil über
die drci Excedenten, welche vor einiger Zeit
cine Schildwache insnltirten, vom Polizeigcricht
gesprochen worden Dcr Maurregeselle, welcher
vor dcm Posten entflohcn war und hintcr dem
Letztcrer gcschossen hattc, ist zu dreimal 5 Tagen
Gefängnißstrafe bei Wasser und Brod, der
Maurcrlehrling zu zwcimal 5 Tagen gleicher
Strafe verurtheilt. Dcr Dritte, ein erst nach
dem Vorsall cvnfirmirter Knabe, ist wegen
seineS jugendlicheu AlterS init 40 Tagen Ge-
fängniß bei gewöhnlicher Gefangenenkost belegt
worden.

Rcndsburg, 18. April. Zur Feier der
Schlacht bei Düppel fand große Reveillc. und
einc Paradc der Prcußen statt. Die Stadt hat
ihren Flaggenschmnck cntfaltet.

Wicn, 19. April. Di- Kieler LandcSregie-
rnng hat nach crsolgtem Protcste des Barons
v. Halbhuber gcgen die commissarischen Vorer-
hcbungcn Prenßens ihren aus Vorschublcistung
dcrselben gerichteten Erlaß zurückgezogen.

Krankreich

Marseillc, 19. April. Briefe auS Kon.
stantinopel vom 11. d. M. melden, drß der
Vicekönig von Egypten nächstens in Konstan-
tinopel erwartct wird, um den Verlobungs-
feierlichkcitcn eineS Prinzen der Familie beizu-
wohne«. Der Widerstand gegcn die »om grie-
chischen Patriarchen eingesetzte Abgabc wird in
Bulgaricn allgemein.

Der „Courrier d'Orient" meldct, daß die
Polizci Handelstreiber verhaftet hat, welche 80
dcr circassischen Emigration angchorende junge
MLdchen und Knabcn entsührt hatten, um ste
als Sklaven zu verkaufen; die Pforte ist ent-
schlosien, dieseS Trciben nicht zu dulden.

E » g l a » d

Lvndvn, 19. April. Wie der „Herald"
aus Nordamcrika meldet, hat Campbell mit
dcm Präsidenten Lincoln Friedensverhandlun-
gcn erösinet.

Z t a l i e n.

skurin, 14. April. Dic Wohnungsnoth in
Florenz überstcigt alle Bcgrisie und droht schr
bedenklichc Verhältnisse anzunehmen. Auf den
1. Mai sind 1500 Familien die Wohnungen
gekündigt, ohne daß es diesen möglich gewesen
wäre, andere zn sinden. Sie haben daher ein-
stimmig -rklärt, ihre Wohnungen nicht zu bcr-
lasien und selbst der Gewalt Gewalt entgegcn-
sctzen zu wollcn. Die Regierung kann nicht
längcr theilnahmslos bleiben, entweder muß sie
diesen auf das Pslaster gesetztcn Leuten oder
ihren Beamten, dic deren Wohnungen gemie-
Ihet haben, für llntcrkunft sorgen, sonst könnte
der Einzug der Rejidenz allerdings ein sataler
wcrden. — Der „Sch. M." crzählt noch fol-
gende erbauliche Geschichtchcn: Zu Marsico-
Nuovo cntführte cin Geistlicher das dreizchn-
jährigc Mädchen einer angcsehencn Familic,
ohne daß man bisher des Entführers und des
Opfers hättc habhaft wcrden können. Zu Ge-
nua tödtcle cinc Mutter ihr zweijähriges Kind
in siedcndem Wasscr, und zu Pescopagano in
dcr Basilicata hatte am letztcn Marientage einc
Geißlerprozesfion statt. Sind dieß die Früchte
dcr Encyclica?

Turin, 18. April, Abends. Die Kammer
j-tzt dic Discussion der Finanzprojecte fort.
Hr. Allieri vertheidigt die Projecte. Hr. Boggio
nimml sie an, wcist jcdoch die Anleihe zurück.
Hr. Baldachini verlangt die Rcducirüng der
AuSgaben.

D ä » e in a r k

Kopenbageu, 18. April. Die heutige
„Berlingske Tidendc" bringt einen osienen Brief
des Königs vom 15. April, durch welchcn die
jetzige ReichslagSsesiion geschlosien wird.

T P a n i c »

Madrid, 18. April, Abcnds. Die „Epoca"
jpricht von Gerüchten einer Ministerkrists. Man
glaubt, daß allein ein ParlamentSvotum den
Sturz des MinistcriumS vcrursachen könntc.

A m e r i k a.

Newyork, 4. April. Ein furchtbares Un-
glück zur See ist am 29. März an der Küste
vvn Nvrdcarolina geschehen. Das bundeSstaat-
lichc TranSportschisi „General Lyon", welcheS
mit S00 Menschen an Bord auf dcm Wege
von Wilmington nach Monroe war, gerieth in
der NLHe von Cap Hattcras in Brand; die
Flammen zu dämpfcn aelang nicht, und daS
Schisi war in Zeit weniger Stunden ein Wrack.
Nur 29 Soldaten gelang es, die Küstc zu cr-
reichen; die übrigen (unter ihnen 204 Mann
des 56. Zllinois-Rcgiments) kamen in den
Wogen um; denn auch die Rettungsboote
konnten dcr stürmisch ausgeregten See nicht
Stand halten.

Newyork, 8. April. Hrn. Seward ist -in
Unfall in seincm Wagen widcrfahren; indem
er mil demselben stürzte, brach er den Arm,
aber er befindct sich besser. — Der „Herald
sagt, der Richter Campbell habe FriedenSunter-
handlungen mit Hrn. Lincoln angeknüpst.

Newyork, 8. April, 5 Uhr AbendS. (Mit
d-m Dampfer „Damascus".) Die Rebellen
wurdcn von Danville-Road nach Lynchburg ge-
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